EINE BAMBERGER BAUMEISTERFAMILIE UM DIE WENDE DES i7. JAHRHUNDERTS. oA STUDIEN ZUR DEUTSCHEN KUNSTGESCHICHTE 34. HEFT. EINE BAMBERGER BAUMEISTERFAMILIE UM DIE WENDE DES 17. JAHRHUNDERTS. EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE: DER DIENTZENHOEER. VON OTTO ALBERT WEIGMANN. MIT 28 ABBILDUNGEN IM TEXT UND 32 LICHTDRUCKTAKELN. STRASSBURG J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel) 902. MEINEN ELTERN. Inhaltsübersicht. Vorwort (S. 1). Einleitung - (S. 3): Ueberblick über die Baug’escbichte Bambergs: Bedeutung von Dom und Residenz (S. 4); baulicher Zustand im 17. Jahrhundert. — Darniederliegen der Kunst infolge des grossen Krieges (S. 4); Berufung auswärtiger Meister (S. 5): Justus Glesckher von Frankfurt zur Domrestaurierung, König aus Wiirzburg zur Stephanskirche; dieser unfähig; Berufung Antonio Petrini’s. — Charakter s. Baukunst (S. G), Marquardsburg. — Eindringen der Italiener (S. 7): dagegen Opposition (S. 8). — Deutsche Meister: der Stukkateur Joh. Jak. Vogel, der Baumeister Joh. Leonh. Dicntzenhofer (S. 8). — Sein Eingreifen ohne wesentlichen Einfluss auf die Entwickelung der Baukunst; seine Bedeutung seither überschätzt (S. 9); gleichzeitig wirkende Meister in B. (S. 9). — Aufgaben der Baukunst zu Ende des 17. Jahrhunderts: bürgerliches Wohnhaus (S. 9); Klosterbauten (S. 10); Schlossbau (S. 10). — Bedeutung der Grafen von Schönborn für die Entwicklung der Baukunst (S. 10). — Kirchenbau : die Sammlung fränkischer Pläne im Nationalmuseum zu München (S 11). I. T e i 1. Leben und Wirken der Dientzenhofer (S. 15). Herkunft der Familie: Aibling (S. 16). — Die einzelnen Träger des Namens. — Georg D. der ältere (S. 18) und seine 5 Söhne: 1. G e o r g D. d. J. (S. 19). WaldsassenerKlosterbau; die Kappel (S. 20). 2. Johann Leonhard D. (S. 20) in Waldsassen; in Ebrach 'S. 21), Bamberg, bischöft. Dienst (S. 21); Hofbaumeister; Kaufmann (S. 22); s. Klosterbauten (S. 23); Beziehung zum Bayreuther und Ansbacher Hof (S. 24); churmainzischer Architekt (S. 25); s. Schlossbauten und sonstige Thätigkcit (S. 26); Herausgabe des theatrum architecturae civilis (S. 27); s. Bildungsgrad (S. 28); s. Ausbildung als Baumeister (S. 28); sein guter Huf (S. 29); Anfeindung (S. 30); Stellung zu Lothar Franz (S. 30); geehrt von seinen Mitbürgern, s. Aemter (S. 31); Charaktereigenschaften (S. 31); s. Tod (S. 32). 3 .T o h a n n D i e n t z e n h o f e r (S. 32), s. Bedeutung gegenüber Joh. Leonhard (S. 32), französische Einflüsse (S. 33), Aufenthalt in Bamberg (S. 34), Romreise (S. 35), Stiftsbaumeister in Fulda (S. 36), dortige Bauten (S. 36), Uebersiedelung nach Bamberg zum Pommers- feldener Schlossbau (S. 38), Bamberger Hofbaumeister (S. 38), Banz, sonstige Bauten im Bamberger Sprengel (S. 38), Schloss Kleinheu- Vlll bacli, Holzkirchen, spätere Fuldaerbauten (S. 39), Stellung zu s. Bauberrn (S. 40), Job. Dientzenbofer als Mensch (S. 40), stete Geldnot (S. 41; strenge Zucht im Bauwesen (S. 42); D. in der Lokaltradition ; sein Tod (S. 42). 3a. Sein Sohn Justus Heinrich Dientzenbofer, identisoh mit Job. Heinr. (S. 43), seine Werke (S. 43), unbedeutende Stellung (S. 44), s. Charakter, s. Aemter, s. Tod tS. 44). 4. Christoph Dientzenbofer in Waldsassen; in Prag; Begründer der böhmischen Linie (S. 45). II. T e i 1. Die einzelnen Bauwerke (S. 47). 1. Waldsassen; die Jesuitenkirche in Bamberg; Walldürn. — Wie kommen die Dientzenbofer nach Waldsassen? Fürstenfcld? (S. 49) Prag? — Italienische Vorbilder (S. 50). — Streben nach Selbständigkeit. — Abraham Leuthner von Grundt (S. 50): Klosterkirche in Waldsassen, s. Tafelwerk. — Georg Dient- zenhofer (S. 51): Dreifaltigkeitskapelle. — Fortbildung in den Neumanirsclien Entwürfen zur Burgwin dheimer Wallfahrtskirche (S. 53). — Jesuitenkirche in Bamberg, Pläne von Georg Dientzenhofer (S. 54). — Pozzos Pläne? (S. 54) — Grundriss und Fagade, Zierformen; Baudaten (S. 50). — Für Walldürn von vorbildlicher Bedeutung: System des Langhauses beiden gemein (S. 57). — Ausführender Baumeister: Petrini? Job. Leonh. Dientzenhofer? — Bau des Kollegiums (S. 58). 2. E b r a c h und Schönthal (S. 58). Anlass zum Neubau in Ebrach, Berufung Job. Leonh. Dientzenliofers (S. 60p — Aufgabe, die seiner harrte: lediglich Zweckmässigkeitsbauten, das Künstlerische unselbständig (S. 61). — Quelle von Dientzenliofers Formensprache (S. 62). — Die grosse projektierte Fagade (S. 62), das System der Höfe (S. 63), Prinzip der Raumdisposition (S. 63). — Vorgeschichte des Baues: frühere Anlage, Oelbild von 1683, Dientzenhofer’s Grundrissaufnahme (S. 64). — Neue Projekte (S. 65): die verschiedenen Plangruppen (S. 66). — Die Ausführung: vorhandene Baurechnungen (S. 67), Dientzenhofer’s Grundstock (S. 68), Fortsetzung nach Plänen B. Neumanns durch Josef Greising (1716) (S. 70). — Die neuen Trakte (S. 71) und deren Würdiguug (S. 72): die Fagade des Mittelbaues (S. 73), westl. Schauseite (S. 74). — Die Aula und deren Ausschmückung durch Hönnicke, Lünenschloss, Re- mela u. A. (S. 75). — Das Treppenhaus (S. 76). — Die anderen Bäume (S. 78). Mit dem Ebrach er Neubau zusammenhängende Bauten: Die Amtshöfe in Ober- und Unterschwappach, Mainstockheim, Sultzheim, Burgwindheim (S. 78). — Nur die 2 ersten aus Dientzenliofers Zeit, die anderen vermutlich von Neumann (S. 79). — Burgwindheim i. b., Innendisposition, Aussenarchitektnr (S. 81). — Die Gartenpavillons für Ebrach (S. 82). — Dientzenhofer’s Thä- tigkeit für Schönthal, vermittelt durch Ebrach (S. 83). — Geschichte IX der Neubauten: 3 Bauperioden (S. 83). — Anteil D.'s am Klosterbau. — Der Kirclienbau (S. 84), Balthasar Neumann? (S. 85). 3. Die bischöfliche Residenz in Bamberg; Langgas s k a s e r n e und Thor (ä. 85). — Sie gilt allgemein für uuausgebaut: es sei symmetrischer Ausbau ursprünglich geplant gewesen (S. 87), Grundriss von 1733; die Probst’schen Pläne, die Küchel- schen Pläne (S. 89). — Aus den Akten ergibt sich die Unrichtigkeit dieser Annahme (S. 89). — Beweis: a) die Dros’schen Plan e, ihre Datierung (S. 90). b) die Geschichte des Baues: Lothar Franz von Schönborn und die Bestimmung der Wahlkapitulation (S. 90). — Die früheren Hofhaltungen (S. 91). — Beginn des Neubaus, zunächst Ausbau der beiden hintern Flügel (1695) IS. 92). — Die vorderen Flügel nach dem Domplatz (von 1697 an) (S. 94). — Absicht, den Bau bis zum Burg-Thor fortzuführen (S. 95). — Hauptkontrakt vom 8. Aug. 1697 (S, 97). — Fortgang des Baues im Jahre 1698 (S. 97). — Verlegung des Treppenhauses und Hauptportals, abhängig von der Kelleranlage (S. 98); um 1700 auch die beiden vorderen Flügel fertig; das Projekt des abschliessenden Pavillons (1700) (S. 99), Ausführung desselben von 1702 an. — Ausschmückung des Giebels über dem Einfahrtsportal (S. 100). — Abrechnungen mit dem Baumeister 1704 und 1707 (S. 101). c) Die aus der örtlichen Lage sich ergebende U n Wahrscheinlichkeit des symmetrischen Projekts (S. 101). d) Erklärung der Zahnsteine an der Ecke des Mittelflügels (S. 102); der ehemals bestehende Verbindungsgang (S. 103). Kunstgeschichtliche Würdigung des Baues (S. 104). — Der Baumeister gebunden durch bestehende Bauten (S. 105). — Einfache Nebeneinanderreihung der Gemächer. — Deren Bestimmung (S. 106). — Der Kaisersaal und seine Ausstattung durch Malerei und Stuckplastik (S. 106). — Die Holzarchitektur, System der Aussenarchitektur (S. 107). — Die Bedeutung des Baues (S. 108). — Langgas s- kaserne und Thor (S. 110). 4. Die Schlösser Favorite, Gaibach, Tiesdorf (S. 110). Favorite. Nicht von Joh. Leonh. Dientzenhofer, Ingenieur Welsch? Abweichender Stil der Mainzer Bauten (S. 111). — Kaspar Herwarthel (S. 112). — Die Anlage der Favorite (S. 112). — Gaibach (S. 113) die Anlage des Schlosses; Geschichte (S. 114) ; Aussenarchitektur; Treppenhaus (S. 115). — Triesdorf ^S. 115) . — Stuckdecken. — Brunnen im Hofe (S. 116). 5. Benediktine rklostcr Banz und dieBainbergcr Klöster (S. 116). — Zweckmässigkeitsbauten. — Banz: frühere Anlage (S. 117), Kupferstich aus Meisners Städtebuch, Neumannscher Grundriss (S. 118). — 4 Bauzeiten. — Geschichte des Baues im Einzelnen (S. 120): Abtei. Refektorium, Convent, unter Joh. Leonh. erbaut. — Die Kirche: Johann Dientzenhofer’s Werk? X (S. 121). — Die Neumann'schen Bauten (S. 122). — B etrachtung dieser Bauten (S. 124) i. b. der Kirche (S. 125), die Ausstattung derselben (S. 126), die Fagade (S. 127). —Vorbild (S. 128). — Guarini ? — Zusammenhang mit St. Margareth in Brevnov bei Prag (S. 129). — Stellung der Banzer Kirche im Lebenswerk Johann D.’s (S. 129). — Kloster Michelsbcrg in Bamberg (S. 130). —• Grundriss. — Die Thätigkeit der verschiedenen Meister : Joh. Leonh. D. und Neumann; von ersterem die K i r c h e n f a q a d e (S. 131), deren Aufbau (S. 132). — Inneneinrichtung der Kirche, Choranbauten, vielleicht von Johann Dientzenliofer (S. 133); die Neumann’schen Bauten iS. 133 1 . — Karmeliterklostcr (S. 133), Fagade, Innendisposition (S. 134). — Dominikanerkloster (S. 134). — Propstei St. Getreu (S. 135). li. Der Domii F u 1 d a u n d die sonstigen Fuldaer Bauten (S. 135). — Aehnliclikeit der Fuldaer und Bamberger Bauweise (S. 135). Johann Dientzenliofer, Stiftsbaumeister iS. 136). — Die Pläne für den Dom, Dientzenliofers Werk (S. 136), Ferdinand Fuga, Carlo Fontana? (S. 137). — Die verschiedenen Bauakkorde und Entwürfe (S. 138). — Organisation der Bauhütte (S. 140). - Die Baudaten (S. 142). — Würdigung des Baues (S. 143). — Die Fa?ade (S. 143). — Innendisposition (S. 145). — Der Dom ein Barockbau ? (S. 146). — Der Bau der Dechantei S. 146). — Schlossbau (S. 147); Aeusseres, Kaisersaal (S. 149). — Die Stuckdekorationen. — Die Orangeriegebäude |S. 150). — Schloss Bieberstein (S. 151). — Schloss Dermbach (S. 153). 7. S c h 1 o s s Weissenstein ob Pommersfelde n. (S. 153).—Nachweis der Urheberschaft Johann Dientzenliofers (S. 153). — Die Bedeutung des Schlosses (S. 154). — Die Bauge- schiclite. — Nitschke? Loyson? (S. 155). — Das alte Truchsessenschloss. (S. 156). — Die Baudaten des oberen Schlosses (S. 157), 1711 bis 1719 (resp. 1730). - Die Innenausstattung: D.’s Werk? (S. 161) — Die Kosten (S. 162). — Einzelb etrachtung (S. 163): Grundrissentivicklung. — Vorbild : von Versailles ? (S. 163). Decker’s «fürstlicher Baumeister» ? (S. 164). — Aussenarchitektur (S. 164), französische Bauregeln. — Innendisposition (S. 166). die kurfürstlichen Gemächer (S. 166), Chambre de parade (S 167), Ausstattung der anderen Zimmer, das indianische Zimmer (S. 168), die Gemäldegallerie (S. 169), Gruppierung der übrigen Zimmer, der 2. Stock, die Kapelle (S. 169), farbige Zusammenstimmung der Zimmer (S. 171), Stuckdecken, das Treppenhaus und seine Ausschmückung (S. 171), ovaler Vorsaal (S. 175), Marmorsaal (S. 175), Gartensaal (S : . 177), Gartenarchitektur iS. 178). — Bedeutung des Schlosses in der Zeit seines Entstehens (S. 178). 8. Die Schlösser Kleinheubach, Uhlstadt, J ä g e r s b u r g, die Kirche in Litzendorf; die Entwürfe für H o 1 z k i r c h e n. Klei n heu buch, Baudaten ; (S. 179). — XI Anlage des Schlosses (S. 181|. — Miltenberg. (S. 18-2). - Uhlstädt (S. 182). — Plandisposition. — Jägersburg (S. 183). — L i t z e n d o r f e r Kirche (S. 184). — Propstei H o 1 z k i r c, h c n (S. 18,1). — Dientzenhofers Pläne (S. 186). Ausführung nach Neumann’schen Entwürfen (S. 187). 9 Privatgebäude: Concordia und Prellhaus (a. Judengasse 14) (S 188). — Die Johann Leonli. Dientzenhofer zugeschriebenen Gebäude (S. 189). — Datierung der Concordia (S. 189). — Johann Dientzenhofer, der Architekt dieses Hauses (S. 199). — Vergleich mit dem Pommersfeldener Mittelbau; nahe Verwandtschaft mit der Keumann’schen Kunst (S. 190). — Grundriss des Gebäudes (S. 191) — Prellhaus (alte Judcngssse 14), Stilistische Aehn- lichkeiten mit Concordia und Pommersfelden (S. 191). — Ungefähre Datierung auf Grund des verwendeten Ornaments (S. 192). — Ueber- blick über die Entwicklung des Ornaments um die Wende des 17. Jahrhunderts (S. 192). — Grundriss (S. 193), Parade (S. 194), Hof \S. 195). Schlusswort. (S. 196). Verzeichnis der Abbildungen (S. 199). Verzeichnis der erwähnten Bauten (S. 201). Verzeichnis der Künstler und Handwerker (S. 203), Berichtigungen (S. 204). .JV.-i:.i . x .i- V.i i iv Pf BlflLRf Jt£ s II |g.i.a[ i S. Irr n rm ' m ,V»- i 1 .'un-lilM.mll.v l.nucll.'r. X ! tttgiE) , MtiBl MßDfflHKI...._ r^sTtV".’ ’lsißHiß' j L ivuiii m; Äh,(„i5-.l .„..-ii p.-,- , iSll'Vllli'lllltll.» I jniL“ I’. G' 1. &Ä-» fc •Vth Mi uiil.rh > I i nt} > I S ■c «!$iuiuV iVfi milVfiivii La D. jlj ^i hi^ »Vf* t>l>rivn r;. ‘- '* l.l r ■'* jf/'i .i.'i.vis ./// ( l.d.'.ui Je c/tufse, ,1- c). . Orloi;'i-,ij)lii|H). , '-.G5niiit> -. r Vi|^c imt» tVh ^nfl) C^. t llcn.v. i.tiiinir / tV.y.v. \V iOa/z/Avv/. neue. -ViM-ll .SrljlfllTi'y•• /‘ >r .'// öZ.'/wf. ^ “Sliru llmlti*» tiVt-fjof Iinmiii-, Abb. 1. Schloss Seehof (zu Seite 6). Vorwort. Die kunsthistorische Bearbeitung der Barocke hat mit einem doppelten Uebelstand zu kämpfen: wenn es auch nicht an älteren Vorarbeiten für diese Zeit fehlt, so sind dieselben doch, bei dem früher mangelnden Interesse für jene Kunst, durchgängig nur von geringem Werte, da sie einerseits in ihrem historischen Teil nur höchst unzuverlässige Quellen bieten, andererseits von einer kunstgeschichtlichen Würdigung in der Regel vollständig absehen. Demgemäss ergibt sich als Programm für die Neubearbeitung jener Kunstphase zunächst die Klarlegung der historischen Thatsachen, — eine Aufgabe, die gleichbedeutend mit der Beseitigung endloser Irrtümer der seitherigen Litte- ratur, Dank dem vielfach noch vorhandenen Aktenmaterial häufig von guten Resultaten begleitet ist. Erst auf einer so gewonnenen sicheren Basis wird auch die stilgeschichtliche Untersuchung, deren vergleichender Darstellung eben vorerst durch die lückenhafte Verarbeitung des Denkmälerschatzes noch enge Grenzen gezogen sind, zu brauchbaren Ergebnissen führen. — Dieses Ziel wird am sichersten durch monographische Darstellung erreicht werden, wobei eine ausführliche Beschreibung auf Eigenart und Bedeutung der Einzelformen hinzuweisen hat. Diese allgemeinen Gesichtspunkte waren auch bei Anlage und Disposition der vorliegenden Studie über die Baumeisterfamilie Dientzenhofer massgebend, deren Ergebnisse zum weitaus grössten Teil auf eigenen Forschungen beruhen. Ein kurz nach Beendigung der ersten Ueberarbeitung des Stoffes in Prag erschienenes Werk: Schmerber, Beiträge zur Geschichte der Dintzenhofer, wurde nur in einigen wenigen, durch An- i merkung gekennzeichneten Punkten beigezogen. Da dasselbe ausführlicher nur die Bauten des Prager Zweiges der Familie würdigt und i. b. die Hauptschöpfungen der fränkischen Meister: Kloster Ebrach, Bamberger Residenz, Schloss in Pommersfelden, so gut wie unberücksichtigt lässt, ist der Zweck der vorliegenden Arbeit in keiner Weise beeinträchtigt. Der historische Teil der Studie erforderte eine eingehende Archivarbeit, bei welcher ich in entgegenkommendster Weise von den Herren Vorständen der Archive in Amberg, Bamberg, Charlottenburg, Darmstadt, Karlsruhe, Mainz, Marburg, München, Nürnberg, Stuttgart, Wien, Worms und Würzburg unterstützt wurde. Ihnen, sowie den Herren Bibliotheksvorständen in Bamberg, Fulda und Würzburg sei an dieser Stelle der herzlichste Dank gesagt. Erlaucht Herr Graf von Schönborn genehmige den Ausdruck ergebensten Dankes für die freundliche Eröffnung der Privatarchive in Pommersfelden und Wiesentheid, bei deren Durchsicht ich von Seiten der gräflichen Herren Beamten die weitgehendste Unterstützung fand. Auch das fürstlich Lüwenstein-Wertheim-Rosenberg'sche Archiv wurde mir in dankenswerter Weise zugänglich gemacht. Durch die Bereitwilligkeit eines Bamberger Privatsammlers, des Kaufmanns Herrn Otto Dros, der mir die Benützung seiner reichhaltigen Sammlung in liebenswürdigster Weise gestattete, wurde ich in die Lage versetzt, der Arbeit einige wichtige Originalpläne in Abbildung beigeben zu können. Einleitung. Von der Höhe des Bamberger Petersberges ragt, weithin sichtbar und das Stadtbild bestimmend, der majestätische Dom Heinrichs II.; zu seinen Füssen lagert in breiter Masse, ein Hüter des an vertrauten Hortes, der stattliche Bau der ehemals fürstbischöflichen Residenz. Hehr und gewaltig ist die Sprache, die aus diesen Werken zu uns spricht; beredter als Chronik und Urkunden erzählen sie aus Bambergs stolzer Vergangenheit, und in markigen Zügen entrollen sie ein Bild der Geschichte des Bistums, von der glanzvollen Epoche höchster kirchlicher Macht bis zu den Zeiten, in welchen das geistliche Fürstentum in äusserlich weltlichem Prunk Befriedigung und Trost für den Untergang seiner politischen Bedeutung suchte. So umgrenzen Dom und Residenz gleichsam als die beiden monumentalen Pole den Entwicklungsgang des Bistums. Aber nicht nur in politischer Beziehung können sie als die Wahrzeichen der Stadt gelten; sie sind auch die Marksteine in der Geschichte seiner bildenden Künste. Denn in ihnen spiegeln sich die beiden Blüteperioden wieder, in denen sich die Bamberger Kunst zu führender Stellung im Frankenland emporgearbeitet hat. In der Zeit des Ueberganges von der romanischen Stilepoche zur Herrschaft der gothischen Bauweise ersteht — ein gothischer Gedanke in romanischer Umhüllung — der gewaltige Dom in neuer herrlicher Gestaltung. Alle die grossen Bestrebungen der vorangehenden romanischen Bauperioden ’ 1 S. B. Riehl, Denkmale frühmittelalterlicher Baukunst. 1888. S. 131 ff. 4 des 11. und 12. Jahrhunderts finden in ihm ihren zusammenfassenden Ausdruck und Abschluss. Naturgemäss trat nach Vollendung dieser hervorragendsten Aufgabe Bambergs Baukunst wieder zurück; die Führung übernahmen in der gothischen Epoche die aufblühenden benachbarten Reichsstädte, deren neuen grossartigen Kirchen Bamberg in seiner oberen Pfarre Ebenbürtiges nicht zur Seite stellen kann. Auch die deutsche Renaissance vermochte in der alten Bischofstadt, den verein- zelnten Bau der alten Hofhaltung ausgenommen, nicht festen Fuss zu fassen. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts setzt wieder ein frischer lebendiger Zug in der Bamberger Baukunst ein. Allenthalben, in Stadt und Land, hebt in dieser Zeil, geweckt durch das Vorbild der Klöster, jene fieberhafte Bau- thätigkeit an, die binnen weniger Jahrzehnte dem Gesammt- bild der fränkischen Architektur einen völlig veränderten, einheitlichen Charakter verleihen sollte, und am Anfang dieser erneuten Blütezeit steht nun als deren vornehmster Repräsentant die bischöfliche Residenz in Bamberg. Wenn auch die Bauten der Stadt selbst als die ersten ihrer Art bald an Bedeutung hinter den auswärtigen Schöpfungen zurückstehen, so bleibt Bamberg doch bis ins 3. Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts an leitender Stelle; Bamberger Baumeister und Gesellen sind es, denen man in jener Zeit fast überall bei den massgebenden Bauten des Frankenlandes begegnet. Verursacht wurde diese Neubelebung der Baukunst, deren Klarlegung, das Ziel der folgenden Untersuchungen ist, durch den kläglichen Zustand, in den die ohnehin höchst einfache fränkische Archilektur während der langen, schweren Kriegsjahre gekommen war. Wohl war man stets bestrebt gewesen, die schlimmsten Schäden und Zerstörungen — soweit es die finanzielle Lage gestattete — jeweils bald zu beheben; aber die so entstehenden Bauten waren nur notdürftige Wiederherstellungsarbeiten, die mit Baukunst wenig gemein hatten. Jedwede grössere Aufgabe fehlte; so war denn, in natürlicher Folge der mangelnden Beschäftigung der Bauleute, die Architektur allmählich gänzlich in Verfall geraten; und mit ihr lagen auch die Schwesterkünste darnieder. Als dann nach dem westfälischen Frieden mit wieder- o kehrendem Wohlstand auch das Bedürfnis nach einer künstlerischen Gestaltung der notwendigen Neu- und Umbauten wieder erwachte, als es galt, grössere Bauaufgaben, deren Lösung durch den Krieg unterbrochen worden war, wieder aufzunehmen, fehlte es an einheimischen Meistern; man war genötigt, nach auswärtigen Künstlern sich umzusehen. Das erste Ereignis von künstlerischer Bedeutung war in jenen Zeiten neu erstarkenden Kunstsinns die Wiederherstellung des Doms (1648—53). Für die Architekturgeschichte nur von untergeordnetem Interesse, bietet sie für die (noch gänzlich unbearbeitete) Geschichte der Barockplastik einen bestimmt fassbaren Ausgangspunkt. Denn es wird berichtet, dass man damals zur Anfertigung der bedeutenden Skulpturen 1 für die 3 neuen Altäre einen Bildhauer aus Frankfurt a. M., Justus Glessckher, berufen hat (1651). Nach Würzburg wandte man sich dann (1657), um in dem Baumeister Nikolaus König den Leiter der Ausbauungs- arbeiten an der Stephanskirche 2 zu gewinnen, welche 1627 nach den Plänen eines Brandenburgers, Valentin Juncker in Bayersdorf, unter dem fürstlich bambergischen Baumeister Johann Bonalino 3 begonnen, aber nur in ihren Chorteilen vor Beginn des Krieges vollendet worden war. Die Wahl war eine unglückliche; der Baumeister König erwies sich unfähig, und das von ihm erbaute Langbaus musste schon nach 15 Jahren wieder eingelegt werden. Als Retter in der Not erschien nun der Architekt, der in jener Zeit das Bauwesen im Würzburger Bistum beherrschte, der Italiener Antonio Petrini. 4 1 Die für ihre Entstehungszeit merkwürdig ernsten Bildhauerarbeiten wurden bei der Domrestauration (von 1828-44) als barocke Zuthaten wieder beseitigt. Aus der Sammlung des Martin v. Beider (dem sie bei der Versteigerung um 16 fl. 20 kr. zugeschlagen -worden waren) gingen sie teilweise (Crucifixus, Maria, Magdalena, Johannes, Salvator u. einige Engel) in den Besitz des Schreinermeisters Dennefeld über, aus dessen Nachlass sie der Kaufmann Dros in Bamberg erwarb. Ueber die Herkunft dieser interessanten Bildwerke berichtet die erhaltene Baurechnung im kgl. Kreisarchiv Bamberg. 2 Fiir diese Nachrichten ist Quelle : Jäck, Bamberger Jahrbücher. 3 Bonalino war 1625 an Stelle des verstorbenen Baumeisters Globetli mit einem Jahresgehalt von 115 fl. im bischöflichen Dienst angestellt worden. 4 Sein bekanntestes Werk ist die Kirche des Stiftes Haug in Würzburg. 6 Unter seiner Leitung wurde denn auch die Kirche, deren Chor und Turm vom alten Bau übernommen werden konnten, in den Jahren 1677—SO vollendet. —Für die Entwicklung der fränkischen Baukunst war die Stephanskirche nicht ohne Bedeutung; denn mit ihr hielt die italienische Spätrenaissance in Bamberg ihren Einzug. Die strengen dorischen Formen der äusseren Wandgliederung, wie sie Petrini nach Juncker’s Vorgang auch an den Langschiffmauern zur Verwendung brachte, blieben fortan im Kirchenbau in ständigem Gebrauch. Gleichzeitig tritt aber bei diesem Bau auch schon das charakteristische Merkmal der Barocke, die schwere, breite Wucht der Massen, in die Erscheinung, und vor allem an der Faqade äussert sich ein völlig barockes Kunstempfinden. Häufung der Zierglieder, schwere Verkröpfungen, weit ausladende Bauteile verraten nur zu deutlich, in welche Bahnen die Bamberger Baukunst durch die fremden Meister gelenkt werden sollte. — Die Stephanskirche blieb im Bamberger Sprengel nicht der einzige Bau Petrini's. 1686 entschloss sich der Bischof Marquard Sebastian von Stauffenberg. durch ihn auf dem nahen Seehof (eine Stunde nordöstlich von Bamberg) ein neues Jagdschloss aufführen zu lassen, die später nach ihm benannte Marquardsburg. 1 Diese Anlage (Abb. 1) ist insofern von besonderem Interesse, als sie noch einmal in später Zeit mit. vollkommener Klarheit die Grundform des französischen Renaissanceschlosses wiederspiegelt, dessen vier Flügel, an den äusseren Ecken durch Pavillons mit Turmaufsatz verstärkt, um einen quadratischen Hof gelagert sind. Durch den Strassburger Meister Georg Ridinger war dieser Typus, dessen Ur- 1 S. Kleiner, Accurate Vorstellung des hoclifürstl. bamberg. Jagdschlosses Marquardsburg. Augsburg, Jerem. Wollt. 1731. — Diese Aufnahme ist, was den Aufriss anlangt, ungenau; sie geht vielleicht auf ältere Zeichnungen zurück. Aktenmässig steht fest, dass die Türme 1711 von dem Hofbaumeister Johann Dientzenliofer einem Umbau unterzogen wurden; wahrscheinlich sind in dieser Zeit auch die heutigen Mansardenfenster an Stelle des niedrigen 3. Stockwerks aufgeführt worden. Später wurden unter Neumann (1729) und Küchel (1737) abermals Veränderungen ausgeführt; die äusseren Portalbauten und die Waclithäuser wurden erst damals gebaut. S. Schöpf, d. Marquardsburg od. Schloss Seehof. Bamberger Gymnasialprogramm 1863/4. bild am klarsten in dem burgundischen Schlosse Ancy le Franc 1 (um 1545 erbaut) zu Tage tritt, in einem hervorragenden Beispiele, dem Aschaffenburger Schloss 2 (als Residenz der Mainzer Erzbischöfe 1605—13 erbaut) in Franken eingeführt worden, und von dort verpflanzte ihn der Würzburger Architekt Petrini nach Bamberg. 3 Nur in der Beifügung der Korridore an der Hofseite liegt in Seehof eine Neuerung, die man wohl aus B'equemlichkeitsrücksichten eingeführt hat. Die Aussenarchitektur zeigt die beliebten Rundbogen- und Dreiecksgiebel der Fensterverdachungen in barocker, unverstandener Anordnung über durchlaufenden Gurtgesimsen. Der Bau ist im wesentlichen 1695 vollendet. 4 Die Berufung des welschen Baumeisters hatte naturgemäss das Eindringen des italienischen Elements in den Bamberger Baubetrieb zur Folge gehabt, da sich der fremde Meister seiner geübteren Landsleute auch als ausführender Kräfte mit Vorliebe bediente. (So wird z. B. als Werkmeister beim Bau der Stephanskirche der Italiener Hieronymus Turra genannt.) Aber nicht nur im Baugewerbe, auch in dem eng damit zusammenhängenden Stuckatur-Handwerk hatten die Ausländer allmählich die Führung an sich gerissen: Zu Ende der 80er Jahre, waren nicht weniger als 4 selbständige fremde Meister: Jakob und Antonio Taurelli, Bernhard Quadro und Johann Baptista ßrenno (der letztere aus Mendrisio) gleichzeitig in Bamberg thätig. Gegen dieses Ueberwiegen auswärtiger Arbeitskräfte regte 1 Vergl. d. Grundriss bei Liibke, Gesell, d. Renaissance in Frankr. 2. A. 1885. S. 275. 2 S. Georg Ridinger, Architektur des cliurfürstl. mainzischen Schlossbaues St. Johannspurg zu Aschaffenburg. Maintz 1616. 3 Die Abhängigkeit vom Aschaffenburger Schloss tritt noch deutlicher als in der Ausführung in einem Entwürfe der Sammlung Dros zu Tage. 4 Die fürstlichen Kammerabrechnungen verzeichnen folgende Ausgaben für den Bau: 1686/7 . 517 fl. 1688/9 . .... 7430 ., 1689/90 6590 ., 1691/92 5862 2 bz. 1692/93 4809 .. 5 bz. 1693/94 2003 . 1694/95 836 „ 8 sich aber bald in den Kreisen der Auftraggeber sowohl als der einheimischen Meister eine gewisse Opposition. Dieselbe gerechte Erbitterung gegen das Verdrängen des deutschen Handwerks durch Fremde, wie sie nicht viel später in Wien ihren beredten Ausdruck in Johann Wagners «Ehrenruff Deutschlands, der Teutschen Und Ihres Reichs» 1 2 gefunden hat, scheint in Bamberg zum Durchbruch gelangt zu sein, als man sich (1688) entschloss, die eben erst geschaffenen italienischen Stuckaturen der Stephanskirche wieder beseitigen zu lassen und einen deutschen Meister Johann Jakob V o ge 1- mit der Neuanfertigung zu betrauen. Mit der weiteren Uebertragung der bedeutenden Stückarbeiten in der Residenz (1096) und in Banz (1705) an die Deutschen war dann wenigstens im Stuckaturgewerbe der Sieg der einheimischen Meister bekräftigt. Um dieselbe Zeit erscheint in Bamberg ein anderer deutscher Meister, dem es in ähnlicher Weise gelingt, die Herrschaft in der Architektur den Ausländern zu entreissen und das deutsche Bauhandwerk wieder zu Ehre und Ansehen zu bringen : Johann Leonhard D i e n t z e n h o f e r. Auf die Fortentwicklung der Baukunst blieb der Wechsel in der Führerschaft vorerst ohne grossen Einfluss: es kamen im wesentlichen dieselben Grundformen wie zuvor zur Anwendung. Auch von deutscher Eigenart kann bei den neu entstehenden Bauwerken nicht die Rede sein; man müsste denn die bei den Anfangsbauten zu beobachtende Ungewandtheit der Formengebung mit der deutschen Herkunft der Erbauer in Zusammenhang bringen. Gegenüber der schwülstigen Barocke Petrini's mag hierin ein die fortlaufende Entwicklung hemmender Faktor erblickt werden, der für einige Zeit die angebahnte Richtung auf das Derb-Massige in den Hintergrund drängte. Ueber Johann Leonhard Dientzenhofer’s Stellung innerhalb 1 Wien 1691. S. Ilg-, Fischer von Erlach. Wien 1896. S. 149. 2 Vogel ist einer der meist beschäftigten Stuckateure seiner Zeit; von ihm stammen, ausser den im Text genannten Arbeiten: Die Deckverzierungen der oberen Pfarrkirche (1689), die Stückarbeiten im Schlosse Seehof (1710) und im Kloster Michelsberg (1716). Näheres über sein Leben ist mir nicht bekannt. 9 dieser Entwicklung soll die Einzeluntersuchung seiner Werke Klarheit bringen; aber schon hier sei betont, dass seine Bedeutung seither zweifellos überschätzt worden ist, da sich das Urteil über seine künstlerischen Fähigkeiten hauptsächlich an Bauwerken bildete, die entweder nicht von ihm herrühren oder doch nicht die Bedeutung haben, die man ihnen beimass. Sein Name umfasste seither wie ein. Kollektivbegriff beinahe die gesammte oberfränkische Baukunst bis zum Auftreten des berühmteren Würzburger Architekten Balthasar Neumann, so dass sowohl das bedeutende Wirken seines Bruders Johann, als auch die nicht näher bestimmbare Thätigkeit anderer gleichzeitiger Meister, wie des Stadtbaumeisters Joh. Christ. Bissing 1 oder des Ingenieurs Rosenzweig (gestorben als Stadtbaumeister 1728) unter seiner Lebensarbeit mit inbegriffen waren. Die Thätigkeit dieser einzelnen Meister lässt sich heute nur schwer mehr umgrenzen, am wenigsten auf dem Gebiete, welches in jener Zeit der Architektur die meisten Aufgaben stellte: beim Bau des bürgerlichen Wohnhauses. Damals entstand für das mittlere Bürgerhaus jener einfache Typus, der lange Zeit vorherrschend blieb: eine solide, mässig breite Sand- steinfagade öffnet sich im Erdgeschoss, dessen Horizontalfugen betont sind, in Rund- oder Flachbogen für Thüre und Fenster nach der Strasse; über dem abschliessenden Gesims des unteren Stockwerkes erheben sich die beiden Obergeschosse, durch ein schmales Zwischengesims getrennt und an beiden Seiten von einer Pilasterordnung als Trägerin des Dachgesimses flankiert. Die Fenstergewände, häufig mit Eckverstärkungen, sind im allgemeinen schmucklos, nur die Sohlbänke werden in bescheidener Weise hervorgehoben. Bei reicheren Anlagen ist die Hausthüre durch einen schräg vorspringenden Säulenbau mit Rundgiebelansätzen und plastischem Schmuck zum Portal ausgestaltet. — Diese allgemeine Charakteristik der bürgerlichen Bauweise muss, so lange nicht sichere Zuteilungen vorgenommen werden können, die Stelle der Einzelbetrachtung ersetzen. Bestimmtere Resultate lassen sich nur bei den hervor- 1 Seit 1704 bekleidet Bissing'dieses Amt. Kosenzweig hat den Pagen Unterricht in der «Ingenieurkunst» zu erteilen. — IO — ragenderen Gebäuden, wie Kloster-, Schloss- und Kirchenbauten gewinnen, da nur für sie teilweise noch ein gesichertes Aktenmaterial vorhanden ist. Ein besonders reiches Arbeitsfeld boten der Baukunst zu Ende des 17. Jahrhunderts die zahlreichen Neubauten dar, mit welchen die Klöster wetteifernd einander zu überbieten suchten. Waren es auch grösstenteils nur einfache Zweckmässigkeitsbauten, sie vervollkommneten doch die Technik des Bauhandwerks und gaben ihm Gelegenheit, für grössere künstlerische Aufgaben sich vorzubereiten, wie sie die nächsten Jahrzehnte der Architektur im Schloss ba u stellten. Erst in ihm konnte die Baukunst, unterstützt von edlen Bestrebungen hochgesinnter Fürsten, von Anfang an freier ihre Fähigkeiten entfalten, und es fehlte wahrlich nicht an begeisterten Förderern der Kunst. Mit dem Regierungsantritt (16. Nov. 1693) des Bamberger Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn, der bald darauf (2. Mai 1695) zum Erzbischof und Kurfürst von Mainz, und damit zur höchsten Stelle im Reiche emporstieg, begann für die deutsche Kunstgeschichte jene glanzvolle Periode, die man mit einiger Berechtigung das «Zeitalter der Schönborn» nennen könnte. Das erlauchte Haus der Grafen von Schönborn 1 strebte damals der Höhe seiner politischen Bedeutung entgegen. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts waren eine geraume Zeit hindurch alle bedeutenden geistlichen Herrschaftsgebiete in Franken und Schwaben in den Händen dieser Familie vereinigt: das Bistum Bamberg (1693—1746), das Kurfürstentum Mainz (1695—1729), die Bistümer Würzburg (1719—25, 1729—46), Speier (1719—43) und Konstanz (1740—43), das Kurfürstentum Trier (1729—56), endlich das Bistum Worms und die gefürstete Propstei Ellwangen (1732—56) bezeichneten gleichzeitig die Machtsphäre des zu höchstem Ansehen gelangten Geschlechtes. 2 1 Die Familie entstammt einem Rittergeschlechte des Westerwaldes; 1663 wurde sie in den Reichsfreiherrnstand erhoben; 1701 erfolgte ihre Erhebung in den Reichsgrafenstand. 2 Die einzelnen Fürsten sind genannt bei Jos. Keller, Balthasar Neumann. Würzburg, 1896. S. 15-16. Ueberall aber, wo ein Schönborn regierte, hob alsbald eine neue Aera aufblühender Künste an. Die alten einfachen Bischofswohnungen werden aufgegeben; das gesteigerte Reprä- sentalionsbedürfnis, die Freude an grösserem Komfort, die Liebe zur Kunst rufen neue prächtige Schlossbauten hervor, die von dem erstarkten Selbstgefühl ihrer Bewohner beredtes Zeugnis ablegen. Den Anfangspunkt dieser interessanten Entwicklung bildet der Bamberger Residenzbau, der von Lothar Franz errichtet, den ersten Versuch darstellt, veränderten Anforderungen einer neuen Zeit genüge zu leisten. Das rasche Fortschreiten auf dem angebahnten Wege bekunden schon die nächsten beiden Schlossbauten : Favorite und Pommersfelden, die noch unter demselben Bauherrn zur Ausführung kamen. Sie gehören bereits einer künstlerisch reiferen Zeit an, die auf den Errungenschaften einer vorangehenden Epoche aufbauen kann. Weniger deutlich lassen sich für das ausgehende 17. Jahrhundert die Bestrebungen der fränkischen Baukunst im Gebiete des Kirchenbaues erkennen, da von den wenigen in Betracht kommenden Bauten keiner mit Sicherheit auf die Bamberger Meister zurückzuführen ist. Eine notdürftige Ergänzung dieser Lücke bietet eine zufällig erhaltene Sammlung von Originalgrundrissen, 1 die sich, wie es scheint, ehedem 1 Die Pläne sind aus der ehemaligen M. v. Reider’schen Sammlung in den Besitz des kgl. Nationalmuseums in München übergegangen. Ihre Bestimmung ist nicht mehr sicher zu erkennen. Da von den zahlreichen Entwürfen keiner mit ausgefiihrten Bauten der damaligen Zeit zu identifizieren ist, und auch nur wenige (z. B. Pantheon, Michaelskirche in München) Aufnahmen früherer Bauwerke darstellen, so scheinen die Pläne eine Art Mustersammlung gebildet zu haben, vielleicht zu dem Zwecke angefertigt, dem jeweiligen Auftraggeber zur Auswahl resp. Präcisierung seiner Bauabsichten vorgelegt zu werden. Sie sind teilweise mit dem Namen Leonhardt — 1 Blatt mit dem vollen Namen Leonhardt Dientzenhofer bezeichnet. Ob man ihm deshalb auch die Erfindung oder Ausführung zuschreiben kann, muss fraglich bleiben. An seine Art, Architektur zu zeichnen, wie wir sie in den Ebracher Grundrissen und in den Entwürfen zur Residenz kennen lernen werden, gemahnt nur eine kleine Zahl der Pläne — und zwar die unbedeutenderen — die übrigen zeigen eine viel geschicktere Hand. Dieser Umstand und der Vermerk auf einem Blatt: «Eine solche faciata habe schon» legen den Gedanken nahe, dass diese Entwürfe von fremder Hand entworfen und gezeichnet, von Dientzenhofer, dem höher strebenden Maurermeister, zu seiner eigenen Belehrung zusammengestellt 12 im Besitze Joh. Leonh. Dientzenhofers befunden haben; bei der Unbestimmtheit ihrer Herkunft sind sie jedoch nur ganz allgemein zur Charakteristik der kirchlichen Baukunst jener Zeit zu verwerten. Zu Grunde liegt bei den meisten Entwürfen das Schema der Jesuitenkirchen: eine kreuzförmige Anlage, bei der die Querschiffe nur wenig oder gar nicht über die Seitenmauern vorspringen. Das Mittelschiff ist in der Tonne überwölbt; die schmalen Seitenschiffe sind in einzelne Kapellen eingeteilt, die je für sich mit Längstonne oder Kreuzgewölbe gedeckt, zugleich als Widerlager für das Mittelschiffgewölbe zu dienen haben; der Chor ist zumeist im Halbrund geschlossen. An diesen Durchschnittstypus schliessen sich mancherlei Variationen an. So sind die Seitenschiffe entweder in eine Reihe kuppelgedeckter Kapellen zerlegt, oder es wechseln die Kuppelräume mit Tonnengewölben, bei welch letzterem System dann das Mittelschiff gewöhnlich umgekehrten Ryfhmus zeigt. Eine weitere Spielart bringt die Einteilung der Seitenschiffe in halbkreisförmig oder mit drei Seiten aus dem Sechseck geschlossenen Nischen (ähnlich St. Michael in München), die teils äusserlich sichtbar, teils in die gerade Längsmauer eingebaut sind. Die entstehenden zwickelförmigen kleinen Räume sind dann wohl durch einen Gang, der durch den Hauptpfeiler getrieben ist, zugänglich, oder sie öffnen sich nischenförmig, durch Balustrade geschlossen, nach der Aussenseite. Es fehlt auch nicht an gelegentlichen Spielereien, die nie zur Ausführung bestimmt sein konnten; so wechseln bei einem Entwürfe im Seitenschiff sechseckige Kapellen mit rückspringenden halbsechseckigen Räumen. In der Pfeiler form finden sich die einfachsten Bildungen mit den vorgelegten Pilastern zur Aufnahme der Gewölbegurte bis zu den kompliziertesten Erscheinungen mit tief in den Pfeilerkern einspringenden Dreiviertelsäulen, die von der Urform worden waren. Sie sind grösstenteils in der Weise angeordnet, dass nur die eine Hälfte eines Schemas ausgefiilirt ist, während die andere Hälfte des Blattes mit einem anderen Entwurf ausgefiillt ist. Zum Teil scheinen sie auch bekannteren Kupferwerken entnommen zu sein (cf. Blatt 18 b mit Lcuthner, Tafel ö). 13 des Pfeilers nur ganz schmale Eckstege übrig lassen. Eine Vermittelungsform ist die dem Pfeiler vorgelegte Halbsäule. Beliebt ist die Belebung der Pfeilermassen durch Statuennischen, welche bei den abgeschrägten Flächen der Vierungspfeiler fast zur Hegel werden. Im Chorabschluss findet sich neben dem gewöhnlichen Halbkreisbogen die polygone Form oder der geradlinige Abschluss ; die Sakristei und Paramentenkammer sind in der Regel rechts und links vom Chor angelegt und ergänzen den Kirchengrundriss zur rechteckigen Anlage. Auf das Muster des Salzburger Domes geht wohl die Dreiconchenanlage zurück. Das System des Langhausaufrisses zeigt die gewöhnliche Form : Zwischen hohen Pilastern öffnet sich eine Arkade als Trägerin einer mit gestelzten Bogen überdeckten Empore, die nach vorne mit einer Balustrade abgeschlossen ist. Weit origineller tritt die Begabung der Architekten für den Centralbauzu tage. Ausgangspunkt ist ihnen das Pantheon und ein an Sa. Costanza in Rom erinnernder Grundriss, Vorbilder, wie sie in den ältesten italienischen Kupferwerken vielfach zu finden sind. Vom Kreis als Grundform ausgehend, gelangen sie, durch Einzeichnen von vier Conchen (Vier-Pass) oder Ansetzen derselben an die Peripherie, zu verwinkelteren Bildungen. Der Kreis muss vielfach der geschmeidigeren Form des Ovals weichen, das entweder in dieser Bildung auch äusser- lich sichtbar bleibt, oder durch schräg angelegte kleinere Ovale und Halbkreisräume zu einer rechteckigen Anlage ergänzt wird. Reicher Nischenschmuck, üppige Pilaster- und Säulenstellungen sind die Begleiterscheinungen derartig komplizierter Bauideen. Eine dritte Grundform endlich bietet das griechische Kreuz, wobei eine beliebte Variante in die Ecken der Kreuzarme gesetzte, äusserlich kreisförmige Kapellen zeigt, die im Innern die Gesammtanlage wiederholen — ein Grundgedanke, der an Bramante’s Entwurf für die Peterskirche erinnert. — In den angegebenen Bahnen bewegte sich zu Ende des 17. Jahrhunderts die Phantasie der Baumeister, angeregt durch die reiche Thätigkeit, die ihnen auf den verschiedensten Gebieten der Baukunst winkte. Inwieweit den theoretischen For- 14 derungen auch die praktische Kunstübung gerecht wurde, inwieweit die beschränkten Mittel des Frankenlandes in jener Zeit der Baukunst auch höhere Probleme zu lösen gaben und wie diese gelöst wurden, soll sich aus der Betrachtung der Lebensarbeit der Brüder Dientzenhofer ergeben, die sich als die ersten bedeutenderen Meister deutscher Herkunft einen geachteten Namen in der Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts erworben haben. ERSTER TEIL. LEBEN UND WIRKEN DER DIENTZENHOFER. Stammbaum. 1. Georg d. J. geb. 1643 t 1689 David Dientzenhofer I Georg d. Aelt. geb. 1614 2. Job. Leonh. f 1707 3. B. Christoph, geb. 1655 f 1722 Kilian Ignaz geb. 1689 f 1751 4. Johann, f 1726 Just. Heinr. geb. 1702 f 1744 5. Ungenannt Ueber die Herkunft der Familie Dientzenhofer * 1 erhalten wir die erste sichere Nachricht durch einen Eintrag im Copula- tionsbuch des ehemaligen Klosters Waldsassen bei Eger im Fichtelgebirge; unter dem 25. August 1682 ist dort genannt: Dom. Georgius Diensenhoffer, des allhiesigen Closterbau Ballier, Georgii Diensenhoffer de Aiblingen e Bavaria filius. In der That erscheint dieser Name in den Aiblinger 2 Kirchenbüchern der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu verschiedenen Malen, und man darf mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass der daselbst unter dem 28. Mai 1614 als Täufling eingetragene Sohn Georgius 3 eines David Dienzenhofer zu Willing 4 mit dem Litteratur : H e 11 e r, Die Familie Dienzenhofer als Baumeister in Kranken. Bericht über denKunstverein zuBamberg'.Bg. 1843.BeilageI. — S chmerbe r , Dr. Hugo, Beiträge zur Geschichte der Dintzenhofer. Prag 1900. 1 Die Schreibart des Namens ist sehr verschieden. Dinzenhofer, Dienzen- höffer, Diensenhover, Dienstenhoffer, Tinstenhoff, Dintzenhoffer etc. Im Folgenden wird die von Gurlitt in die Litteratur eingeführte Schreibweise beibelialten. 2 Aibling bei Bosenheim in Oberbayern. 3 Ein anderer Georg D., «balneator zu Villing», ist im Jahr 1630 als Vater einer Tochter Anna genannt, er hat nur einen Sohn Matthaeus (get. 26. März 1649) und kann deshalb nicht weiter in Betracht kommen. 4 Dorf zur Gemeinde Aibling gehörig. i8 oben genannten älteren Georg identisch ist. Ueber den Stand dieser beiden ältesten Familienmitglieder erfahren wir nichts, dürfen aber wohl vermuten, dass wenigstens Georg der Aeltere als Oberhaupt einer später so bedeutenden Maurer- und Baumeisterfamilie gleichfalls diesem Beruf nahegestanden hat. Die Angabe Brenners, 1 2 nach welcher im Jahre 1655 von einem Georg Dientzenhofer die Dreifaltigkeitskapelle auf dem Glasberg bei Waldsassen erbaut wurde, legt zwar die Versuchung nahe, in jenem älteren Georg den Erbauer dieses bedeutenden Werkes zu sehen. Nach dem ausführlicheren Berichte Binhack's - ist aber dieser Neubau erst in den Jahren 1685—89 ausgeführt, also in der Zeit, in welcher der jüngere Georg bereits, wie unten darzulegen sein wird, in Waldsassen anderweitig thätig war. Georg der Aeltere kann uns also nur unter dem Gesichtspunkte interessieren, dass er der Vater von fünf Söhnen war, 3 4 welche durch hervorragende Bauthätigkeit den Namen Dientzenhofer zu hohem Ansehen brachten. Wir können nur vier derselben mit Bestimmtheit benennen: Georg, Johann Leonhard, (Bernhard?) Christoph und Johann; 1 das Geburtsjahr ist ausser 1 Brenner, Geschichte des Klosters u. Stiftes Waldsassen, nach Quellen bearbeitet Nürnberg 1837, pag. 284. 2 Binliack, Die Gründung der Cistercienserabtei Waldsassen (nach gedruckten und ungedruckten Quellen). Programm d. k. Studienanstalt Eichstätt 1889/90, pag. 84 ff. 3 Es geht dies zur Evidenz aus zwei bei den Fuldaer Dombauakten verwahrten Schriftstücken hervor; dieselben stammen aus dem Anfang der Verhandlungen mit Johann D. (ca. 17U0-1); damals war einer der Brüder, Georg, bereits gestorben (1689), Joh. Leonhard musste für seinen Bruder Johann Bürgschaft leisten : «allenfalls derselbe, heisst es in dem Schreiben, vielleicht nach Gottes unerforschlichem Willen vor völliger accord und rissmässiger Ausbauung solchen acdificii versterben würde, alsdann einer aus uns tr ey ii b erb lei ben den Gebrüdern den Bau zu vollständiger Perfection bringe.» In einer Vorverhandlung von 1700, Beilage: no- tamina litt. B. ist unter den Gegenforderungen D.’s. aufgeführt: 3) h a b e n wir a 11 e 4 Br üder v e r 1 o b t den S. Rochitag hochfeyerlich zu begehen, mit Ambt und heiliger Mess Vormittag, nachmittag die arbeithsamen Leut von Baumeister Trunck, dazu von herrschaft auch etwas beliebliehesgeben werde. 4 Die Einträge in den Taufregistern des Dorfes Au bei Aibling, die Sclimerber (1 c. S. ln) auf die beiden erst genannten Brüder bezieht, scheinen mir nicht im Zusammenhang mit der Baumeisterfamilie zu stehen: darnach wäre ein Leonhard D. am 2. April 1641, ein Georg D. am 11. August 1643, beides Söhne eines Georg D., in Au getauft. Das Geburtsdatum des Georg d. J. scheint ausserdem noch eine zufällige Bestätigung durch eine Notiz im Waldsassener Kirchenregister zu finden, wonach im — 19 — bei Georg (geb. 1643), dem ältesten der Brüder, nur noch bei J Christoph durch eine Notiz im Totenregister der Pfarrei St. Niko- I laus auf der Kleinseite in Prag gesichert: da er im Jahre 1722 .)§ (20. Juni) im Alter von 67 Jahren starb, 1 so fällt seine Geburt j§ ins Jahr 1655. Dass er ein Bruder der genannten war, entnehme ich Binhack pag. 127 und Brenner pag. 283, wo er auch einmal mit dem Doppelnamen Bernhard Christoph angeführt ist. Nur aus dem Umstand, dass Johann am spätesten zu einer selbständigen Stellung sich emporgearbeitet hat, glaube ich schliessen zr können, dass er auch dem Lebensalter nach der jüngste unter den vier Genannten war. Von dem fünften Bruder konnte ich weder Namen noch irgendwelche Spur seiner Thätigkeit auffinden. Ueber die äusseren Lebensumstände des ältesten Bruders, Georg Dientzenhofer d. J. (geb. 1643) sind wir nur spärlich unterrichtet. Aus dem Eintrag über seine Verehelichung 3 im Waldsassener Kirchenbuch erfahren wir, dass er im Jahre 1682 beim Neubau der Waldsassener Klostergebäude als «Ballier» und «murarius» beschäftigt war. Binhack nennt ihn den «Gehilfen» des Architekten Abraham Leu t h n er von Prag, der die Pläne zum Klosterbau gefertigt hatte und seit 1682 Baumeister des Klosters war. Die Benennung «aedilis Jahre 1689 ein Georg im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Allein schwere Bedenken sprechen gegen diese Annahme. Beim Eintrag in das Taufregister sind stets alle Vornamen verzeichnet: Johann Leonhard wäre im Auer Register nur mit seinem zweiten Namen genannt. Zudem findet sich ein Leonhard D. in den Jahren 1665-72 im Kirchenregister des Dorfes Pang bei Rosenheim als Vater dreier Söhne eingetragen (Schmerber, S. 15 Anm. 1), sodass es näher liegt, diesen Leonhard mit dem oben genannten zu identifizieren. Ferner wäre nach dem Auer Register unser Joh. Leonhard um 2 Jahre älter als sein Bruder Georg; dageg'en aber spricht wieder die Thatsache, dass Joh. Leonhard beim Bau des Klosters Waldsassen als Maurerpalier unter seines Bruders Georg Regiment stand, der die Oberaufsicht über den ganzen Bau führte. 1 cf. Schmerber, S. 26. * Am 25. Aug. 1682 heiratete er die Fleischhauerstochter (filia cani- onis!) Maria Elisabetha Haager aus Waldsassen. Die Kinder aus dieser Ehe sind: 1. Anna Mechtildis, getauft 23. Dezember 1683, 2. Gertrudis, getauft 21. Februar 1685, f 24. Dezember 1685, 3. Gertrudis, getauft 26. September 1686, 4. Johannes Josephus, getauft 12. November 1688. monasterii», welche D. von 1686 an in den Kirchenbüchern beigelegt ist, lässt sich wohl dahin erklären, dass er in Abwesenheit des Prager Meisters die Oberaufsicht und geschäftliche Leitung des Baues zu führen hatte. Als einziges selbständiges Werk konnte ihm seither nur die bereits erwähnte Dreifaltigkeitskapelle (1685—89) («die Kappel») auf dem Glasberg bei Waldsassen zugeschrieben werden. Das Kloster war mit seiner Thätigkeit wohl zufrieden und stellte ihm 1686 ein gutes Empfehlungsschreiben an die Bamberger Jesuiten aus, die gerade damals einen Baumeister für ihren Convents- und Kirchenbau suchten. Es scheint aber bei der Anfertigung von Grundrissen verblieben zu sein ; denn Georg Dientzenhofer ist ohne Unterbrechung bis zu seinem Tode, am 2. Februar 1689, in Waldsassen ansässig. Sein früher Tod — er starb im Alter von 46 Jahren — ist umsomehr zu beklagen, als der einzige Bau, der ihm mit einiger Sicherheit zugeschrieben wird, das Walten eines selbständig denkenden Geistes bekundet. Ein deutlicheres Bild erhalten wir von den Lebensschicksalen des zweiten Bruders, Johann Leonhard Dientzenhofer. Ort und Zeit seiner Geburt sind vorläufig unbekannt, wie auch über seine Jugend und Ausbildung keinerlei Nachrichten sich erhalten zu haben scheinen. Näheres über ihn wissen wir erst von dem Zeitpunkt an, in welchem er, vielleicht durch Vermittlung seines älteren Bruders, Beschäftigung beim Klosterbau in Waldsassen findet. Dort begegnen wir seinem Namen zum ersten Male in dem pfarramtlichen Eintrag über seine am 30. Januar 1685 erfolgte Verehelichung. 1 In der untergeordneten Stellung als Maurer- palier war er jedoch nicht lange in W. thätig, denn bereits im nächsten Jahre 1686 scheint er, wie später im Zusammenhang mit der Baugesehichte des Klosters Ebrach näher ausgeführt werden wird, von den dortigen Cisterziensern als Baumeister zu ihrem geplanten Neubau berufen worden zu sein. 1 Der Eintrag lautet: 30. Januar 1685. Copulaviter denuntiatum Joannem Leonardum Dienzenhoffer, Balier, murarium Georgii Dienzenhöffer de Aiblingen ex bavaria filium cum Maria Catliarina Joannis Haager ca- nionis Walds, filia soluta. 21 Die Thatsache seiner Uebersiedelung bestätigen auch die Einträge in den entsprechenden Kirchenbüchern: während noch sein erstes Kind, eine Tochter mit Namen Anna Barbara, als am 26. Dezember 1685 getauft im Waldsassener Taufregister verzeichnet ist, befindet sich seine zweite Tochter Maria Margaretha 1 (getauft am 20. Mai 1687) bereits unter den Täuflingen der Pfarrei St. Martin in Bamberg. Hieraus ergibt sich auch, dass Johann Leonhard nicht in Ebrach, wie man vermuten sollte, sondern in Bamberg seinen Wohnsitz aufschlug. Dieser Umstand, zusammengehalten mit der Nachricht, dass er sich in der Ebracher Bauleitung durch seinen Schwager Cominada (einem sonst unbekannten Maurer) vertreten liess, legt den Schluss nahe, dass D. auch noch durch irgend welche andere Thätigkeit an Bamberg gebunden wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er in ähnlicher Stellung wie sein Bruder Georg in Waldsassen beim Bau des schon erwähnten bischöflichen Schlosses Seehof beschäftigt war, das gerade damals nach den Plänen Petrini’s begonnen wurde. Bei dem gänzlichen Fehlen näherer archivalischer Nachrichten lässt sich vorerst Gewisses nicht darüber sagen. Jedenfalls aber ist um diese Zeit der damalige Bamberger Fürstbischof Marquard Sebastian von Stauffenberg, dem der Name Dientzenhofer bereits von Waldsassen her bekannt sein mochte, 2 auf den Ebracher Baumeister aufmerksam geworden; eine Notiz in den Bamberger Hofkammerrechnungen vom 11. Juli 1689 besagt, dass Joh. Leonhard D. «nacher Nürnberg das daselbsten stehente Bamberger Haus der Neunkirchnerhoff genannt, der Baunoth- wendigkeit halber zu besehen verschickt worden sei». Bald darauf, am 12. April 1690, erhält er durch hochfürstliches Dekret seine Bestallung als Hoch stiftsbaumeister. Mit grosser Gewissenhaftigkeit wird er von nun an in den Akten stets der «hochfürstlich bambergische Hofbaumeister» genannt; 1 Man könnte an dem ungenauen Eintrag: Pater: Linhardus Tinsten- liof, Mat.: Katharina, und der sonst nicht vorkommenden Schreibweise Anstand nehmen Die Zweifel beseitigt der Eintrag des Todesdatums dieser kleinen Tochter am 24. Juli 1687, die dort ftliola Linliardi Dienstenhofer genannt ist. 2 Yergl. Anm. 2, S. 53. aber es scheint fast, als ob dieser volltönende Titel ihn entschädigen sollte für die, auch nach damaligen Verhältnissen, sehr geringe Besoldung von nur 40 fl. im Jahr. So dürfte seine Stellung — er wurde dem Hofgesinde zugezählt, ohne jedoch die üblichen Naturalbezüge zu erhalten, — mehr die eines Privatbauunternehmers gewesen sein, der auf den Nutzen angewiesen war, den ihm eine möglichst vorteilhafte Ueber- nahme der Ausführung bischöflicher Bauten einbrachte. Er war nicht Beamter des Bischofs, — derselbe sicherte sich durch die Bestallung nur seiner jeweilig präsenten Dienste, — wie etwa sein grosser Nachfolger Balthasar Neumann in Würzburg, und bekleidete auch nicht die ehrenvolle Vertrauensstellung, wie sie diesem Meister, seinem Range als Offizier gemäss, zukam. Sein Verkehr mit seinem Bauherrn war lediglich geschäftlicher Art: D. stellte einen Kostenvoranschlag; darauf folgte die Prüfung von Seiten des Bischofs, die regelmässig damit endete, dass nicht unbedeutende Abstriche gemacht wurden. Nach einigem Weigern ging dann der Baumeister gewöhnlich auf die verminderte Summe ein. Er musste sich auch gefallen lassen, dass seine Arbeiten von anderen Personen (vereidigten Feldmessern) nachgemessen wurden. Mit dieser geschäftsmässigen Auffassung seiner Hofbaumeisterstellung steht es im Einklang, dass D. sich auch anderweitig noch kaufmännisch zu bethätigen suchte. Wir erfahren, dass er sich im Januar 1699 das Privilegium des kurbayerischen Salzhandels für Bamberg und Forchheim gegen eine jährliche Abgabe von 500 fl. übertragen liess. 1 Es geschah dies im vollkommenen Einverständnis mit der fürstlichen Kammer, die ihm «zur Fournirung» seines Salzhandels auf Jahr und Tag ein Kapital von «4000 Reichsthalern gegen Verinteressierung als 6 pro cento» verabfolgte. •— 1 Dieser Handel rentierte nicht; bereits nach 2 Jahren, 10. Mai 1701, beklagt sich D. in einem Schreiben, dass er bei Innehaltung der kontraktlich bedungenen 500 fl. Paclitsumnie bereits eine Einbusse von 685 fl. 54 kr. erleiden müsste und bittet um Aufhebung des Kontrakts. Darauf erfolgt zunächst eine ziemlich scharfe Abweisung von Seite des Fürstbischofs Lothar Franz: «indem bekannt ist, dass sich derselbe gleichsahm in sothanen liandel mit Ausschliessung ein und anderer Bürger Selbsten getrungen.» Später wird ihm aber doch noch ein Nachlass von 385 fl. gewährt. 23 Zu hervorragenderer Thätigkeit als Baumeister gelangte Johann Leonhard in Bamberg erst, nachdem Lothar Franz von Schönborn (1693) den bischöflichen Stuhl von Bamberg bestiegen hatte. Alsbald begannen die umfangreichen Arbeiten an der Residenz; die Benediktiner auf dem Michelsberg folgten dem Beispiel ihres bischöflichen Herrn und liessen ebenfalls durch D. grosse Neubauten aufführen (1696—1702), sie konnten doch nicht hinter den Carmelitern auf dem Kaul- berge zurückstehen, deren Kloster und Kirche von 1692 (94?) an durch denselben Baumeister einem Umbau unterzogen worden war. Auch bei dem Neubau des Dominikanerklosters scheint Johann Leonhard beschäftigt gewesen zu sein. Für den Fürstbischof hatte er noch zwei (jetzt verschwundene) Gebäulichkeiten auszuführen : die Langgass-Kaserne (1700, eingelegt 1S98) und das Langgasser Thor 11701—1808), schmucklose Nutzbauten, denen ein architektonischer Wert so wenig eignete, wie den beiden von D. erbauten Amtsgebäuden in Weissmain und Hollfeld. 1 Daneben war ihm die Bauinspektion über die Hochstiftsgebäude übertragen, für deren Visitierung ihm Diäten 2 ausbezahlt wurden. Bedeutender war seine Thätigkeit ausserhalb Bambergs. Wir wissen bereits, dass er für den Ebracher Klosterneubau (1687—98) die Pläne schuf, die zum grösseren Teil auch von ihm ausgeführt wurden. Das Kloster Schönthal an der Jagst folgte vermutlich einer Empfehlung des Schwesterklosters, als es mit D. über den Umbau des Convents einen Vertrag abschloss, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch der Neubau der Wallfahrtskirche • in Walldürn in Baden mit unserm Meister in Verbindung steht. Endlich berief ihn auch das Benediktinerkloster Banz zu seinen bevorstehenden baulichen Veränderungen (von 1704 an). Nach Jäck hatte er 1696 den Auftrag erhalten, einen Plan für den Orden der Barmherzigen in Wien zu liefern, die in Bamberg ein Kloster für kranke Herrenbediente, Handwerksburschen etc. bauen wollten. Wenn dieses Projekt auch nicht zur Aus- 1 Protokoll über «gründliche Abrechnung mit Dientzenhofer über Hofhaltung und hochstiftl. Landhäuser zu Weissmain und Hollfeld». 1707, 9. Nov (Akten z. Bamberger Reside'nzbau.) 2 z. B. Man. 1698, 9. Okt. Hofgesindezehrung. führung kam, so beweist es doch, dass Dientzenhofer’s Name damals schon in weiteren Kreisen Deutschlands in Ansehen stand. Von den benachbarten Fürstenhöfen suchten die von Bayreuth und Ansbach ihn für ihre Dienste zu gewinnen. Bei Heinritz 1 finde ich die Angabe, dass er 1696 vom Markgrafen Christian Ernst von Bayreuth als «Hof- und Landbaumeister förmlich patentiert» wurde. Die einzige Notiz, aus der aktenmässig diese Bayreuther Thätigkeit zu belegen ist, befindet sich in einem Berichte des Bamberger Statthalters an den Erzbischof (19. April 1697); es heisst darin u. A. : «Indeme .... gedachtem Baumeister wegen erhebung einer abermaligen Geltfrist zu Bayreuth viel daran gelegen ist, dass Er vor der bevorstehenden abreis des Herrn Markgrafen hoch- fürstl. Gn. das tempo nicht verabsäume, gestalten Er bev einlangung E. H. Gn. gndsten Befehls eben in procinctu war, dahin auf etliche Tage zu gehen, So werden etc.» Sein Aufenthalt in B. ist nur ein kurzer; schon am 6. Mai ist er wieder zurückgekehrt. Nach Angabe von Heinritz beschränkte sich seine ganze dortige Bauthätigkeit auf den Ausbau des von Dieussart 2 begonnenen achteckigen Schlossturmes, zu dessen Höhe man statt auf einer Treppe auf einem Wendelfahrweg gelangte. Bei der ewigen Geldnot des Bayreuther Hofes scheint auch er wie seine Amtskollegen nicht lange dort ausgehalten zu haben. Seine Beziehungen zum Ansbacher Hof ergeben sich aus einem Bamberger Bericht an den Erzbischof (4. August 1698), in welchem D. sich darauf beruft, dass er «nach Onoltzbach umb gdste Entlassung, die er nächsthin unge- zweifelt erwarte», geschrieben habe. Wir dürfen daraus wohl entnehmen, dass er auch dort eine Art Hofbaumeisterstellung bekleidet habe, in welcher Eigenschaft er für das markgräfliche Schloss in Triesdorf (1695) die Pläne zu liefern hatte. 3 Auch das markgräfliche Schloss in Uhlstadt bei Kitzingen wird ihm zugeschrieben; hier scheint aber eine Verwechslung mit 1 Heinritz. Versuch einer Geschichte d. k. b. Reichshauptstadt Bai- rcuth. Baireuth 1823. 2 Bekannt durch sein Werk : Theatrum architecturae civilis, vergl Anm. 1, S. 27. s Jahresbericht des hist Vereins im Rezat-Kreis f. d. J. 1832, S. 32. 25 seinem Bruder Johann vorzuliegen; denn das Schloss wurde nach Lehner 1 erst von 1718 an erbaut. Wie es sich mit Dientzenhofers Stellung und Thätigkeit als churmainzisch er Architekt verhielt, — er wird zum ersten Male im Kontrakt betr. den Residenzbau (vom 8. Aug. 1697) der «zu Mayntz und Bamberg bestellte Baumeister» genannt, — liegt nicht vollkommen klar. Es scheint, dass diesem Titel, der ihm von Lothar Franz in seiner Eigenschaft als Kurfürst von Mainz noch zu Lebzeiten des alten Hofbaumeisters «cum spe successionis» verliehen worden war, keine Funktion entsprochen hat. Denn als er nach dem Tode des Mainzer Hofbaumeisters um die vakante Stelle bittet, 2 wird ihm am 16. August 1698 der Bescheid, «dass der Churfürst es nitt rathsamb befunden ahn des verstorbenen Statt derzeith einen andern zu bestellen, sondern solchen Dienst einswevls durch einen Werkmeister verrichten zu lassen.» Auch von einer späteren Verleihung der nachgesuchten Stelle hat sich weder in Mainz noch in Bamberg irgend welche Nachricht erhalten. Dass D. verschiedene Male in Mainz beim Kurfürsten Lothar Franz war, ergibt sich zwar aus einigen eingestreuten Bemerkungen ; 3 jedoch geht aus denselben gleichzeitig hervor, dass diese Reisen nur in Angelegenheit des Bamberger Residenzbaues vom Kurfürsten angeordnet waren. So lässt sich denn Gurlitt’s Annahme, dass D. als Schöpfer des Lustschlosses Favorite bei Mainz zu gelten habe, dessen Erbauung durch Lothar Franz im Jahre 1700 begonnen worden war, vorerst nicht halten. Dasselbe Schicksal hat die in der Litteratur vielfach verbreitete Nachricht, dass Joh. Leonhard der Erbauer des bedeutenden Schlosses Weissenstein ob Pommersfelden sei; wir werden sehen, dass nicht er, sondern sein Bruder Johann dieses grossartige Werk geschaffen hat. Nur zum Teil scheint sich ferner die Gurlilt’sche Vermutung, dass auch das Schloss Gaibach (bei Volkach in Unterfranken) von Joh. Leonhard stamme, zu bestätigen; auf ihn lässt sich nur ein umfangreicher Umbau der Gartenseite akten- 1 Lehner, Mittelfränkische Burgen und Herrensitze. Nürnberg. 1895. - Schreiben vom Nach Heller u. Nagler ist die erste Ausgabe dieses Werkes 1679 zu Güstrow erschienen (Friedrich Wilhelm zugeeignet); die 2., gedruckt bei J. G. Amelungen, hochfiirstl. braudenb. Hofbuchdrucker. erschien 1695 in Bayreuth; eine 3., gedruckt bei J. J. Immel, hoch-und churfürstl. Buchdrucker, erschien 1697 in Bamberg Die beiden letzteren Ausgaben sind dem Kurfürsten Lothar Franz v. Schönborn zugeeignet Dieussart erhält am 12. Okt 1695 als Gegengeschenk die Summe von 40 fl. 2 Abraham Leuthner v. Grundt, Griindtliche Darstellg. derfünff Säullen, Prag 1677; eine zweite Ausgabe, in der verschiedene Tafeln we^gelassen sind, erschien Prag 1708. Tafel 35/36 dieses Werkes ist die Vorlage zu Tafel 6L bei Dieussart. 28 besteht mehr in seinen theoretischen Auseinandersetzungen, als in seiner praktischen Verwendbarkeit, in der es dem zwar flüchtigeren, aber weit selbständigeren Werke des Leuthner ohne Zweifel nachsteht. Dass Dientzenhofer seinem ganzen Bildungsgrad nach zu derartigen theoretischen Arbeiten wohl kaum befähigt gewesen wäre, können wir indirekt aus den Akten zum Residenzbau entnehmen. Die Abwesenheit des Fürstbischofs, der als Kurfürst von Mainz dort residierte, sein reges Interesse für den unternommenen Residenz - Neubau forderten eine eingehende Berichterstattung über den jeweiligen Fortschritt der Bauarbeiten. Ueber die kleinsten Angelegenheiten musste die Meinung des hohen Bauherrn eingeholt werden. Ungefähr alle 14 Tage verlangte er unter Vorlage von Plänen genauen Rapport. Was wäre da näher gelegen, als dass der Baumeister selbst als Sachverständiger diese Berichte (wie etwa später in Würzburg Neumann) verfasste? Dem war nicht so: in umständlicher Weise musste der ganze Verkehr zwischen Bauherrn und Baumeister durch eine dritte Person, den Statthalter Sigmund von Aufseess, vermittelt werden. Der Grund lag wohl darin, dass Dientzenhofer nicht, allzu gewandt mit dem Wort umzugehen wusste. Ein einziger erhaltener Kostenanschlag, 1 von ihm verfasst, belehrt uns, dass die obige Massregel um der Klarheit der Sache willen wohl geboten war, und wir brauchen nur einen Blick auf seine Originalunterschrift 2 zu werfen, um zu erkennen, dass dieser Hand das Schreiben nicht leicht fiel. Dem schweren, ungelenken Charakter seiner Schrift ent- 1 1702, ohne genaueres Datura 2 Seiner Namensunterschrift ist gewöhnlich noch ein kleines Siegel beigesetzt: ein 2geteiltes Wappenschild, dessen oberen Teil ein Zirkel ausfüllt, während unten ein winkelartiges Gebilde angebracht ist; das ganze ist bekrönt durch die Buchstaben L. D. H. 29 spricht auch die Art seiner architektonischen Zeichnung. Solange mit dem Lineal zu arbeiten war, sind die Entwürfe annehmbar; sobald aber Freihandzeichnung nötig wird, ist er flüchtig, ungenau, und beschränkt sich auf skizzierende Angaben, deren Ausführung er dem Bildhauer oder Stuckateur überlässt; diese hatten dann wohl den ausgearbeiteten Riss dem Baumeister zur Begutachtung vorzulegen, und mit seiner Unterschrift versehen, geht er zur Genehmigung an den Bauherrn ab. Was Dohme 1 zur Charakteristik der Architekten des 17. Jahrhunderts schreibt: «Ein streng durchdachtes, sorgsam bis in die kleinsten Teile vorher abgewogenes Werk kennt jene Zeit überhaupt nicht,» trifft auch auf Joh. L. Dientzenhofer durchaus zu. Dies ändert sich in Deutschland erst, als mit dem von Westen her eindringenden Rokoko der Sinn für einheitliche Durchführung der Innenräume auch einen einheitlichen Entwurf verlangte; erst Balthasar Neumann vermochte diesen gesteigerten Ansprüchen völlig gerecht zu werden. Von den Meistern vom Schlage Dientzenhofers verlangte man nur das architektonische Gerippe : in der Abwägung und Austeilung der baulichen Massen musste sich ihr Können bethätigen, in der Zusammensetzung der ungeheuren Baukomplexe zu regelmässig symmetrischen Gebilden lag ihre Hauptarbeit und ihr Hauptverdienst. Dientzenhofer hat diesen beschränkten Anforderungen, wie es scheint, vollkommen genügt. Das beweist der gute Ruf, dessen er sich als Baumeister zu erfreuen hatte, und der ihn fast bei allen namhaften Neubauten des damaligen Frankenlandes beteiligt erscheinen lässt. Die Folge davon war, dass er von seinen auswärtigen Berufsgenossen mit Neid und Missgunst verfolgt wurde. Dem Leonhard D. war als «einem ausgelehrnten Maurer und Steinhauermeister wegen seiner vielen importanten Gebäuen an Hofhaltungen, Abbteyen, Klöstern, Kirchen u. A. ver- mög eines von gedachtem Handwerk zu Bamberg gemachten und von dem Landherr confirmirten Schluss» erlaubt worden, «eine Mehrzahl der Lehrjungen gebrauchen und fördern zu können». Diese Vermehrung der Maurerzunft in Bamberg hatte 1 R. Dohme, Barock und Rokokobauten in Berlin und Potsdam,, in der Zeitschrift: «Im neuen Reich». Leipzig 1874. S. 128. 30 die auswärtigen Meister mit Besorgnis erfüllt, und einer derselben, ein Maurer «Hans Michael Reuss zu Heydelberg», hatte sich bemüht, «die Bamberger Lehrjungen und Gesellen der Ursachen, dass er (Dientzenhofer) mehrer als die Ordnungen insgemein zulassen, gefördert habe, auffzutreiben und damit es soweith gebracht, dass nun auch die Maurer und Steinhauer zu Maintz nicht nur sein, des D., sondern auch der andern Bamberger Maurermeister Lehrjungen und Gesellen eben aus solcher Ursach gleichfalls für untüchtig zu achten beginnen wollten.» Zum Schutz gegen solche Schädigung und Verläum- dung wandte sich D. und mit ihm das gesamte Maurer- und Steinhauerhandwerk zu Bamberg an den Kaiser mit der Bitte um Erteilung eines kaiserlichen Patents. In demselben wurde das Verfahren der auswärtigen Meister für reichskonstitutions- mässig strafbar erklärt und seine Einstellung verordnet. Hie Bamberger Lehrjungen und Gesehen sollten allerorten für «redlich und ehrlich gelehrnte geachtet und unangefochten eingelassen, die diesbezüglichen Patente öffentlich affigirt werden.» 1 Wir können aus diesem ängstlichen Abwehren der auswärtigen Meister den Schluss ziehen, dass die Bamberger Bauleute allmählich das ganze Frankenland zu überfluten begannen, und auch darin eine Anerkennung von Dientzenhofers Thätig- keit erblicken. Von Seiten seines hohen Bauherrn, des Erzbischofs, ist ihm zu wiederholten Malen 2 ein gutes Zeugnis ausgestellt worden, aus dem sich die volle Zufriedenheit mit den Leistungen seines Baumeisters ergibt. Auch an gelegentlichen Beweisen seines Wohlwollens liess es der Fürst nicht fehlen ; als sich Joh. Leonhard am 6. Juli 1699 zum zweiten Male verehelichte, wurde ihm eine Hochzeitverehrung von 19 fl. 1 Pf. 20 dl. ausbezahlt. 3 1 Mandat des Kaisers Leopold vom 20. März 1702. (Stadtarchiv zu Mainz, Fase. I, die Maurer und Steinmetzen betreffend ) 3 16. August 1698 schreibt der Fürstbischof u. A.: «und ich für den recommendirtcn Lienstenhöfer eine besonders gute inclination getragen habe». Vergl. ferner Brief vom 22. Oktober 1698: «nachdem I. ch. Gn. in Zeith dero diesmahlige Anwesenheit allhier mit Ihrer gnädigster Vergnügung gesehen wie wohl der gn. anbefohlene Bau von Städten gangen sei» ; ferner Brief vom 28. Mai 1701. 3 Manual 1699J1700. 31 Bei seinen Mitbürgern stand D. gleichfalls in hohem Ansehen. Man hatte ihn am 5. Mai 1699 mit Genehmigung des Fürstbischofs per maiora zum Ratsverwandten erwählt und ihm später eine Stelle als Assessor beim Stadtgericht übertragen, wozu nach einigen Jahren auch noch das Pflegschaftsamt einer Stiftung, «Reichallmosen» genannt, hinzukam. Das Amt der Stadtbaumeisterei, um das er sich am 23. September 1704 in einem Gesuch an den Bischof bewirbt, scheint ihm nicht verliehen worden zu sein, da bereits am 27. September 1704 1 2 von einem Stadtbaumeister Bissing die Rede ist. Da dieses Gesuch zur Charakterisierung D.’s beiträgt, so sei es seinem Inhalt nach mitgeteilt: er bittet um das Stadtbaumeisteramt, da der zu ernennende Stadtbaumeister Bissing als Bürgermeister die Stadtbaumeisterei nicht inkünftig bestreiten können wird und er von Seiten des hohen Bürgermeister und Rath noch mit keiner Pfleeg considerirt worden sei, und das Stadtbauambt seiner confession conveniere. Wir sehen hier, wie in allem, was wir von Dientzenhofers Lebensführung erfahren, den Mann vor uns, der sich aus kleinsten Verhältnissen zu einer angesehenen Stellung emporgearbeitet- hat: selbstbewusst in seiner Tüchtigkeit, nicht frei von Missgunst, wo es sich um Mitbewerb handelt, das eigene Fortkommen vor allem im Auge behaltend und um so fester in Leben und Ansehen stehend, als sein Gesichtskreis eben nicht der weiteste war. Gewiss hat er den ehrenden Nachruf verdient, den Bürgermeister und Rat der Stadt Bamberg ihm nach seinem Tode widmeten. 3 1 Schreiben des Erzbischofs vom 27. Sept. 1704. 2 In dem Eintrag über seine zweite Verehelichung- in der Pfarrei St. Veit (vom 6 . Juli 1H99) wird der ehemalige Murarius genannt: nobilis expecta- tissimus dominus architector aulicus et Senator. 3 3 Der Bericht an den Erzbischof (26. Nov 1701) lautet: E. ch. Gn. ist bereits gnädigst bekannt, wie unverhoffter Weise der Allerhöchste nach seiner unerforschlichen göttlichen Disposition weilandt Johann Leonhard Dienzenhofer, dero gewesenen Hofbaumeistern und Stattrathsverwandten allhier von dieser vergänglichen Welt abgefordert und hoffentlich in die ewige Ereude und Seligkeit übersetzt hat, woran um so weniger zu zweifeln indem E. ch. Gn. und sonsten menniglich sein geführter christlicher und aufrichtiger Handel und Wandel zuer Gnüg wissent, und hoch zu bedauern ist, dass dessen rulimwürdigo Experienz undt Praxis in Ausführung vieler höchst ansehliger Structurn so frühzeitig mit ihm haben beerdiget 32 Joh. Leonhard D. wurde am 20. November 1707, «als er aus der Kirche kommen, von einem starkhem Schlagfluss überfallen und ist selbigen Augenblicks verschieden». Er hinterliess eine ziemlich zahlreiche Familie. * 1 2 3 4 5 6 7 8 9 In erster Ehe war er, wie erwähnt, mit seiner Schwägerin Maria Catharina Haager vermählt, nach deren Tode er die Tochter des Rechtskandidaten Sünder dictus Mahler («Vicepräfekten des Capitels und Gra- narius zu Staffelstein») Anna Margaretha Sündermahlerin* ehelichte (1699. 6. Juli). Von seinen Söhnen scheint keiner den Beruf des Vaters erwählt zu haben. Aemter und Würden, zum Teil auch die Ausführung seiner unvollendeten Bauten, gingen über auf seinen jüngeren Bruder: Johann Dien tze nhof er. Der Glanz des brüderlichen Namens hat die Erinnerung an Johanns Thätigkeit in der Bamberger Lokalgeschichte fast gänzlich in Vergessenheit geraten lassen. Alles, was an bedeutenderen Bauten in damaliger Zeit entstand, wurde ohne Weiteres dem Johann Leonhard zugeschrieben, seinem Leben schlechtweg auch noch die späteren Lebensjahre seines Bruders zugelegt. So kommt es, dass wir von dessen äusserem Lebensgang auch nur spärlich unterrichtet sind, und ihm erst einige von seinen Hauptwerken, die bisher die Kunst Johann Leonhards priesen, wieder zurückerorbern müssen. Und doch ist er seinem Bru- werden müssen, wormit also dem Publico Ein in der Baukunst perfektio- nirter Architectus, Uns aber ein geliebt gewesener Ratliscollega entzogen worden. il. Elle mit Maria Catli. Haager, vermählt am 30. Januar 1685, f 5. Juni 1698. 1. Anna Barbara, geb. 26. Dezember 1685 zu Waldsass, verm. mit G. J. Düring, Syndicus Sulzbaehensis. 2. Maria Margaretha, geb. zu Bamberg 20. Mai 1687, f 24. Juli 1687. 3. Joannes Jacobus, geb. 10. September 1688, f 14. Juli 1689. 4. Maria Barbara, geb. 16. November 1690. 5. Georgius, 14. August 1693. (Hofrath? 25. Juli 1741.) 6. Joes Antonius, 1. Januar 1696. 7. Maria Catharina, 3. Mai 1698. II. Ehe mit Anna Marg. Sündermahlerin, verm. 6. Juli 1699. 8. Anna Margaretha, 4. Juli 1700. 9. Regina Adelgundis Isabella, 8. Januar 1702. 2 Pfarrei St. Veit, Copulationsbuch. Es ist also ein kleiner Irrtum Schmerbers (1. c. S. 19), wenn er bei dem Beinamen «Mahlerin» an die «hehre Kunst» denkt. 33 der an künstlerischer Begabung, an Leichtigkeit des Schaffens und an gründlicher Schulung weitaus überlegen. Erst in ihm vollzieht sich der hochbedeutsame Uebergang vom tüchtigen, gewissenhaften Baumeister zum freischaffenden Architekten, vom Handwerker zum Künstler. Mit gewaltigen Schritten nähert sich die deutsche Baukunst des 18. Jahrhunderts ihrem Höhepunkt. Johann Leonhard Dientzenhofer — Johann Dientzenhofer — Balthasar Neumann : das ist die Stufenleiter, auf der in rascher Folge deutsche Kunst im Wettstreit mit dem sieggewohnten Ausland, aus dürftigen Keimen zu reiner Blüte sich entfaltet. Es ist keine originale Kunst, die uns in den Werken dieser Meister entgegentritt; — das lag nicht im Sinne der Zeit. Ludwig XIV. und sein Versailles waren die Ideale, denen Deutschland in seinen zahllosen kleinen Fürstenhöfen nachjagte. Aber in der Art, wie diese fremden Anregungen von den deutschen Meistern aufgenommen und verarbeitet, wie die Einflüsse des Westens und Südens mit einander verflochten und zu einem neuen einheitlichen Ganzen umgeschaffen wurden, zeigt sich die Gewissenhaftigkeit des Deutschen, der sich nicht mit dem Ueberkommenen zufrieden gibt, sondern das Ererbte durch rastlosen Fleiss zu mehren strebt. Johann Leonhard hat die italienische Baukunst nur auf dem Umwege über Prag kennen gelernt; sein Verdienst ist es, gegenüber dem überhandnehmenden Barock der Jungrömer an einer reineren Renaissance festgehalten zu haben. Johann schöpft aus der Quelle selbst; wir wissen, dass er in Rom gewesen ist und sein erstes Werk, der Dom in Fulda, zeigt deutlich genug die Früchte dieser Studienreise. Erst später schuf er auch in französischem Geiste; dass er die massgebenden französischen Bauten auch aus eigener Anschauung — wie etwa Neumann — kannte, liess sich nicht feststellen. Der Wechsel in seiner Bauweise geht vielleicht auf die Anregung seines Bauherrn in Franken, Lothar Franz, zurück, der für die französischen Meister grosse Vorliebe hegte. 1 Einen di- 1 Im kurfürstl. Handexemplar der Berain’schen Ornamententwürfe in der Bibliothek zu Pommersfelden finden sich einige Blätter, die ihm besonders gefielen, durch seine Unterschrift und diesbezügliche Bemerkungen ausgezeichnet. 3 r — 34 — rekten Verkehr Johann D.’s mit den grossen Pariser Baumeistern, wie er vermutet wird, kann ich, bezüglich der Gebäudearchitektur, nicht nachweisen. Nur in der Gartenkunst war man in Deutschland noch nicht so weit vorgeschritten, dass man die Hilfe der westlichen Nachbarn hätte entbehren können : für den Seehofer Garten wenigstens wurden die Risse von Frankreich bezogen und für die Wasserwerke des Schlosses Pommersfelden hat der bekannte Boffrand (Baufrand, Boffrau) ein «Modell zu der Wassermaschine» geliefert. 1 Ueber Johann Dientzenhofers Geburts-ort und Datum haben wir ebensowenig Nachricht, wie über seine Jugend und Lehrzeit. Es lässt sich nur vermutungsweise aussprechen, dass er mit seinen Brüdern nach Waldsassen gekommen und von dort mit Johann Leonhard nach Bamberg übergesiedelt sei, wo wir in den Büchern der Pfarrei zu U. L. F. im Jahre 1098 zum ersten Male seinen Namen verzeichnet finden. Er war damals «Ballier auf dem Mönchsberg», also bei einem Bau seines Bruders, dem Kloster auf dem Michelsberg, beschäftigt. Aber schon in dieser untergeordneten Stellung scheint er sich her- vorgethan zu haben; denn bereits 1698 am 4. August kann es sein Bruder wagen, in dem erwähnten Gesuch um die llof- baumeisterstelle in Mainz, ihn als seinen Substituten dortselbst in Vorschlag zu bringen. 2 Dieser Bitte wurde zwar nicht Gehör geschenkt, doch scheint, der Kurfürst durch dieselbe auf den jüngeren Meister aufmerksam geworden zu sein. Sei es nun, dass er sich damals seihst schon mit dem Gedanken an künftige grössere Schlossbauten trug und für die tüchtige 1 Schreiben des Lothar Franz an den Bamberger Statthalter vom 9. August 1698 (K. A. Bamberg) und Pommersf. Amtsber. 1727 Nr. 77 vom 21. Okt. 1727, Lothar Franz an Herrn v. Ritter. Boffrand ist selbst zwischen 11. und 21. Juli 1724 in Pommersfelden mit dem Hauptmann Neumann von Würzburg aus anwesend, und besichtigt das Schloss, Gartenwerk, Wassermaschine und Reservoir. (P. Amtsbericht vom 21. Juli 1724.) 2 Joh. Leonhard bittet, ihm die vakante Stelle zu verleihen, «zu deren wiircklicher Vertrettung aber unterdessen seinen Bruder Johann Dientzenhoffer, so der Architectur in Zeigen und Reissung auch wohl erfahren und hierfalls seiner erlernten Kunst noch all behörige Satisfaction leisten werde, ahnstatt Seiner weillen er allhier (in Bamberg) allschon wohne und sesshaft sei nacher Mayntz zu substituiren». 35 Ausbildung eines Architekten sorgen wollte, 1 oder dass er nur einem Privatgesuche entsprach: er liess am 26. Oktober 1699 dem Johann Dientzenhofer ein Geleitschreiben an den bambergischen Residenten in Rom Melchiori ausstellen. 2 Es ist nicht unwahrscheinlich, dass D. auf seiner Romfahrt auch die Hochburg der damaligen Barockhaukunst in Deutschland, Salzburg besucht habe, will man ja doch in D.’s Fuldaer Dom spezielle Anklänge oder sogar eine Nachahmung von Solari’s mächtiger Schöpfung erkennen. 3 Dort hätte er Gelegenheit gehabt, seinen berühmten Zeitgenossen Fischer v. Erlach, der gerade damals das Salzburger Bauwesen zu leiten hatte, kennen zu lernen. Wir haben keine Nachricht darüber, und ein Vergleich des Stils beider Meister liefert nur geringe Berührungspunkte. Auch über D.'s Aufenthalt in Rom selbst und die Dauer desselben, sind wir nicht näher unterrichtet. Zweck seiner Studienreise war nicht, in irgend welches Sehul- 1 Wir wissen, dass er den Freskomaler Joh. Jos. Scheibet nach Wien und Italien mit einem.jährlichen Stipendium von 200 fl. schickte, «um sich in der Malerprofession rechtschaffen zu perfektionieren.» (Decretv . 2. Nov. 1712.) 2 Dasselbe hat folgenden Wortlaut: II renditor di questa Gio. Din- zenhoffer architetto parte di qui per l’Italia di nostro consenso et ordine per approfittarsi mediante la vista et osservazione di Palazzi e Fabriche piu cospicue in quelle parti ä pro dell’ occorenze di nostro servitio nel quäle attualmente si truova. Hö pertanto voluto accompagnar et indrizzarlo con questa mia ä V. S. aiuto havendo bisogno di qualche apertura e fa- cilitamento d’ingresso dove trovera campo di perfettionarsi possibilmente in questa professione sicom piacca V. S. in mio riguardo di haverselo racco- mandato e di assistergli dove potra (non essendo questo per altro). Lo piego dal cielo ogni bene. Schmerber (1. c. S. 19) bezieht dieses Schreiben auf Joh. Leonhard Dientzenhofer. Ich halte diese Annahme für unrichtig aus folgenden Gründen : 1. Das Schreiben ist auf den Namen des Architekten J oh. D. ausgestellt. Wenn sonst Joh. Leonh. nur mit einem Namen genannt ist, heisst er stets Leonhard. Der Hofbaumeistertitel wird nie vergessen. 2. Wir werden sehen, dass in der 1. Hälfte des Jahres 1700 die Bauten an der Residenz in Bamberg einem gewissen Abschluss entgegengingen. Es ist kaum denkbar, dass in einer so wichtigen Zeit der Hauptbaumeister, mit dem die detaillierten Akkorde abgeschlossen waren, längere Zeit vom Bau abwesend sein konnte, und es ist auch nicht einzusehen, welchen direkten Vorteil die Studienreise für den Bau hätte mit sich bringen können, der zum grössten Teil schon vollendet war. 3. Die Ausdrucksweise «di nostro servitio nel quäle attualmente si truova» ist so unbestimmt, dass man sie auch auf eine untergeordnete Stellung (vielleicht als Palier des Joh. Leonhard) beziehen kann. 3 Hoffmann, D. frühere u. jetzige Dom zu Fulda, Fulda 1900. S. 7. 36 Verhältnis zu einem der lebenden Meister zu treten; an den vorhandenen grossartigen Baudenkmälern der Spätrenaissance sollte er seine Studien betreiben. Die zeitgenössische Baukunst in Rom war zudem im Niedergang begriffen. Die grossen Namen Bernini (f 1680), Bor- romini (f 1667) gehörten der Vergangenheit an, und gegen ihre Schöpfungen hatte sich bereits eine starke Gegenströmung ausgebildet. Auf der einen Seite die Fortführung der gegebenen Anregung bis über die Grenzen des architektonisch Erlaubten (Guarini f 1683/5, Pozzo f 1709), auf der anderen die Tendenz, durch erneute Studien der Antike in gemässigtere Bahnen einzulenken. Carlo Fontana (f 1714) kann als Repräsentant dieser letzteren Richtung 1 gelten, und dürfte allein in Betracht kommen, wenn wir uns nach einem Lehrer für D. umsehen müssten. Aber gewiss mehr noch als die Werke des Lebenden haben auf den Deutschen die Meisterschöpfungen der vergangenen Kunstepochen: die Jesuitenkirche il Gesü, Sant’ Andrea della valle, Sant’ Ignazio, eingewirkt. Kaum von Italien zurückgekehrt •— sein Aufenthalt kann sich nicht über 6—8 Monate erstreckt haben — wird er vom Abt Adalbert von Schleifras am 4. September 1700 zum Stifts- baumeister in Fulda ernannt. 2 Hier traten gewaltige Aufgaben an ihn heran, galt es doch an Stelle der alten Stiftskirche über dem Grabe des heil. Bonifazius einen neuen Dom in neuen Kunstformen und viel grossartigeren Dimensionen zu schaffen. Ausserdem wurden ihm der Neubau am Convent, das fürstliche Schloss samt Marstall, ein Brückenbau und wahrscheinlich auch eine nicht geringe Anzahl von Privatbauten übertragen. Auch das Schloss Bieberstein bei Fulda, die ehemalige Sommerresidenz des Fürstabts, wurde nach seinen Plänen erbaut. Alle diese Bauten führte er zur höchsten Zufriedenheit seines Bauherrn aus; besser als alle Lobeserhebungen beweist dies folgender Umstand: 1 Ilg', Fischer v. Erlach, Wien 1895. S. 54. 2 Jährl. Bestallung 200 Kth., 7 Mltr. Korn, 3 Mltr. Weitzen, frey Quartier und Holtz. f - 37 - Bei der Hauptabrechnung im Jahre 1711 hatte sich herausgestellt, dass dem Baumeister die Summe von 7309 fl. 23 kr. über den kontraktmässig ausbedungenen Betrag von 104995 fl. ausbezahlt worden war. Der Meister konnte die Verwendung dieser Summe nicht nachweisen und noch viel weniger ersetzen. Aus dieser Bedrängnis rettete ihn ein Gnadenakt des Fürstabts, der ihm im Vertrauen auf seine Redlichkeit die ganze Schuld erliess. In der That hatte D. auch während seines elfjährigen Fuldaer Aufenthalts so wenig erübrigt, dass bei seinem Weggange nicht unbedeutende Schulden (1300 fl.) auf ihm lasteten. Abermals wandte er sich an den Fürsten mit der unterthänigen Bitte, er möchte ihm doch zur Abtötung seiner Schulden auf die neu erbaute Behausung 1 1000 fl. anweisen lassen, «umb ihm umb Gottes Willen aus diesem Labyrinth herauszuführen und seine Ehr zu erhalten»« 2 Diesem Wunsche wurde, wie es scheint, erst von Adalberts (f 1714) Nachfolger Constantin von Buttlar entsprochen; denn erst am 12. Januar 1715 stattete D.’s Frau, für ein Geschenk von 1000 fl., das ihrem Manne «in Ansehung der schönen Gebäude» ausbezahlt worden war, ihren unterthänigsten Dank ab. Diese misslichen Vermögensverhältnisse und das schnelle Weggehen D.’s von Fulda haben vermutlich bei seinen persönlichen Widersachern das Gerücht entstehen lassen, der Baumeister habe seiner Kuppel keine lange Dauer zugetraut und sei deshalb noch vor gänzlicher Vollendung des Domes von Fulda weggezogen. Wir können dem, abgesehen von dem heute noch tadellosen Bestände des Baues, mit voller Bestimmtheit entgegentreten, weil wir den wahren Grund seiner Abreise wissen. «Und grösseres fortun und avancement zu erlangen», wie es in einem glänzenden Zeugnis heisst, das ihm nachträglich «zur Widerlegung der ihm durch übelgesinnte Leuth angegebenen OhnWahrheiten» von der ftirstl. Kammer ausgestellt wurde (3. Mai 1722), begab er sich zu Beginn des Jahres 1711, berufen von dem Fürstbischof Lothar Franz, nach 1 Nach «D. Dom in Fulda» wäre dies das Lauckertische Haus, Rittergasse Nr. 4, gewesen. 2 Das Gesuch ist datiert 30. Jänner 1712. 38 Bamberg, um den grossartigen P o m mer sf el dener Schloss- bau in Angriff zu nehmen. Die Vorverhandlungen hiezu setzen, wie später auszuführen sein wird, wahrscheinlich schon zu Ende des Jahres 1710 ein. Die Fuldaer Arbeiten waren damals zu einem gewissen Abschluss gebracht, und es ist nur allzu erklärlich, dass D., dem eine neue hohe Aufgabe winkte, möglichst rasch von Fulda wegzukommen trachtete. Lothar Franz hatte sich überdies schon längere Zeit vorher der Dienste D.'s versichert; das Dekret vom 1. September 1711, welches ihm als bambergischem Hofhaumeister wie seinem verstorbenen Bruder den Gehalt von 40 fl. jährlich zusichert, hebt mit den Worten an: Nachdem s. ch. Gn. ... die gute ex- perienz, so Joh. D. durch seine besondere application im bau- wesen erworben in gndste Consideration gezogen und denselben dahero zu dero Bamberg. Baumeister allschont vor einigen Jahren . . . an und aufgenommen.— Seinen ständigen Wohnort nahm er fortan in Bamberg; die Bauleitung in Pommersfelden, wo ausser dem grossen Schlossneubau auch das alte Truchsessenschloss umzubauen war, führten ihn ungefähr alle 8 Tage dorthin. Gleichzeitig war er für das Kloster Banz beschäftigt., und es ist sehr wahrscheinlich, dass der dortige Kirchenbau von ihm aufgeführt ist; wenigstens lässt sich für diese Zeit seine Thätigkeit an anderen Teilen des Klosters aktenmässignachweisen. Auf dem Michelsberg in Bamberg hatte er als selbständiger Meister nur untergeordnete Bauten aufzuführen ; die ihm zugeschriebene Kirchenfapade scheint von seinem Bruder Johann Leonhard erbaut worden zu sein. Seine sonstige Thätigkeit für die Stadt Bamberg lässt sich nicht mehr nachweisen; aus stilistischen Gründen bin ich geneigt, ihm einige Privathäuser, die seither unter seines Bruders Namen gingen, zuzuschreiben, z. B. das Concordiahaus und vielleicht auch das Böttinger-(Prell) Haus. Die Pläne für das kurfürstliche Jagdschloss, die Jägersburg bei Forchheim, die in den Jahren 1720—30 aufgefübrt wurde, sind wohl ohne Bedenken dem damaligen Hofbaumeister zuzuteilen. Von Kirehenbauten lässt sich nur der in Litzendorf bei Bamberg (1715—18; auf ihn zurückführen. 39 Eine grössere bauliche Aufgabe wird ihm erst später wieder zu teil, als der Fürst Löwenstein - Wertheim-Rosenberg durch ihn, von 1723 an, das Schloss Kleinheubach in Unter- franken erbauen liess. Diese Berufung des Bamberger Meisters mag wohl in erster Linie durch den Pommersfeldener Bau veranlasst worden sein; es finden sich jedoch auch noch andere Belege dafür, dass sich D. auch- im Würzburger Bistum eines bedeutenden Ansehens zu erfreuen hatte. So wurde er am 19. Dezember 1721 in einer Sitzung des Rates in Würzburg als Sachverständiger neben Neumann vernommen, wie das Bauwesen am besten befördert werden könne; 1 2 und es gewinnt den Anschein, als ob er selbst für Würzburg thätig gewesen sei, wenn wir erfahren, er habe sich im Jahre 1723 so lange in W. aufgehalten, dass man sich endlich entschloss, «eine Chaise nacher Würzburg zu dessen Abholung abzusenden». 3 Ob sich mit dieser Anwesenheit in W. irgendwelche Bauten in Verbindung bringen lassen, vermag ich nicht anzugeben ; vielleicht ist auch nur der Ausdruck ungenau, und Dientzenhofers Aufenthalt mit dem geplanten Neubau der Pro pst ei Holzkirchen in Beziehung zu setzen, für welche der Meister eine Reihe noch erhaltener Pläne angefertigt hat. ' In ähnlicher Ungewissheit befinden wir uns in Betreff der Frage, ob D. in seinen späteren Lebensjahren noch für Fulda thätig gewesen ist. Dass sich die Zuweisung des reizenden Orangeriegebäudes an ihn kaum halten lässt, wird später des näheren ausgeführt werden. Die Aufzählung dieser Bauten ergibt, dass Johann Dientzenhofers Name als Baumeister weit über die engeren Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt war. Seine Mitbürger erkannten seine Verdienste an, indem sie ihn wde seinen Bruder zum Ratsverwandten erwählten und ihm als Pfründe die Mitpflege an dem Kurhaus (Versorgungshaus; verliehen, letzteres auf Verlangen des Fürstbischofs (26. März 1715, Ratsprotokolle). Wir können dies als eine Gnadenbezeugung des Fürstbischofs auffassen, über dessen sonstiges Verhältnis zu seinem 1 Jos. Keller, 1. c. S. 18. 2 Pommersfelder Amtsberichte 1723, 17. Aug\, 20. Aug., 21. Sept. Baumeister wir nur sehr spärliche Kunde haben. Während D. in Fulda Alleinherrscher im Gebiete des Bauwesens war — der Fürstabt traut sich nicht so viel Architekturkenntnis zu, dass er über die Pläne zum Dombau allein zu entscheiden wagt, sondern die Gutachten anderer Bauverständiger einzog — tritt er in Bamberg einem Bauherrn gegenüber, der Geschmack und Urteil bereits an mehreren grösseren Bauten erprobt hatte. Man darf nach den ausführlichen Korrespondenzen über Bauangelegenheiten fast annehmen, dass die ersten Ideen jeweils von Lothar Franz selbst ausgingen. Dientzenhofer, der erfahrene Meister, scheint aber mit seiner besseren Einsicht im Verkehr mit seinem Bauherrn nicht hinterm Berge gehalten zu haben. Nur in diesem Sinne glaube ich eine Stelle eines Briefes des Kurfürsten an den Herrn von Erthal 1 auffassen zu können, wo er meint, «dass der Baumeister vielleicht seine (des Kurfürsten) Gedanken nicht erreigen oder gar seinen bekannten Capricien nach fortfahren dürffte ...» In den späteren Jahren scheint der Kurfürst wenig Notiz von ihm genommen zu haben. Die grossen Aufgaben, die ihm der fürstliche Bauherr gestellt hatte, waren gelöst. Zudem lenkte der entstehende grossartigere Würzburger Schlossbau damals alle Aufmerksamkeit auf sich. Das wachsende Ansehen des Würzburger Majors und Hofbaumeisters Balthasar Neumann hatte allmählich den Namen Dientzenhofers in den Hintergrund gedrängt. Der bescheidene Bamberger Baumeister war noch bei seinen Lebzeiten gewissermassen aus der Mode gekommen. Wir können ihm unsere Teilnahme darob nicht versagen; denn die wenigen Eigenschaften, die ihn uns als Mensch zeigen, sind geeignet, unsere Sympathie zu erwecken. Eine gerade, ehrliche, offene Natur, tritt er uns vor Augen; wir brauchen dies nicht erst dem Fuldaer Zeugnis zu entnehmen, das ihm Rechtschaffenheit, Treue und Fleiss nachrühmt und insbesondere seine gute Aufführung zu loben weiss. Eine gewisse Treuherzigkeit spricht aus seinem ganzen Gebahren, und es hat gegenüber der geschäftsgewandten Art seines Bruders fast etwas kindliches, wenn er sich bei den Fuldaer Verhand- 1 Pommersfelder Amtsgericht 1715, 12. November. 41 lungen selbst die Grenzen seines Gewinnes auf 5000 Rth. festsetzt und das eventuell darüber ihm zufallende zurückzuerstatten verspricht. 1 Dieser Gleichgiltigkeit gegenüber dem geschäftlichen Teil seines Berufes entspricht die Ungenauigkeit in fremden wie in eigenen Geldsachen; aber man glaubte ihm und seiner Redlichkeit. Die Ursache seiner wiederholten Geldno t war, dass er es nicht verstand, bei den Kostenvoranschlägen seinen Vorteil zu wahren, und die Arbeiten um viel zu geringe Entlohnung in Akkord nahm. Bei der Ausführung, die er als gewissenhafter Meister stets in solidester Weise besorgte, stellten sich alsbald Schwierigkeiten bei Auszahlung seiner Arbeiter ein, und besonders bei seinem letzten Bau, den er nicht mehr vollenden sollte, beim Kleinheubacher Schloss, kam es wiederholt zu heftigen Auftritten zwischen Meister und Handwerkern, die sogar damit endigten, dass die letzteren vom Fürsten verlangten, er möge den Baumeister so lange arretieren lassen, bis er ihren sauer verdienten Taglohn ausbezahlt hätte. 2 Seine Familie litt unter dieser kaufmännischen Untüchtigkeit des Oberhauptes nicht wenig; ja, er scheint sie bei seinem Tode (1726) in den dürftigsten Verhältnissen zurückgelassen zu haben. Ganz ähnlich wie in Fulda ergab sich in Kleinheubach bei der Abrechnung, dass dem Baumeister eine grosse Summe (ca. 1400 fl.) über den Akkord ausbezahlt worden war, und überdies die Arbeiten noch weit im Rückstand sich befanden. Die Wittwe konnte die Summe nicht ersetzen und wandte sich mit einem Gnadengesuch an den Fürsten, «da sie von so vielen schon geführden bauen nicht soviel erworben zu haben findten könne, womit sie sich, weniger die ihrigen ehrlich fortbringen könne». 3 Nicht genug, dass der Meister bei Lebzeiten, wie es scheint, stets mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, lange nach seinem Tode, im Jahre 1748, ist seine Bauthätigkeit noch 1 An anderer Stelle (1705, 9. Febr.) versichert er: er begehre nicht reich, auch nicht arm darüber zu ■werden; er habe alles genau überlegt und käme es auf 2—3 m. (mille ?; nicht an. 2 Fürstl. Löwenstein-Rosenberg’sches Archiv in Wertheim. Akten betr. d. Schlossbau Kleinheubach. 2 Schreiben vom 7. Februar 1727; am 18. November spricht sie von ihren 9 armen Waisen. 42 einmal Gegenstand eines Prozesses zwischen seinen Erben und dem Kloster Banz, in dem die ersteren wegen eines Versehens des «alten Dientzenhofer» zur Zahlung nicht unbedeutender Entschädigungssummen verurteilt wurden. * 1 2 Als Baumeister im Dienste des hohen Klerus übernahm er die Pflicht, auf kirchliche Zucht und Ordnung unter seinen Bauleuten zu sehen ; er bedingt sich beim Fuldaer Dombau aus, dass «täglich frye eine heillige Mess im hohen Stieft vor alle handirende leith gelesen wirdt», wie dies auch auf dem Michelsberg in Bamberg der Fall gewesen sei/' Mit D.’s Persönlichkeit hat sich die Fuldaer Lokaltradition nur zu lebhaft beschäftigt; 3 4 man erzählte sich merkwürdige Geschichten über seine Frau Anna Maria Eleonore, welche die Tochter eines Bamberger Juden gewesen, von ihrem Vater wegen ihres Uebertrittes zum Christentum enterbt, vom Fürstbischof aber in ihre Bechte wieder eingesetzt worden sei. 1 Von alledem lässt sich aktenmässig nichts nachweisen. Ueber seine Familienverhältnisse geben die Pfarrbücher von U. L. F. und St. Martin in Bamberg und der Dompfarrei in Fulda Auskunft. 5 Johann Dientzenhofer starb am 20. Juli 1726. Von 1 D. hatte in einem Vertrag vom 4. Juni 1712 die Errichtung einer der grossen Böschungsmauern übernommen und für deren Bestand sieh selbst und seine Erben haftbar gemacht. Die Mauer musste in der Folgezeit wieder abgetragen werden. Im Prozess liess es sich nicht mehr erweisen, dass, wie von den Erben behauptet wurde, ein Erdheben die Mauer gefährdet habe. 2 Fuld. Dombauakten. Voranschlag a. d. J. 1700 Bit. B. Notam. 3. 3 Ja sogar zum Helden eines Komans ist unser Baumeister erkoren worden: Josephine Grau, Der Dombaumeister von Fulda. Fuldaer Ztg. Jhgg. 1886. Nr. 172-231. i Malkmus, Fuldaer Historienbüchlein. Fulda 1872. 5 Johannes D. f 20. Juli 1726, verm. mit Anna Maria Eleonore t 16. Juli 1735. Kinder: a) in Bamberg: 1. Anna Barbara 1698, verm. m. Casp. Ant. Sartorius, advocatus Erfurti (1716, 27. Juni.) 2. Ein Sohn, dessen Name in den genannten Pfarrbüehern nicht zu finden ist. Just. Heinrich wird der zweite Sohn genannt (Dekret v. 1726, 24. Nov.). b) in Fulda: 3. Justus Heinrich 1702, 5. Nov. f 1744, 14. Dez. in Bamberg. 4. Joh. Georg 1704, 6. März (consiliarius aulicus). 5. Elisab. Magdalena 1706, 15. Febr. f 1710, 10. Juni. 43 seinen Söhnen kommt hier nur der am 5. November 1702 in Fulda geborene Justus Heinrich Dientzenhofer * 1 in Betracht, der seinen Vater in Aemtern und Würden beerbte. 2 Im Grunde verlohnt es kaum die Mühe, dem Leben und Wirken dieses Baumeisters näher nachzuforschen; seine Bauten : das Seehofer Wachthaus, das Zeughaus an der Hall- stadter Strasse, 3 4 das Schloss zu Vilseck und die Gewächshäuser in Pommersfelden sind alle so unbedeutend, dass es überflüssig erscheint, auf sie einzugehen. Er hatte auch durchaus nicht die selbständige Stellung wie seine beiden Vorgänger, sondern führte lediglich aus, was der damalige Leiter des Bamberger Bauwesens, Balth. Neumann anordnete. Aber auch hierfür scheint sein Können und seine Energie nicht ausgereicht zu haben; 1 die ständigen Klagen über ihn führten 6. Anna Margaretha Elisabeth, 1708, 5. Juni. 7. Barbara Sophia 1710, 6. Juli. c) in Bamberg: 8. Johannes Franciscus 1712, 1. Oktober. 9. Joes Franciscus Antonius 1714, 14. Juni, f 1715, 22. Juni. 1 Justus Heinrich D. 1702, 5. Nov. f 1744, 14. Dez. verm. mit Anna Cath. Burger, f 1767, 21. Febr. Kinder: 1. 1731, 2. März, Anna Regina Cath. f 1732, 3. Februar. 2. 1733, 8. Juni, Anna Maria Cath. 3. 1735, non baptizatus. 4. 1736, 20. August, Francisca Theresia. ö. 1738, 28. März, Georgius Antonius. 2 Es ist hier im Hinblick auf den beigefügten Stammbaum zu erwähnen, dass Hellers Nachricht von einem vierten Hof baumeister J o h. Heinrich D., der angeblich der Nachfolger des Justus Heinrich gewesen sei, auf Irrtum beruht. Ein Joh. Heinrich ist zwar gelegentlich des Eintrages der Taufe der Francisca Theresia (1736, 20. Aug.) genannt; aber ohne Zweifel sind hier nur die Vornamen verwechselt. Senator, wie der Vater daselbst genannt wird, war 1736 noch Justus Heinrich; erst 1744 ist er verstorben, also 1 Jahr vor dem vermeintlichen Johann Heinrich, dessen Tod nach Heller 1745 erfolgt sein soll. Desgleichen ist in dem Man. exp. v. 1737/38 ein Hofbaumeister Joh. Heinrich D. genannt; es ist auch hier ersichtlich, dass nur Justus H. gemeint sein kann, dessen Ansteliungs- dekret als Hofbaumeister vom 24. Nov. 1726 datiert ist. Justus Heinrich und Joli. Heinrich sind identisch und die von Heller dem letzteren zugeschriebenen Bauten deshalb auch als Werke von Justus Heinrich anzusehen. 3 1737/38 werden ihm hiefür 8339 fl. 2 U. 24 dl. ausbezahlt. Ein Grundriss für das letztere in der Sammlung Dros. 4 Vergl. Keller, 1. c S. 102. 44 schliesslich nach seinem Tode dahin, dass durch einen Erlass vom 11. Januar 1745 «das bisherige Hofbauinspektionsamt, welches mehr schädlich als nützlich gewesen», aufgehoben, die Stelle eines Hofbaumeisters als nunmehr überflüssig eingezogen wurde. 1 Noch aber hatte der Name Dientzenhofer einen guten Klang. So kam es, dass Justus Heinrich bei Beginn der Amorbacher Klosterneubauten «als sehr geriimbter Baumeister recommandiert» und zu einer Grundrissskizze für den Kirchenbau aufgefordert wurde. 2 Später wurden zur Konkurrenz noch beigezogen Neumann und der Mainzer General von Welsch, welch letzterer auch die Ausführung übertragen bekam. Infolgedessen kam es mit D., der für seine Mühe bereits honoriert war, zu unangenehmen Auseinandersetzungen, in denen er sich als misstrauischer und habgieriger, dabei höchst selbstgefälliger Charakter zeigt. Im öffentlichen Leben bekleidet er, wie erwähnt, seit 24. Dez. 172G die Stelle eines Hofbaumeisters. Als Verwandter zweier berühmter Meister glaubte er ein Recht auf die Stadtratsstelle zu haben und bittet den Bischof, ihn vorzuschlagen, «damit vor anderen Competenten er um so ehendter zu sothaner Ehrenbedinstigung gelange, weilen durch Ihro churf. Gnaden höchst seligen Andenkens ehedessen zwei Dinzenhofer als Hofbaumeister die gleichen Erhalten.» 3 Thatsächlich wurde er auch am 30. Sept. 1736 gewählt und bestätigt. Noch kurz vor seinem Tode erhielt er am 15. Okt. 1744, die Pflegschaft des Kinderseelhauses auf dem Kaulberg als Pfründe übertragen. Mit Justus H. stirbt am 14. Dezember 1744 der fränkische Zweig der Banmeisterfamilie D. aus. Der Name erhält sich noch das ganze 18. Jahrhundert hindurch in Bamberg ; erst mit dem Tode des Schreibers der vereinigten Krankenhäuser Franz D. (5. Mai 1801) verschwindet der Name in den Registern der Pfarrei St. Martin. Ausserhalb des Bereiches unserer Betrachtung liegt die 1 Keller, 1. c. S. 106. J. H. Dientzenhofer hatte in Pommersfelden ungefähr die Stelle eines Rechnungsfiilirers inne; am 29. April 1744 wurden dem Lt. Küchel die Handwerksauszüge zur Revision übergeben, damit der «ehemalige Schlendrian» behoben werde 2 Sponsel, Die Abteikirche zu Amorbach. Dresden 1896. 3 Gesuch vom 2. September 1735. 45 Thätigkeit des vierten Sohnes von Georg Dientzenhofer, der seiner Geburt nach wahrscheinlich der Drittälteste war, des Christoph Dientzenhofer 1655—1722. Mit dieser letzteren Annahme befinde ich mich in Widerspruch zu Schmerber, der einer im Taufbuch des Dorfes Au gefundenen Notiz zuliebe, diesen Christoph D. einer anderen Familie zuweist; 1 2 demnach wäre er als Sohn eines Wolfgang D. zu Au geboren und am 27. Nov. 1663 dortselbst getauft. Ich halte gegenüber dieser unbegründeten Zuweisung an dem sicheren Eintrag in den Registern der Pfarrkirche St. Nikolaus, Kleinseite in Prag, fest, - wonach wie erwähnt Chr. am 20. Juni 1722 im Alter von 67 Jahren gestorben ist. — Da der Aufbewahrungsort der Waldsassener Quellenschriften sorgfältig geheim gehalten wird, so muss ich für die Behauptung, dass Christoph ein Bruder von Georg und Johann Leonhard sei, die Verantwortung den beiden genannten Autoren Brenner und Binhack überlassen. Ueber seine Persönlichkeit wissen wir aus den Waldsassener Pfarrbüchern, dass er als «murarius und Balier» heim dortigen Klosterbau, wie sein Bruder thätig war, Am 7. August 1686 ist er als Trauzeuge eines Philipp Leuthner genannt. Nach seines Bruders Georg Tode (1689) wird er Maurermeister, leitet aber als solcher, wie es scheint, nur ein Jahr lang den Bau; 1691 wird der bisherige Baumeister A. Leuthner durch Bernhard Schiesser 3 ersetzt, der den Jakob Schiesser als Maurerpalier aufstellte. Christoph D., der schon vorher Beziehungen zu Prag hatte — er hatte sich dort 16s5 verheiratet und 1686 das Bürgerrecht erhalten — wandte sich nach Prag zurück, wo er später mit seinem Sohne Kilian Ignatz Dientzenhofer (1689—1751) eine hervorragende Thätigkeit entfaltete. Leben und Werke dieser beiden Meister, die in der deutschen Architekturgeschichte des 18. Jahrhunderts eine höchst bedeutende Stellung einnehmen, finden sich in eingehender Weise in der citierten Abhandlung von Schmerber gewürdigt. 1 Schmerber 1. c. S. 15. 2 S. Schmerber 1. c. S. 26. 3 Dieser hatte sich am 29. Augmst 1690mit der Wittwe Georg Dientzen- hofers verheiratet. 4 ZWEITER TEIL. DIE EINZELNEN BAUWERKE. Waldsassen. Die Jesuitenkirche in Bamberg. Walldürn. Wir haben gesehen, dass das Kloster Waldsassen 1 (Tafel 1) der Ausgangspunkt für die Bautbätigkeit der Brüder Dientzen- hofer war. Wie aber kommen diese einfachen Maurermeister aus dem südlichen Bayern in das entlegene Kloster des Fichtelgebirges ? Man hat zur Klärung dieser Frage darauf hingewiesen, dass die (1669 erfolgende) Neubesiedelung des seit mehr als 100 Jahren aufgehobenen Klosters Waldsassen von dem Cistercienser- kloster Fürstenfeld-Bruck ausging, und hat angenommen, die Dientzenhofer seien, ebenso wie der im ersten Baujahre 1681 genannte Maurermeister Caspar Feichtmeyer aus Bernried dem Waldsassener Prior vom Mutterkloster geschickt worden. Diese Annahme würde an Wahrscheinlichkeit gewinnen, wenn sich die Gurlitt’sche Notiz (1. c. pag. 162), dass die Neubauten in Fürstenfeld bereits 1673 in Angriff genommen wurden, als richtig erweisen liesse. Trautmann 2 hat aber aktenmässig fest- 1 Waldsassen, a. d. böhmischen Grenze gelegen, ist eine der ältesten Niederlassungen des Cistercienserordens in Bayern. Gegründet als Tochterkloster von Morimond — 1133 — hatte die Abtei vermöge ihrer Lage eine vermittelnde Stellung zwischen den deutschen und böhmischen Niederlassungen. Um 1560 wurden die Conventualen, die zum Protestantismus nicht übertraten, vertrieben. Erst nach der Schlacht bei Prag, als die Oberpfalz an Bayern kam, wurde unter Maximilian I. 1625 der Katholizismus wieder eingeführt. (P. Binhack, Die Gründung der Cistercienserabtei Waldsassen Programm der bgl. Studienanstalt Eichstädt 1889/90 u. Die Geschichte d. Cistercienserabtei Waldsassen v. d. Wiederherstellung d. Klosters 1661. Begensburg 1888.) 2 Trautmann-Aufleger, D. kgl. Hofkirche zu Eürstenfeld. München 1893. 4 gestellt, dass man dort erst 1690 zu bauen begann. So möchte ich die andere Vermutung äussern, dass der älteste Dientzen- hofer, der zum ersten Male zusammen mit dem 1682 neube- rirfenen Baumeister Leuthner genannt wird, eben mit diesem von Prag, wohin er vielleicht auf der Wanderschaft gelangt war, nach W. übersiedelte. Für die Frage nach den Vorbildern, welche zunächst auf seine Ausbildung von Einfluss sein konnten, sind beide Möglichkeiten gleichbedeutend. Denn sowohl in Bayern wie in Prag waren zu jener Zeit die tonangebenden Architekten italienische Meister. Schon aber regte sich in den untergeordneten deutschen Meistern des Maurer- und Bauhandwerks, die in der italienischen Schule zu einer gewissen Formensicherheit gelangt waren, hin und wieder das Bestreben, eigene Wege zu gehen; das erwachende Bewusstsein, es den «Wälschen» gleichthun zu können, liess sie zu neuen selbständigen Lösungen der auf- gegriffenen Probleme gelangen. Diese'Versuche förderten zwar zunächst noch unreife Leistungen zutage; aber sie führten — und darin hegt ihre Bedeutung — der auf fremdem Boden allmählich alternden italienischen Kunst neue Lebenskraft zu und legten den Grund zu dem erneuten Aufblühen der deutschen Baukunst in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. In dem Konkurrenzkampf der beiden Elemente, der nun begann, gewann die jugendliche Kraft der deutschen Meister mehr und mehr die Oberhand. Aber es dauerte noch eine geraume Zeit, bis aus den alten Schulformen ein charakteristisch deutscher Barockstil sich ausbilden konnte. Am Anfang dieser Bewegung steht der genannte Prager Baumeister Abraham Leuthner von Grundt (f 1690?). In dem einzigen ausgeführten Bau, den wir bis jetzt von ihm kennen, dem Kirchen- und Klosterbau zu Waldsassen (Tafel 1) ist er zwar noch vollkommen in der alten Weise befangen; die bei den Jesuitenkirchen vielfach beliebte Grundrissdisposition hegt auch der in gewaltigen Dimensionen erbauten Kirche zugrunde. Um so selbständiger zeigt er sich in dem schon erwähnten, äusserlieh so unscheinbaren Tafel-Werk, das er 1677 in Prag hatte erscheinen lassen, «aus rechten teutschen hertzen», «denen anfangenden zum besten», wie er in der Vor- rede sagt. Von besonderem Interesse sind darin die mannich- fachen, zum Teil sehr originellen Versuche, in denen er sich bemüht, das Problem der Centralanlage in Kirchen- und Profanbau zu lösen. Er erscheint darin als direkter Vorläufer des Meisters, der die Kühnheit hatte, diese theoretischen Versuche auch in die Praxis überzuleiten, seines Paliers beim Wald- sassener Klosterbau: Georg Dientzenhofer. 1 In der Waldsassener Dreifaltigkeitskapelle (1685—89) 2 macht Dientzenhofer den interessanten Versuch, das alte Problem der Wallfahrtskirche in neuer origineller Weise zu lösen. Der hl. Dreifaltigkeit sollte die Kirche geweiht werden; vielleicht unter dem Einfluss der Geistlichkeit suchte der Baumeister dieser Bestimmung schon im Aeusseren Ausdruck zu verleihen: das Symbol der Dreieinigkeit, das gleichseitige Dreieck, ist der Grundrissbildung als Kern zu Grunde gelegt, und in gewissenhafter Weise ist die Dreizahl auch sonst als Norm festgehalten. In den drei zusammenstossenden Ecken der Conchen erheben sich drei Rundtürme, drei Dachreiter bezeichnen den Mittelpunkt der Conchengewölbe, je drei Hauptfenster durchbrechen die Obermauern der Apsiden; der niedere äussere Umgang folgt der Disposition des Kerns. Wenn in dieser ganzen Anordnung auch noch etwas Aengstliches, 1 Ich folge im Text den Ausführungen Binhacks, der seine Nachrichten einer am Ende des 18. Jahrhunderts erschienenen Chronik entnommen hat; «die Rechnungen fehlen». Bei der bekannten Unsicherheit aller Quellen aus dieser Zeit kann ich mich aber des Eindrucks nicht erwehren, als ob hier dem G. Dientzenhofer die Urheberschaft an einem Werke zugeschrieben würde, dessen Bau er thatsächlich nur als Palier und Maurermeister geleitet hat. Während der ganzen Zeit des Baues der «Kappel» war nämlich der eigentliche «Baumeister» des Klosters: Abraham Leuthncr, der bewährte Architekt. Soll man nun wirklich dem Palier vor seinem Meister den Auftrag erteilt haben ? Vermutlich liegt dem Bericht des Chronisten eine ähnliche Notiz zugrunde, wie sie gelegentlich der Grundsteinlegung der Klosterkirche 11685) bemerkt ist: der Slaurer- meister D. und d. Zimmermeister Schenkl bekommen bei dieser Gelegenheit 20 resp. 18 fl. Eine solche Bemerkung musste natürlich den Chronisten bei dem Pehlen detaillierter Baurechnungen auf den Gedanken bringen, dass D. auch die Pläne entworfen habe, während sie mit grösserer Wahrscheinlichkeit von dem Hauptarchitekten des Klosters Abraham Leutliner herrühren, der als solcher für die Entwürfe eigens honoriert war und deshalb bei der Grundsteinlegung auch kein Geschenk bekam. 2 Vergl. den Grundriss bei Gurlitt, 1. c. S. 199, und Schmerber, 1. c. 8. 10, wo auch die Aussenansicht gegeben ist. $% VvvS. i IIS! i r>»f-- L — T ■;.‘ it! 9 9 • \ 9 \ *■ Abb. 2. Entwurf zu einer AVallfahrtskapelle in Burgwindlieim. Schulmässiges steckt, das sich namentlich auch in der geringwertigen nüchternen Ausführung zeigt, so äussert sich doch in der folgerichtigen, strengen Durchführung des einmal angenommenen Grundgedankens eine für den einfachen Maurermeister höchst erstaunliche Fähigkeit und Selbständigkeit, der auch die Anlehnung an fremde Vorbilder in den äusseren Formen (das Zwiebeldach der Türme ist vorgebildet bei Leuthner, Tafel 53) keinen Abbruch thut. Dass die gegebene Anregung auch lebensfähig war, beweist die Thatsache, dass Balthasar Neumann in seinen Entwürfen für die Bu r gw i n dhei m er Wallfahrtskirche' (Abb. 2) den Dientzenhofer’schen Gedanken wieder aufnahm. Die Grundform des Dreipasses, dessen Einwölbung ungelöste Schwierigkeiten bot, wurde zu Gunsten der entwicklungsfähigeren Vierconchen- anlage mit Vierungskuppel aufgegeben. Die in Waldsassen dominierenden Türme schwinden zu niedrigeren Treppentürmchen zusammen und überlassen den mächtigen Kuppeln die Hauptwirkung; reichliche Lichtöffnungen sollen der hohen Obermauer ihre lastende Schwere benehmen. Der niedrige Umgang ist beibehalten, doch sind in charakteristischer Weise die breitgelagerten Ovalfenster durch hochstehende Fensteröffnungen ersetzt, eine an sich geringfügige Aenderung, die aber dem gewissermassen als Sockelgeschoss dienenden Umlauf viel mehr Straffheit und Festigkeit verleiht. — Eine Datierung dieser nie zur Ausführung gelangten Burgwindheimer Pläne lässt sich nicht mit Sicherheit gewinnen. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind sie in der Zeit entstanden, in welcher Neumann für das Kloster Ebrach thätig war, also ca. 1716. Demnach hätten wir eine bauliche Leistung vor uns, die ungefähr ein Menschenalter nach den schlichten 1 Die Pläne befinden sich auf der Würzburger Universitätsbibliothek (del. Ebrac), zusammengeheftet mit den Ebracher Grundrissen. Da Gurlitt a. a. 0. S. 622 diese letzteren alle als von Job. Leonli. Dientzenhofer stammend bezeichnet, muss erfolgerichtig auch die Burgwindheimer Pläne diesem Meister zuschreiben. Wir werden aber nacliweisen, dass ein Teil der Ebracher Grundrisse von Neumann angefertigt ist; und mit diesen stimmen, was zeichnerische Ausführung anlangt, die Burgwindheimer Entwürfe zum grossen Teil überein. Ausserdem weisen auch die handschriftlichen Bemerkungen auf den Blättern auf Neumann hin. Waldsassener Anfangsversuchen geplant war, und können schon daraus ersehen, in welcher Richtung sich der Fortschritt in den Zielen der Baukunst in verhältnismässig kurzer Zeit vollzogen hat. Während des Baues der Kapelle war, wie wir wissen, G. Dientzenhofer zugleich Hauptpalier beim Klosterbau. Nur vorübergehend war er zu Beginn des Jahres 1680 in Bamberg anwesend, wo er für die Jesuiten Pläne für den Kirchen- und Conventsbau anzufertigen hatte. 1 Gleichzeitig wurde er vom Fürstbischof Marquard Sebastian als Sachverständiger über den Bau des Schlosses Seehof vernommen, dessen Ausführung, wie erwähnt, dem Würzburger Meister Petrini übertragen worden war. — Dieser urkundlichen Notiz steht die in der Lokallitteratur vertretene Ansicht gegenüber, dass die Pläne zur Kirche von dem Jesuitenpater Andreas Pozzo angefertigt worden seien. Weder Haas noch Weber 2 geben einen urkundlichen Beleg dieser ihrer Nachricht; vermutlich ist ihre gemeinsame Quelle v. Murr, der in seinen Merkwürdigkeiten der Residenzstadt Bamberg 1799 (pag. 127) zum ersten Male Pozzo als den Verfertiger der Risse nennt. Auch das Kuppelfresko. führen sie beide auf Pozzo’s Erfindung zurück. Es ist eine jener perspektivischen Meisterleistungen, wie sie dessen Lehrbuch der Perspektive von 1693 in einigen Beispielen bringt, von einem Italiener Marchini ausgeführt. In den heute noch auf der Registratur des kgl. Lyceums aufbewahrten Akten, dem Material, das den genannten Autoren zur Verfügung stand, ist der Name des Baumeisters nicht ge- 1 S. Schmerber, pag. 18. Schreiben d. Jesuiten B. Wolff an den P. superior Nivardus in Waldsassen vom 24. März 1686 (Kreisarchiv Amberg) : Humanissimae ab adm. Reverenda Paternitate vestra ad me datae tantum invenerunt ubique ponderis, ut commendatus iis D. Georgius Dientzen- liijffer non tantum in collegio pro modulo nostro humaniter exceptus sed etiam a Celsissimo Principe nostro postulatus ad audientiam et super structura nobili arcis suburbanae consultus sit. Ideae templi et col- legii nostris placuere omnibus nec dubito. quin eorundem Architeetus eligendus ipse sit, quod, quantum in me erit, modis omnibus urgebo. 2 N. Haas, Geschichte der Pfarrei St. Martin zu Bamberg. Bbg. 1845, S. 558 ff. H. Weber, Geschichte der gelehrten Schulen im Hochstift Bamberg. 45. Jahresbericht d. hist. Vereins zu Bamberg 1880, S. 498 ff. nannt. 1 Auch die Jesuitenakten des kgl. allgemeinen Reichsarchivs in München enthalten keinerlei Andeutungen. So vermag ich denn, wenn ich die Unzuverlässigkeit derartiger littera- rischer Nachrichten erwäge, die Vermutung nicht zu unterdrücken, dass man Pozzo’s Thätigkeit für Bamberg (er malte laut Aktennotiz 1709 das Hochaltarbild für die Jesuitenkirche) zu sehr verallgemeinert hat. 2 Die Erwägung ferner, dass der Jesuitenpater gerade damals (von 1685 an) in Rom eine äusserst lebhafte Thätigkeit entfaltete, 3 lässt keinesfalls die Annahme seiner persönlichen Anwesenheit in Bamberg zu. Pläne, die vielleicht von ihm herrührten, konnten also höchstens allgemeine Bau-Ideen enthalten, die von dem Bamberger Baumeister erst dem konkreten Fall angepasst werden mussten. Wenn die Bestimmung, nach welcher grössere Baulichkeiten für die Gesellschaft Jesu nur mit Erlaubnis des Ordensgenerals errichtet werden durften, damals noch in Kraft war, so liesse sich denken, dass die Pläne des einheimischen Meisters zur Genehmigung nach Rom gesandt wurden und vielleicht mit der Unterschrift des damaligen Ordensbaumeisters Pozzo versehen, wieder zurückkamen. Keinesfalls entstammen die noch erhaltenen Grundrisse und der perspektivische Aufriss 4 Pozzo’s Hand; die unsichere Art 1 Freundliche Mitteilung des kgl. Lycealprofessors Herrn Dr. Hess in Bamberg. 2 Einen Beleg hierfür gibt folgendes: die Notiz bei Haas «die Zeichnung zum Kunstwerk der Kuppel findet man in Pozzos Werk über Per- spektivwissenschaft> ist bei Weber mit den Worten wieder gegeben: nach einer Zeichnung desselben Künstlers (Pozzo) malte Marchini die Kuppel. Hiedurch wird die unrichtige Vorstellung hervorgerufen, als ob Pozzo eigens für die Kirche die Kuppel gezeichnet hätte. 3 Für die Kirchen St. Ignatio und Gesü, vergl. Gurlitt, 1. c. S. 462, 466. 4 Von den Zeichnungen befinden sich drei in der Sammlung Dros Bamberg, eine im Bamberger Kreisarchiv. Originalgrösse des Aufrisses 115x43 cm, des Grundrisses 62x45 cm. Sie sind vielleicht identisch mit den 3 Grundrissen, die nach einem alten Repertorium des Jahres 1778 (jetzt in der Stadtbibliothek zu Mainz) unter den Jesuitenakten sich befanden, welche 1793 nach Mainz verbracht wurden (gütige Mitteilung des Hrn. Oberbibliothekars Prof. Dr. Velke in Mainz). Dass die Pläne Entwürfe für den Bau, nicht etwa nachträgliche Aufnahmen sind, ergibt sich aus dem Umstand, dass sie erhebliche Abweichungen von der endgültigen Ausführung zeigen: Die Kapitelle der Stützen sind im Entwurf durchgängig als composite gedacht; auch scheint es, als ob der Fa- gadenentwurf an Stelle der ausgeführten Pilaster Säulen angeordnet hätte. 56 der Zeichnung lässt eher auf einen biederen Maurermeister schliessen ; vielleicht sogar haben wir die von Georg Dientzen- hofer angefertigten Pläne vor uns. (Tafel 2.) Das Grundrissschema der Kirche (heute St. Martinspfarrkirche) geht auf die Umbildung des Typus von Gesü in Rom zurück, wie sie zuerst in der Münchener Michaelskirche auf- tritt. An Stelle der Kuppelreihe in den Seitenschiffen sind als Widerlager für das Tonnengewölbe des Mittelschiffs die quergelegten schmalen Tonnen der Seitenkapellen getreten. Die Seitenschiffe sind jenseits des nicht über den Mauerkern vorspringenden Querschiffs als Umgang um den Chor geführt. Eine Neuerung deutschen Ursprungs liegt in der Hinzufügung eines Turmes am Ende des Chors, in der Mitte des Umgangs. Bei der Fapade ist der interessante Versuch gemacht, durch tiefe Nischen die grossen Mauerflächen zu beseitigen und das Ganze in ein System tragender und getragener Bauteile aufzulösen. Die horizontale Zweiteilung der Fapade in ein dorisches Untergeschoss und einen jonischen Oberbau, dessen überhöhter Mittelteil eine korinthisierende Pilasterordnung zeigt, ist auch an den Seiten in paarweise angeordneten Pilasterstellungen durchgeführt. Die Ausführung im Einzelnen ist streng gesetzmässig, von wuchtig derber Kraft, und will sich in keiner Weise mit dem Begriff barocker Ueppigkeit verbinden lassen, der sonst dem Namen Pozzo anhaftet. An dekorativen Zierformen ist der Bau auffallend arm, das im Entwurf vorgesehene Ranken- und Muschelornament ist weggefallen; nur der Rundplastik und dem dekorativ verwendeten Balustradenmotiv ist die Belebung der Faqade zu danken. Die Baudaten der Kirche sind folgende: am 11. August 1686 wurde unter grosser Feierlichkeit der Grundstein gelegt; nach Tjähriger Bauthätigkeit konnte die Kirche, am 17. Mai 1693, 1 geweiht werden; der Turm kam erst 1696 zur Vollendung. 2 1 Das Datum 1690 am Giebel der Dagade bezieht sich nur auf die Vollendung dieses Bauteiles. 2 Haas, 1. c. S. 557. 57 Der Bau, dessen innerer Ausgestaltung wir heute ziemlich gleichgültig gegenüberstehen, scheint zur Zeit seiner Entstehung grosses Aufsehen erregt zu haben. Nur so können wir es uns erklären, dass der Baumeister der Wallfahrtskirche in Walldürn 1 2 (Baden), Lorenz Gassner (f 1703), vom Kurfürsten Lothar Franz eigens nach Bamberg geschickt wurde, um einen genauen Abriss der Jesuitenkirche zu machen.- — Auf die Beziehungen zwischen Walldürn und Bamberg weist ferner der Umstand, dass man bei Beginn des Umbaues der Wallfahrtskirche im Jahre 1698, wie es scheint, auch den Hofbaumeister J. L. Dientzenhofer zu Rat gezogen hat. Eine Notiz in einem Schreiben betr. den ßamberger Residenzbau, datiert vom 12. September 1698, besagt, dass der Baumeister «bis dato von Closter Schönthal und Waldthüring noch nicht zurückkommen». Welchen Zweck seine dortige Anwesenheit hatte, ob er selbst vielleicht in Konkurrenz mit Andern Pläne geschallen hat, oder nur zur Begutachtung der angeblich von einem Architekten Johann Weyd aus Mainz 3 entworfenen Grundrisse berufen worden war, konnte ich nicht feststellen. Im System des Langhauses, das allein als Neubau in Betracht kommt, liegt allerdings eine unverkennbare Aehnlich- keit mit der Bamberger Jesuitenkirche vor. Beide Kirchen zeigen jene Anordnung übereinanderstehender Arkaden, wie sie zuerst in der Waldsassener Klosterkirche (gegr. 1685) zu beobachten ist und in den Entwürfen der Zeit häufig wiederkehrt. 4 (Siehe Seite 13.) Die elegante innere Ausschmückung, in der Walldürn das Bamberger Vorbild bei weitem übertrifft, ist in den Formen des Bandornamentstils durchgeführt und stammt aus viel späterer Zeit; erst 1725 soll sie begonnen worden sein. 5 1 Walldürn war früher kurmainzisch. 2 Freundliche Mitteilung d. Hrn. Prof. Dr. Ehrensberger in Bruchsal. 3 Führer durch Walldürn in «Wörls Reisehandbücher», ]899, S. 22 . 4 z. B. Ebracher Pläne Nr. 4 (Würzb. Univers. Bibi.). Pläne im bayer. Nationalmuseum. 0 Mang’els eigener Kenntnisse des Aktenmaterials muss ich auf die demnächst erscheinende «Beschreibung der badischen Kunstdenkmäler des Kreises Mosbach» verweisen, in welcher der hochbedeutende Bau einer eingehenden Würdigung durch Herrn Prof. Dr. Ehrensberger in Bruchsal unterzogen werden wird. 58 In Bamberg selbst dürfte nur der Umbau der Carmeliter- kirche auf dem Kaulberg von St. Martin beeinflusst worden sein. Wer der ausführende Baumeister der Jesuitenkirche war, wissen wir nicht ; Gurlitt 1 denkt der trockenen Formgebung wegen an den Würzburger Petrini, der, wie wir wissen, in jener Zeit öfters nach Bamberg 2 zur Inspektion des Seehofer Schlossbaues kam. Eine sichere Zuweisung an ihn aus stilistischen Gründen lässt sich jedoch bei dem wenig individuellen, wechselnden Charakter seiner Bauweise nicht wagen. Nur mit grösstem Vorbehalt möchte ich die Vermutung äussern, dass Johann Leonhard Dientzenhofer, dessen Uebersiedelung nach Bamberg gerade in diese Zeit, 1686, fällt, zur Leitung des nach seines Bruders Plänen auszuführenden Kirchenbaues berufen worden sei. — Der Bau des Kollegiums, 3 dessen Grundsteinlegung erst sehr viel später (am 23. März 1696) erfolgte, wurde hauptsächlich von bauverständigen Ordenspriestern geleitet, bis auf fürstliche Veranlassung 1701 ein Kontrakt mit einem zünftigen Maurer Joh. Finckel abgeschlossen wurde. Indess ist diese räumlich ausgedehnte Anlage so nüchtern und schmucklos durchgeführt, dass sie für die kunstgeschichtliche Betrachtung belanglos ist. II. Ebrach und Schönthal. Dem Beispiel, welches das Kloster Waldsassen durch seinen Neubau gegeben hatte, folgten zuerst in umfassendster Weise die Cistercienser im Ebrachthale. 4 (Tafel 3; Abb. 3.) Waren jedoch in 1 1. c. S. 185. 2 Am 7. Juni 1687 wird dem Schmidt wirthen zum «dreyen Mohren» die Summe von 3 fl. 3 K. 11 dl. ausbezahlt, «so der Würzburger Baumeister Petrini nebens einen Pferdt bey ihm verzehrt (Hofkammer-Manual v. 1687(88). 3 Eine genaue Geschichte des Baues findet sich bei Weber, 1. c S. 490-499. 4 Das Kloster Ebrach — Tochter von Morimond — ist als älteste Niederlassung der Cisterzienser in Pranken (gegr. 1126) der Vorort der fränkischen Ansiedelungen geworden. Die abgeschiedene Lage des Klosters erklärt sich aus den Vorschriften des Ordens. — Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist das ehemalige Kloster in eine Strafanstalt verwandelt. 6o Waldsasseil die baulichen Veränderungen noch in erster Linie durch die praktischen Bedürfnisse des in schlimmster Verwahrlosung darniederliegenden Klosters hervorgerufen worden, so hat wohl in Ebrach mehr die erstarkende Sucht nach Prachtentfaltung die Veranlassung zu dem Neubau gegeben. Denn auch die Mönche im stillen Waldthal hatten sich, nachdem einmal die alte zur Einfachheit mahnende Ordensregel vergessen war, der repräsentationsfreudigen Zeitströmung nicht zu ver- schliessen vermocht, die in der Architektur ein Mittel zu möglichst glanzvollem Ausdruck der Macht und des Reichtums des Erbauers erblickte. In diesem zielbewussten Streben hatte sich das Kapitel unter dem energischen Abt Ludovicus Ludovici zu dem bedeutsamen Entschlüsse zusammengefunden, das Kloster, das sich noch in ganz gutem baulichen Zustand befand, dennoch von Grund auf neu und einheitlich umzugestalten. So wenig Tragweite man diesen Thatsachen an sich bei der abgeschlossenen Lage des Klosters beimessen mag, sie haben doch die Bedeutung, dass durch sie der hohe Aufschwung eingeleitet wurde, den die Baukunst im Frankenland um die Wende des 17. Jahrhunderts nehmen sollte. Als erste wahrhaft grosse Leistung bot der Klosterbau dem Bauhandwerk erwünschte Gelegenheit zur Schulung seiner Fähigkeiten; und ist es denn nicht auch wahrscheinlich, dass derselbe die nächste Ursache bildete zur Uebersiedelung eines der nachmals tüchtigsten Baumeister nach Bamberg? Damals allerdings w T ar Joh. Leonhard Dientzenhofer noch ein unbekannter Maurerpalier beim Klosterbau in Waldsassen. Ein Empfehlungsschreiben des dortigen Priors an den Ebracher Abt mag ihn aus dieser Verborgenheit emporgezogen und ihm das nicht unbedeutende Amt in Ebrach verschafft haben, dessen Besetzung mit einem selbständig noch nicht erprobten Meister um so weniger auffallen kann, als gewiss damals in Ebrach — wie fast in allen Klöstern — auch nach dem Uebergang des Bauwesens in Laienhände, noch ein oder der andere bauverständige Conventuale sich befand, welcher dem Baumeister leitend mit Rat und That zur Seite stehen konnte. Es war ja auch keine so hohe künstlerische Anforderung, die an den Baumeister des Ebracher Conventbaues gestellt — 6l — wurde. An Stelle des zersplitterten Gebäudekomplexes, wie ihn der alte Grundriss zeigt, sollte eine neue, auf den Regeln der Symmetrie und exakten Geradlinigkeit beruhende Anlage entstehen ; die alten minderwertigen Gebäude, die zum Teil noch aus Fachwerkmauern hergestellt waren, sollten durch massive Sandsteingebäulichkeiten ersetzt werden. Weniger durch prächtige Einzelformen als durch das geschlossene Bild einer konsequent durchgeführten Einheitlichkeit sollten sich die Neubauten auszeichnen. Zur zweckmässigen Lösung dieser Aufgabe bedurfte man nicht gerade eines künstlerisch hochstehenden Architekten ; es genügte ein praktisch erfahrener Baumeister, der in erster Linie mit der handwerklichen Seite des Bauwesens vertraut und im “% ■ Abb. 4. Kloster Ebrach, Dientzcnhofers FacadenenUvurf. Stande sein musste, den Ideen des Bauherrn klaren und verständigen Ausdruck zu verleihen. Dass dann freilich das Formale nur unselbständig ausgebildet und wohlbekannte Formen fast unverändert von andern Bauten übernommen wurden, kann nicht wundernehmen. Der zünftige Maurermeister hielt sich eben an die Ausdrucksmittel, die ihm von früheren Bauten, an denen er als Geselle in Arbeit gestanden hatte, geläufig waren. Wenn sich so in E. die Formen der Prager Burg 1 vorfmden, so braucht man deshalb aber noch nicht an einen Aufenthalt D.’s in dieser Stadt zu denken; denn dieselben Formen fanden auch in Waldsassen Verwendung, und D.’s Lehrmeister Leuthner hatte überdies seinem Schüler — von einem solchen Verhältnis kann natürlich nur im weitesten Sinne die Rede sein ■— die Uebertragung dieses Formen - Systems erleichtert 1 Gurlitt, 1. c. 322. 62 durch Herausgabe des schon erwähnten Tafelwerkes, das 1677 in Prag erschienen war. Dasselbe enthält (Tafel 38 und 45) im wesentlichen alle jene einfachen Detailformen, deren sich D. beim Aufbau seiner Fagade und bei Gliederung seiner Arkadenhöfe bedient. Bei der Komposition der Hauptfront (Abb. 4) hielt er sich an das Schema des dreigeschossigen Waldsassener Seitengebäudes (Taf. 1), indem er in gleicher Weise die Wand durch toskanische Pilaster gliederte, die je eine (durch Zwischenglieder zu einem Ganzen vereinigte) vertikale Fensterreihe einschliessen. DasVorbild seiner Höfe ist in dem Facjaden- system des Waldsassener Abteibaues zu finden. -.Sri* 0K»! Abb. 5. Kloster Ebrach im Jahre 1663. Nach dem Gemälde im Resitze des kgl. Kreisarchivs Bamberg. Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass die F a q a d e n- einteilung des D.’schen Entwurfes bei ihrer mächtigen Breitenausdehnung äusserst nüchtern gewirkt hätte. Die unbedeutende Hervorhebung der beiden Flügelteile und der drei mittleren Achsen durch Zusammenfassung zu einer Art Bisalit wäre nicht ausreichend gewesen, um auch nur einige Belebung in die Front zu bringen. In dem ängstlichen Klebenbleiben an dem einmal angenommenen Motiv, in dem unfreien, phantasielosen Wiederholen eines und desselben Schemas zeigen sich die Grenzen von Dientzenhofers Fähigkeiten; es tritt hier eine ähnlich handwerksmässige Auffassung zutage, wie sie auch an 63 seinen anderen Bauten, z. B. der Residenz in Bamberg, wenn auch dort nicht in solcher Nacktheit, zu gewahren ist. Man scheint die Einförmigkeit dieses Aufrisses im weiteren Verlaufe der Bauarbeiten auch in Ebrach empfunden zu haben, als man, fast ein Jahrzehnt nach D.’s Tode, B. Neumann mit der Anfertigung neuer Entwürfe betraute. In den Höfen, die ohnedies durch ihre wohlproportionierten Arkaden reicher belebt sind, ist der Versuch gemacht, durch verschiedene Gliederung der Oberwände Abwechslung zu bringen. Doch zeigt sich auch hier in der teilweisen Wiederholung Abb. 6. Grundriss der alten Klosteranlage in Ebrach. des Fagadenschemas und in manchen missverstandenen Detailbildungen (z. B. den unmotivierten Triglyphen im Haupthof) die Befangenheit und üngewandtheit des Baumeisters. In der Massendisposition und Inneneinteilung war er durch die Bedürfnisse des Klosters gebunden, die ihm grösste Zweckmässigkeit zur Pflicht machten. So hat denn die ganze Anlage einen nüchternen, trockenen Charakter bekommen, der sich in keinem Teile zu wahrhaft künstlerischer Freiheit durchzuringen vermag. Ein eigentlicher Mittelpunkt fehlt in den ersten Entwürfen völlig ; erst bei den späteren Projekten ist der Kreuzungspunkt der Innenflügel zu einem grossen Saale erweitert. — 64 Dientzenhofers Verdienst liegt auf der technischen Seite. Am deutlichsten wird dies aus der Betrachtung der Baugeschichte des Klosters erhellen, die sich zunächst mit der Frage zu beschäftigen hat, inwieweit der Baumeister bei der Neuschaffung durch die frühere Anlage gebunden war. Nun sind wir in der seltenen Lage, sowohl einen Grundriss, als einen perspektivischen Aufriss der ehemaligen Gebäude zu besitzen. Im kgl. Kreisarchiv zu Bamberg wird ein grosses Oelgemälde (Abb. 5) verwahrt, das unter dem Abt Albericus angefertigt, den baulichen Zustand des Klosters im Jahre 1663 zeigt. In Verbindung mit dem genauen Grundriss (Abb. 6), den Dientzenhofer 1 zu Beginn seiner Thätigkeit aufzunehmen beauftragt wurde, gibt uns dasselbe ein anschauliches Bild vom Umfang des damaligen Klosters. An die von der alten Ordensregel vorgeschriebenen Gebäude 2 (Kirche, Schlafhaus, Refektorium, Gaststube, Pförtnerwohnung) hatte sich allmählich ein ansehnlicher Komplex angegliedert. Ausgangspunkt der Anlage war die Kirche, an deren südlicher Längsseite sich der Kreuzgang anschloss. Um denselben gruppierten sich die Conventsgebäude, eine Anordnung, wie sie auch von D. unter Veränderung der Richtungslinien der einzelnen Trakte beibehalten wurde. Die Prälatur, ein schmuckloser Flügel, war nach hinten gelegen; die vorderen Räume nach dem Kirchenportal zu waren als Gastzimmer für hohen Besuch (sog. Fürstenzimmer) bestimmt. Während bei den bisher genannten Baulichkeiten Grundriss und Aufriss übereinstimmt, zeigt ein Vergleich der anderen Teile, dass sich der Maler der Abrundung seines Bildes zuliebe verschiedene Ungenauigkeiten zu Schulden kommen liess: das Dormitorium ( 2 ) lag in gerader Fortsetzung des östlichen Kreuzarmes, nicht wie das Oelbild zeigt, unter stumpfem Winkelabgebogen; infolgedessen ist auch die Lage des Museums 1 Es wurden ihm dafür am 13. Januar 1687 14 fl. 6 kr. vergütet. Die Original-Aufnahme scheint nicht mehr vorhanden zu sein; doch finden sich auf den in der Würzburger Universitätsbibliothek verwahrten Ebracher Entwürfen mit leichten Strichen die ehemaligen Gebäude eingezeichnet Die beigegebene Abbildung ist nach einer Bause verkleinert. 2 S. Dohme, Die Kirche des Cisterzienserldosterordens in Deutschland, S. 22. Leipzig 1869, 65 (44) und der Bibliothek (43; unrichtig verzeichnet, sowie der vom Schlafsaal (2) und «langen Saal» (6) eingeschlossene und durch eine Mauer von den Jagdgebäuden (11) getrennte Hofraum ungenau wiedergegeben. Von den übrigen Wirtschaftsgebäuden waren die eigentlichen Klosterbauten durch eine Längsmauer getrennt. Dieser ganze Komplex musste allmählich verschwinden, nachdem man zu Beginn des Jahres 1687 mit Dientzenhofer die Pläne zu dem projektierten Neubau festgelegt hatte. Es scheint dies keine geringe Aufgabe gewesen zu sein, denn nicht weniger als drei verschiedene Plangruppen 1 sind uns erhalten, r* u & T.l H Ml M 3 I ! IHftj n rminiiiTii miniinnr] g, • d n » v - , H ' r 1... v u fiTUI kt rrr O ► »-»-4 t > 4 f . < > T-->l ’T' T7”T Ü..1. f- —isä. K -i i - < N t 4 TTCTT" iö I I 'W-- IX.. *tli “T VT 1 " XX.iX.X_ii. Abb. 7. Dientzenhofers Entwurf zum Ebracher Klosterbau. und keine derselben stimmt mit der endgültigen Ausführung überein. Gemeinsam sind allen Entwürfen nur die später auch ausgeführten drei senkrecht zur Kirchenachse laufenden Querflügel, die in Höhe des Querschiffs, Kircheneingangs und der Mitte der Längsfagade des Klosters ansetzen. Ein vierter projektierter Verbindungsflügel zwischen den beiden westlichen Pavillons wurde bei der späteren Ausführung weggelassen, um einen offenen Hof für einen Ziergarten zu gewinnen. Während nun der erste Entwurf eine regelmässige Anlage zeigt, die sich um drei rechteckige, grosse, geschlossene Höfe 1 Wiirzburg, Universitätsbibliothek del. I. 1-9. 5 66 lagert, sind in der zweiten Plangruppe (Abb. 7), um eine bessere Gliederung der Massen herbeizuführen, die drei Höfe durch Längstrakte in sechs kleinere zerlegt, die mit Ausnahme des südöstlichen alle geschlossen werden sollten. Diese Disposition gibt ebenso wie die der dritten Plangruppe im wesentlichen die Elemente der späteren Ausführung, bei welcher allerdings nur die beiden der Kirche zunächst hegenden Höfe geschlossen wurden. Dabei gab man auch die wohl absichtlich gewählte Kreuzesform des Entwurfes auf. 1 Die projektierte Symmetrie in Gruppierung der einzelnen Bauteile erforderte von Anfang an energische Korrekturen der seitherigen Hauptrichtungs- linien; es galt zunächst, die Fronllinie des Hauptgebäudes festzulegen. Wenn man sich nach den ersten Versuchen darüber klar war, dass die Längsachse der Kirche auch für die Richtungs- linie des Hauptbaues massgebend sei, 2 und demgemäss die schiefe Front der alten Anlage umgeändert werden müsse, so schwankte man doch zuerst, wo man diese Mauer ansetzen sollte. Schliesslich entschied man sich dafür, die Front nicht in der Fluchtlinie der Kirchenmauer verlaufen zu lassen, sondern dieselbe um die Breite einer in die Kirchenfacade gebrochenen Thüröffnung weiter vorzusetzen. Es war diese Anordnung mit Rücksicht auf die Kreuzgänge geboten, die in den ungefähren Massen ihrer Tiefenausdehnung übereinstimmen mussten. Ein weiterer Fortschritt in der organischen Geschlossenheit der ganzen Anlage wurde auch dadurch erreicht, dass man bei der endgültigen Ausführung der Projekte für die Grösse des östlichen Kreuzganges die Länge des Seitenschiffes der Kirche massgebend sein liess, sodass die Rückwand des Kreuzganges in der Linie der Kirchenfacade aufgeführt und dadurch die ganze westliche Klosteranlage um die Breite des Kreuzganges näher an die Kirche herangerückt wurde. Die definitiven, wie es scheint, nicht mehr erhaltenen 1 Derartige symbolische Anspielungen lagen im Geschmack der Barockzeit. Ein interessantes Blatt (Ebracher Pläne Nr. 100) zeigt den Versuch, eine Klosteranlage in der Grundrissform des Jesuitenmonogramms durchzufiihren (IHS). 2 Vergl. Grundriss del. 1, Nr. 20, wo die Anlage zunächst entsprechend den alten Fundamenten schiefwinklig zur Kirche steht und durch corri- gierende Linien zurückgesetzt ist. 67 Grundrisse waren von Dientzenhofer um die Wende des Jahres 1686/87 angefertigt worden; man hatte ihm am 13. Jan. 1687 ein Honorar von 7 fl. 3 bz. für den «perfektirten neuen abriss» ausbezahlt. Trotzdem dauerte es noch bis zur Mitte des nächsten Jahres (1688), ehe man zur Grundsteinlegung schreiten konnte. Terrainschwierigkeiten, insbesondere die Verlegung des Bachbettes der Ebrach, die in Kanälen unter den neu zu errichtenden Gebäuden geleitet werden musste,' das Einlegen der alten Bauten und das Abführen der Materialien standen einem sofortigen Beginn des Neubaues im Wege. Man fing bei der Hauptfront an ; unter dem Erker 1 2 wurde am 6. Juli 1688 der »principalstein solemniter gelegt». Ueber den Fortgang des Baues sind wir nur spärlich unterrichtet; es sind zwar noch umfangreiche Baurechnungen im Bamberger Archiv erhalten; aber dieselben beschränken sich auf die Angaben der Summen, die von Woche zu Woche dem Haupfpalier Cominada ausgehändigt wurden, ohne eine nähere Bezeichnung ihrer Verwendung zu geben. Der Hauptkontrakt fehlt; ein Verzeichnis «was dem H. Linhard Dinzenhofer Baumeistern.an denen mit ihme über den neuen Abbtejbau veraccordirten geltern ist abgefolgt worden», ergibt als Summe aller vom 13. März 1688 — 31. Juli 1694 ausbezahlten Posten 12 837 fl., 3 wovon 1 Es wurde ein Nebenarm abgezweigt und unter dem jetzigen Hauptgebäude, dann quer über den Kreuzganghof durcligeführt; Dientzenhofer erhielt für diese Arbeit 66 fl. und 1217 fl. 2 Der Dientzenhofer’sche Entwurf zeigt nur den einen linken Erker; erst Neumann hat der Symmetrie halber den rechten zugefügt. 3 Dem Baumeister waren ausserdem zugesichert: 60 fl. = 50 Btli. als Leykauff 6 fl. 6 bz. » » für seine Frau 8 Sr. Korn 1 2 Sr. Weizen > pro 1687 und 88. 12 Eymer Wein J Im Detail ergeben sich folgende Posten: V. März 1688 — Nov. 88 2512 fl. V. Nov. 1688 — Nov. 89 2659 > V. Jan. U90 — Nov. 90 2252 » V. Dez. 1690 — Nov. 91 2049 > V. Nov. 1691 •— Nov. 92 1573 V. Nov. 1692 — Nov. 93 1356 » V. Nov. 1693 — Juli 94 4.36 12 837 fl. 68 837 fl. für Extraarbeiten in Abzug kommen, sodass 12 000 1L für die akkordierte Maurerarbeit allein zu rechnen sind. Getrennt von dieser Verrechnung finden sich Notizen im Ausgabebuch, die auf einen zweiten, hievon unabhängigen,. Kontrakt schliessen lassen: Ausgabe‘dem Baumeister pro ordi- nario. Nota : cum eo fuit contractum pro 12900 1 2 50 Rth. et 3 Bucaten leykauff ad. 4 annos i. e. 91. 92. 93. 94. incl. je 4 Ev. Wein 4 Sr. Korn 1 Sra trit. Dem «ordinarium» ist gegenübergestellt und eigens verdungen, der Refectoribau: Nota: Cum eo fuit contractum 4000 fl. - et 1 Ducatum Leykauff, 6 Eymer Wein. — Mit diesen ziffernmässigen Notizen sind die arehivalischen Nachrichten über den Bau, soweit er mit Joh. Leonh. Dien- tzenhofer im Zusammenhang steht, erschöpft. Wenn schon die verhältnismässig geringen Bausummen den Rückschluss gestatten, dass nur ein Teil des Dientzenhofer’schen Entwurfes zur Ausführung gelangte, so stimmt damit auch die Nachricht überein, die sich in der Beschreibung «Brevis notitia monasterii Ebra- censis» (1739) findet; daselbst heisst es auf Seite 186: «anno 1688 coepit (Ludovicus abbas) Abbatiam miro artificio ex fun- damento aedificare; sed quoniam viderat, Aedes Conventuales restauratione potissimum indigere, malens Confratrum suorum necessitati, quam propriae commoditati prospicere, relicta Ab- batiä manum operamque applicuit aedificationi Conventus. Quem, licet vasta moles sit, magnique laboris opus, paucis annis ita absolvit, ut videret adhuc aliquam partem Conventuales in- 1 Detaillierte Summen : pro anno 1691 . 1500 fl. » » 1692 2410 » » . 1693 3270 » » » 1694 2912 » • ♦ 1695 2011 » » » 1696 797 » 12 900 fl. 2 Detailliert: pro anno 1696 . 2190 fl. » * ». 496 > 261 » 1103 » 1697 1698 4045 fl. 70 habitare.» Der Abt Ludovicus Lndovici starb bereits 1696. Die Conventsbauten erlitten aber durch seinen Tod keine Unterbrechung; man vollendete in den Jahren 1696—98 noch den Flügel mit dem neuen Refektorium, dessen Lage nicht mehr genau zu bestimmen ist, da es später wieder verlegt wurde. Hiemit schliesst aber die erste Bau periode ab. Der ganze östlich vom heutigen Mittelbau und Quertrakt gelegene Teil der Anlage scheint bis zu diesem Zeitpunkt entstanden zu sein; die genaue Grenze, bis zu welcher man nach D.’s Plänen baute, resp. heute noch unverändert sein Werk vermuten darf, ist aus einem später beizuziehenden Grundriss (Abb. 8) ersichtlich. Erst nach 18 Jahren w'urde die Thätigkeit mit dem Abteibau wieder aufgenommen. Johann Leonhard Dientzenhofer war inzwischen längst verstorben und der Bamberger Baumeisterfamilie in dem mehr und mehr hervortretenden Würzburger Meister Balthasar Neumann ein gefährlicher Konkurrent erstanden. Wenn auch noch jung an Jahren und Erfahrung (er war damals 29 Jahre alt), muss er sich doch schon eines guten Rufes als Architekt erfreut haben; denn es wurde ihm mit Umgehung von Dientzenhofers Bruder Johann zu Beginn des Jahres 1716 der Auftrag zu Teil, die Pläne für den neuen Abteibau anzufertigen. Dies ergibt sich aus einer Notiz im Ausgabebuch des Jahres 1716, wo unter dem 13. März verzeichnet ist: 1 00 fl. Sey nt dem Herrn Neumann für verschiedene a b ris s über den neuen A b b t e y- bau bezahlt worden. Die Ausführung dieser Entwürfe wurde dem Meister Joseph Greusing (auch Greysing, Grei- sing geschrieben) aus Wiirzburg übertragen, der vom 1. Januar 1716 bis zu seinem Tode 1722 als Baumeister mit einer jährlichen Bestallung von 120 fl. in Ebrach angestellt wurde. 1 1 Es lässt sich allerdings auch die Auffassung - denken, dass Neumann nur in Konkurrenz mit Greising - Pläne anzufertigen hatte, und für seine Mühe mit 100 it. entlohnt wurde, während Gr. mit seinen Entwürfen obsiegte und die Ausführung erhielt; ja die Thatsache, dass Greising gerade damals den Neubau des Klosters Theres bei Schweinfurt (von Stam- minger irrtümlich dem Job. Leonh. Dientzenhofer zugeschrieben) übertragen erhielt (Kr. Arch. Würzburg, Standbuch Nr. 2311, scheint sogar dafür zu sprechen. — Allein gewichtige Gründe lassen sich dagegen anführen; 1. Die Universitätsbibliothek Würzburg verwahrt noch eine Keihe- von Plänen, die sich gerade auf diesen Neubau beziehen. Wenn sie auch 7i Diese Pläne, die noch zum Teil auf der Universitätsbibliothek Wiirzburg erhalten sind, setzen uns im Zusammenhalt mit den archivalischen Nachrichten in den Stand, von der Ausdehnung der Neubauten ein ziemlich klares Bild zu gewinnen. Die Frage freilich, ob es sich dabei um einen vollkommenen Neubau oder nur um einen umfangreichen Umbau handelte, kann ich nicht sicher entscheiden. Aber selbst wenn die geringen Bausummen ] die letztere Annahme empfehlen, so ist doch die äussere und innere Umgestaltung eine so vollständige, dass von dem ehemaligen Dientzenhofer’schen Entwurf nur wenig unverändert geblieben sein kann. Der beigegebene Plan (Abb. 8b) zeigt in seiner verschiedenartigen Ausführung deutlich, wo der Neu- nicht mit Neumanns Unterschrift versehen sind, so lässt sich doch ihre exakte Ausführung und gewandte Zeichnung, die mit andern Neumann’schen Plänen völlig übereinstimmt, keinen Zweifel an der Urheberschaft dieses Meisters aufkommen. 2. Von Greisings Hand hat sich ebenfalls eine Probe erhalten: ein Plan zum Dachstuhl, der seine Unterschrift trägt, zeigt eine schwere unbeholfene Art. Es kann dies nicht wunder nehmen; denn 3. Greising war in erster Linie nicht Baumeister, sondern Zimmer- mann. Als solchem wurden ihm am 27. April 1721 die Dachstuhlarbeiten am Ebracher Neubau um 3810 fl. 7 bz. verdungen. 4. Der Versuch Gurlitts (1. c, pag. 331), Greising als bedeutenden selbständigen Meister hinzustellen, scheint bei Prüfung des Aktenmaterials nicht Stand zu halten. (Kapitelsprotokolle des Ritterstifts St. Burckhard K. A. Würzburg.) Das bisher' ihm zugeschriebene Rückermaingebäudo ist nur zum Teil von ihm ausgeführt, aber nicht nach eigenen Plänen, sondern nach den Rissen des Baumeisters Peter Zwerger ; vollendet wurde dasselbe nach 1723 von dem Stiftsmaurermeister Michael Schaffner (vergl. die unrichtigen Angaben bei Niedermayer, Kunstgeschichte der Stadt Würzburg, 1860, S. 338) Inwieweit die Nachricht von Greisings Thätigkeit beim Bau des Klerikalseminars auf Wahrheit beruht, vermag ich nicht anzugeben. — Der Gedanke ferner, dass auch der Neubau des Klosters Theres von Gr. nur nach fremden Plänen ausgeführt wurde, liegt nahe. 5. Wir hören, dass Neumann seit 1719 den Titel «Oberingenieur» und «premier Architekt und Baudirektor» führt. (Gropp, Begebenheiten und Denkwürdigkeiten, 1750, B. IV, S. 399.) Er musste sich also in irgend welcher Weise bereits damals ausgezeichnet haben. Die Ebracher Pläne waren geeignet, ihn für diese Bevorzugung zu empfehlen. i Ausgaben : 1. Für Maurerarbeit 1716 — 1134 fl. 2. für Steinhauerei 2011 fl. | 2366 » | 208 » 1717 - 1367 » 1718 — 1105 » 1719 — — 1720 - ■- 1305 » 841 » 588 » 72 mann’sche Bau ansetzt. Es ist der Entwurf für den Trakt «von der neuen Daffelstuben 1 2 incl. an sampt dem stiegenbau bis über den grossen Saal incl. der drei Fenster gegen der miihl».- Bei der Ausführung 1716/17 kamen der projektierte hintere östliche Verbindungsflügel und das rückwärtige Risalit in Wegfall; auch die nach der Gartenseite geplante Terrasse (Abb. 8a) wurde nicht ausgeführt, wie denn überhaupt beim Ausbau eine grössere Zurückhaltung in den Bauformen beobachtet wurde. Im nächsten Jahre 1717 arbeitete man an dem vorderen westlichen Längsflügel: vom «neuen Bau von dem Stiegenhaus excl. an, bis gegen den garten und Thorhaus», 3 4 wie die akten- mässige Bezeichnung ist. Das «förtere Bäulein gegen den Garten» (d. i. der dreistöckige Pavillon) ist 1719 eingedeckt. In der Zwischenzeit (1718) wird man wohl auch den entsprechenden hinteren Flügel' 1 mit Pavillon aufgeführt haben. Für die umfangreichen Wirtschaftsgebäude lässt sich eine nähere Bauzeit nicht angeben; sie sind vor 1738 (vergl. den Kupferstich in Brevis notitia) entstanden, während die grosse Terrassenanlage (Abb. 3) gegenüber vom Hauptbau erst nach dieser Zeit ausgeführt zu sein scheint. Es lässt sich kaum leugnen, dass erst durch die Neumann’- schen Bauten der umfangreichen Klosteranlage ein architektonisch bedeutender Charakter verliehen wurde. Was Dientzen- hofer noch in seinem Entwürfe nur ängstlich und in ungenügender Weise versucht hatte, Abwechslung und Leben in die ausgedehnte Fagade zu bringen, hat erst sein grosser Nachfolger Neumann erreicht. Mit kühner Hand durchbricht er die Monotonie eines endlos sich wiederholenden Schemas, indem er an die Stelle des geplanten dreifenstrigen, nur schwach vorspringenden Mittelrisalites einen gewaltigen neunachsigen Mittelbau setzt (Tafel 4), der um Geschosshöhe die übrigen Teile überragt. 1 Di« Lage des neuen Refektoriums vermag ich nicht sicher anzugeben ; vielleicht ist der ebenerdige gewölbte Raum hinter dem Treppenhaus (vergl. Abb. 8a) damit gemeint ? 2 In der Baurechnung von 1717 so bezeichnet. 3 Die Lage dieses inzwischen abgebrochenen Thorhauses ergibt sich aus dem Gesammtgrundriss (Abb. 3). 4 Der Grundriss dieses Flügels ist in verschiedener Ausgestaltung (del. Ebrac. Nr. 32, Nr. 55, Nr 97) vorhanden. 73 Es war eine künstlerische That, ein Wagestück, dem noch etwas von der überschäumenden Kraft jugendlichen Schöpfungsdranges anhaftet. Die erprobten Bahnen einer bewährten Kunst werden verlassen; das alt Gewöhnte muss dem lebendigen Empfinden für die Grösse monumentaler Gedanken weichen, und ein überlegenes Können sucht sich in neuen reicheren Gebilden zu be- thätigen. So scheint es nur zu verzeihlich, wenn dem jungen Architekten über der Freude an der grossen Aufgabe der Massstab im Verhältnis zum Ganzen einigermassen verloren ging (Tafel 3), und der Mittelbau gar zu gewaltig ausgefallen ist. Anerkennenswert bleibt immer der Versuch einer allmählichen Ueberleitung und Steigerung vom Einfachen zum Komplizierten. Das Dientzenhofer'sche Fapadensystem der toskanischen Pilaster ist zunächst noch bei den drei ersten Achsen der rechten und linken Mittelbauseite beibehalten, nur mit dem Unterschiede, dass sich noch ein drittes Geschoss über dem Gesims aufbaut und die Fenster durch eine stärkere Giebelbekrönung ausgezeichnet sind. Erst dann setzt, durch gefugten Unterbau, Stützenordnung und Gebälk zusammengefasst, das eigentliche Mittelrisalit an. Ein kompositer Pilaster mit zurücktretendem Halbpilaster leitet beiderseits über zu reicher Fensterverzierung; die starke Profilierung der Wände, der üppige dekorative Aufbau und Ausputz sind gleichsam nur das Vorspiel zu dem formenfreudigen Zusammenklang einer malerisch schaffenden Plastik mit einer gleich ungebundenen Architektur, wie er bei dem kühnen Mittelstück zu freiester Entfaltung gelangt. Gepaarte komposite Säulen als Träger eines steilen, reich durch Konsolen und Eierstab belebten Frontons, das in seinem zurückspringenden Mittelteil das Klosterwappen birgt, umrahmen den Portalaufbau und heben so durch scharfe Betonung in imposanter Weise den Mittelpunkt der ganzen Anlage hervor. In der Bildung des Portals, welches durch schräg vortretende gepaarte Säulen flankiert ist, tritt uns in barocker Umgestaltung und Verquickung die alte Idee des abgeschrägten Portalgewändes in Verbindung mit dem Baldachin - Vorbau vor Augen; noch deutlicher zeigt der Oberbau des Portals in seinen schrägen Pilastern und Voluten diese nach innen leitende Tendenz. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich auch aus - 74 — inneren Gründen die scheinbar rein malerische Komposition rechtfertigen. Die Ausstattung der Fac^ade ist in ihren architektonischen Teilen streng und exakt, in den dekorativen Elementen zwar sehr reich, aber doch ohne Aufdringlichkeit durchgeführt. Nie überwuchert das Ornament die Architekturformen, die sich, wenn auch oft bizarr, doch stets in Klarheit aussprechen. Seinen allgemeinen Grundzügen nach reiht sich dasselbe der Richtung ein, in welcher das reine Akanthusblatt mehr den aus pflanzlichen und stofflichen Elementen zusammengesetzten Verzierungsmotiven weicht. Die Hauptfapade ist nach Westen abgeschlossen durch einen dreistöckigen Pavillon , 1 der in ähnlich reicher Weise durch Pilasterstellungen und schweren Fensterschmuck ausgezeichnet wurde. Wenn derselbe nur lose, nicht organisch mit der Hauptfront verbunden ist, so hat das wohl seinen Grund darin, dass er mehr mit Rücksicht auf die zweite Schauseite des Klosters von Westen her, vom Abteigarten aus, entworfen ist. Dabei war dem Raumeister im wesentlichen dasselbe Problem gestellt, das der Pommersfeldener Schlossbau wenige Jahre früher gelöst hatte . 2 An den durch Mittelrisalit ausgezeichneten Hauptbau schliessen sich unter rechtem Winkel zwei Flügel, die in Pavillons auslaufen, und ursprünglich nach dem Pommersfeldener Vorbild im Erdgeschoss in Arkaden zum Hofe sich öffneten. Waren zwar in den Hauptdimensionen noch die Grössenverhältnisse des vorderen Baues massgebend, so konnte der Baumeister doch in der Aussengliederung der Hofarchitektur viel freier zu Werke gehen und vor allem auf einheitliche Wirkung arbeiten. 1 Als Steinhauer wird genannt: Daniel Friedrich Hambach, der 1719 erhält: 42 fl. f. Bildhauerarbeit für die 7 untersten und 7 obersten Fenster ; 57 fl. 9 bz. für 12 Stück ganze Capiteler; 28 fl. 12 bz. für 12 Stück halbe Capiteler. In den barocken Fensterumrahmungen hält sich Neumann an Pozzo’s Vorbild (Lehrbuch der Perspektive). Aehnliche Formen kehren in Franken öfters wieder, z. B. an einem Haus in Volkach (Nr. 27 Franz Erbing, Seiler) oder an dem jüngst eingelegten Ebracher Hof in Nürnberg, (späteren Rentamtsgebäude in der Adlerstrasse, vergl. Ebracher Pläne Nr. 31). 2 Auch der Grundriss zum Neumann’schen Umbau des Klosters llünster-Scliwarzach zeigt dieselbe Gestaltung. S. J. Keller, S. 155. 75 Das nur schwach vorspringende reichgegliederte Mittelrisalit birgt die grosse Aula, den Repräsentationsraum des Klosters, 1 2 der mit Stuck-Marmorsäulen und Pilastern sowie üppiger Stuckverzierung in der üblichen Weise ausgeschmückt ist. Nach: Neumann’schen Ideen - wurden diese Arbeiten von dem Stuckateur Hünnicke hergestellt, dem Meister, der nicht viel später auch in Pommersfelden arbeitete. In den Dekorationsmotiven sehen wir die schwere fleischige Akanthusranke fast vollständig aufgegeben zu Gunsten des Bandornaments, das in kunstvollen symmetrischen Verschlingungen, ruhelos, üppig die Wände bedeckt. Wir werden später im Zusammenhänge sehen, wie gerade dieses Dekorationssystem, das als ein scharf abgegrenztes- Mittelglied zwischen dem schweren Barockornament und den zierlichen Rokokoformen gelten darf, zu Anfang des zweiten Dezenniums des 18. Jahrhunderts in Franken Mode wurde. — Die malerische Ausschmückung durch Freskobilder war dem Würzburger Maler Lünenschloss 3 übertragen worden, der diese Aufgabe in technisch gewandter, aber inhaltlich hohler Weise löste. Immerhin haben derartige Gemälde die nicht zu unterschätzende Bedeutung, durch ihre frischen Farben wesentlich zu dem heiteren Gesamteindruck solcher Festräume beizutragen.. Neben dem deutschen Meister waren auch die Italiener Antonio Nave Italo 4 und Jo. Ad. Remela als Freskomaler für Ebrach beschäftigt. Von dem letzteren stammt die Ausmalung des künstlerisch bedeutendsten Raumes der Neubauten, des stattlichen Treppenhauses 5 (Taf. 6). 1 Jetzt Kirchenraum. 2 Vergl. die noch erhaltenen Skizzen (Ebracher Grundrisse Nr. ob und 52 a. Tafel 5). 3 1722 werden dem Herrn Lünenschtoss, Mahlern zu Würzburg, für das in Oelfarb gemalte platt in der Mitte der Decken in dem grossen Saal 880 fl. ausbezahlt. 4 1722. 822 fl. fiir verschiedene Malereien Herrn Antonio Nave Italo. 5 Kemela erhält für das Deckengemälde 325 Rth. = 390 fl., für die- Ci - J? . Seitenfresken : St. Joannes in der wüsten... 60 Rth. König David.40 » Daniel der prophet.40 » der prophet Esaias.60 » Leuchtende Farben, eine geschickte Komposition und eine erstaunliche Beherrschung des Formalen lassen diese Arbeiten als erfreulichere Leist- 76 Man darf wohl vermuten, dass sich Neumann bei Anlage desselben an das Vorbild des kurz vorher (1715) vollendeten, noch viel grossartigeren Pommersfeldener Vestibüls hielt. Von einer sklavischen Nachahmung kann bei Neumann nie die Rede sein; er hat die übernommenen Elemente in freier Weise ver- . ' wsm i pB tmmis mmmü Abb. 9. Kloster Ebrach. Entwurf zum Treppenhaus (B. Neumann). wertet und vereinfacht. Die gegebenen Raumverhältnisse machten ein engeres Zusammenschieben und mehr in die Breitegehen uiigen erscheinen. Es dürfte nicht uninteressant sein, diesem Meister, dessen Thätigkeit sich auch noch im Kloster Bronnbach 1724-26 nachweisen lässt, einmal näher nachzugehen und ihn auf seine künstlerischen Fähigkeiten zu prüfen. nötig, wenn auch der heutige engbrüstige Eindruck des Raumes im wesentlichen auf eine spätere bauliche Veränderung zurückzuführen ist. Aus Gründen der Zweckmässigkeit wurde nämlich bei Adaptierung des Klosters zum Zuchthaus die Rückwand des ersten Stockes um eine Fensterbreite näher an die Treppe herangerückt 1 2 (vergl. Ehr. Grdr. Nr. 94) und dadurch die beabsichtigte ausgleichende Tiefenwirkung zerstört. Auch der Umstand war misslich, dass durch den verhältnismässig niederen Raum noch im dritten Stockwerk eine Verbindungsgallerie gezogen werden musste, die für den Rlick von unten den Plafond in unschöner Weise zerschneidet. Neumann war sich gewiss dieses Uebelstandes von Anfang an wohl bewusst, und es ist sehr bedauerlich, dass man bei der Ausführung von seinen ursprünglichen Projekten (Ehr. Grundrisse Nr. 54, Abb. 9) abgewichen ist. Der Treppenraum sollte als solcher vollkommen abgeschlossen sein, die den Gang tragenden Stützen als Pilaster bis zur Decke durchgeführt und so die Gallerie in einzelne, reich verzierte Logen zerlegt werden. Die Wirkung wäre dadurch, wenn auch vielleicht schwerer, doch ungleich einheitlicher und intimer geworden. — Ein zweiter Entwurf sucht durch eine im Oval zurückspringende Mittel-Gallerie den Raum zu erweitern (Ebr. Grdr. Nr. 50). Die Treppe steigt in geteilten Läufen ziemlich steil in drei Absätzen um ein rechteckiges- Auge zum obersten Podest empor, das zugleich den attikaartigen Aufsatz des unteren Thorbogens bildet. Statuen, Rlumenvasen, heraldische Löwen als Wappenhalter 3 zieren die Eckpostamente des Balustergeländers, das auch an den Wänden rings um den Raum in beiden Stockwerken als Blendbalustrade herumgeführt ist. Die exakte Ausführung der architektonischen Teile und die saubere Stückarbeit halten auch einem schärfer prüfenden Blick, der sich nicht durch den glänzenden Gesammteindruck blenden lässt, stand, und strafen die geringschätzige Bezeichnung solcher Leistungen als Theaterarchitektur Lügen. 1 Gütige Mitteilung d. kgl. Baurats Herrn Boxberger in Bamberg. 2 Diese Bildhauerarbeiten sind wahrscheinlich von dem Würzburger Meister Balthasar Estenbauer, dem wir in Banz und Fulda wieder begegnen werden, angefertigt. Diebeiden anderen genannten Bildhauer, Humbach und Joh. Schmidt, scheinen nur untergeordnete Arbeiten ausgeführt zu haben. 78 Ueber die Ausstattung der sonstigen Räume vermag ich nur wenig zu berichten. Die reiche Stuckverzierung der grösseren Thüren, die man beim Durchschreiten der Gänge des jetzigen .Zuchthauses gewahrt, zeigt, soweit es die entstellende Ueber- tünchung noch beurteilen lässt, das alte Akanthusblattornament. * 1 Die Betrachtung von Johann Leonhard Dientzenhofers Erstlingswerk hat weit von dem eigentlichen Thema abgelenkt. Dabei hat sich ergeben, dass der Teil der Anlage, in dem allein ■ein künstlerischer Fortschritt wahrzunehmen ist, nicht von ihm .herrührt. Sein Werk wäre Bruchstück geblieben und hat erst durch die späteren Neubauten seine Bedeutung gewonnen, ein Schicksal, das es fast mit allen anderen Schöpfungen des Meisters teilt. Bevor wir aber zu dem Bau übergehen, der scheinbar am deutlichsten diesen Torsocharakter zeigt, der Bamberger Residenz, müssen wir noch in Kürze einige mit Ebrach zusammenhängende und deshalb seither als Dientzenhofer’sehe Schöpfungen geltende Bauten 2 betrachten: es gehören hierher die Ebracher Amtshöfe in Sch wappach, Mainstockheim, S u 1 zhe i m und B u r g w i n dh e i m, zu welchen Bauten .auf der Würzburger Universitätsbibliothek ebenfalls noch verschiedene Grundrisse 3 4 5 verwahrt werden. Sichere Anhaltspunkte über D.’s Urheberschaft ergeben .sich weder aus Akten noch aus den Plänen; aus zeitlichen Gründen verbietet sich die Zuweisung an ihn bei den Bauten in Sulzheim und Burgwindheim, den beiden bedeutendsten der Reihe. Denn wie uns der anonyme Chronist der Brevis notitia (S. 55) über die Sulz he im e r Curia (1739) berichtet, sie sei «ante decem circiter annos», also ungefähr Mitte der zwanziger Jahre von Grund auf neu erbaut worden, so erfahren wir aus 1 Gefertigt wurden diese Arbeiten von dem bereits erwähnten Johann Baptista Brenno aus Mendrisio. 2 S. Gurlitt, 1. c. S. 324. 3 Die zum grössten Teil unbezeichneten und in bunter Reihe vermischten Pläne gehören in folgender Weise zusammen: 1. Mainstockheim: Ebr. PI. 77-81. 2. Unterschwappach: Del. I. 32. 33. 62. 63. E. PL 62. 3. Oberschwappach: Del. I. 34. E. PI. 33. 73. 82. 4. Sulzheim: Del. I. 30. 31. E. PI. 39. 57. 67-71. 108. 109. 5. Burgwindheim: Del. I. 72. E. PL 98. 99. 102-105. Wergl. auch die Kupferstiche in Brevis notitia. 79 erhaltenen Abrechnungen, 1 dass auch die Curie (jetzt Rentamt) in Burgwindheim erst in den Jahren 1720—25, also lange nach Job. Leonh.’s Tode neu errichtet wurde. Den Namen des Baumeisters verschweigen beide Quellen; aber da diese Bauten anschliessend an die zweite Bauperiode des Klosters (ab 1716) entstanden, so darf man wohl auch bei der Uebereinstimmung der zeichnerischen Ausführung der beiderseits erhaltenen Pläne (Ebr. Grdr. 103, 104, 105) die Autorschaft Balthasar Neumanns für sie in Anspruch nehmen. 2 Am ehesten lässt sich noch bei der Curia Schwapp ach, deren einfach ernste Bauart in die erste Ebracher Bauperiode zu weisen scheint, und bei einem vermutlich nicht ausgeführten Projekt eines Amtshofes in U n t e r- schwappach Dientzenhofers Thätigkeit annehmen, während der bauliche Charakter von M a in st o c khe i m in eine noch vor D. liegende Zeit zurückführt. (Ebr. Grdr. 79. Wahrscheinlich sind bloss die Stallungen neu, indess die Hauptgebäude nur einem Umbau unterzogen wurden.) In interessanter Weise ist an diesen Gebäuden, die doch zunächst nur praktischen Zwecken zu dienen bestimmt waren, 3 das Bestreben des Mutterklosters wahrzunehmen, schon in diesen A ussenposten durch gesteigerte Ansehnlichkeit ein Zeugnis für die Bedeutung der Hauptniederlassung zu geben, und es ist bezeichnend für die nach Repräsen- 1 K. Archiv Bamberg. Detaillierte Summe : Steinhauer. Maurer. Schieferdecker 1720 — 759 it 737 fl. - fl. 1721 — 1110 » 899 » 48 > 1722 - 810 » 686 » 342 » 1723 — 363 » 481 » 39 » 1724 — 311 » 535 » 28 » 1725 - 346 » 433 » 10 » d. Stuckateur erhält 172:4/4 499 fl. 2 Man könnte allerdings auch hier an Greising denken, der bis Anfang 1722 in Ebrach als Baumeister angestellt war. In der Rechnung über Burgwindheim ist unter der Rubrik: «dem h. Baumeister» eingezeichnet «nichts». Wir müssen diese Notiz auf Gr. beziehen, der für seine Dienste durch Jahresgehalt entlohnt wurde. Das schliesst aber nicht aus, dass man sich den Entwurf vorher von Neumann hatte anfertigen lassen. Die Vollendung des Werkes hat Gr. nicht mehr erlebt, (f 1721 oder Anfg. 1722.) 3 Sie waren als Wohnungen für 2-3 Religiosi und einen Amtmann eingerichtet, welche die Verwaltung der entfernteren Klostergüter zu führen hatten. tation verlangende Richtung der Zeit, wenn der Chronist der Brevis notitia als Grund für die besondere Ausstattung von Burgwindheim durchblicken lässt: «quoniam via regalis et postalis Marchiam transit». 1 In der That ist dieses Gebäude auch im höchsten Grade geeignet, «transeuntium oculos in admirationem rapere»; man ist erstaunt, in dem unbedeutenden Marktflecken ein trotz kleiner Verhältnisse so grossartig wirkendes Bauwerk zu finden. (Taf. 7.) Der Grundrisstypus (Abb. 10) dieser Curia, ein rechteckiger Kernbau, an den sich vier Eckpavillons angliedern, ist nicht gerade neu; wir finden ihn bereits vorgebildet in den Architekturbüchern des 17. Jahrhunderts, z. B. Leuthner pag. 63, 65, auch 62. Aber nirgends tritt er uns in diesem Reichtum der Gliederung und Abstufung entgegen wie in Burgwindheim, wo durch denselben eine äusserlich höchst reizvolle, lebendige Wirkung erzielt wurde. Aber hält dieselbe auch Stand dem anderen Erfordernis, das man von einem ernsten Bauwerk verlangen muss, dem eines organisch klaren Aufbaues ? Ich stehe nicht an, diese Frage zu bejahen und sehe in der reichen Aussengliederung nur den Ausdruck einer streng durchdachten, den Zwecken des Baues entsprechenden Innendisposition. Der Vorwurf der Raumverschwendung ist bei einem Gebäude, das zugleich der Repräsentation zu dienen hatte, nicht stichhaltig. Der Mittelpunkt der Anlage ist der rechteckige Saal im Oberstockwerk, dem in der ganzen Breite des Mittelbaues der Treppenraum vorgelagert ist, während sich rechts und links in den Pavillons Amtslokalitäten anschlossen. Die entsprechende Gartenseite nehmen im Oberstock die Wohnräume der beiden Religiösen ein, (deren einer die Seelsorge, der andere die Oekonomieverwaltung zu versehen hatte); das Erdgeschoss gibt in entsprechender Disposition einen Gartensaal und Wirtschaftsräume; ein vorgelegter breiter Gang, der durch eine Wendeltreppe vom Hof zugänglich ist, sorgt für bequeme Verbindung der Räumlichkeiten untereinander; die Zimmer des ersten Stockes der Strassenseite waren vermutlich für Gäste bestimmt. Dieser freien Innengliederung entspricht ein vornehmes 1 Brevis notitia, pag. 56. 6 82 Aeusseres. Das Gebäude ruht auf einem niederen Sockel, der als Stylobat für die den Bau in vertikaler Richtung gliedernden Pilaster ausgebildet ist. Ueber den konsolenartigen Kapitellen derselben verkröpft sich das streng profilierte Gebälk, das nur in der Mitte der drei Seiten durch einen loggienartigen reichen Balkonvorbau unterbrochen wird. Eine derartige Auszeichnung des Mittelpunktes durch Freitreppe, Säulenvorbau und Balkon war für die Längsseite eine ästhetische Notwendigkeit; die beiderseits mehrfach abgestufte Linie der Flügelbauten bedurfte für das Auge eines auffälligen Stützpunktes. Für die Schmalseiten dagegen wirkt der grosse ßalkonvorbau, bei dem Wegfall des ihn bedingenden rückleitenden Rythmus, eher aufdringlich und lässt sich nur mit dem äusserlichen Restreben erklären, die Strassenseite des Gebäudes möglichst reich zu gestalten. Ein zweigeteiltes Mansarddach, das vielleicht doch zu schwer und steil ausgefallen ist, trägt zu der imposanten Gesamtwirkung nicht unwesentlich bei. Im ganzen erscheint mir der Rau eines der erfreulichsten Beispiele zu bieten, in welch origineller und geistreicher Weise die Architekten des 18. Jahrhunderts derartige kleinere Aufgaben zu lösen wussten, ohne dabei in den naheliegenden Fehler der architektonischen Spielerei zu verfallen. Eine ähnliche Leichtigkeit des Schaffens bekunden die der zweiten Ebracher Bauperiode angehörenden und deshalb auch keinesfalls von Dientzenhofer herrührenden 1 Entwürfe zu Pavillons für den Abteigarten. Leider scheint von diesen höchst reizvollen Entwürfen ein relativ unbedeutender, vermutlich Konzept Nr. 22 (auf Blatt 28) zur Ausführung gelangt zu sein : 2 ein runder Kuppelraum mit zwei anstossenden rechteckigen Seitenzimmern. Wenn die Betrachtung aller dieser Bauten der zweiten Periode ein für die Dientzenhofer-Frage negatives Resultat lieferte und das Interesse an dem Ebracher Kernbau in den Hintergrund drängte, so darf doch nicht vergessen werden, dass mit der Idee, die Kirche in einheitliche organische Verbindung mit 1 Dagegen Gurlitt, pag. 324. 2 Vergl. d. Titelkupfer, in Brevis notitia. dem Klosterbau zu bringen, durch J. L. Dientzenhofer ein neuer fruchtbarer Gedanke in der fränkischen Baukunst zum ersten Ausdruck gebracht und dadurch einer technisch geübteren Baumeistergeneration die sicheren Wege gewiesen worden waren. Es konnte nicht fehlen, dass der tüchtige Ebracher Baumeister bald auch von anderen Klöstern mit ähnlichen Aufgaben betraut wurde. In direkter Verbindung mit Ebrach — man darf wohl an eine Empfehlung des dortigen Abtes denken —■ steht Leonhards Berufung nach dem Kloster Schönthal an der Jagst. Keller 1. c. S. 145 hat dieselbe in überzeugender Weise erklärt, indem er darauf hinwies, dass der Schirmherr des Klosters Schönthal der Kurfürst von Mainz gewesen ist, 1 in dessen Dienst damals Joh. Leonhard stand. Unsere Kenntnis von D.’s Thätigkeit für Schönthal beruht auf der (nach jetzt verlorenen Akten gearbeiteten) Chronik von Schönhut, 2 der als ersten leitenden Meister den mainzischen Baumeister Duzenhofer nennt; die Oberamtsbeschreibung 3 (S. 783) gibt ihm den Vornamen Konrad und lässt ihn aus Waldsassen stammen. Offenbar liegt hier nur eine Verwechslung vor; denn eine bereits beigezogene Aktenstelle (Schreiben v. 12. Sept. 1698, s. S. 57), wonach Johann Leonh. D. «noch nicht von Closter Schönthal und Waldthüring zurückgekehrt sei», gibt uns das Becht, den Namen unseres Meisters hier zu substituieren. Im Einzelnen ist sein Anteil an den heute stehenden Bauten nur schwer mit Sicherheit zu bestimmen. Wir können beim Bau des Klosters zeitlich drei Hauptteile unterscheiden: 1. Nebengebäude und Convent, 2. die Kirche, 3. die Abtei (Prälatenwohnung). Nur bei der Ausführung der ersten unbedeutenderen Bauten kann Dientzenhofer betheiligt gewesen sein; er lieferte wahrscheinlich die Pläne und hatte die Oberleitung des Baues, dessen Ausführung dem Palier Jakob Ströhlein aus Gmund übertragen 1 Die andere Bemerkung, dass Schönthal dem Ordensverbande nach unter Ebrach stand, ist nach Dohme 1. c. Eiliationstabelle C nicht richtig. .Schönthal stand unter Kloster Maulbronn. 2 Chronik d. Klosters Schönthal. Mergentheim 1850. 3 Beschreibung des Oberamts Künzelsau, Bd. 62. Stuttg. 1883. 84 war. Im Einzelnen ergeben sich folgende Daten: 1694 wurde mit einem Turmbau für das Klosterarchiv der Kirche gegenüber begonnen, 1700 folgte der Offiziantenbau ausserhalb des Klosters, 1701 die Stallungen. Am 15. September 1701 wurde der Grundstein zum Conventbau, Dormitorium und Krankenhaus (hinterer östlicher Trakt) gelegt, deren Erbauung drei Jahre in Anspruch nahm. Ob man nach Vollendung derselben bereits mit D. über den Bau der Prälatenwohnung verhandelte, oder ob man vielleicht damals das neue Gebäude errichtete, welches auf einem etwa gleichzeitigen ungenauen Kupferstiche 1 (Taf. 8) in gänzlich abweichender Grundrissdisposition eingezeichnet ist, konnte ich nicht ermitteln. Jedenfalls wurde der heutige stattliche Hauptbau erst in den Jahren 1738—50 aufgeführt; bei dem 1737 erbauten Mitteltrakt (Refektorium) wird als Baumeister Christian Flur von Berlichingen genannt; doch dürfen wir wohl mit Keller (1. c. S. 145) die Pläne hierzu dem B. Neumann zuschreiben, dessen Thätigkeit für die Kirche wenigstens für das Jahr 1736 wohl verbürgt ist. (Keller S. 176.) — Höchst unsicher bleibt aber die Frage, von wem die Pläne zur Kirche angefertigt wurden. Johann Leonhard Dientzenhofer starb Ende des Jahres 1707; dass man mit ihm schon wegen des Kirchenbaues unterhandelt hatte, war aktenmässig nicht zu belegen. Die Grundsteinlegung erfolgte erst am 10. Mai 1708, nachdem man Ende Februar mit dem Ausheben des Fundaments begonnen hatte. Trotzdem, und obwohl seine Thätigkeit für Schönthal in den Jahren 1704—8 in keiner Weise bezeugt ist, gilt Johann Leonhard als der Schöpfer des Planes, den der Palier Ströhlein und nach dessen Tod (1711) Bernhard Schüssler 2 aus Bayern zur Ausführung brachten. Wenn wir aber hören dass der Rohbau noch im Jahre 1708 bis zum Dach gebracht wurde, so drängt sich, bei der 1 Vielleicht v. G. F. Weigandt (f 1736 in Bamberg)? Eine ganz ähnliche Darstellung auf einem Fresko im 2. Kuppelfeld des hohen Chores. Die Abbildung ist nach dem Original d. Würzb. Univ. Bibi, angefertigt. (Del. Ebrac. Nr. 118.) 2 Wahrscheinlich identisch mit dem Schwager D’s., Bernhard Schiesser, dem Nachfolger Leuthners im Waldsassener Baumeisteramt (s. Schmer- ber, S. 20). Unmöglichkeit, ein so stattliches Bauwerk in wenigen Monaten aufzuführen, der Gedanke auf, es habe sich zunächst nur um ein Provisorium, vielleicht um einen Umbau der alten Kirche gehandelt. Bei dem späteren vollständigen Neubau kann dann sehr wohl, wie die Oberamtsbeschreibung berichtet, Balthasar Neumann die Pläne geschaffen haben. Zu seiner freien Schaffensart hat die gewaltige Hallenkirche die in ihren bedeutenden Grössenverhältnissen bei kunstreichstem Wölbungssystem 1 einen ungemein heiteren Eindruck macht, auch viel mehr Beziehungen, wie zu der schweren Bauweise Joh. Leonhard Dientzenhofers. Geweiht wurde die Kirche im Jahre 1727. An ihrer Innenausschmückung waren beteiligt der Freskomaler Columba und ein Stuckateur Johann Bauer. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass für die Charakteristik des Baumeisters Johann Leonhard Dientzenhofer die Schönthaler Klosterbauten kaum zu verwerten sind, in der allgemeinen Disposition der Massen konnte er sich überdies an die bestehende Anlage halten, (s. die Abbildung in der Oberamtsbeschreibung.) III. Die bischöfliche Residenz in Bamberg, Langgass-Kaserne und Thor. Das Hauptwerk Johann Leonhard Dientzenhofers, dem er zumeist seine ehrenvolle Stellung in der Bamberger Lokalgeschichte zu verdanken hat, ist die dortige kgl. Residenz, 2 die 1 Es ist zusammengesetzt aus 25 Kuppeln. 2 Litteratur: Fr. Leist, die Residenz in Bamberg u. d. Baumeister J. J. M. Küchel. Bamberg 1889. Beilage zum 51. Bericht des histor. Vereins Bamberg. (Abdruck aus den Bamberger Neuesten Nachrichten). Jung, Mitteilungen über den Bau der Residenz zu Bamberg. 45. Jahr. Ber. d. hist. Vereins 1882. — Re sch, Manuskript über den Residenzbau (kgl. Kreisarchiv). Quellen: Die Akten des k. Kreisarchivs Bamberg, die Erbauung der Residenz betreffend. (Historischer Katalog Nr. 66 und 71.) 86 ehemalige «neue obere Hofhaltung» Ser Bamberger Bischöfe (Taf. 9). Schon frühzeitig hat sich diesem Bau das Interesse •m ^ii ■ « h Aiu 4 ■umA-'l Jt M ’■ ' V*" Abb. 11. Küchels Entwurf zum Bamberger Residenzbau. der Lokalschriftsteller zugewendet, geweckt durch die eigenartige Grundrissbildung, die den weitgehendsten Kombinationen nur zu sehr entgegen zu kommen scheint. Ein durch reiche 87 Giebelbildung gekrönter Mittelbau, der nicht die genaue Mitte einnimmt und das Auslaufen der Wand in Zahnsteine bringen unwillkürlich auf den Gedanken, es sei ein symmetrischer Ausbau der jetzigen Anlage geplant gewesen, der aus irgend welchen äusseren Gründen unterblieb. Dies ist denn auch die in der älteren Lokallitteratur fast einstimmig vertretene Ansicht, zu der sich gewissenhafte Schriftsteller, wie Jäck, Roppelt, Heller bekannten; da sie aber alle ihre Nachrichten ohne nähere Quellenangabe bringen, so haben dieselben nur bedingten Wert, und man ist genötigt, nach dem gemeinsamen Urborn ihrer Wissenschaft zu suchen, der, wie es scheint, in einem von Leist citierten Aufsatz (Journal von und für Deutschland Jhrgg. 1792) eines Sebastian Probst zu linden ist. Dort wird bei Besprechung der Bamberger Topographie gesagt., dass das, was von der Residenz steht, nur der linke halbe Teil von dem sei, was das Ganze habe werden sollen. Nach dem Risse schliesse sich da, wo die Gasse an dem zweiten Flügel vorbei nach der Stiftskirche zu St. Jakob führt, das Portal, und an dieses der andere rechte halbe Teil, der sich bis hinter die Domkirche hinziehe. Auf dem Platze, wo dieser Teil hingehöre, stehe dermalen noch die alle Hofhaltung. Gegenüber diesem Zeugnis, das von einem Grundriss zu berichten weiss, müsste jeder Zweifel verstummen, wenn die Entstehung dieses nicht mehr erhaltenen Planes mit Sicherheit in den Anfang der Bauzeit gesetzt werden könnte. Die Betrachtung der Baugeschichte wird aber zeigen, dass die Projekte zum symmetrischen Ausbau erst in viel späterer Zeit auftauchen und deshalb mit den Absichten des ersten Erbauers nicht in Verbindung gebracht werden können. Hierfür hat sich ein Beleg in den Grundrissen erhalten (Abb. 11), die am Ende der 80er Jahre in der Plansammlung des kgl. bayerischen Obersthofmeisterstabes (Bauabteilung) aufgefunden wurden. 1 Die- 1 Die Pläne wurden damals nach Bamberg verschickt und dort photographiert. Der Aufbewahrungsort der Originale ist gegenwärtig unbekannt, da sie gemäss Mitteilung der genannten Behörde nicht mehr in der Plansammlung - verwahrt werden und auch beim kgl. Bauamt Bamberg und der Schloss Verwaltung - nicht vorg'cfunden wurden. Es sind die Grundrisse vom 2. und 3. Stockwerk; das Erdgeschoss fehlt. 89 selben stammen aus der Zeit, als der Nachfolger von Lothar Franz, Friedrich Karl von Schönborn sich mit dem Gedanken an eine Erweiterung des Baues trug und deshalb in Verhandlungen mit dem Domkapitel eintrat (1733). Der Urheber der Entwürfe ist, gemäss Unterschrift, der damals in Gunst stehende Ingenieurlieutenant und Baumeister : Joh. Jak. M i c h. K ü c h e 1; die Grundrisse selbst sind durch die verschiedene Ausführung der einzelnen Trakte als Entwürfe zum Ausbau der bestehenden Anlage (nicht als einheitliche Gesammtkomposition) gekennzeichnet, und weichen von den oben erwähnten Probst’schen Plänen erheblich ab. Der am Eingänge der Karolinengasse vorgesehene Portalbau fällt weg; dafür sollte das jetzige Portal durch Hinzufügung von drei Achsen und den anschliessenden westlichen Seitenflügel zum Mittelpunkt der ganzen Anlage ausgebildet werden. Aber trotz dieser Verschiedenheit dürften die beiden Pläne in ihrer Entstehung Zusammenhängen und nur Varianten desselben Erweiterungsprojektes darstellen; ich halte sie deshalb für die Entscheidung der Frage nach den ursprünglichen Dientzen- hofer’schen Ideen für unbrauchbar. Diese Behauptung gründet sich auf die Thatsache, dass die erneute genaue Durcharbeitung des umfangreichen Aklenma- terials nicht nur keinerlei positive Anhaltspunkte für die allgemeine Annahme einer von Anfang an symmetrisch geplanten Anlage ergeben hat, sondern dass im Gegenteil das aus den Akten zu Tage tretende allmähliche Planen, und die wiederholten Abänderungen genehmigter Risse und auch schon ausgeführter Teile den Gedanken an eine ursprünglich einheitliche Konzeption direkt zurückweisen. Zu ähnlichem Resultat war bereits früher die citierte Abhandlung von Leist gekommen, während der gleichfalls beigezogene Aufsatz von Jung sich auf eine Zusammenstellung des Aktemnaterials beschränkt hatte. Wenn nun gleichwohl hier nochmals der Versuch gemacht werden soll, in eingehender Weise diese Frage zu untersuchen, so geschieht dies in erster Linie auf Grund zweier neuaufgefundener Pläne 1 (Abb. 12), 1 Sammlung- Dros, Bamberg. QO die es ermöglichen, verschiedene Unklarheiten der Leist’schen Darstellung zu beseitigen und die Auslegung einiger falsch aufgefassten Aktennotizen zu berichtigen. Auch scheinen einige nicht unwichtige Stellen von Leist übersehen oder doch nicht gehörig gewürdigt zu sein. Die beigegebenen Pläne — Erdgeschoss und drittes Stockwerk — zeigen uns im wesentlichen den heutigen Bestand : an den mächtigen, der Stadt zugekehrten Ostflügel schliesst sich unter rechtem Winkel der kürzere Nordflügel an ; daran stösst unter stumpfem Winkel der Karolinengasse folgend, ein hinterer Bau, an welchen ebenfalls unter schiefem Winkel der nach der Aufseessgasse (frühere Hadersgasse) führende Teil angebaut ist; ein kurzer unbedeutender Trakt folgt unter rechtem Winkel zum letztgenannten wieder der Karolinengasse. Der Einfachheit halber sollen diese Flügel im folgenden mit A. B. C. D. und E. bezeichnet werden. Während in der allgemeinen Anordnung der Trakte bereits die heutige Anlage vorliegt, ergeben sich in den Grössenverhältnissen des Flügels A. ganz bedeutende Abweichungen: seine Längenausdehnung ist in der Ausführung gegenüber dem Projekt um mehr als ein Viertel verkürzt. Aber gerade diese Abänderung und die verschiedene Lage des Treppenhauses geben einen Anhaltspunkt für die Datierung der Pläne und ermöglichen es, ihre Entstehung ungefähr in den Anfang des Jahres 1697 zu setzen, in die Zeit, kurz bevor man den Flügel B. zu bauen begann. Auf die näheren Datierungsgründe und die Bedeutung der Pläne für Entscheidung der Streitfrage werde ich in anderem Zusammenhänge zurückkommen und wende mich nun zur Darstellung der Geschichte des Baues. Lothar Franz von Schönborn war im Jahre 1693 als Nachfolger von Marquard Sebastian von Stauffenberg zum Bischof von Bamberg erwählt worden. Das Domkapitel, bei welchem die von seinem Vorgänger mit ziemlichem Aufwand durchgeführte Erbauung des Schlosses Seehof Bedenken erregt haben mochte, hatte zur Unterdrückung der allenthalben sich regenden Prachtliebe eine nicht bedeutungslose Klausel in die Wahlkapitulation aufgenommen; im § 66 derselben musste der Bischof sich verpflichten, «auch keine neue 91 Schlösser bauen oder die eingefallene Costbahrlich repariren» zu lassen. Das war nun eine äusserst lästige Bestimmung, zumal im Hinblick auf den ärmlichen Zustand, in welchem sich die damalige bischöfliche Residenz in Bamberg befand. Die heutige sogenannte «alte Hofhaltung» war schon lange nicht mehr in Benützung. Ende des IG. Jahrhunderts (1591) hatte man die bischöfliche Wohnung in das vom Fürstbischof Ernst von Mengersdorf errichtete untere Geierswörther Schloss äSSs' mm mm w&b 9 mm mim tMws»A Abb. 13. Zweidler’scher Grundriss von Bamberg (Bruchstück). (jetzt Oberlandesgericht) verlegt. Kaum ein Jahrzehnt später wurde unter den Fürstbischöfen Joh. Phil. v. Gebsattel (1599— 1609) und Joh. Gottfr. v. Aschhausen (1609 — 1622) auf der Höhe des Petersberges — ungefähr auf dem Terrain der heutigen Residenz ohne den Ostflügel — abermals ein Neubau aufgeführt, der zum Unterschied die «neue obere Hofhaltung» genannt wurde. Von der sehr einfachen architektonischen Ausgestaltung dieses Baues, soweit er unter dem Bischof von Geb- 92 sattel ausgeführt wurde, gibt uns der erhaltene Zweidler’sche Kupferstich vom Jahre 1002 (Abb. 13) ein ziemlich deutliches Bild; es war ein schmuckloser Fachwerkbau, dessen Fatjade mit zwei Erkern ausgestattet war; im Osten war er an einen Turm angebaut, die Rückflügel um einen viereckigen Hof angelegt Die verschiedenen kleineren, nach Nordwesten sich anschliessenden Gebäulichkeiten fielen dem Aschhausen’schen (hinteren) Bau zum Opfer, der den Grundstock zu den heutigen Flügeln C. und D. bildet. — Diese dürftige Anlage diente bis zum Ende des 17. Jahrhunderts den mächtigen Bamberger Fürstbischöfen zur Residenz. Niemand konnte diesen unwürdigen Zustand schmerzlicher empfinden, als der für alle Kunst hochbegeisterte Fürstbischof Lothar Franz. Aber da er durch die Wahlkapitulation in der Durchführung eines vollständigen Neubaues, wie er wohl am meisten seinem Sinne entsprochen hätte, gehindert war, so mussten Mittel und Wege gefunden werden, der lästigen Bestimmung zum Trotz eine würdigere Residenz zu schaffen. Man half sich damit, dass man zunächst mit dem «Ausbau» der vorhandenen brauchbaren Teile den Anfang machte, und erst allmählich, nachdem man die nötigen Summen im Staatshaushalt erübrigt und auch das Domkapitel sich wohl an den Gedanken eines Residenzbaues gewöhnt hatte, zu den eigentlichen Neubauten schritt. Die Kommission, die beim Beginn des Baues noch eingehend über den «Riss wie die obere neue Hofhaltung ausgebauet und verbessert werden solle», Beschluss gefasst hatte, (14. April 1695) wird im späteren Verlauf der Bauarbeiten nie mehr zu Rate gezogen; der Fürstbischof sc-hliesst vollkommen eigenmächtig seine Kontrakte ab und das Domkapitel scheint sich zufrieden gegeben zu haben. 1 Die Bauten beginnen im Frühling des Jahres 1695. Nachdem man am 20. Mai mit dem Baumeister Joh. Leonhard Dientzenhofer in Unterhandlung getreten war — seine Forder- 1 Vergl. den bei Leist abgedruckten Brief, aus dem Leist allerdings eine entgegengesetzte Folgerung zieht. Ich stütze mich auf die Worte: «Wann nun wir (Domkapitel) Keineswegs gemcindt sein, derselben (Fürstbischof) liierinfalls (Fortsetzung des Residenzbaues) einige hinderniss zu thun». 93 ung wurde von 5700 fl. auf 5400 fl. herabgesetzt — konnte am 7. Juli ein erster ausführlicher Kontrakt geschlossen werden, dem ich folgendes entnehme: 1. solle er, Bau-Meister, schuldig und gehalten sein von der Haubtstieg an bis zue end des hintern zu der Haader- gassen gehenden Bau alles befindliche und nothwendige Mau- rerwerkh.auff und aussmauern nicht weniger wo es von nöthen Neue Thürn und Fenster durchzubrechen .... 2. den in den Abriss gezeigneten Neuen Bau von Fundament auss drey stockhwerckh hoch bis gegen das Cantorev heusslein gleich den andern von steinen aufzuführen und 3. alles sowohlen in diesen Neuen als den andern Bau in dem Untern Stockhwerckh durchgehents zu wölben 4. auch die grosse Haubtstigen so vorn in den Bau gegen den Dombplatz gehet mit Treppen.durch alle drey stockhwerckh aufzuführen, zu wölben. 5. solle er die Riegelwänd in allen stockhwerckh ohne ausnahm ausmauern verbländen .... lassen. 7. solle er die zwey schneckhen Thürn'wie auch die zwev steinerne Giebel als einen gegen der hadersgass, den andern aber gegen der alten Hofhaltung abtragen lassen, die zwey schneckhen aber.wieder aufmauern lassen. Den Schlüssel zum Verständnis dieses Vertrages geben uns erst die Dros’schen Pläne ; denn aus ihnen erfahren wir, dass die immer wieder genannte Hauptstiege nicht an ihrer jetzigen Stelle (im Flügel B.) gelegen war, sondern sich am Anfang des Flügels C. befand. Es lässt sieh nun leicht erkennen, dass es sich sub. 1. um den Ausbau der beiden Flügel C. und D., der «2 alten Flügel», wie sie an anderer Stelle 1 genannt sind, handelt. Unter dem sub. 2. erwähnten Neubau ist nicht etwa, wie Leist S. 9 meint, eine teilweise Auswechslung der Fagade des alten Residenzbaues verstanden, sondern der kurze Flügel E. Man sieht deutlich, dass derselbe nicht im Mauerverband mit der giebelgekrönten Stirnseite des «zur hadergassen gehenden Baues» (D) steht, und darf aus der geringen Summe von 1 In einem undatierten, in den Akten fälschlich unter 1701 eingereihten Kostenanschlag über 5700 fl. 5400 fl., die für alle diese baulichen Leistungen genehmigt war, nur auf einen untergeordneten Bau schliessen. Das genannte Cantoreyhäuslein befand sich demnach an der Stelle des jetzt noch an E. anstossenden niederen Gebäudes, 1 ja, es ist nicht ausgeschlossen, dass es mit demselben identisch ist. Die Lage der sub 4 genannten Hauptstiege und der sub 7 erwähnten Schneckenthürn (Wendeltreppen) ergibt sich aus dem Grundriss ; die andere Bestimmung (sub. 7) scheint nie vollkommen ausgeführt worden zu sein, da der Giebel gegen die alte Hofhaltung heute noch steht. Die neu errichteten Zimmer im Flügel C. und im ersten Stock des Flügels D. waren nach einer Notiz in einem bischöflichen Schreiben (15. Juli 1695) für «Ordinari Wohnungen der Cavaliere» bestimmt und sollten als solche nur «Kalchschnei- •derey» oder «quatralur» zur Ausschmückung erhalten, während zur fürstlichen Wohnung die Zimmerreihe des zweiten Stocks im Flügel D. ausersehen war und deshalb auch mit reicherer Stuckdekoration ausgestattet wurde. 2 Die in diesem ersten Kontrakt vorgesehenen Bauarbeiten erfordern zu ihrer Vollendung noch das ganze Jahr 1696 ; erst am 20. Oktober 1696 ergeht der Bescheid, die Fensterverglasung betreffend. Sie scheinen auch in diesem Jahre nicht mehr zum Abschluss gekommen zu sein; denn zu Beginn des nächsten Jahres (12. Februar 1697) lässt der Baumeister anfragen, ob er «bei dem vordem neuen Bau gegen den Burgplatz oder an den hinteren gegen der hadersgass zu, dann mit denen Stallungen gegen des Herrn Fausten von Stromberg Hof einen Anfang machen solle.» Diese Anfrage ist nicht unwichtig, weil sich aus derselben ergibt., dass man mit D. bereits über die Fortsetzung des Baues nach dem Domplatz zu verhandelt hatte. Der Baumeister hatte auch bereits zwei Risse über die facciata 1 Hierfür findet sich ein Beleg in einem Kontrakt vom 8. Mai 1697, betr. die Anlage eines Dohlen, aus welchem sich ergibt, dass dieses Häuschen in der Nähe der hinteren Küche (Ecke des Flügels C. und D.) sich befunden hat. 2 Kontrakt mit Joh. Jakob Vogel vom 14. Jan. 1696. Die fürstliche Wohnung bestand aus dem fürstlichen Eckzimmer, der Ketirade (Schlafzimmer?), Audienzzimmer, dem kl. Saal und zwei unbenannten Zimmern. 95 und zwei Grundrisskonzepte anfertigen müssen, von denen in der Korrespondenz mit dem Statthalter zu wiederholten Malen die Rede ist (1697. 19. März, 23. März). Nur vorsichtig entschied sich der Fürstbischof, gestützt auf die Gutachten seines Statthalters, über die auszuführenden Entwürfe, 1 galt es doch einen Bau zu errichten, der «der Burg und der gantzen Stadt eine sonderbahre Zierde» geben und dem «Principalwerk allervorderst dienen» soll. Diese ausgedehnte Korrespondenz mit dem Statthalter ist vor allem dadurch von Interesse, dass sie in massgebendem Zeitpunkt von den Bau ab sichten des Abb. 14. Situationsskizze. Fürstbischofs Kunde gibt: So ordnet er am 23. März eine kleine Abänderung der Fenster an «nach dem er zugleich der meinung bleibe, wann ihm Gott das Leben . . . gebe, den Bau nach dem ersten Concept bis an das Burgthor zu eonti- nuieren». Die Lage des ehemaligen Burgthors zeigt der Zweidler'sche Grundriss: es ist der Turm, auf den die Treppe des Katzenberges führt; zu bemerken ist, dass derselbe noch jenseits, 1 Ja, er lässt den Baumeister eigens «mit Zugebung eines Einspäni- gers» nach Mainz kommen, um mit ihm sich nochmals wegen der Einrichtung der Zimmer und Kapelle zu bereden (Brief 1697, 13. April). 96 d. i. südlich der verlängerten Domachse, gelegen war (vergl. den Plan in v. Schrottenberg, der Dombau i. s. neueren Gestaltung). Das erwähnte «erste Coneept» haben wir nun in den Dros’schen Plänen vor uns; wenn es in dieser Ausdehnung auch nicht zur Ausführung kam, so beweist es doch mit ziemlicher Sicherheit, dass der Fürstbischof an eine symmetrische Anlage ursprünglich nicht gedacht haben kann. 1 Auf der beigegebenen Skizze (Abb. 14) ist der Versuch gemacht, einen derartig den Dom umschliessenden Bau einzuzeichnen; die Lage des Westpavillons, der weit über den Rand des hier steil nach Süden abfallenden Domberges zu stehen gekommen wäre, ergibt, ganz abgesehen von den unermesslichen Schwierigkeiten, welche das stark aufsteigende Dombergterrain der Durchführung entgegengesetzt hätte, die Unwahrscheinlichkeit oder richtiger Unmöglichkeit solcher Projekte. Während dieser Verhandlungen war bereits mit dem Abbrechen der alten Flügel begonnen worden: «der von anfang der grossen haubt Stiegen bis zu end der Capelin und auch der zwischen disen und den gartten noch stehenden gebäue sammt dem Turm.» 2 (Bericht vom 6. Mai 1697 und Kontrakt vom 8. August 1697.) Der Hauptkontrakt, 3 der vorerst nur einen Teil des 1 Eine Stelle eines Berichtes an den Fürstbischof erscheint allerdings im ersten Moment befremdlich, nnd man ist geneigt, an der bisherigen Beweisführung zu zweifeln. Der Statthalter schreibt am 16. März 1697 : So wäre 2. an deme, dass die alte Hofhaltung in solcher Zeit abge- i tragen und die Fundamente zum neuen Bau gelegt werden könnten. Der Zusammenhang ergibt aber, dass hier der Ausdruck «alte Hofhaltung» nicht im heutigen Sinne gebraucht ist, sondern im Gegensatz zu dem Neubau der Jahre 95/6 den alten Flügel des Gebsattel’schen Baues bezeichnet ; weiterhin wird der an ihrer Stelle zu errichtende Bau auch der «vordere Bau» genannt, hinter dem ein Garten angelegt werden sollte. Auch sonst lässt sich der Ausdruck «alte Hofhaltung» in diesem Sinne naclnveisen (z. B. im Bericht des Statthalters vom 12. Sept. 1698). 2 Es sind das die Gebäude, wie sie der Zweidler’sche Kupferstich zeigt. Die Lage der alten Kapelle lässt sich nicht genau bestimmen; sie hat sich wohl hinter dem Turme befunden und den Abschluss des Gebäudes nach Osten gebildet. 3 Die im Kostenvoranschlag v. 26. Juli 1697 geforderte Summe von 20674 fl. wird im Hauptkontrakt auf 19138 fl., 120 fl. Leihkauf und vier Fuder Bier festgesetzt. 97 heutigen Flügels A. und den Flügel B. betrifft, wurde am 8. August 1697 geschlossen und hierdurch der Baumeister verpflichtet, «demnach S. cli. Gn. gngst. resolvirt haben, dero allbereit vor drey Jahren angefangenen newen Oberhoffhaltungsbau zu continuieren und denselben von der in Erstem contract dieses angefangenen Baws allbereit begriffenen grossen haubt- stiegen an, ferner hinüber bis an das Eck der Lochaw 1 dann weithers herfür gegen das Burgthor biess an des Veitspfarrers wohnung 2 führen zu lassen», einen Bau in zwei Stöckhen (= Flügeln) aneinander zu bauen und zu verbinden; der erste Flügel solle 205 Nürnb. Schuh lang sein, der andere 220 Schuh messen, Grössenverhältnisse, wie sie nach Leist die heutigen Flügel B. und A. ohne den Pavillon bau ergeben. Der ganze Flügel B. bis zum Eck sollte unterkellert, das Erdgeschoss gewölbt werden. Bei der Wichtigkeit dieses Hauptvertrages sind noch eine Menge kleiner Punkte vorgesehen, aus denen mit vollkommener Klarheit hervorgeht, dass der Flügel B. von Grund aus neugebaut wurde; die Meinung, es habe sich nur um eine Verblendung der Facjade, oder wie Leist will, um eine bedeutende Veränderung in dekorativer Beziehung 3 gehandelt, wird durch dieselben widerlegt. Zu Beginn des Jahres 1698, als die Fundamentierungsarbeiten zu Ende gingen, wurde mit Dientzenhofer noch über die architektonische Ausschmückung des Baues verhandelt; es wurde verabredet (20. März 1698), dass die 94 Fenster gegen den Domplatz — es ist die Zahl der Fenster des Baues ohne den Pavillon und den Giebel des Mittelbaues — von Zeiler Stein architekturmässig herzustellen seien. Die Facjade solle geschmückt werden mit «dreymahligen von Architectur auffeinander 1 Heutige ßesidenzstrasse. 2 Stand an der Stelle des heutigen Kesidenzpavillons, im Zweidler’schen Grundriss durch A gekennzeichnet. 3 Auf S. 9 sagt Leist: es sollte durch den Vertrag v. 7. Juli 169B vorerst nur ein Teil d e r einfachen Hag ade des Gebsattel-Aschliau- sen’schen Besidenzbaues durch ein reicheres Werk ersetzt werden. Der Grundbau blieb nach ihm stehen. Auf S. 13 hält er es für zweifellos, dass 1697 «dieser erste Bau v. 14. April 1695 wenigstens in dekorativer Beziehung eine bedeutende Veränderung erfahren habe». / 9« stehenden haubtgesimbssen, frües, arcliatra, Capitel, schafft- gesimbss, zwey ausschweiff über die zwey undere haubtgesimb- sern, damit kein schnee oder wasser auff denen haubtgesimsern sich versenket, sondern ablaufen kan alles der rechten archi- tectur gemäss ..... als zum ersten die Dorica, zum andern die Jonica, zum dritten die Corynthia.» Desgleichen solle das Hauptportal dem Risse gemäss oder wie es dem Fürstbischof etwa sonst beliebe, hergestellt werden. 1 Die erwähnte Kapelle, die auch in den Dros’schen Plänen zu sehen ist, kam nicht zur Ausführung; der Platz wurde in Zimmer ausgeteilt. 2 3 Die Bauarbeiten schritten rüstig fort; es wurden wöchentlich ca. 000 Quadern (2 , / ä N. Schuh lang, l 1 ^ Schuh hoch und dick) gesetzt, :i so dass schon am 25 . Juli berichtet werden konnte: «die Fenslerwandstückh seien im undern stockwerekh würklich gesezet, auch der stürz zum Theil darauf gelegt». Nur betreffs Anlage der Hauptstiege war man sich noch nicht im Klaren. Dem Fürstbischof gefielen die beiden Kellerstiegen nicht, die rechts und links in den Einfahrtsraum münden sollten (s. Dros’sche Pläne) ; da sie «dem Bau einen Unform machen würden», so musste versucht werden, sie auf irgend welche Weise zu beseitigen. Das Resultat der hierüber gepflogenen eingehenden Korrespondenz war, dass man sich zur Anlegung einer vollkommen neuen Treppe entschloss, die bis in den Kellerraum durchgeführt und so zugleich den Eingang in beide Keller (unter Flügel B. und C.) bewerkstelligen sollte. 4 So scheint denn die jetzige Lage des Treppenhauses im letzten Grunde abhängig von den beiden Kellern zu sein ; dadurch war aber auch die Einfahrtshalle mit dem Portalbau festgelegt, und so erklärt sich die Unregelmässigkeit in der Fapadenbildung, die wohl in erster Linie den Gedanken an eine 1 Dieser TJeberschlag vom 18. Jan. 1698 ist abgedruckt bei Jung, S. 124. Fiir alle diese Arbeiten werden dem Baumeister im Kontrakt vom 20. März 1698 6i00 fl. statt der geforderten 6987 fl. zugebilligt. 2 Notiz i. d. Abrechnung v. lö. Jan. 1704, wobei die für die Kapelle bestimmte Summe von 400 fl. in Abzug kommt. 3 Bericht, 12. Juni 1698. 4 Eine bei den Akten unter 26. Sept. 1698 liegende Skizze — die einzige dort noch erhaltene Zeichnung — gibt hierüber Aufschluss. beabsichtigte Fortsetzung des Baues entstehen liess, aus Gründen der Zweckmässigkeit. — Laut Kontrakt vom 7. Okt. 1698 ist D. verpflichtet, «die alte Stiege (1695 erbaut) wieder abzubrechen, an ihrer Stelle die Schiedwänd wieder aufzumauern und die Gewölbe wieder einzurichten und das neue Treppenhaus der detaillierten Vorschrift gemäss aufzuführen.» 1 Die Ausführung der in den drei Kontrakten vom 8. August 1697, 20. März und 7. Oktober 1698 vorgesehenen Arbeiten nimmt die Zeit bis zur Mitte des Jahres 1700 in Anspruch; wenigstens lässt ein Bericht des Statthalters, datiert vom 31. Juli 1700, über eine im Beisein des Baumeisters vorgenommene Inspektion darauf schliessen, dass die beiden vorderen Flügel um diese Zeit im Rohbau ziemlich vollendet waren; auch die mit gemalter Architektur geschmückte Stadtseite war, von einigen nötig gewordenen Aenderungen abgesehen, bereits fertig gestellt. 2 Mit diesen Bauten war man bis an des «Domprobstens von Würzburg hof» gekommen. 3 Wenn hier noch nach dem Vertrag von 1697 der Residenzbau vorläufig enden sollte — der Erzbischof hatte das Eckzimmer des unteren Stocks nach dem Domplatz für sich als Wohnung bestimmt und noch am 10. Juni 1698 über die Vergitterung der Fenster Anordnungen erlassen — so war jedoch inzwischen bereits der neue Gedanke aufgetaucht, einen abschliessenden Pavillon anzusetzen. (Schreiben des Statthalters vom 3. August 1700.) Diese geplante Fortsetzung stiess aber auf den Widerspruch des Domkapitels, welches die Einlegung des erwähnten Dom- propstenhofes nicht gestatten wollte, bevor nicht ein passender Ersatz für denselben gefunden war. Die hierüber gepflogenen Verhandlungen mit dem Dompropst Voit von Rieneck zogen sich bis zum 1. Mai 1701 hin, an welchem Tage Dientzenhofer von Mainz die Nachricht mitbrachte, dass mit der Einlegung des Hofes begonnen werden könne. Aber erst nach dem 22. April 1702 wurde mit dem Pavillonbau selbst der Anfang gemacht. Der von diesem Tage datierte Vertrag mit dem Baumeister ver- 1 Vergl. auch Jung, S. 133/34, der Baumeister erhält 2600 fl. 2 Yergl. Jung, S. 136/37. 3 Yergl. Zweidler’schen Grundriss, wo derselbe mitB. bezeichnet ist. lOO pflichtete ihn, einen Pavillon, «vier Stockwerk hoch, ohne das Fundament., dann auch das Fundament, so auf der äüssern seyten gegen den sand 37 schuh tief, dann innen gegen den Dombplatz 26 schuh tief», mit «vielfältigen Zierrathen der architektur gemäss» aufzuführen, wogegen ihm 6000 fl. an Geld und l’/ 2 Fud§r Bier zum Leihkauf bewilligt wurden. Mit diesem neuen Entschluss ist die ursprüngliche Absicht, den Bau bis zum Burgt.hor fortzusetzen, endgültig aufgegeben. Die Veranlassung hierzu ist wohl darin zu suchen, dass die Fortsetzung des Baues bei dem ziemlich stark geneigten Terrain riesige Unterbauten erfordert hätte (vergl. die schon bedeutenden Grössenverhältnisse des heutigen Pavillonfundaments). Ein am 24. April 1702 geschlossener Akkord, einige kleinere Bauarbeiten betreffend, ist der folgenden Bemerkung wegen von Wichtigkeit: 2. ist ihm (D.) vor den Giebel ober dem Thor, 1 so nach dem von Ihrer ch. Gn. ehedessen geschlossenen Contra kt anerst resolvirt worden .... bewilligt worden 68 fl. 48 x, für Steinhauerarbeit dieses Giebels 45 11., vor die drei Fenster ä 12■= 36 fl. Also erst drei Jahre nach Abschluss des Hauptkontraktes (1697) denkt man an eine architektonische Auszeichnung des vermeintlichen Mittelpunktes einer symmetrischen Anlage, des Portalbaues, das, wie oben dargelegt, zudem praktischen Erwägungen seine heutige Lage verdankt ! Ein letzter Dingzettel vom 20.' Nov. 1703 sei nur deshalb erwähnt, weil er von einem am 29. Juli 1703 eingereichten «Ueberschlag wegen gänzlicher Verfertigung des neuen unter tachstehenden Oberhofhaltungsbau» spricht. Nach ca. 8 jährigem Baubetrieb war demnach um die Mitte des Jahres 1703 der grosse Bau zu Ende gekommen. Mit geringfügigen Arbeiten wurde allerdings noch einige Zeit 1 Das «Modell» vorgsjjßm «ober dem Thor an den Oberhofhaltungsbau vorhabenden Giebel, dessSh zur Seite kommende ausschweifung und unter die francospizen oder vertaohung gehörigen Ziehrath oder Laubwerck» ist vom Kurfürsten am 17. August 1700 genehmigt. Die Bildhauerarbeiten, «die 7 Planeten» (nur 5 Figuren sind heute vorhanden) werden dem Bildhauer Joh. Nikolaus Besch um 60 Kth.. in Arbeit gegeben. 101 zugebracht, aber doch schon zu Beginn des Jahres 1704, am 15. Januar, konnte die erste Gesammt- Abrechnung des Baumeisters entgegengenommen werden, die sich auf 45 006 fl. 37 x belief. Eine «gründliche Abrechnung» erfolgte erst am 9. November 1707, also kurz vor dem Tode D.’s. Mit diesem Datum schliesst die baugeschichtliche Darstellung, durch welche der aktenmässige Beleg für die anfangs aufgeslellte Behauptung erbracht werden sollte. Mit Bticksicht auf die technische Ausführbarkeit wurde bereits der Gedanke an eine den Dom umfassende Riesenanlage zurückgewiesen. Aesthetische Erwägungen lassen auch die beiden anderen möglichen Varianten der symmetrischen Anlage 1 höchst problematisch erscheinen. Denn dieselbe hat nur dann ihre Berechtigung, wenn sie auch wirklich mit dem Mittelpunkt, dem Dom, in architektonische Verbindung gebracht werden kann. Auf dieses Ziel scheint man aber von Anfang an verzichtet zu haben, denn die beiden Achsenlinien der Gebäude divergieren in erheblicher Weise, und eine Wiederholung der heutigen Anlage nach Westen hin hätte diesen Fehler nur um so störender in die Erscheinung treten lassen. Noch weniger lässt sich annehmen, dass Lothar Franz je an einen Ausbau, wie ihn Küchel in Vorschlag brachte, gedacht hätte. Wir brauchen uns nur zu vergegenwärtigen,'dass unmittelbar vor das Hauptportal des Doms der mächtige Pavillon zu stehen gekommen wäre, um uns von der architektonischen Ungeheuerlichkeit derartiger Projekte zu überzeugen. Das Bestreben der Architektur jener Zeit geht bei grossen einheitlichen Aufgaben stets auf ein geschlossenes Ge- sammtbild ; diesem Grundsatz spricht aber der Küchel’sche Entwurf direkt Hohn, nach welchem die Wirkung von Domwestchor und westlichem Residenzpavillon wechselseitig zerstört und eine unschöne Häufung der Baumässen herbeigeführt worden wäre. Der Bau der Residenz, wie sie heute steht, war von Anfang an ohne Bezugnahme auf den Dom gedacht; das beweist der 1 Vergleiche die Skizze Abb. 14, in ■welcher die verschiedenen Möglichkeiten eingezcichnet sind. 102 Umstand, dass man die Richtungsliuie des Gebsattel’schen Baues auch für den Neubau beibehielt und bei der Fortsetzung am Ostflügel der Terrainbildung und ehemaligen Burgmauer folgte. Das Hauptgewicht ist auf die Stadtseite gelegt, die in ihrer mächtigen Ausdehnung bei ursprünglicher Bemalung einer grossen monumentalen Wirkung nicht entbehrt haben mochte. Nicht das architektonische Detail, sondern die gewaltige ungegliederte Masse sollte dem Bau, der an hervorragender Stelle der Stadt sich erhebt, das seiner Bestimmung entsprechende äussere Ansehen verleihen und die Residenz als solche schon von weitem kenntlich machen. Mit der Erbauung der beiden hinteren Flügel war, abstrakt betrachtet, die Möglichkeit der Durchführung einer symmetrischen Anlage aufgehoben. Da aus der Geschichte des Residenzbaues erhellt, dass diese Flügel nicht etwa erst später zum Ersatz der vorerst unausführbaren vorderen Pendantflügel errichtet wurden, so kann auch in der zeitlichen Aufeinanderfolge der einzelnen Projekte nur eine Widerlegung der seitherigen allgemeinen Ansicht erblickt werden. Aber noch bin ich den Vertretern der entgegengesetzten Meinung eine Erklärung der an der Ecke B. — C. hervorragenden Zahnsteine schuldig. Man hat auch sie schon unabhängig von den grossen Projekten zu erklären gesucht. Man habe, meint Dr. Meierhöfer, als man im Jahre 1695 beim Flügel C., an dessen vorderer Abschlusswand die Steine angebracht sind, zu bauen begann, noch nicht gewusst, ob man den Bau im Osten oder Westen fortführen solle, und sich deshalb die Eventualität der Fortführung im Westen durch diese Rüststeine freihalten wollen. 1 Diese Ansicht ist, wie sich aus der Baugeschichte ergibt, nicht zu halten. 1695 stand der vordere alte Bau noch völlig intakt; 2 an ihn wurde der Flügel C. angebaut und das Stück der heutigen Fa(jade zwischen Ecke und Portal wurde gleichzeitig mit der ganzen Vorderfront erst von 1697 an aufgeführt. Bei allen bisherigen Deutungsversuchen scheint mir die 1 S. Leist, 1. e. S. 22/23. 2 Vergl. den Kontrakt vom 7. Juli 1695 unter Nr. 4. — 103 — eigentümliche Gestaltung dieser Zahnsteine nicht genügend beachtet worden zu sein. Man hat übersehen, dass dieselben nur in den beiden unteren Geschossen in schiefem Winkel vorspringen, während sie im zweiten Stock in der Richtung der Mauer- linie verlaufen. Die Richtungslinie der ersteren weist nun genau auf die gegenüberliegende Ecke der ehemaligen Katharinenkapelle, über welcher sich ein Erkergeschmückter Turmbau, die hohe Warte, erhob; und die Untersuchung an Ort und Stelle ergab, dass sich im ersten Stock der beiden gegenüberliegenden Gebäudeteile ehedem Thüren befanden, deren Umrahmung und Stufen sowohl in der Residenz, (wo sie jetzt in einen Wandschrank umgewandelt ist), als auch im Kapellenraum an der Innenseite noch zu erkennen sind. Dies alles weist mit ziemlicher Gewissheit darauf hin, dass man hier einen Verbindungsgang, der vielleicht von einem Rogen getragen werden sollte, geplant hatte. Der Gedanke liegt nahe, dass man diesen Rogen durch einen thorartigen Unterbau zugleich zum Abschluss des Platzes und dadurch zur Maskierung der einförmigen schmucklosen Mauerseite des Flügels C. verwenden wollte. Das gerade Verlaufen der oberen Rüststeine erklärt sich am besten damit, dass man den Verbindungsbau nur durch zwei Stockwerke durchführen wollte, während man vermutlich oben ein gerade verlaufendes Abschlussstück anzubringen gedachte. Keinesfalls aber war der Abschluss im Oberstock zu bewerkstelligen, so lange nicht der Unterbau fertig war. Dieser Erklärungsversuch beruht auf historischer Grundlage. Auf dem Zweidler'schen Grundriss 1 findet sich nämlich ein solcher Gang zwischen der neuen Hofhaltung und der Kapelle eingezeichnet, welch letztere ausserdem durch die inzwischen abgebrochenen Rückgebäude in direkter Verbindung mit dem Hauptbau der alten Hofhaltung stand (vergl. das Oel- gemälde 2 des A. R. Lichteisen vom Jahre 1750 in der Residenz), überdies wird durch den Bogen, der auf jenem Bilde von der 1 Die Kopie dieses Stichs bei Merian, Topographia Franconiae ist ungenau; der Gang fehlt auf dem Blatt. 2 Abgebildet bei v. Schrottenberg a. a. 0. 104 Andreaskapelle zum Dome gespannt erscheint, die Vermutung nahe gelegt, dass auf diese Weise ein direkter gedeckter Weg zum Dom hergestellt worden war; 1 es lässt sich leicht denken, dass man auch bei dem Neubau auf diesen bequemen Verbindungsweg nicht verzichten wollte. Da ferner die ursprünglich geplante Schlosskapelle nicht zur Ausführung kam, 2 hatte wohl dieser Gang zunächst auch die Bestimmung, die gegenüberliegende Katharinenkapelle, die •sich im ersten Stock befand, dem Ganzen des Residenzbaues an- zugliedern.- Die Ursache für das Aufgeben dieses Planes liegt wohl in dem baufälligen Zustand der «hohen Warte», der bereits 1733 Gegenstand besorgniserregender Klagen wurde. Tn der That musste dieser Eck türm noch im 18. Jahrhundert (1777) bis auf den heute noch stehenden Unterbau abgetragen werden. Wir kehren zum Ausgangspunkt unserer Betrachtung zurück. Das Hauptwerk Dientzenhofers stellt sich dar als ein stückweise geplantes und entstandenes Gebilde, dem die einheitliche Idee fehlt, als ein Werk, das in seiner fremdartigen Gestaltung unbefriedigt lässt, dessen Bedeutung seither hauptsächlich darin gesehen wurde, dass man es für den Torso eines ungeheuren Ganzen hielt. Nun gilt es zu prüfen, ob dasselbe auch ohne die entschuldigende Beziehung auf den unvollendeten Zustand des Interesses weiterer Kreise würdig erscheint, oder ob nur der zufällige Umstand, dass man durch ein umfangreiches Aktenmaterial in der Lage ist, ein ziemlich genaues Bild seiner Entstehung zu geben, zu wiederholter eingehender Besprechung geführt hat. 7 . , In der bisherigen Litteratur, soweit' sie sich ■ überhaupt auf eine Würdigung des Baues einlässt, , ist ein merkwürdiger Zwiespalt zu gewahren. Auf der einen Seite macht' sich die 1 Dieser Bogen, auf der Abbildung mehr als schmaler Stiitzbogen gebildet, war, wie der Augenschein ergiebt, von ziemlicher Breite; die noch sichtbaren Spuren der herausfiihrenden Thiire lassen vermuten, dass er einst mit einer Holzgallerie bedeckt war. An dem Dom hat die Restauration der 80 er Jahre jede Spur verwischt. 2 Später hat man den ursprünglich zum Sommersaal bestimmten grossen Raum im Erdgeschoss des Flügels B. zur Kapelle umgewandelt. Die Hofkapelle wurde erst 1781 eingeweiht. 105 Freude geltend, den Haumeister der Residenz, als bedeutenden Bamberger Künstler nennen zu können, andererseits aber äussert sich doch eine gewisse Geringschätzung dieses seines Hauptwerks. Man freut sich, dass die vermeintlichen Ausbauprojekte nicht ausgeführt wurden «hätte ja doch die in künstlerischer Beziehung so reizvolle und geschichtlich so hoch interessante alte Hofhaltung vom Boden verschwinden müssen, ohne einen gleichwertigen Ersatz zu bieten». 1 Wenn die heutige Anlage in ihrer Grundrissentwicklung die Empfindung einer unaufgelösten Dissonanz in uns hervorruft und nur zu sehr einen eigentlichen Mittelpunkt vermissen lässt, von dem aus sich das Ganze organisch hätte ausgestalten können, so ist hierfür, wie wir sahen, der Baumeister nicht verantwortlich zu machen. Durch die Notwendigkeit, die Fundamente bestehender Bauten nach Möglichkeit auszunützen, und durch die Oertlichkeit gebunden, hatte er die undankbare Aufgabe, seine Pläne den jeweiligen Wünschen des Bauherrn anzupassen, die gerade hier, durch äussere Umstände beeinflusst, der sonstigen zielbewussten Bestimmtheit entbehren. Daraus erklärt sich auch die schlichte Raumdisposition, die nüchterne Nebeneinanderreihung der Gemächer, die im ersten Entwurf so angeordnet waren, dass auf der Domplatzseite die langen Korridore, nach dem Garten und der Stadt die Zimmer liegen sollten. Bei der Ausführung hat man diese, von der klösterlichen Baukunst übernommene, Anordnung nur in den hinteren Flügeln und dem Erdgeschosse der vorderen Trakte beibehalten, während man im Hauptflügel (A) die Gemächer zu beiden Seiten eines Mittelganges anlegte. Bei den Zimmern des zweiten und dritten Stockwerks im Flügel B, den eigentlichen Staats- und Repräsentationsräumen ist man von dieser Regel abgewichen. Der schmale Gang der hinteren Flügel erweitert sich hier zu den beiden Vorsälen, die dem kurfürstlichen Tafelzimmer 2 (heute Thronsaal genannt) vorgelagert sind; jenseits derselben befanden sich Gesellschaftsräume. An den Quersaal anschliessend, dürfen wir wohl die Privaträume 1 Leist, 1. c. S. 6. 2 Spezifikation des Meisters Vog’el v. 1704. Jung 150. 106 des Kurfürsten vermuten : von dem Empfangszimmer gelangt man zunächst in das Eckzimmer, in dem sich das Privatleben des Kurfürsten vornehmlich abgespielt haben dürfte. Daran stösst das mit allerlei Kostbarkeiten ausgestattete, getäfelte Prunk- kabinet, ein integrierender Bestandteil der Schlossanlage des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Die folgenden Gemächer, ein Kabinet, das man nach Analogie des Bruchsaler Schlosses als Privat-Andachtsraum 1 bezeichnen kann, ein Wohnzimmer mit anschliessender Garderobe und Vorzimmer auf der einen Seite, auf der anderen das Schlafzimmer mit Toilettenraum, bildeten wohl die eigentliche Privatwohnung des Fürstbischofs. Die genaue Mitte des dritten Geschosses nimmt im Flügel B. der grosse Prunk- und Festraum, der Kaisers aal (Taf. 10) ein. Unvermittelt, nur durch eine Flügelthür von der Treppe aus zugänglich, zeigt er in seiner architektonischen Ausgestaltung die denkbar einfachste Anordnung. Kein Vorzimmer, kein architektonisches Schmuckglied, weist auf die Bedeutung des Baumes hin ; es ist einfach der Gang zur gewöhnlichen Zimmerbreite hinzugefügt, und der so entstandene grosse Saal der Stucktechnik und Freskomalerei zu selbständiger Ausschmückung überliefert worden. Der Bravour des Perspektivemalers fiel die Aufgabe zu, durch eine auf dem Stuckgesims vermittelst gemalter Konsolen aufsetzende Idealarchitektur den Eindruck zu erwecken, als ob sich der Raum auch über der Hohlkehle noch fortsetze. Die Durchführung dieser Dekorationsweise, die von dem Jesuiten Andreas Pozzo besonders ausgebildet 2 und in seinem Lehrbuch der Perspektive in ein geordnetes System gebracht worden war, wirkt bei dem an sich niedrigen, llachgewölbten Raum schwer lastend; auch durch das leichte, scheinbar nach dem Aether sich öffnende Mittelfeld wird dieser beengende Eindruck nicht behoben. 1 In der Abrechnung mit dem Stuckateur Vogel vom 22. Sept. 1702 ist eine Kapelle, die sich in der Nähe der Schlafkammer befunden haben musste, genannt. Vergl. Jung I. o. Seite 145 sub. 3. desgl. Kontrakt vom 20. Okt. 1704. Jung 1. o. S. 149. (Die Decke auf Taf. 29.) 2 Vergl. die Deckengemälde im Langhaus von St. Ignazio in Rom. Gurlitt, Barock in Italien. S. 465. 107 Eine bombastische Allegorie lässt auf diesem Mittelspiegel in bewegtem Zuge die [dealgestalten der Herrschertugenden an dem Beschauer vorüberschweben, während in den vier Ecken des Saals die Darstellungen der vier Monarchien 1 2 3 sich ihres angestammten Platzes erfreuen. Die malerische Wirkung dieser Fresken - wird leider durch die unschönen trüben Farben beeinträchtigt, die noch mehr bei den handwerksmässig derb ausgeführten Kaiserbildern an den Wänden stören. Im Ganzen erfreulicher ist die Stuckausstattung des Saales,die sich vom Flachrelief bis zu freier Rundplastik steigert. Wenn auch di& Trophäen tragenden Atlanten an den Kaminaufsätzen noch die: übertriebenen Formen des 17. Jahrhunderts zeigen, so tritt doch: schon in den reizenden bekrönenden Putten die graziöse spielende Richtung zu Tage, die im Kunstleben des 18. Jahrhunderts eine so grosse Bedeutung gewinnen sollte. Auf das den zahlreichem Stuckdecken des Meisters Vogel zu Grunde liegende Dekorationsprinzip (Taf. 28—30), das im wesentlichen an der kleinblätterigen vielgeteilten Ranke festhält, werde ich in anderem Zusammenhang zurückkommen. Im Gegensatz zu dieser kleinlichen unruhigen Art des Stuckateurs verwendet die Ho 1 z a rc h i t ekt ur, so weit sie reicher verziert auftritt, noch die fleischige volle Akanthusranke; als Beispiel diene eine Thürverkleidung aus den ehemaligen, fürstbischöflichen Privatzimmern des Flügels D. (Taf. 11.) Aehnlicher Formen bedient sich auch der Baumeister in seiner Aussenarchitektur in den wenigen Fällen,' in denen er das Flächenornament anwendet, wie bei den Zwickel- oder Giebelfüllungen. Im Allgemeinen ist seine Bauweise streng und ernst, entsprechend der einfachen Grundrissdisposition: «der rechten architectur gemaes» bauen sich in schlichter Weise die drei von den Theoretikern vorgeschriebenen Ordnungen: dorisch, 1 Man glaubte, von den üblichen «vier W eltteilen» absehen zu müssen, da sie etwas «gemeyns seien». Rescript vom 21. Juni 1707. s. auch Jung 151/2. 2 Ausgeführt wurden sie von einem Insbrucker Meister Melchior Steidl 1707. 3 Der Stuckateur Vogel erhält für den Saal 1000 fl. Jung 150. io8 jonisch, korinthisch über einander auf; glatt durchgeführte Zwischengesimse bewirken die Horizontalgliederung. Mit dieser Flächeneinteilung der Frührenaissance (L. B. Alberti beim Pal. Rucellai 1451) verbindet sich in einer bei den Italienern nicht üblichen Weise die in der Hochrenaissance aufkommende Anordnung der kreuzweise korrespondierenden wechselnden Fensterverdachungen (z. B. Pal. Pandolfini Florenz). Die Verbindung dieser beiden Elemente, die mit sicherem Blicke für schöne Verhältnisse durchgeführt ist, verfehlt nicht, dem Bau eine gewisse Vornehmheit zu verleihen; andererseits zeigen sich gerade in dieser Zusammensetzung die inneren Mängel des architektonischen Aufbaues. Wenn die Italiener die Pilasterstellungen anwenden, so liegt stets ein konsequent durchgeführter konstruktiver Gedanke zu Grunde: ein stark ausgebildeter Sockel und ein in richtiges Verhältnis zum Ganzen gesetztes Gesims halten die Faqade zusammen. Die Pilaster erscheinen als tragende Stützen, welche die Last der Dachbekrönung und der in sich abgeschlossenen einzelnen Geschosse auf die Basis überleiten und zugleich die Mauermassen durch abwechslungsreiche Differenzierung in kleine, leicht übersichtliche Teile zerlegen. Beim Residenzbau ist nur das letztere äusserliche Gliederungsprinzip beibehalten ; Sockel und Kranzgesims fehlen fast vollständig (der grosse Unterbau beim Pavillon kann hier nicht in Betracht kommen, da er nur zum Ausgleich der Terrainverschiedenheit errichtet wurde), und auch in der Zwischeneinteilung ist der konstruktive Gedanke dem Motiv der Fensterverdachung zum Opfer gefallen. Nur im untersten dorischen Geschoss ist das auf den Pilastern ruhende Gebälk vollständig ■durchgeführt. In den oberen Stockwerken ist Architrav und Fries, nur über den Pilasterkapitellen angedeutet, die durchlaufende Gurte auf das Kranzgesims reduziert, das infolgedessen nicht stark genug erscheint, die schweren Fenstergewände mitsamt den Sohlbänken zu tragen. Diese unharmonische Wirkung wird noch gesteigert durch die im Verhältnis zu den schlanken Pilastern übergrosse Fensterbildung. Durch die Anordnung hoher Sohlbänke werden die Verdachungen bis über ■die Höbe der Pilasterkapitelle hinaufgetrieben ; es fehlt der bei 109 den italienischen Vorbildern fast stets beibehaltene, freie, ausgleichende Raum über den Fenstern; an dessen Stelle tritt eine Häufung der Ziermotive im oberen Teil, die in unausgeglichenem Gegensatz zu der einfach gehaltenen Sockelbildung des einzelnen Geschosses steht. Zudem ist das Fensterbrettprofil auch an den Seitenwänden weitergeführt, sodass eine die schwachen Pilaster in ihrem unteren Teile durchschneidende fortlaufende Linie entsteht, — ein Uebelstand, der nur im vierten Geschoss des Pavillonbaues durch, bis zur Höhe dieses Gesimses aufgeführte, verkröpfte Postamente überwunden ist. So ergibt die Detailbetrachtung, dass das Pilastermotiv ganz äusserlich, d.. h. ohne tektonische Funktion lediglich als Dekoration verwendet ist. Aber auch als solche ist es nicht gerade glücklich durchgeführt. Die ängstliche, jeden freien Raum vermeidende Umgrenzung der Fensterstöcke verleiht der Fa- pade etwas Kleinliches, Befangenes. Bei der mächtigen Ausdehnung der Gebäudeflucht muss daher dieses Gliederungs- system, das an der gut zusammengefass.ten Pavillonschmalseite noch ausreichend ist, notwendig den Eindruck der Monotonie und Kraftlosigkeit hervorrufen. Daran können auch die drei einfachen Portalbildungen nichts ändern. Dientzenhofer hatte eben, wie wir bereits beim Ebracher Entwurf gesehen haben, keine Empfindung für die ermüdende Wirkung der zu often Wiederholung eines schon an sich nicht bedeutenden Motivs. Die Details sind in allen Einzelheiten korrekt und sauber durchgeführt, aber sie vermögen nicht darüber hinweg zu täuschen, dass das Ganze doch nur eine fleissige, äusserliche Zusammensetzung guter Vorbilder ist, der deshalb eben auch die Frische der Originalität mangelt. So erfreulich an sich in einer Zeit der extrem barocken Baurichtung das Zurückgehen auf die strenge Renaissancearchitektur genannt werden muss, so bezeichnend der Residenzbau für die gewissenhafte Art ist, mit der handwerks- mässig gebildete deutsche Baumeister den grossen Vorbildern gerecht zu werden suchten: auf die Entwicklung der Architektur im 18. Jahrhundert blieb die Dientzenhofer’sche Schöpfung ohne jeden Einfluss. Künstlich, vielleicht durch antiquarische Liebhabereien des Erbauers hervorgerufen, ober- 1 IO Mchlich an Aeusserlichkeiten haften bleibend, entbehrt der Bau der zwingenden, fruchtbaren Kraft des organisch Gebildeten. Er blieb darum auch ohne Nachahmung. Die gleichzeitige Baukunst ging auf derbere, massigere Wirkung aus. Dientzenhofer wurde auch dieser Richtung gerecht, ein Beweis dafür, dass ihm die Vorliebe für die strengeren Vorbilder selbst nicht Herzenssache, sondern nur vorübergehende Manier war. Im Dienste des Kurfürsten hatte er für Bamberg noch einige untergeordnete Bauten auszuführen. Architektonisch bot die ehemalige Langgasskaserne, die an Stelle der heutigen Neubauten am Schönleinsplatz gestanden hatte, (erbaut 1700, eingelegt 1892/93), ein niederer schmuckloser Nutzbau, gar nichts Bemerkenswertes, wir müssten höchstens des unschönen Brunnens im Hofe — zwei Wappen haltende Löwen auf Voluten, darüber ein Ares (?) — Erwähnung thun. Das anschliessende Langgasserthor (1701 gebaut, 1808 eingelegt) bot vermutlich einen ähnlichen Anblick wie das sog. Riegellhor, das 1697 in der Hauptwachstrasse erbaut, 1779 in die Gangolpher Vorstadt versetzt wurde. Dies letztere ist in Form eines drei geteilten Triumphbogens in derber Rustika errichtet. Der Schaft der flankierenden Pilaster ist durchsetzt mit Rustikaquadern — ein Motiv, das seit Ammanatis Hof des Pittipalastes (1568) mit Vorliebe für Portalbauten verwendet wurde. Ueber dem Gebälk erhebt sich ein Giebel als Träger des Schönborn’schen resp. Bamberger Wappens. Es ist wohl kaum zu bezweifeln, dass Lothar Franz dieses Werk durch seinen Hofbaumeister errichten liess. Zum Muster dienten demselben die Beispiele in den Werken der italienischen Theoretiker. IV. Die Schlossbauten Favorite bei Mainz, Gaibach, Triesdorf. Das Bild, das wir bisher durch die Betrachtung der Werke Johann Leonhard Dientzenhofers von seiner Art und Richtung zu gewinnen suchten, wird unklar, wenn wir ihm mit Gurlitt 111 (1. c. S. 325) den Bau des ehemaligen Lustschlosses Favorite bei Mainz (Taf. 12) zuteilen. Diese Zuschreibung scheint allein aus dem Umstand hergeleitet zu sein, dass D. den Titel «churmaynz und bamberger Hofbaumeister» trug, und als solcher wohl am ersten zur Ausführung der kurfürstlichen Bauten berufen gewesen wäre. Wie früher dargelegt, wurde ihm jedoch das entsprechende Amt nicht verliehen, vielleicht aus Rücksicht auf die Mainzer Bauhandwerkerzunft, die schon damals gegen das Ueberhandnehmen der Bamberger Meister Front gemacht hatte. Bei dem Mangel jedweder archivalischen Bestätigung 1 2 glaube ich deshalb von Dientzenhofer absehen zu müssen, umsomehr, als bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Leiter des kürfürstlichen Bauwesens in Mainz der in seinerzeit hochangesehene Ingenieur und Obristwachtmeister Welsch genannt wird. 1706, - also noch zu Lebzeiten Dientzenhofers, kam Welsch zur Inspektion nach Bamberg, um sich gutachtlich über die Fortifikationswerke in Cronach und Forchheim zu äussern. Es ist also wohl anzunehmen, dass dieser Ingenieur, der sich auch in rein künstlerischen Aufgaben versuchte, 3 4 damals schon einige Jahre in kurfürstlichem Dienst in Mainz gestanden hatte, und man darf deshalb vielleicht in ihm den Erbauer der Favorite erkennen. Gegenüber diesen vagen Hypothesen ist nur das Eine mit Sicherheit festzustellen, dass der Stilcharakter der Mainzer Schlossanlage, soweit er sich aus den schlechten Kupfern des Kleiner’schen Werkes * noch erkennen lässt, gänzlich von der einfach ernsten, strengen Dientzenhofer'schen und somit Bamberger Bauweise abweicht. An die Stelle der bei diesen Bauten wahrzunehmenden 1 Die .Recherchen nach den. einschlägigen Mainzer Verwaltungsakten blieben sowohl in den staatlichen Archiven Darmstadt, Wien, München (Miltenberger Sammlung) und Würzburg, als auch im Mainzer Stadtarchiv und den G-räft. Schönborn’schen Archiven in Wiesentheid und Wien erfolglos. 2 Briefe des Bamberger Statthalters an den Erzbischof vom 23. Juli, 16. August, 24. August 17U6. Kreisarchiv Bamberg. 3 Vergl. Skizze für die Würzburger Hofkirche bei Keller 1. c. S. 56. Die grosse Amorbacher Kirche ist nach seinen Entwürfen erbaut. 4 Sal. Kleiner, Wahrhaffte und eigentliche Abbildung der cliurfürstlich- mayntzischen Favorita. Augsburg 1726. 112 Zurückhaltung, die nur zu oft an Nüchternheit grenzt, tritt bei Schloss Favorite das Streben nach aufdringlich derber Gesammt- wirkung; die Pilaster werden durch Rundsäulen ersetzt, das dekorative Detail macht sich im Figürlichen wie Ornamentalen breit und kann sich in Häufung der Motive nicht genug thun. Der gleichzeitigen Wiener Bauweise 1 * nahe verwandt, herrscht diese Richtung auch bei den anderen bedeutenderen Mainzer Bauwerken jener Zeit vor; ich erinnere nur an den 1715—1721 errichteten Dahlberg’schen Hof (sog. Säukopf), dessen Steinhauerarbeiten von dem Mainzer Bürger und Steinmetzen Caspar Herwarthel ausgeführt wurden. - Jedoch ist die stilistische Uebereinstimmung dieses Werks mit der Favorite zu allgemeiner Art, um daraufhin eine sichere Zuweisung der letzteren an Ilerwarthel zu wagen. Die Gesammtanlage der Favorite, 3 4 bei welcher offenbar nach dem Vorbild von Marly das System der getrennten, kulissenartig gruppierten Pavillons zur Anwendung kam, wurde in den Jahren 1700—1710 vom Kurfürsten Lothar Franz mit einem Kostenaufwand von 93641 fl. 58 kr. errichtet. Der kunstreiche Park französischen Stils dürfte wohl, als einer der ersten seiner Art in Deutschland, für die ähnlichen, jetzt sämtlich verschwundenen «Gartenkünste» der Schlösser Gaibach, Wiesentheid und Pommers- felden' 1 das Muster gebildet haben. — Heute erinnert nichts mehr an die umfangreiche Schöpfung; 1793 fiel sie der Zer- 1 Vergl. Kleiner, Die keyserl. Burg und Lustliäuser 1725. Blatt 24, Blatt 2ö, Blatt 29. 3 Vergl. den Kontrakt vom 13. April 1715 über 22000 fl. rh. (Stadtarchiv Mainz.) (Abb. bei Gurlitt 1. c. S. 369.") Herwarthel dürfte identisch sein mit dem von Schlereth als Erbauer des Schlosses und der Kirche auf dem Johannisberge im Rheingau, (1717—30) genannten Mainzer Hofbaumeister Hörwarth (Buchonia, Fulda 1828. 3. Bd. 2. Hft. S. 30). Er starb im Jahre 1720. s. Scliaal, Geschichte der Stadt Mainz 1841, 2. Bd. S. 202. Daselbst ist er Hof- und Stadtwerkmeister genannt. Dieser Titel entspricht dem Reskript des Erzbischofs (4. Aug. 1698), wonach er die Stelle des Hofbaumeisters durch einen Werkmeister ersetzt wissen will. 3 Die detaillierten Nachrichten und Beschreibung Anden sich bei Velke, Die ehemalige Favorite bei Mainz in «Rheinische Chronik in Wort und Bild» I. Jhrgg. Heft 1—3. 1894/5. 4 Die Grundrisse sind uns erhalten in den Kleinerschen Werken; der des Schlosses Wiesentheid in Johann David Fiilcken, Neue Gartenlust in Verlag von J. A. Pfeffel in Augsburg. H3 störungswut französischer Truppen zum Opfer. Schloss und Park sind verschwunden und, ihrer künstlichen Fesseln ledig, atmet die Natur wieder freies Leben. Glimpflicher verfuhr das Schicksal mit dem Gräflich Schön- born’schen Schloss Gaibach (Taf. 13) bei Volkach in Unterfranken. Zwar haben auch hier Boskett und Wasserkünste mit all ihrem Pomp einem grossen Park englischen Stils weichen müssen; aber das Schloss ist in seinen wesentlichen Teilen noch erhalten. So wie es heute steht, bietet es allerdings nur noch einen schwachen Abglanz des ursprünglichen stattlichen Ansehens. Der tiefe Wassergraben ist eingefüllt, sodass die mächtigen Unterbauten nicht mehr sichtbar sind; auch die vier Bastionen sind zum grössten Teil eingelegt und die architektonisch reichere Ausstattung der rückwärtigen Flügel durch nüchterne, glatte, getünchte Wände ersetzt. Trotzdem zeigt die Anlage in ihrem Kern noch deutlich den alten Typus des Wasserschlosses mit den um einen quadratischen Hof gelagerten vier Flügeln, deren Ecken an der Frontseite mit Bundtürmen ausgestattet sind. An diesen wohl noch der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstammenden Hauptbau 1 wurden unter Kurfürst Lothar Franz, der alljährlich einige Wochen in Gaibach residierte, die beiden rückwärtigen Gartenflügel angebaut. So unbedeutend an sich dieser Neubau ist, er gewinnt dadurch an Interesse, dass auch an ihm die Fortbildung der Schlossanlage vom quadratischen Typus zur Hufeisenform zu beobachten ist. Die Neubauten 2 beginnen 1694 mit einer «Renovierung des Geubacher Schlosses»; 1695/6 wird die neue Brücke samt zugehöriger palustraden in gnädigster Herrschaft Garten durch den Steinhauer Martin Albert von Ottershausen um 240 fl. hergestellt. 1696/7 wird «der erste Gartentlügel am Schloss erbaut (848 fl.), dem 1697/8 der andere Flügel folgt. (930 fl.) 1698/9 werden für 86 Stück Balustraden und Postamente «so 1 Die bis in die 50er Jahre des 17. Jahrhunderts in geschlossener Reihe zurückreichenden Gaibacher Reehnungsbüeher der Wiesentheider Repositur geben über den Hauptbau keinen Aufschluss. 2 Die folgenden Daten sind den Gaibacher Rechnungsbüchern der Wiesentheider Repositur entnommen. 8 zwischen beide neu aufgebaute Flügel auf selbige Mauern im Schlossgarten gemacht worden» dem genannten Meister 112 fl. bezahlt. In dasselbe Jahr fällt die Errichtung der neuen Kapelle, welche am 4. Mai 1701 geweiht wird. Für die grossen Winterungen und den Saal am Ende des Parks, die wohl mit dem «aufzumauernden Geubacher neuen Gartenbau» identisch waren, werden 7. Januar 1700 1382 fl. verdungen. Ueber alle diese Arbeiten hat die Oberaufsicht Johann Leonhard Dientzenhofer geführt, dem man auch wohl die Anfertigung der Pläne zuschreiben kann. Seine Anwesenheit in Gaibach ist wiederholt nachzuweisen; am 6. August 1698 z. B. berichtet der Statthalter, dass D. «gestern anerst von Geibach zurückgelanget sei». Ferner ist der «Bamberger Baumeister», dem 1706 in Gaibach nach geding 8 fl. als presente ausbezahlt werden, bei Anlegung der neuen Hauptstiege mit seinem Knechte vom 11.—14. August 1705 dort anwesend. Zum letzten Male befindet er sich «wegen Besichtigung der Hauptstiegen und zugleich wegen Ausmessung des Platzes zum Thor» am 29. April 1707 im Schlosse. Das erwähnte Thor befand sich diesseits des Grabens, zwischen den beiden im Halbrund erbauten Wachthäuslein (1706/7; 198 fl. 2 tt 17 bz.) und wurde 1707/8 vom Meister Martin um 200 11. errichtet. Mit einer Ausgabe von 255 fl. für das «mittlere Portal in und aussern Hof» (1709/10) waren die Neubauten abgeschlossen. Von den ehemaligen Stückarbeiten 1 2 scheint nichts mehr erhalten zu sein ; auch die Inneneinrichtung wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts vollständig nach damaliger Mode erneuert, wobei auch in der Zimmereinteilung einige Veränderungen vorgenommen wurden. 3 Damals hat 1 S. ferner Schreiben vom 17. Sept. 1701. Bamberg. Residenzakten. 2 Sie waren angefertigt von dem Stuckateur Mattheus Paniza aus Aschaffenburg 1697/8, später 1707 kommt ein Stuckateur aus Bamberg (vielleicht Vogel?), Die gleichfalls verschwundenen Fresken waren von dem Bamberger Hans Georg Bogner (1696) und dem Italiener Lazaro Maria Sanguinetti gemalt, welch letzterer um 1700 in Bonn nachzuweisen ist. Vergl. Renard, Die Bauten der Kurfürsten Jos. Clemens und Clem. August. Bonner Jahrbücher 99 und 100, S. 181. 3 Eine Beschreibung der jetzigen Einrichtung findet sich bei Schleiss, Das Ludwigsbad bei Wipfeld, Würzburg 1829. H5 man auch die an das Ebracher System erinnernde Aussen- architektur des rückwärtigen Hofes abgeschlagen, so dass die heutige Anlage äusserlich gar nichts bemerkenswertes mehr bietet. Interessant als erster Versuch ist die Ausgestaltung des Treppenhauses als eines freien Raumes, in dessen Mitte die Treppe in anfangs geteilten Läufen, die sich im oberen, rückleitenden Teil wieder vereinigen, bis zur Höhe des ersten Stocks emporsteigt; ringsum ist ein schmaler Gang geführt. Die Treppe dient nur der Kommunikation mit den dahinter befindlichen Haupträumen, «den Kayserzimmern» 1 und dem Saal. Bei aller Unscheinbarkeit der Ausstattung ist dieser Raum 2 doch nicht bedeutungslos, da in ihm jener fruchtbare Gedanke im Keime enthalten ist, der bald darauf im Pommersfeldener und Würzburger Schloss zu höchster Entfaltung gelangen sollte. Johann Leonhard Dientzenhofer kam auch hier nicht über die ersten Anregungen hinaus; ihre künstlerische Ausgestaltung war erst seinen Nachfolgern beschieden. Vollends handwerksmässige Ausführung zeigt endlich das unserm Baumeister zugeschriebene ehemalig markgräfliche Schloss Triesdorf 3 bei Ansbach. In Betracht kommt das äusserlich höchst unansehnliche, in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts als Kaserne verwendete Gebäude, das jetzt als Lagerraum landwirtschaftlichen Zwecken dient. Zu einiger Bedeutung erheben sich nur die noch gut erhaltenen Stuckdecken des ersten Stockes und des rechtwinkelig in den Hof einspringenden Stiegenhauses. Die schweren Verzierungsmotive der Bamberger Stuckateure (stark profiliertes Rahmenwerk und fleischige Akanlhusranke) mögen in Verbindung mit (jetzt verschwundenen) Freskomalereien den Innenräumen ehedem das Ansehen einer gediegenen Pracht verliehen haben. Die Thüreinfassungen zeigen die charakteristische Umrahmung mit den 1 So bezeichnet in einem Inventar von 1755 im Wiesentheider Archiv. 2 Der Coburger Bildhauer Gabriel Schmidt fertigt für 157 fl. «Sphinx und 2 Urnen in die hauptstieg» (1708/9). 3 Die archivalischen Nachforschungen über diesen Bau in den kgl. Kreisarchiven zu Nürnberg und Bamberg sowie im kgl. Hausarchiv in Charlottenburg blieben ohne Erfolg. ausspringenden Eckverstärkungen und reiche Profilierung; Postamente über denselben scheinen ehemals plastischen Schmuck ähnlich den Pommersfeldener Thüraufsätzen getragen zu haben. Bei dem Brunnen im Hofe finden sich dieselben derben Formen wie bei den bereits erwähnten in der Langgasskaserne. Die Erbauung des Schlosses, dessen Pläne 1695 gefertigt sein sollen, fällt in die letzten Jahre des 17. Jahrhunderts. V. Benediktiner-Kloster Banz und die Bamberger Klöster. An den zwei grösseren Bauten, welche Joh. Leonh. Dientzen- hofer für den Benediktinerorden auszuführen hatte, Kloster Banz und Michelsberg in Bamberg, ist von vornherein jeglicher Versuch einer künstlerischen Ausgestaltung unterblieben. Es sind einfache, schmucklose Nutzbauten, die, auf freien Anhöhen in breiten Massen hingelagert, nur durch ihre prächtige Lage zu einer gewissen monumentalen Wirkung gelangen. Das Verdienst des Baumeisters liegt hiebei ausschliesslich auf der technischen Seite, in der soliden Bauweise, in der geschickten, mit dem gegebenen Terrain rechnenden Gruppierung der Baumassen und in der Zweckmässigkeit der Innendisposition. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, erscheint zunächst der Umbau des Klosters Banz * 1 bei Lichtenfels als nicht geringe bauliche Leistung. Von dem äusseren Umfang, welchen die Anlage im Laufe ihrer schicksalsschweren Geschichte 2 bis zu den Zeiten Dientzen- Litteratur : Theodori, Geschichte und Beschreibung des Schlosses Banz. 2. Aufl. München 1857 u. die dort citierte Litteratur. Quellen: K. A. Bamberg, Missivbucli des Klosters Banz 1701—20. Acta: Prälat in Banz ca. Dientzenhofer’schen Erben 1748. 1 Jetzt herzoglich bayrisches Schloss. 2 Wir hören von einem ersten Umbau des zum Kloster eingerichteten ehemaligen Schlosses im Anfang d. 14. Jahrhunderts. Zu Beginn des 16. H7 hofers angenommen hatte, gewinnt man eine gute Vorstellung aus einem Kupferstich (Abb. 15) in Meisners Städtebuch von 1678. * 1 Der dort gegebene perspektivische Aufriss der Gebäude lässt sich auf seine Richtigkeit prüfen und mit dem heutigen Bestand in Beziehung bringen mit Hilfe eines erhaltenen Originalplanes 2 Balth. Neumanns (Abb. 16), auf welchem in leiser Strichelung der Grundriss der ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Klosters eingezeichnet ist. Der Vergleich ergibt, dass das alte Hauptgebäude (Prälatur und Convent) im wesentlichen die Grössenausdehnung und Lage Abb. 15. Kloster Banz im 17. Jahrhundert. mm ‘sfeiafe! 1ml »iS «. ' der späteren Abtswohnung hatte; auch die drei Querflügel der heutigen Anlage sind bereits vorgebildet; dagegen war die Klosterkirche viel weiter nach Osten gerückt, ihre Lage entsprach ungefähr dem späteren Conventsbau. Die Wirtschafts- Jahrhunderts brannte das Kloster ah. Kaum wiederhergestellt, wurde es im Bauernkrieg abermals zerstört. Unter Abt Alexander v. Kotenhan erfolgte sodann von 1529 an der Wiederaufbau. Nach einer kurzen Zeit erneuten Emporblühens gegen Ende des 16. Jahrhunderts fiel es im 30jährigen Krieg einer vollständigen Zerstörung anheim; erst nach 1638 konnte man an die Wiederaufrichtung der Klostergebäude gehen. (Vergl. Theodori 1. c.) 1 Heller, Verzeichnis d. Bamberger topogr. hist. Abb. Bamberg 1841. S. 64, kennt 8 Ausgaben dieses Werkes. Die erste stammt von 1582. 2 Sammlung D r o s. gebäude zogen sich, durch starke Mauern zugleich in verteidigungsfähigen Zustand gesetzt, quer über den heutigen unteren Hof. Dazu war das Hauptthor (unweit des jetzigen Portalbaues gelegen) durch eine dreitürmige starke Bastion geschützt, die mit den übrigen festen Verteidigungstürmen dem ganzen Kloster einen wehrhaften burgartigen Charakter verlieh. Dieser reizvoll malerischen Anlage gegenüber, die in ihrer Unregelmässigkeit ein Bild ihres allmählichen Entstehens geboten hatte, wirkt der Abb. 16. Kloster Banz, Grundriss von B. Neumann (1752). Dientzenhofer'sche Neubau in seiner langweiligen Regelmässigkeit nur um so nüchterner. Der Gebäudekomplex, wie er heute steht, geht auf vier verschiedene Bauzeiten und Meister zurück: 1. Abtei und Conventsgebäude 1 (Abb. 17) sind unter Joh. Leonh. Dientzenhofer errichtet; 2. die Kirche, erst drei Jahre nach seinem Tode in Angriff genommen, ist wohl seinem Bruder Johann zuzuschreiben; 1 Der vom Hofbaumeister Fink zu Anfang d. 19. Jahrhunderts angefertigte Grundriss befindet sich in der Sammlung Dros. 119 3. die den unteren Hof umschliessenden Wirtschaftsgebäude sind nach den Plänen Balthasar Neumann’s in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut, während 5a ma Ja g yk aäi fn aa a r ff rg I dL» Abb. 17. Kloster Banz, Abtei und Convent. 4. die der Westfagade vorliegenden Gebäulichkeiten erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgeführt wurden. — Im Einzelnen lässt sich die Baugeschichte bei der Unvollständig- 120 keit des vorhandenen Aktenmaterials kaum mehr sicher feststellen. Wir wissen nicht genau, wann und an welcher Stelle man den Bau begann. Eine Notiz eines Bamberger Statthaltereiberichtes vom 12. August 1698, dass der Baumeister von einer Reise nach Gaibach und Kloster Banz noch nicht zurückgekehrt sei, gibt als ungefähren Anhaltspunkt für den Beginn des Baues das Jahr 1698. Aus dem ersten erhaltenen Vertrag mit dem Baumeister vom 11. August 1704, der sich auf einen «vorigen» Kontrakt und auf eine «in der Abbtey gebaute haubt- stiege» beruft, kann ferner der Schluss gezogen werden, dass diese Abtei, d. h. der nach dem untern Hof gelegene Haupttrakt, 1 an dem allerdings noch der ganze östliche 74 Schuh lange Teil fehlte, 1704 ziemlich vollendet war. Der Kontrakt 2 selbst bezieht sich auf den «neuen Banzer Bau von der Wiederkehr in Höfflein sambt refektorio undhaubt stieg bis nächst den Kirchen-Thürn», 3 d. h. wohl auf den heutigen mittleren Quertrakt, in dem sich das ehemalige Refektorium befand. Ein an der Westwand dieses Flügels angebrachtes Chronogramm 4 ergibt in der Auflösung die Jahreszahl 1705. Wenig verständlich sind die Bezeichnungen eines andern Vertrages vom 2. August 1706 5 6 «wegen weiterer fortführung des neuen Bau als von den sogenannten Joachimsbau 0 hinauf zum Eck mit der daselbsten bis an eck des Krankenhauss gehenter Mauer und deine hinüber von refektorio bis an die Kirchen laufenden paralei Flügel». Die Lage des Krankenhauses ergibt sich aus dem erwähnten Neumann’schen Grundriss; es befand sich am östlichen Eck der heutigen vorderen Terrasse. So darf man wohl annehmen, dass dieser zweite Vertrag zu- 1 Bereits 1705, am 22. April, wird mit dem Stuckateur Vogel betreffend Ausschmückung des in diesem Bau gelegenen «Fürstenzimmers» ein Akkord über 200 fl. geschlossen. 2 Dem Baumeister werden 2600 fl. und 12 Species Dukaten Leihkauf versprochen. 3 Auf die damals noch stehende alte Kirche bezüglich. 4 Bantho slt seMper praesens beneDICtlo Christi. 5 Die mit Dientzenhofer vereinbarte Summe betrug 4500 fl. fr. und 100 Thaler Leihkauf. 6 Dieser bildete den östlichen Abschluss des Hauptbaues. S. den Prospekt im k. Kupferstichkabinett in München. nächst den östlichen Abschlussflügel, in welchem sich der Kaisersaal befindet, und die östliche Böschungsmauer betraf; der genannte andere Flügel «so parallel von dem alten refektorio bis an Kirchen läuft» in «welchem ein gewölbter Weinkeller mit Pfeiler, ein Barbierstuben undt Cellen 1 kommen» sollten, ist wahrscheinlich identisch mit dem westlichen Querflügel. So weit die Bauten Johann Leonhards. Wann das vordere Conventsgebäude erbaut wmrde, ist nicht ersichtlich; der noch fehlende östliche Querbau, welcher die bedeutende Bibliothek aufnehmen sollte, ist nach Theodori erst viel später unter AbtGregorius Stumm (von 1731 an) errichtet worden. Ende 17Ü7 ist Joh. Leonh. Dientzenhofer gestorben. Wenn man sich mit ihm wahrscheinlich auch schon über die Grösse und den Ort der zukünftigen Kirche geeinigt hatte, so ist doch wohl kaum anzunehmen, dass er auch schon die massgebenden Grundrisse gefertigt habe. Denn erst nach 2 1 / t Jahren, am 10. Mai 1710 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt. 2 Aktenmässig ist der Erbauer derselben nicht nachzuweisen; doch liegt es am nächsten, an den inzwischen zum Bamberger Hofbaumeister ernannten Johann Dientzenhofer, der sich, wie erwähnt, durch den Fuldaer Dombau als Architekt gut empfohlen hatte, zu denken, eine Vermutung, die durch die Thatsache bestärkt wird, dass dieser Meister, von 1712 ab 3 für Banz nachweisbar thätig ist. Dass Joh. D. damals (1710) noch durch den Dombau an Fulda gebunden war, steht dieser Annahme nicht entgegen; denn er hatte sich bei Eingehung des dortigen Kontrakts Vorbehalten «zu weihen ein kleine Beiss ä 8 täg machen zu dürfen». (Fuldaer Dombauakten.) Ueber den Fortgang des Baues ergibt sich aus einem Schreiben des Abtes Kilian an den Erzbischof dat. 1712 31. August, «dass der neue Kirchenbau allgemach in die Höhe kommt» und man vermeinte «solchen künfftiges iahr fast unter 1 So bezeichnet in demselben Vertrag unter Nr. 3. 2 S. Heller, die Familie Dienzenhofer. 3 Am 4. Juni 1712 wird mit ihm ein Kontrakt geschlossen : «ratione der zwischen dem Krankenhaus und Saal baufällig gewordenen Klosters- Mauer». Vergl. Vertrag vom 2. Aug. 1706. das Dach 1 zu bringen». Anfang 1714 war der Bau schon so weit gefördert, dass man mit dem Stuckateur Vogel einen Vertrag, 2 betreffend die Ausstattung des Kirchenchores ab- schliessen konnte, dem am 27. August 1714 ein zweiter betr. die Stuckierung des Langhauses folgte. Der «Herr Baumeister», nach dessen Angabe alle diese Innenarbeiten vorgenommen wurden, ist, wie aus einem Kontrakt mit dem Würzburger Hofbildhauer Estenbauer 3 erhellt, der genannte Johann Dientzen- hofer, mit dem am 22. März 1715 ein neuer Kontrakt wegen Erweiterung der Kirchensepultur und Erbauung eines neuen Abteiportals abgeschlossen wurde. 4 Diese Dekorationsarbeiten zogen sich noch über vier Jahre hin; erst am 15. Oktober 1719 konnte die Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden. Ein letzter Kontrakt mit Joh. Dientzenhofer vom 16. Juli 1716 bezieht sich auf die vordere Terrasse und ihren Abschluss durch das Thor neben der Kirchenfacjade und einige nebensächliche Arbeiten. Man ist versucht anzunehmen, dass der einzige baulich ausgezeichnete Teil der umfangreichen Klostergebäude, der Portalbau der Abtei auf den Kontrakt vom 22. März 1715 zurückgehe. Stilistische Neuerungen : das Auftreten der ausgebildeten Rokokoformen in den Kapitellen der Pilaster und den Giebelfeldern und die Uebereinstimmung derselben mit den am untern Portalbau und den Eckpavillons angewandten Formen, verweisen jedoch in die dritte Bauperiode, in welcher nach Neumanns Plänen die ehemaligen Wirtschaftsgebäude durch die jetzige rechteckige untere Hofanlage ersetzt wurden. Der einzige urkundliche Beleg für BalthasarNeumanns Thätigkeit in Banz ist der bereits beigezogene Originalplan, 1 «Der Dachstuhl der neuen Kirchen und Chorthürnlein ohne die zwei grosse thürn» wird am 11. April 1713 dem bamberger Zimmermeister Wolf Gruber um 550 fl. verdungen (16 fl. Verehrungsgeld). 2 1714, 16. Febr. 400 fl. 12. spec. Thaler. 3 1714, 27. Sept. betr. Verfertigung von zwei Altären: für beide d. i. 1. für den hintern Choraltar, nach dem v. h. Baumeister Dienzenhoffer approbirtenRiess, 2. für dasModell zum vordem hohen Altar, erhält er 1060 fl. 4 Dem Wertobjekt von 800 fr. nach zu schliessen nur eine untergeordnete bauliche Veränderung; es handelt sich um die unter dem Kirchenschiff gelegene Krypta. 123 datiert: Wirtzburg, 12. Jan. 1752, und mit seiner Originalunterschrift versehen. Es ist ein Entwurf, der nur zum Teil und in veränderter Weise zur Ausführung kam ; für die Baugeschiehte ist von besonderer Wichtigkeit die beigeschriebene Erklärung: «und zwar wass gemacht, ist dass Closter sambt der Kirchen, undt alles wass roth gemacht wehre dass Concept ney zu machen.» Hieraus ergibt sich mit Sicherheit, dass damals, 1752, von dem Neubau nur die Klostergebäude, die Kirche und das Krankenhaus bereits standen. Man scheint allerdings schon am unteren Bau thätig gewesen zu sein, «da zu mahlen bey littera A.A.A. schon in tritten stockhwerckh aufgeführet ist», doch fehlen an dem Entwurf noch die charakteristischen Eckpavillons. Die heute dem Hofe östlich und westlich in unregelmässiger Bildung vorgelagerten Stallungen und Scheunen waren von Neumann zweckmässiger Weise zusammengefasst und in symmetrischer Ausgestaltung mit einem Wirtshaus als eine Art Vorbau dem unteren Hof vorgelegt gedacht. (Abb. 16.) Ihren Platz sollte eine durch Aufschüttung zu gewinnende, mit starken Stützmauern versehene Gartenterrasse einnehmen. Es lässt sich nicht leugnen, dass durch diese Anordnung ein viel geschlosseneres, einheitlicheres Gesammtbild erzielt worden wäre; die doppelte Abstufung der beiden Höfe, die architektonische Einbeziehung des heute so unschönen Platzes vor der Kirchenfagade hätte die Wirkung der ganzen Anlage noch erheblich gesteigert. Aber leider unterblieb die Ausführung der Terrasse, die wie es scheint, zunächst wirklich beschlossen worden war, 1 und die bereits aufgeführte Mauer wurde in die Stallungen verbaut. In späterer Zeit tauchte noch einmal ein Projekt auf, bei welchem die architektonische Ausgestaltung dieses Platzes dadurch erreicht werden sollte, dass das westliche Klosterportal mit seinen anstossenden Gebäuden in symmetrische Beziehung zur Kirchenachse gesetzt wurde. (Vergl. einen Grundriss der Sammlung Dros.) Bei Erbauung des jetzigen Glashauses mit Gärtnerswohnung, das erst, unter Herzog Wilhelm aufgeführt wurde, nahm man jedoch darauf keine Rücksicht. 1 Vergl. den Neumann’schen Grundriss: «undt die haubtmauern in- B. B. B. Ebenfalls in Eine grosse Höhe aufgeführet ist» Auch die zum Ausgleich des Terrainuntersehiedes erforderliche Auffahrtsrampe zur Abtei wurde nicht in der von Neumann ursprünglich projektierten Weise errichtet. Heute erhebt sich, als Abschluss des unteren Hofes und zugleich zur Maskierung der schrägen Rampen, eine im Halbrund angelegte mächtige Freitreppe, die sich mit dem krönenden, reicheren Risalit und der Hoffontäne zu stattlichem Aufbau verbindet. In geschickter Weise ist die Wirkung dieser Partie, auch für das Gesammtbild (Abb. 18) gewahrt: von den beiden zunächst liegenden Eckpavillons weg wird der Rlick über das niedriger gehaltene Hofportal nach dem Mittelbau, mit einer gewissen Abb. 18. Kloster Banz im Norden. a z z. AihiLÄI HU' Ä !ü •jz.a -* Notwendigkeit hingelenkt, und dieser somit als der örtliche wie künstlerische Mittelpunkt der ganzen Anlage gekennzeichnet. Sonst bieten die Klostergebäude in ihrer äusseren Ausstattung nichts bemerkenswertes; die Gliederung der vorderen Schauseite besteht lediglich in wechselnden Giebelverdachungen und einem einfachen Säulenportal. Auch die Innendisposition ist in nüchterner Weise durchgeführt ; man hat die übliche Einteilung der einzelnen Trakte, in Wohnräume und den nach der Hofseite gelegenen Gang, beibehalten ; die Treppenanlage, sonst das Prachtstück derartiger 125 Bauten, ist ganz schmucklos. Nur im Repräsentationsraum, im Kaisersaal, am östlichen Ende des dritten Geschosses entfaltet sich ein regeres künstlerisches Leben. Eine prächtige Stuckdecke, von Meister Vogel’s Hand gefertigt, 1 schwelgt in überwuchtigen dekorativen und figürlichen Motiven und verleiht dem ohnehin nicht allzu hohen Raum jenen schwerlastenden gedrückten Charakter, der auch dem Bamberger Residenzsaal eigen ist. In direktem Gegensatz zu der derben handwerksmässigen Architekturauffassung an Joh. Leonhards Klostergebäuden tritt uns in der Kirche 2 (Taf. 14) eine Bauweise entgegen, die bei unruhiger, nervöser Linienführung eine vollkommene Herrschaft über die Formen bekundet. Jedwede Geradlinigkeit ist in der Grundrissbildung des Innenraumes sorgfältig vermieden; und es ist nur eine konsequente Durchführung des einmal angenommenen Prinzips, wenn auch die Wölbung des Raumes in kühn geschwungenen Kurven verläuft. Bei aller Eigenwilligkeit in den Einzelformcn ist jedoch das Bauwerk als Ganzes von hoher Einheitlichkeit der Raumempfindung, die von ernstem Künstlersinn zeugt. Aeusserlich Langschiffanlage gemahnt die Kirche in ihrer Raumwirkung an die Geschlossenheit eines Zentralbaues; denn abgesehen vom Chor, der für das Auge durch einen riesigen Altaraufbau vom Schiffe vollständig getrennt ist, weisen die massgebenden Wölbungslinien alle auf das Mittelfeld des Kirchenschiffs hin, dessen Last sie als konstruktives Gerippe nach den vier starken Eckpfeilern überzuleiten scheinen. Diesem so gewonnenen Mittelraum schliessen sich beiderseits, ihn nahezu zum Quadrat ergänzend, je zwei Seitenkapellen an, deren Einbeziehung zu einem einheitlichen Raum schon durch die Wölbungsart — zwiefach abgestufte Stiehkappen — kenntlich gemacht ist. Im Westen ist dem Schiff vorgelagert eine zwischen die Türme eingebaute Orgeltribüne, deren westliche Wand entsprechend der letzten Wölbungsgurte nach aussen sich aus- 1 Kontrakt v. 5. April 1709. 2 Der beigegebene Plan befindet sich in der Sammlung Dros ; es ist nicht ausgeschlossen, dass er ein Originatentwurf des Erbauers ist. 126 baucht, so dass auch das vorspringende Rundell durch das Kurvensystem der Wölbung bedingt erscheint. Den höchst komplizierten Wölbungsgurten dienen schräg gestellte Pilaster als Widerlager; die von denselben eingeschlossene Mauerfläche des Pfeilers, ist entsprechend dem Oval des Mittelfeldes zurückspringend geschweift und in der Weise des Fuldaer Domsystems im oberen Teil durch Statuennischen belebt. Die schräg rückleitende, schwach gerundete Linie des Mauerpfeilers wird im oberen Teil aufgenommen und ausgeglichen durch die in bewegter Wellenlinie verlaufende Form der Empore, die, getragen von zwei Säulen, einen unteren halbovalen Kapellenraum überdeckt. Man pflegt derartige Gebilde «barock» in geringschätziger Bedeutung des Wortes zu nennen, als seien sie damit genügend charakterisiert. Bei genauer Betrachtung ergibt sich jedoch, dass in denselben oft eine höchst achtbare Leistung steckt, die in ihrer Art streng gesetzmässig zu Werke geht, und mit feinem Formempfinden alle Härten und Unausgeglichenheiten zu vermeiden weiss. — Die Ausstattung eines so folgerichtig gegliederten Baumes konnte natürlich nicht, wie es wohl seither üblich war, der selbständigen Arbeit des Bildhauers, Malers und Stuckateurs überlassen werden; zum ersten Male erfahren wir von einer umfassenderen Anordnung solcher Innenarbeiten durch den Baumeister . 1 Der mächtige Säulenaufbau des Hochaltars, der den Kirchenraum vollständig gegen den Chor abschliesst, und einige prächtige Seitenaltäre sind dem Ganzen gut eingepasst und steigern noch die üppige Wirkung der Architektur. ln die dekorative Ausschmückung der Gewölbe teilen sich Maler und Stuckateur. Die Gurtbögen sind für sich ornamentiert, wobei das eckig gebrochene, vielfach verschlungene Band mit spärlichem Akanthusrankenansatz und die Glockenbliiten- kette die wesentlichsten Verzierungsmotive bilden. In den fünf Jahren, die seit Ausschmückung des Kaisersaales 2 ver- 1 «Die Kantzel wird nach Aufweisung' des von Herrn Baumeisters angegebenen models» vom Hofbildhauer E(r)stenbauer gefertigt. (Vertrag v. 20. März 1714.) Desgleichen werden die Stückarbeiten v. d. Herrn Baumeister angegeben. (Vertrag vom 14. Februar 1714.) 2 Vertrag vom 5. April 1709. 127 flössen waren, hatte sich ein vollkommen neuer Dekorationsstil eingebürgert. Das Schwülstige, Schwere des Akanthus- blattes und der sonstigen pflanzlichen Elemente ist geschwunden und hat einem leichten ornamentalen Spiel der Formen Platz gemacht. — Die grossen, sich darbietenden Flächen innerhalb der Gurte sind der Malerei zur Ausschmückung überlassen und wurden vom Bamberger Hofmaler Sebastian Reinhard, von dem auch die Deckengemälde des Saales stammen, mit Fresken geziert. In figurenreichen Kompositionen Begebenheiten aus der heiligen Schrift 1 darstellend, zeigen sie einen technisch gut geschulten Meister; tieferer Wert aber eignet ihnen so wenig wie der grossen Masse damaliger handwerksmässiger Produktion. Es erübrigt noch, einen Blick auf die mit grosser Klarheit aufgebaute Westfaqade zu werfen. Ihre Grundrissform ist, wie wir sahen, durch die Innenräume bedingt, denen sich in organischer Weise die beiden Türme angliedern; im Aufriss setzt sie sich aus zwei, völlig in sich abgeschlossenen Hauptgeschossen zusammen. Die untere Ordnung, deren Kapitelle jonische Grundform aufweisen, ruht auf einem hohen Stylobat; das streng gezeichnete Gebälk verkröpft sich über den beiden Säulen des vorspringenden Rundells und ein tief unterschnittenes Gesims bewirkt energische Horizontalteilung. Im zweiten Geschoss erhebt sich eine korinthisierende Pilasterordnung auf mässig hohem Unterbau, in dessen Raum ein fast der ganzen Breite des Rundells entsprechender Rundbogen einspringt; das bekrönende Gebälk ist kräftig profiliert und trägt als Abschluss eine statuengeschmückte Attika in Form einer Balustrade. Die Gliederung der Wandflächen wird in beiden Geschossen durch rundbogige, mit geschweiften Giebelverdachungen versehene Statuennisehen und Fenster erreicht . 2 Erst im 1 1. Sauls Bekehrung, 2. Ausgiessung des hl. Geistes, 3. Einsetzung des hl. Abendmahls, 4. Opfer Melchisedeks, 5. (im Chor) Anbetung des Lammes. 2 Die Statuen, sowohl die sechs hölzernen im Innern der Kirche, als die elf steinernen der Eagade fertigte der Würzburger Hofbildhauer Balthasar Estenbauer. (Kontrakt v. 16. August 1713: er erhielt je 30 fl. für die hölzernen, je 45 fl. für die steinernen.) dritten Geschoss erheben sich, ins Achteck übergehend, die eigentlichen Türme, die an den Ecken durch Pilaster verstärkt sind und sich in grossen Rundbogenfenstern öffnen; die Bedachung zeigt zweimal, in grosser und kleiner Bildung, und durch einen laternenartigen achteckigen Zwischenbau verbunden, das Motiv des steilen kurzen Anlaufs und der Knolle. Der hohe Unterbau, den das stark abfallende Terrain erforderte, ist zum Teil durch eine stattliche Freitreppe verdeckt, deren Mittelstück zugleich zum Grufteingang ausgestaltet ist. So grossartig und harmonisch geschlossen der Eindruck der Fa^ade ist, so nüchtern und öde mutet uns die Längsseite der Kirche in ihrer schmucklosen Einfachheit an; ein ener- i gischer Abschluss der Kirche fehlt, so dass der Chor in dem langgestreckten Convent bau auszulaufen scheint. Das Auftreten eines in Deutschland vollkommen neuen Wölbungsprinzips führt unwillkürlich zu der Frage, welche älteren Vorbilder auf den Baumeister von Einfluss gewesen sein könnten. In dem Bestreben, einen direkten Zusammenhang mit Italien nachzuweisen, legt Gurlitt ungenannten italienischen Quellen Bedeutung bei, nach welchen der Turiner Theatinermönch Guarini für Prag eine Kirche entworfen habe «die in ganz ähnlichen Formen gehalten war, mithin unzweifelhaft dem Dientzenhofer als Vorlage diente.» 1 Da es aber nicht feststeht, welcher Bau mit dieser, angeblich der heiligen Maria von Oettingen geweihten Kirche gemeint sein könnte, 2 und überdies diese Behauptung von der irrigen Annahme ausgeht, Joh. Leonhard Dientzenhofer habe die Banzer Kirche gebaut, so dürfte sich wohl, im Hinblick auf Johann D.’s italienische Studienreise die Gurlitt’sche Ansicht dahin modifizieren, dass der Baumeister in Banz nur ganz allgemein italienischen Anregungen folgte. Ein direktes Vorbild kann vorläufig nicht genannt werden; so müssen wir ihm auch das Verdienst einer selbständigen Arbeit oder zum mindesten Verarbeitung zugestehen. Johann Dientzenhofer war von 1701 an in Fulda thätig und wurde von dort nach Bamberg berufen. Es ist nicht ein- 1 Gurlitt, Geschichte des Barockstiles in Deutschland. S. 203. 2 Gurlitt, Geschichte des Barockstiles in Italien. S. 458. 129 Zusehen, warum gerade das unbekannte Prager Vorbild auf ihn besonders hätte einwirken sollen, nachdem er die bedeutenderen Werke eines Bernini, Borromini an Ort. und Stelle gesehen hatte. Im übrigen zeigt er bei seinen sonstigen Bauten, insbesondere bei dem hier beizuziehenden Entwurf für die Propstei Holzkirchen so grosse Selbständigkeit, dass wir ihm auch die originale Urheberschaft an der Banzer Kirche getrost Zutrauen können. In engem Zusammenhang mit Banz steht die Kirche des ßenediktinerstiftes St. Margareth in Brevnov bei Prag, nach Gurlitt 1715—19 erbaut. Wenn sich auch die seitherige Zuschreibung an Christoph Dientzenhofer aktenmässig nicht belegen lässt, 1 so liegt hier doch aus zeitlichen Gründen bei den gegenseitigen Beziehungen der Klöster der Gedanke an eine Beeinflussung des böhmischen Baues durch Banz sehr nahe, und ein Vergleich der beiden Grundrisse 2 ergibt mit ziemlicher Bestimmtheit, in welchem Verhältnis die beiden Bauten zu einander stehen. Banz war das Meisterstück, an dem ein kühner Architekt seine neuen Ideen zur Ausführung brachte. Dass er selbst noch nicht vollkommen mit den statischen Verhältnissen seines Werkes vertraut war, zeigt die grosse Vorsicht, mit der er zu Werke geht. Nicht nur, dass die, den Hauptgewölbeschub aufnehmenden Mauerpfeiler von übergrosser Stärke sind, zur Sicherung sind dieselben auch noch in Höhe der Wölbungen unter dem Dach durch schwere Belastungsbögen in der Längsrichtung mit einander verbunden. In Brevnov ist die Mauermasse in schmale Pfeiler aufgelöst, die seitlichen Kapellen sind noch in das Oval der Deckenfelder einbezogen; es tritt, gegründet auf die Erfahrungen in Banz, sparsames Haushalten mit den gegebenen Mitteln zu Tage. Im Lebenswerk des Johann Dietzenhofer dürfte sich die Banzer Kirche wohl als die abgeschlossenste selbständigste Leistung im Kirchenbau darstellen. Gegenüber dem Erstlingswerk des Meisters, dem Fuldaer Dom, ist ein bedeutender Fortschritt in der organischen Durchführung des baulichen Ge- 1 Schm erb er, 1. c. S. 32. 2 Gurlitt, 1. c. S. 200 und 201. 9 130 dankens zu verzeichnen, wobei allerdings nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass D. in Fulda auf bestehende Bauteile Rücksicht nehmen musste. Die Kirche zii Banz ist das würdige Seitenstück zu dem etwa gleichzeitigen bedeutendsten Profanbau Dientzenhofers, dem Pommersfeldener Schlossbau. Einfacher in der Grundrissentwickelung, aber glücklicher in architektonische Beziehung zur bestehenden Kirche gebracht, erscheint der Neubau des B en ed i k t i n e r klo s t er s auf dem Michelsberg (Abb. 19) in Bamberg. Der mächtige Hauptbau läuft parallel mit der nördlichen Kirchenlängsseite, zwei kürzere Querflügel verbinden ihn in Höhe des Querschiffes und der Fapade mit der Kirche. Die Gebäude sind gänzlich schmucklos und wirken nur durch ihre ungeheure Masse; die für den älteren Dientzenhofer charakteristische Horizontalteilung durch einfache Gesimse ist auch hier beibehalten. Die Baugeschichte liegt in ihren Einzelheiten nicht klar. Mit Sicherheit lässt sich nur die Thätigkeit des Johann Leonhard Dientzenhofer und des Balthasar Neumann als der ausführenden Meister nachweisen; der jüngere Johann D., dem gewöhnlich die Kirchenfapade zugeschrieben wird, 1 ist nur in seiner Eigenschaft als Palier seines Bruders (1698) in den Akten genannt. In einer ersten Bauperiode von 1696—1702 wurden nach Lahn er 2 der Hauptbau der Abtei und die Kirehenfap.ade von Joh. Leonh. errichtet, wobei im Ganzen ungefähr 50 000 fl. zur Verausgabung gelangten. Dagegen scheinen die beiden Verbindungsflügel (Conventbau), die gleichzeitig projektiert waren, erst später (1726) ausgeführt zu sein ; Heller 1. c. schreibt sie dem Joh. Dientzenhofer zu. Der dort erwähnte Portalneubau 3 1 Gurlitt, 1. e. S. 332. Schmerber, 1. c. S. 20, Anm. 4. 2 Bahner, Die ehemalige Benediktinerabtei zu Bamberg. Bamb. 1889. S. 322 ff. 3 Ein Akt des Bamb. Kreisarchivs: Baurechnung aller ausgab an geldt für unterschiedliche Materialien handtwerksleutli und Taglöhner über den geführten neuen Abbteybau oder der Cantzley dann auch für unterschiedl. Arbeith in der Kirch, Capell, Sepultur, Backhaus und eine Mauer beym neuen Kirchengartten von Petri Catli. 1726—27, ist vermutlich auf diesen Bau zu beziehen. 131 (1722/23) ist der kleinen Summe von 650 fl. zufolge doch wohl nur auf eine geringfügige Veränderung, nicht wie von Gurlitt 1. c. S. 332 geschehen, auf die ganze Fapade zu beziehen. 1 * Denn aus einer nebensächlichen Bemerkung eines auf den Residenzbau bezüglichen Schreibens 3 kann der sichere Schluss gezogen werden, dass diese Fapade bereits um 1700 von Joh. Leonhard erbaut worden war. Es handelt sich dabei um die Statuen, die auf das Frontispiz der Residenz kommen sollen; der Erzbischof legt besonderes Gewicht darauf, dass sie in richtige Proportion zum Ganzen gesetzt werden, «dass sie nicht etwa wie auf dem Mönchsberg mit dem ober dem Por- Abb. 19. Kloster Michelsberg. tal gestellten Bildnissen Michaels geschehen zu klein formirt» seien. 3 In ähnlicher Weise wie seinem Bruder in Fulda war hier Johann Leonhard die Aufgabe gestellt, einer romanischen Kirchenanlage 4 unter Beibehaltung der beiden Türme eine Fa q ade 1 Vermutungsweise möchte ich an den in bewegteren Formen gehaltenen Terrassenbau vor dem Portal denken. * Schreiben des Erzbischofs an den Statthalter vom 14. Aug. 1700. s Im Zusammenhang mit jener ersten Bauperiode teilt Lahner, leider ohne Zeitangabe, mit, dass dem Abt Christoph von Seiten der liochfürstl. Kammer Vorhalte gemacht wurden, dass durch aufrichten der neuen fac- ciata links beim Eingang die Kirche notablen Schaden gelitten habe und schleunige Untersuchung durch den Baumeister nötig sei. 4 S. B. Biehl, Denkmäler frühmittelalterlicher Baukunst 1888 S. 133/4. 132 neuen Stils vorzublenden. Eine einheitliche Verbindung zweier so heterogener Bauglieder zu erreichen, schien von Anfang an unmöglich: ohne weiteren Versuch eines Ausgleichs ist denn auch das Fapadenschema ganz unvermittelt, d. h. ohne Rücksicht auf seine tektonische Funktion, vor den Kernbau gestellt und so leider die Wirkung des an sich in schönen Verhältnissen komponierten Bauteils stark beeinträchtigt. Besondere Originalität ist demselben nicht eigen; es liegt ein ganz ähnliches Einteilungsprinzip zu Grunde, wie es bei den ungefähr gleichzeitigen Bauten in Waldsassen (die Fapade von Bernhard Schiesser von 1697 an) und in St. Martin in Bamberg (1690) befolgt worden war; nur in der reicheren Detailausschmückung zeigt sich der bauliche Fortschritt. Charakteristisch erscheint für die Fapadenbildung der Zeit der über dem Hauptportal stark in das Stylobat des Obergeschosses einspringende Segmentgiebel, der auf gepaarten Säulen oder Pilastern ruht und mit denselben gewissermassen das konstruktive Grundgerüst bildet, auf welchem sich die Fapade weiter aufbaut. In gleicher Breite erhebt sich über diesem Portalgiebel, in dem sich der Gedanke des Entlastungsbogens in etwas aufdringlicher Weise ausspricht, der Mittelbau des Obergeschosses; folgerichtig erscheinen dann die rückspringenden Seitenwände, die durch Pilaster und Statuennischen oder Fenster belebt sind, als Widerlager dieses Bogens. Dientzenhofer hat bei der Michaelskirche diesen konstruktiven Gedanken aufgegeben, indem er den Bogen schmäler bildet und auf eigenen, dem Mittelbau Vorgesetzten Säulen ruhen lässt. Das Motiv ist zu einem reinen Dekorationselement geworden, wobei der durch das Vortreten der Säulen einmal eingeleitete Rythmus sich in dreimaliger Abstufung der Mauerfläche auch über die Seitenwände fortsetzt. Im Oberbau ist durch die drei Statuennischen eine reichere Gliederung erzielt; den primitiven seitlichen Abschluss durch gedrückte Volute mit Pinienzapfenaufsatz, Obelisk und Kugelpostament werden wir in ganz ähnlicher Weise in Fulda wiederfinden. Die Inneneinrichtung der Kirche wurde bereits unter dem Nachfolger des Abtes Christoph, unter Abt Anselm (1725—45) 133 wieder verändert, 1 der den Chor der Kirche höher legen liess; vermutlich fällt in diese Zeit (1725) auch die Errichtung der beiden reicher ausgestatteten und zierlich gezeichneten Choranbauten, die man am ehesten mit Johann Dientzenhofer in Zusammenhang setzen möchte. Das prächtige Chorgestühl wurde 1726 von dem Schreinermeister Servatius Brickard angefertigt, der wohl identisch mit dem im Pommersfeldener Schloss arbeitenden Meister Servatius ist. — Die weiteren Gebäulichkeiten, welche den Platz vor der Kirche umschliessen, wurden erst von 1742 an nach den Plänen Balthasar Neumanns aufgeführt und bieten, abgesehen von der stattlichen Westfront, nichts Bemerkenswertes. Auffällig und bezeichnend für den Rückgang der Bamberger Bauzunft, erscheint dabei die Thatsache, dass man selbst mit diesen einfacheren Bauten nicht die einheimischen Meister, sondern den Würzburger Architekten beauftragte. Ein Obergeselle des letz- ‘ teren, Konrad Fink, erbaute die beiden Pavillons des Klostergartens, die in Paris als nachahmenswerte Meisterwerke galten. (S. Jäck, Pantheon.) Die Schwierigkeit, die bestehenden Türme einer neuen Fapade einzugliedern, hat der Baumeister beim Umbau der Karmeliter kirche in Bamberg dadurch glücklich umgangen, dass er den Chor nach Westen zwischen die Türme legte und so eine freie Front zur Fapadenentwickelung gewann. Von Heller wird der Kirchen- und Klosterbau dem Joh. Leonh. Dientzenhofer zugeschrieben, welcher im Jahre 1694 (oder 92) mit dem Umbau begonnen haben soll. Da die Kirche aber erst 1716 geweiht wurde, so ist wahrscheinlich auch sein Bruder Johann bei dem Bau beschäftigt gewesen; eine genaue aktenmässige Scheidung ihrer Thätigkeit ist nicht mehr möglich. Auch zeigt der Kirchenbau zu geringe Eigenart, um darauf eine sichere Zuweisung an einen der beiden Meister gründen 1 Lahner, 1. c. S. 828 und 424. i34 zu können. Flau und kraftlos baut sich die Fagade in wenig glücklichen Verhältnissen auf und vermag mit ihrer schematischen Ausgestaltung heutzutage nur bedingtes Interesse zu erregen. Bedeutender ist die Innenentwicklung des Langhauses, 1 das, aus drei grossen Kreuzgewölben zusammengesetzt, die übliche Auflösung der Seitenwände in schmale Kapellennischen zeigt. Das konstruktive Gerüst ist mit breiten Stuckpilastern verkleidet, die, paarweise gekuppelt, reich profilierte Abschluss - bögen mit üppigen Zwickelfüllungen einschliessen. Die sonst gebräuchlichen, Emporen tragenden Zwischenbögen fehlen ; nur zu beiden Seiten des Chors sind in halber Höhe zwei geschlossene Oratorien angebracht. Die umfangreichen Klostergebäude haben nur an dem neben der Kirchenfapade liegenden Flügel dekorative Ausgestaltung. Derbe Pilaster, auf einem abgeschrägten Sockelgeschoss ruhend, gliedern die Wände, die mit einem schweren Kranzgesims ab- schliessen. Die Fensterbänke laufen in ein ornamental gehaltenes Fruchtgewinde aus — ein Dekorationsmotiv, das in der gleichzeitigen Architektur nur selten vorkommt. Der Vollständigkeit halber müssen in diesem Zusammenhang noch genannt werden: der Umbau des ehemaligen Dominikanerklosters und der Neubau der Propstei St. Getreu oberhalb Kloster Michelsberg. Von ersterem, welcher- von Heller dem Joh. Leonhard Dientzenhofer zugewiesen wird, kommt wohl nur der an der Rednitz gelegene Trakt in Betracht. Die ausgedehnte Flucht des auf einem hohen Sockelgeschoss ruhenden zweistöckigen Gebäudes ist durch einen dreigeschossigen schwach vorspringenden Mittelbau durchbrochen ; schmucklose Pilaster, an den Ecken gepaart, bilden den einzigen Versuch einer Vertikalgliederung der höchst unbedeutenden Fapade. Von Leist a. a. 0. S. 91 wird demselben Meister noch zugeschrieben der unansehnliche Propsteibau St. Getreu. 2 Wenn jedoch, was aktenmässig nicht erwiesen werden konnte, 1 Jetzt als Turnsaal benützt. 2 Jetzt Irrenanstalt. 135 die Erbauung desselben in die Jahre 1727—40 fällt, so kommt als Baumeister weder Joh. Leonh. noch Joh. D. in Frage; es gewinnt vielmehr den Anschein, als ob die Angabe Webers 1 richtiger sei, der die Anlage dem Johann Heinrich (d. h. dem Justus Heinrich Dientzenhofer) eventuell auch dem Konrad Fink, einem Obergesellen Neumann’s, zuweist. Die Hauptschauseite nach der Michelskirche ist dem üblichen Schema gemäss in der Mitte durch einen überhöhten Giebelbau belebt, der von jonischen Pilastern eingefasst ist. Ein näheres Eingehen auf alle diese Bauten erscheint bei ihrem unbedeutenden Charakter nicht geboten. VI. Der Dom in Fulda und die sonstigen Fuldaer Bauten. Dem Fremden, der aus fränkischen Landen kommend die Strassen der ehedem gefürsteten Abtei Fulda durchschreitet, wird eine gewisse Aehnlichkeit des Strassenbildes mit den um die Wende des 17. Jahrhunderts geschaffenen Stadtteilen von Bamberg auffallen. Dieselben einfachen, soliden Sandsteinhäuser, in denen ein bescheidener Wohlstand sich äussert, dieselbe Einheitlichkeit in ihrer zeitlichen Entstehung, dieselbe ermüdende Wiederholung eines und desselben Facadenschemas treten ihm hier wie dort in gleich eintöniger Weise entgegen. Aber während in Bamberg wenigstens in den Hauptstrassen an einigen Privatgebäuden eine reichere Architektur zur Entfaltung kam und in der Bokokoperiode eine erfreuliche Fortentwickelung stattgefunden hat, blieb Fulda auf dem einmal eingeschlagenen Wege stehen : wir haben dort heute noch ein geschlossenes Bild vom Stande der Baukunst am Anfang des 18. Jahrhunderts vor uns. 1 H. Weber, Die ehemalige Benediktinerpropstei St. Getreu. Kalender für katholische Christen, Sulzbacli 1885. 136 Die Uebertragung der Bamberger Bauweise nach der Rhönstadt hängt wohl mit der Berufung eines Bamberger Baumeisters, des Johann Dientzenhofer, zusammen, dem, wie erwähnt, am 4. September 1700 das Amt des fürstlichen Stiftsbaumeisters übertragen -wurde. Nicht, dass ihm alle die bedeutenderen Gebäude jener Zeit zugewiesen werden sollten oder könnten: D.’s Bedeutung für Fulda liegt darin, dass er als massgebender Architekt am Anfang einer mächtig aufstrebenden Baubewegung berufen, die neue Richtung eingeleitet hat. Die von ihm eingeführte Bauweise erhielt sich dann, einmal als zweckdienend befunden, nicht nur während seiner 10jährigen Fuldaer Thätigkeit, sondern auch nach seinem Weggang in den zahlreichen Bauten seiner Fuldaer Berufsgenossen. Es liegt nicht klar, wie es kam, dass man den in selbständiger Thätigkeit noch nicht erprobten Meister zu der verantwortungsvollen Aufgabe des Dombaues heranzog, und man kann nur vermuten, dass er diese Bevorzugung der Vermittelung seines Bruders, des vielbegehrten Bamberger Hofbaumeisters verdankte. Eine nicht geringe Empfehlung mochte für ihn auch die Thatsache seiner italienischen Reise gewesen sein: einem Manne, der die Wunder des Apenninenlandes selbst gesehen hatte, konnte man von vorneherein ausgebildetere Fähigkeiten Zutrauen. Allerdings wmrde gerade dieser Umstand von seinen Neidern auch im gegenteiligen Sinne ausgebeutet. Nicht Dientzenhofer, sondern einer der grossen römischen Meister, mit denen er persönlich in Berührung gekommen sein mochte, habe, so sagt noch heute die Tradition, die Pläne für den Fuldaer Dom geschaffen. Es ergibt sich aus zeitlichen Gründen von selbst, dass der an erster Stelle genannte Ferdinand Fug a, 1 Litteratur: Sclileretli: der Dom und die vorigen Hauptkirchen in Fulda. 1826. (Manuskript in der Landesbibliothek in Fulda.) — Ein Auszug hieraus: in Buchonia, Zeitschr. herausg. von Schneider I. Bd. 2. H. 1826, II- Bd. 1. H. 1827. — Der Dom in Fulda, 2. Ausg. Fulda 1855. — Lange, Baudenkmäler und Altertümer Fuldas. Fulda 1847. — H offmann, (Geh. Baurati der frühere und jetzige Dom zu Fulda. (Vortrag gehalten im Fuldaer Geschichtsverein 190U.) Quellen : Die Dombauakten. Es sei mir an dieser Stelle gestattet, Herrn Prof. Leimbach in Fulda für seine freundliche Beihilfe bestens zu danken. i Gurlitt, 1. c. S. 334. der erst 1699 in Florenz geboren worden war, nicht in Betracht kommen kann. Aber auch dem Gerüchte, dass Carlo Fontana den Dom-Grundriss entworfen habe, 1 lässt sich mit Bestimmtheit zu Gunsten Dientzenhofers entgegentreten. Denn abgesehen davon, dass der Riss in der erwähnten Bürgschaftsurkunde Johann Leonhards ausdrücklich als von ihm (Joh.) gefertigt bezeichnet wird, spricht zunächst die Thatsache gegen die Urheberschaft Fontana’s, dass man die Pläne nicht ohne weiteres zu genehmigen wagte, sondern sie zur Begutachtung an den Propst von Thulba sandte, damit er seines Baumeisters Meinung darüber befrage ; ,ja man liess diesem Franziskaner-Baumeister sogar anbieten, «ob er nicht den Bau zu führen, selbst übernehmen wolle, dergestalt, dass ihm ein anderer Baumeister zugegeben würde, so der Sache wohl kundig». 2 Est ist doch ziemlich unwahrscheinlich, dass man Pläne eines berühmten römischen Architekten einem obskuren Klosterbaumeister zur Beurteilung vorgelegt hätte, eher hätte man sich auf den italienischen Ursprung des Planes etwas zugute gethan. — Auch die Darstellung, als habe sich D. von Fontana die Pläne anfertigen lassen, ist zurückzuweisen. Dientzenhofer’s Bauherr, der Abt Adalbert von Schleifras war ausserordentlich schwer zu befriedigen; immer wieder mussten die vorgelegten Pläne abgeändert werden; nicht weniger als vier verschiedene Konzepte und sechs Kostenberechnungen werden in einer Punktation vom 5. Februar 1705 genannt. Dieses wiederholte Umändern, Wiederaufnehmen und Fallenlassen gewisser Baugedanken zeigt im Hinblick auf die schwierigen damaligen Verkehrsverhältnisse am besten, «dass D. ohne Beihilfe eines römischen Architekten und aus sich selbst die erforderlichen Pläne geschaffen hat» (Hoffmann p. 10). In Konkurrenz mit D. schufen Risse und Modell ein «Thannischer» Architekt 3 und, nach Schlereth, ein Baumeister aus Hammelburg. 1 Gurlitt, Barock in Italien. S. 438. 2 Brief vom 18. Juli 1701. 3 Schlereth u. Schmerber wollen in ihm den in der Punktation vom 5. September 1701 mit unterschriebenen Johann Mützell erkennen. 51. E. war derselbe, aber nicht Konkurrent des D., sondern Vertreter des Fürstabts, da er die «bis zu Ausfertigung- eines formalen Dingbriefes» gültige Punktation als Gegenkontrahent unterschreibt. 138 Aus dem vorhandenen Aktenmaterial ergibt sich, dass die Bauabsichten des Fürstabts grossen Schwankungen unterworfen waren. Während sich der Baumeister in einer Punktation von 1700 verpflichten muss, «den alten Stiftsbau 1 totaliter ablegen zu lassen, ausser denen beiden hohen Türmen. Die S. Bonifazi-capellen zu verlängern, zu erhöhen und zu wölben, die Sakristey und Capitelhaus weiter ahn die Kirchen anzubauen, ... die grosse runde Kuppel auswendig ringsherum!) mit gehauenen Steinen zu versetzen etc. ergibt sich aus dem Bauakkord vom 18. März 1704, dass das Langhaus nur «bis an den Kreuzbau gegen den Convent» (Querschiff der alten Kirche), dessen seitherige Mauern und Dach stehen bleiben sollen, 2 abzutragen sei. 3 Demnach sollte also der ganze westliche Teil der ehemaligen Stiftskirche erhalten bleiben. Von der grossen Kuppel und den sonstigen Abänderungen ist nicht mehr die Rede. In der bisherigen Litteratur wurde dieser Vertrag als Hauptkontrakt angesehen. Schlereth (S. 155—9) bringt ihn im Wortlaut und baut auf ihm seine umständlichen Kostenberechnungen auf; er beachtet aber nicht, dass sub. 2 dem Baumeister aufgetragen wird, «einen ganz neuen Grund so tief und so weit, wie zu einem solchen Bau erfordert wird, i n der Weite und Länge wiejetzt steht zu legen. M. E. erhellt hieraus, dass es sich dabei um einen Umbau in denselben Grössenverhältnissen handelte, sollten doch auch die «Thürn und das Rondell» stehen bleiben. Für die definitive Ausführung ist dieser Kontrakt völlig belanglos; er hatte auch nicht lange Gültigkeit; denn bereits im Februar des nächsten Jahres musste D., dem Fiirstabt abermals neue Entwürfe vorlegen. Erst in diesen Tagen sind dann die eigentlich massgebenden Grundrisse geschaffen worden, in denen zum ersten Male ein neuer gewaltiger Baugedanke zum Ausdruck gelangt. 1 Vergl. die Gesch. des Baues bei Schlereth, 1. c. S. 85 ff. 3 Punktation vom 10. März 1704. Nr. 1. 3 Dem Baumeister wird der ganze Bau, zu dem nur die Materialien und grossen Werkzeuge von der Herrschaft geliefert werden um 27275 fl. verdungen; ausserdem wird ihmeine jährliche Besoldung von 50 Rth. mit den üblichen Naturalbezügen ausgesetzt. 139 Die engen mittelalterlichen Dimensionen werden aufgegeben; ein neues weiträumiges Langhaus, hei dem nicht mehr auf bestehende Bauteile Rücksicht zu nehmen ist, soll erstehen und durch eine mächtige Kuppel in Beziehung zu dem gleichfalls neu zu errichtenden Chor und Querschiff gebracht werden. Nach langem Ringen hat die Raumempfindung der Spätrenaissance den Sieg über die konservativ mittelalterliche Richtung davongetragen. Dem Baumeister war endlich das Feld zu einer einheitlich freien Raumschöpfung geboten. Aber so hochherzig und grossartig dieser Entschluss des- Bauherrn war, es haftete ihm doch ein Makel an ; und niemand wird dies mehr beklagt haben, als der Baumeister, dem die schwierige Aufgabe zufiel, einen wichtigen Teil, die beiden Türme,, vom alten Bau in den Neubau zu übernehmen, und in organische Verbindung mit ihm zu setzen. Der alte Ostchor fiel weg; an seiner Stelle erstand eine merkwürdige F a p a d e, die ge- wissermassen den Versuch eines Kompromisses zwischen der römischen Spätrenaissancefapade und dem mittelalterlich deutschen zweitürmigen Typus darstellt. Ursprünglich sollten in ganz ähnlicher Weise wie auf dem Michelsberg in Bamberg die Türme in unveränderter Gestalt einbezogen werden; erst später (1709) entschloss man sich, auch sie einzutragen und auf dem alten Unterbau «mit allen nötigen Zierrathen in quater» neuaufzuführen. 1 2 Ueber die endgültige Festlegung der Pläne ergibt sich aus den Akten nichts Sicheres. Wir erfahren nur, dass dem Fürstabt am 3. Februar 1705 von D. vorgelegt w'urden : Ein schwarz schattiertes Konzept mit hölzerner Kuppel,. 33600 Rth.; dasselbe mit Backsteinkuppel, 42000 Rth.; ein rot schattiertes, welches etwas weiter und höher ist, auch in allem mehr Majestät an sich hat, 47 300 Rth. Das erst angegebene Konzept, darin die förtern Säulen in Gapelle gegen den Langhaus zu ausgelassen werden, den prospekt in die Capellen besser zu haben, 55200 Rth.* Es scheint, dass der Abt sich zu keinem dieser Risse und Voranschläge entschliessen konnte; 1 Der Bauvertrag vom 20. April 1709 lautet auf 5300 fl. B.th. 2 Von anderer Hand ist liinzugefügt: 21000 Rth. kostet das um 6 Schuh, verlängerte Langhaus, 26 0UO Rth. kostet das schwarze Konzept ohne die Kuppel. 140 denn vor der Rentkammer erklärt D. am 9. Febr., er wolle lieber dem jetzigen Konzept nach den Bau um 20 000 fl. aufrichten als dem roten Riss nach um 40000 fl. Der Hauptkontrakt, der ohne Zweifel erst jetzt abgeschlossen wurde, fehlt ; aus der Generalabrechnung ergibt sich, dass D. für Stiftskirche und Convent, zusammen 60400 fl. zugebilligt worden waren. Von allen diesen Entwürfen scheint, eine nicht zur Ausführung gelangte Skizze zum Gruftumbau abgerechnet, keiner auf uns gekommen zu sein, man müsste denn die Grundriss- Zeichnung (Abb. 20), die Schlereth seinem Manuskript beigibt, als Original D.’s gelten lassen, eine Vermutung, für die mancherlei Gründe angeführt werden können. 1 Der Bau selbst ist sorgfältigst vorbereitet; mehr als drei Jahre gehen über der Beschaffung der Baumaterialien hin. Die Organisation der Bauhütte ist durch genaue Spezifikationen geregelt, die einen nicht uninteressanten Einblick in den Baubetrieb der damaligen Zeit gewähren: die Oberleitung hatte der Baumeister; ihm waren drei P a 1 i e r e für Maurer und Handlanger, für Steinhauer und für Gerüstarbeiten unterstellt. 120 Maurer und Steinhauer, 60 Handlanger waren für die Arbeit selbst vorgesehen; ein Anschaffer hatte für 1 Sclimerbers Notiz, dass die Maasse nicht übereinstimmen, ist nur auf die erwähnte Skizze zu beziehen. Nach Schlereth war der Dom-Grundriss von dem damals schon verstorbenen Bauinspektor Arnd angefertigt worden, um die Grabstätten leichter aufzufinden. (Buchonia II, S. 186.) An eine eigens zu diesem Zwecke vorgenommene architektonische Aufnahme ist bei der Umständlichkeit einer solchen Arbeit nicht zu denken. Es liegt also entweder eine Kopie eines damals noch erhaltenen Originals vor; dann ist aber die Unvollständigkeit des Planes — es fehlen die westlichen Teile, die Farjadengliederung und die seitlichen Kapellenwände — nicht zu erklären; denn die barbarische Zuschneidung, nur des erforderten Buchformates wegen, kann man doch einem sonst so pietätvollen Schriftsteller wie Schlereth nicht Zutrauen. Oder wir haben wirklich ein Original D.’s. vor uns, das sich damals noch im Dombauamt vorfand und bei der allgem. Nichtachtung jedes archival. Materials zu Anfang des 19 Jahrh. eben zu jenem Zwecke ohne Wissen Schlereths verwendet ■worden war. Für die letztere Annahme spricht: 1. die Uebereinstimmung der zeichnerischen Art mit der auf den Entwürfen für Holzkirchen. 2. die gleiche Qualität des Papiers wie bei dem in Würzburg befindlichen Grundriss zum Fuldaer Schloss. 3. Die Verwendung verschiedener Farbstoffe bei der Zeichnung und bei Bezeichnung der Grabstätten. 142 pünktliches Einhalten der Arbeitsstunden zu sorgen; die Führung des Bauregisters, Notierung der Arbeiten stand einem Bauschreiber zu, der zugleich auch die Werkzeuge zu beschaffen hatte, für deren Reparatur eigens ein Mann aufgestellt war. Die Löhnung erfolgt nach der Qualität der Arbeit: die guten Arbeiter bekommen einen täglichen Lohn von */a A- die schlechten von ’/ s fl., Handlanger 1 / i fl. Der Maurerpalier erhält 1 fl. und Naturalleistung von 2 Mass Bier und 2 Broten; der Steinhauerpalier */. l fl. der Gerüstpalier 9 bz. Die Lieferung der Baumaterialien zum Bauplatz geschah auf Kosten des Stifts, dem auch die Schaffung der grösseren Werkzeuge oblag. Nachdem man sich noch die kontraktgemässe Ausführung des Baues durch Verpfändung von D.’s Hab und Gut und durch die Bürgschaftserklärung des älteren Johann Leonhard gesichert hatte, konnte man zur Grundsteinlegung schreiten, die noch vor gänzlicher Einlegung des alten Baues auf dem Platze der ehemaligen Andreaskapelle 1 am 23. April 1704 mit grosser Feierlichkeit vorgenommen wurde. 2 Der Bau ging ziemlich rasch von statten; obwohl erst 1705 die Baustätte vollständig geräumt war und die neuen Fundamente gelegt wurden, war man doch im Sommer 1707 schon soweit fortgeschritten, dass die inneren Hauptgesimse nötig wurden, und man an die Einwölbung denken konnte. 3 Der Akkord über Sluckateurarbeit, die D. ebenfalls übernommen hatte, 4 5 wurde am 23. Februar 1707 geschlossen (7000 fl.); D. war in Konkurrenz mit einem ungenannten Italiener getreten 1 und hatte als wenigst nehmender die Arbeit übertragen erhalten, musste sich aber verpflichten, sie derge- stalten zu fertigen, dass «Es kein der Kunst erfahrener tadeln 1 Südliche Seitenkapelle. 2 Hierüber beündet sich eine Urkunde in einem eisernen Kästchen im Helm des nördlichen Turmes (Notiz der Fuldaer Zeitung.) 3 Siehe Verzeichnis vom 8. Januar 1707, was vor Stein zum künftigen Sommer notwendig sein wird: 2000 Schuh inwendig liaubtgesimser 50000 Stück Sandtgewölbstein zu Kuppelbögen. 4 Die Aehnlichkeit mit gewissen Pommersfeldener Stuckaturen bringt den Gedanken nahe, dass D. damals schon dieselben Stuckateure wie dort beschäftigte. 5 Schmerber’s Notiz, dass der Italiener die Stuckaturen um 8000 Kth, gefertigt habe, beruht auf Irrtum. H3 könne, auf welchen Fall er sich obligiere, das mangelhafte auf seine Kosten anders machen zu lassen». — Die Weihung erfolgte noch vor gänzlicher Vollendung 1 am 15. August 1712. So war denn in dem verhältnismässig kurzen Zeitraum von sieben Jahren das prächtige Bauwerk vorwiegend durch einheimisch deutsche Kräfte geschaffen worden, ein ehrendes Zeugnis von dem redlichen Ernst der aufstrebenden deutschen Kunst. Der Fuldaer Dom war gleichsam das Meisterstück, durch welches die deutschen Architekten ihre Gleichberechtigung mit ihren ausländischen Kollegen dargethan haben; fortan fiel die Führung auch im Kirchenbau den Deutschen zu. In der gesammten Kunstlitteratur erfreut sich die D.’sche Schöpfung einer ungeteilten hohen Wertschätzung. Man ist darüber einig, dass der Fuldaer Dom zu den edelsten Bauten seiner Zeit gehört, und kann sich nur mit der Fapade (s. Schmerber, Tafel I) nicht einverstanden erklären. Aber gerade für diesen Teil ist ja, wie wir sahen, der Baumeister nicht allein verantwortlich zu machen ; im Gegenteil muss man das gewissenhafte Streben anerkennen, mit dem er der schwierigen Aufgabe gerecht zu werden sucht. Zunächst galt es, den misslichen Umstand zu überwinden, dass der Unterbau der alten Türme sowohl in das Mittelschiff als auch in die Seitenschiffe der neuen Kirche hineinragte; es musste doch das Mittelstück der Fapade ungefähr den Breitenverhältnissen des Hauptschiffs entsprechen. D. erreicht dies, indem er die neuen quadratischen Türme, die sich beiderseits nicht unbedeutend verjüngen, auf dem oblongen Unterbau seitwärts verlegt und die Frontwand des Mittelschiffs noch auf sie übergreifen lässt. Mit Notwendigkeit müssen dementsprechend die Seitenteile der Fapade, die eben nur die Restwand des Turmunterbaues, das ist ungefähr zwei Drittel der Seitenschiffbreite, einnehmen, zu schmal und schwach erscheinen. Bestimmend für den äusseren Eindruck bleiben stets die beiden . 1 Als Verfertiger der beiden grogsen Altäre im Querscliiffe wird Gio, Battista Artari (9. Juli 1711, 2600 fl.) genannt. Unter den Malern begegnen wir dem bereits früher erwähnten Melchior Steidel. U4 Türme. Jedermann wird die Empfindung haben, dass durch sie die Breite des Mittelschiffs ausgesprochen werden soll, und deshalb auch nicht über das Gefühl, dass Mittel- und Seitenschiffe in unschönem Verhältnis zu einander stehen, hinwegkommen. Auch die Anfügung der beiden niederen Verbindungsteile, welche die seitlichen Eingangsportale bergen, vermag hiebei keinen Ausgleich zu schaffen. Ohne in organischem Zusammenhang mit dem Hauptbau zu stehen, haben sie lediglich die Funktion, zu den gleichfalls nur lose angereihten Kapellenbauten überzuleiten. So wird sich denn trotz aller gegenteiligen Bemühungen (cf. Hoffmann S. 12) die Bezeichnung der Faijade als Scheinarchitektur nicht vermeiden lassen. Im einzelnen ist der Baumeister geselzmässig zu Werke gegangen. Die dorische Ordnung des unteren Geschosses ist rings um den Bau geführt: das Obergeschoss zeigt die schweren Kompositkapitelle, die für den jüngeren Dientzenhofer charakteristisch sind (vergl. Banz, Ponnnersfelden, Concordia); die Anordnung der Statuennischen 1 hat Aehnliehkeit mit derjenigen an den früher betrachteten Kirchen, wie ja auch der Aufbau der Fac’ade im allgemeinen das bereits besprochene Schema befolgt. Von verschiedenen Seiten (Schlereth, Schmerber) wird auf eine «frappierende Aehnliehkeit» hingewiesen, die zwischen Fuldaer Dom und der Kirche des Stiftes Haug in Würzburg bestehen soll. Von der gleichen Turmgliederung abgesehen, vermag ich diese Uebereinstimmung nur in untergeordneten Details zu erkennen, wie sie ganz ähnlich auch an den Bam- berger Kirchen (z. B. St. Martin) nachweisbar sind und der ganzen gleichzeitigen Baurichtung eignen. Der Uebelstand, dass die steilen Dächer der Schiffe tief in die Säulenordnung des Kuppel-Tambours einschneiden, ist beiden gemeinsam; aber während Petrini denselben durch Einschiebung eines attikaartigen Zwischengeschosses zu verdecken weiss und damit zu einer viel freieren Wirkung gelangt, lässt D. die Kuppel zu 1 Die Statuen sind wollt von demselben Meister, der auch das grosse Wappen über dem Hauptportal fertigte; von Balthasar E(r)stenbauer aus Würzburg. — 145 - tief aufsitzen und sucht sie nur durch eine steilere Wölbungslinie für das Auge zu heben. Gegenüber dieser Befangenheit im Aeusseren ist die Innenwirkung (Taf. 15) eine wahrhaft grosse, edle. Die Lichtführung ist in feinster Weise nuanciert; im tonnengewölbten Langhaus, das durch seine Stichkappenfenster erhellt wird, ist das Licht um einen Grad gedämpft, um einen Gegensatz zum Kuppelraum mit seiner strahlenden Lichtfülle zu gewinnen. 1 Die Grundrissbildung zeigt ausgesprochene Kreuzesform; die Seitenschiffe, auch jenseits des Querschiffes fortgeführt, sind wechselweise in quadratische Kapellen und oblonge Durchgangsräume zerlegt, ein System, das theoretisch als Weiterbildung von Scamozzi’s Grundriss zum Salzburger Dom 2 aufgefasst werden könnte. Während dort noch die zur Aufnahme der Gewölbegurten bestimmten Pfeiler, paarweise gekuppelt, dem festen Kern geschlossen vorgelegt sind, öffnet D. die verbindende Mauerfläche in einem Durchgang, der in Höhe der Arkadenkämpfer mit einem Architrav abschliesst ; die über demselben befindliche Fläche beleben Statuennischen. Durch diese abwechslungsreiche, triumphbogenartige Nebeneinanderreihung von grösseren und kleineren Oeffnungen ist für das Langhaus ein frischer Rythmus geschaffen, der, in dreimaligen Senkungen und zweimaligen Hebungen in sich geschlossen, eines sichtbaren Ausgangs- und Endpunktes bedurfte. Auf diese Weise erklärt sich die Beifügung der vier flankierenden Halbsäulen an den Ecken, eine an sich unscheinbare Anordnung, durch die aber doch deutlich die Zusammenfassung der beiden Systeme des Hauptschiffs zu einem einheitlichen Ganzen ausgesprochen ist. Noch klarer ist dieses Bestreben an der bewegten Linie des Konsolengesimses wahrzunehmen. Die Ausstattung des Innenraumes ist von der reicheren Stuckverzierung der Seitenkapellen abgesehen eine einfache, vornehme; die architektonischen Details (Stuck) sind scharf und korrekt gezeichnet, die figürlichen Zwickelfüllungen unaufdring- 1 Zum Beleg für diese abweichende Ansicht [s. Gturlitt-(Schneider), S. 333] weise ich auf die Photographie hin, welche die Lichtwerte viel deutlicher ahgrenzt als das menschliche Auge. 2 Vergl. Gurlitt, Barockstil in Italien, S. 301. io lieh. Die Malerei 1 2 kommt nur wenig zum Wort; nach römischem Vorbild (Sant’ Andrea della valle) sind in den vier Kuppelzwickeln die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt. Das Mittelschiff erscheint (ähnlich wie in Banz) durch den riesigen Hochaltaraufbauvöllig abgeschlossen von dem langgestreckten Chor, welcher in seinen Grössenverhältnissen der geräumigen, in Kreuzform erbauten Krypta (mit dem Grab des hl. Bonifazius) entspricht. Die beiden westlichen Querarme (heute Sakristei und Marienkapelle), die auf dem Gurlitt’schen Grundriss dem Dom organisch eingefügt erscheinen, sind in Wirklichkeit der Kirche nur lose angegliedert; es sind eigentlich Teile des anstossenden Convents, wie sich aus der ehemaligen Bestimmung des einen, des nördlichen Raumes, als Kapitelhaus 3 erkennen lässt. Seiner zeitlichen Entstehung nach muss der Dom der als Barock bezeichneten Baurichtung zugezählt werden. Wenn nun auch die Formensprache des Aeusseren diese Bezeichnung rechtfertigt, so ist man doch vielmehr geneigt, das kräftige, strenge Gefüge der Innenbildung der Spätrennaissance zuzuweisen, obwohl auch hier manche Details (wie Kartuschen, Pfeilergliederung, die riesigen Statuen) einem durchaus barocken Kunstempfinden entsprungen sind. Vielleicht lässt sich hierin ein Nachwirken der etwa gleichzeitigen reaktionären römischen Richtung eines Carlo Fontana erblicken ; bei Dientzenhofer war sie allerdings nur von vorübergehender Bedeutung; in allen seinen anderen Kirchenbauten (voran Banz), zeigt er sich der extrem barocken Tendenz viel näher stehend. Ueber des Baumeisters sonstigeThätigkeit für F u 1 d a berichtet eine von 1711 oder 1712 datierende Abrechnung der 1 Die Fresken sind von einem Italiener Columba ausgeführt (Buchonia II, S. 172), einem nur mittelmässig begabten Künstler, welcher den seinen Schöpfungen mangelnden inneren Wert durch möglichst komplizierte Zeichnung zu ersetzen sucht. Seine Thätigkeit lässt sich ausserdem in Schönthal nacliweisen. 2 In dem Grundriss bei Gurlitt S. 332 ist seine Lage unrichtig angegeben; der Altar befindet sich im ersten Joch nach dem Vierungsraum. 3 Der Baumeister muss sieh verpflichten, «die vermeinte Sakristey und Capitelhaus weiter ahn die Kirchen anzubauen». (Uebersclilag von 1700.) M7 fürstlichen Rentkammer. 1 Unter dem genannten Conventbau sind wohl die Dechantei und die beiden nach Westen vorspringenden Flügel des heutigen Priesterseminars zu verstehen; denn die Hauptmasse des Convents war bereits unter dem Fürstabt Joachim von Grafeneck (1668) errichtet worden (s. Schneider S. 33). Es sind im allgemeinen die seit dem Waldsassener Klosterbau üblichen Formen, die bei Gliederung der einfachen, im rechten Winkel zusammenstossenden Dechantei (1702—4) zur Verwendung kamen; nur in der architektonisch reicher ausgestatteten Giebelfront zeigt sich Dientzenhofers Bauweise von ihrer barocken Seite. — Das umfangreichste Profangebäude des Meisters in Fulda ist der Schloss bau (Abb. 21; Schmerber, Abb. 4), 2 dessen Kern in den Jahren 1707 (Marstall) —1713 erbaut wurde, während die beiden vorderen niedrigen Flügel 3 erst später zugefügt sind ; von der ehemaligen Anlage wurde, wie es scheint, nur der über Eck stehende Turm beibehalten. Der Grundriss zeigt den geschlossenen Typus, der um diese Zeit, auf französischem Vorbild fussend, in den deutschen Archi- 1 Es sind ihm tfolgende gebäu und arbeith überhaupt verdingt». 60400 fl. Stieft & Convent 7000 » Stuccatorarbeit 5300 » Bekleidung der 2 Türme 4700 » Marstall 22300 » Schlossbau 3300 » Backhaus 950 » Neuenlioffer Brücke 400 » Brunnen am Marstall 70 » Pfeiler a. d. Eisengrub 75 » die alten Küchen abzulegen 500 » Palustrata am fortern Schlosshof. 104995 fl. Ausserdem wird genannt: ein Dermbacher Bau (2000 fl.) Es standen damals noch aus an grösseren Arbeiten: 1 Stockwerk am Convent aufzusetzen, die Stuckaturarbeit der Gruft; die Fertigstellung des Kaisersaals (den neuen Saal stücken, Kleiben und Decken-, so viel Baumeistern zu kommt) und der Altane vor demselben etc. 2 Der beigegebene Grundriss befindet sich auf der Würzburger Universitätsbibliothek (Del. II, 95). 3 Die im südöstlichen Flügel befindlichen reizvollen Stuckdecken zeigen bereits ausgesprochene Rokokoformen; ein kleines Stuckrelief mit der Nachbildung des Schlosses Adolfseck (gegen 1730 erbaut) verweist ihre Entstehung in die 30er Jahre. 148 tekturbüehern Eingang fand ; 1 es ist bereits eine Differenzierung zwischen Haupt- und Nebengebäuden eingetreten, eine erste Phase in der Entwicklungsreihe, die bald zu einer vollständigen Trennung des hufeisenförmigen Hauptbaues führen sollte. Die Zimmer des Fürstabts und die gewölbte Privatkapelle befanden Abb. 21. Grundrisse zum Schloss in Fulda. sich im ersten Stock des Hauptbaues ; der grosse Festsaal, dessen schwere Stuckdecke noch über den modernen niedrigeren 1 Vergl. Daviler, Cours d’arcliitecture. Paris 1691. Tav. 68. Davon eine deutsche Uebersetzung von Leonh. Christ. Sturm: Ausführliche Anleitung zu der ganzen Civil Baukunst. Amsterdam 1699. 149 Decken des in kleinere Zimmer aufgeteilten Raumes vorhanden sein soll, lag im zweiten Stock. Die Aussenarchitektur ist einfach : die schmucklosen Wände zeigen neben der üblichen Horizontalteilung stark profilierte Fenstergewände; in der Mitte bezeichnet ein schwach vorspringendes Giebelrisalit mit Balkonausbau die Stelle des Haupteingangs. Nur im inneren Hofe gelangt die Architektur zu reicherer Wirkung, indem die beiden Seitenflügel durch Pilasterstellungen gegliedert sind und je ein fünfachsiges Mittelstück umfassen, das sich im Erdgeschoss ähnlich wie beim Pommersfeldener Schloss in Arkaden öffnet. Von allgemeinerem Interesse ist nur der sog. Kaisersaal (Tafel 16) im Erdgeschoss des Gartenflügels, ein niedriger, tonnengewölbter Raum, der mit reichster Stuckdekoration ausgestattet ist. Wie weit Dientzenhofer an dieser letzteren beteiligt ist, lässt sich mit Sicherheit nicht nachweisen ; aber es scheint fast, als ob er hier bloss das architektonische Gerüst geliefert habe (vergl. S. 147, Anm. 1 a. E.); denn die Verwandtschaft mit den Pommersfeldener Treppenhausstuckaturen lässt vermuten, dass wir es hier mit denselben Meistern — Schenk und Hennicke — zu thun haben. Von diesen werden wir aber hören, dass sie die Entwürfe selbständig geschaffen und dem leitenden Raumeister nur zur Begutachtung vorgelegt haben. Seiner Bestimmung als Gartensaal gemäss öffnet sich der Raum in fünf Rundbogenthüren nach der Terrasse; hierdurch ist auch die Einteilung für die anderen Wände gegeben, an welchen runde Nischen den Thtiren entsprechen. Den Wandpfeilern sind als Träger der gurtähnlichen Ausläufer des Tonnengewölbes gepaarte Hermen in karyatidenartiger Verwendung vorgelagert. Die Bildung des Figürlichen 1 ist hiebei in scharfen, unruhigen Formen durchgeführt, deren gesuchte Eleganz sich auch in den spitzen Profilierungen der 1 Es sei liier zum Belege für die weitere Verbreitung dieser Dekorationsweise auf das Bronnbaclier Refektorium liingewiesen, das ganz ähnliche Stückarbeiten zeigt (vergl. Oechelhänser, die Kunstdenkmaler des Bezirks Wertheim. Freibg. 1886. Tafel IX). Erbaut 1722—25 durch einen Baumeister Onymus, der zugleich den neuen Conventbau aufführte, wurde dasselbe durch den Stuckateur Franz Joseph Roth aus Mergenthal und den Maler Remela künstlerisch ausgestattet (Bronnbacher Akten im fürstl. Löwenstein-Wertheim-Rosenberg’schen Archiv). Gesimse wiederspiegelt. Auf dem Gebälk, das sich über den Hermen verkröpft, erheben sich an den Schmalseiten hübsche Kartuschenaufsätze als Rahmen für die Kaiserporträts. — Die Volute und die schmale Akanthusranke sind die Hauptelemente der angewandten Dekoration; ein neues Motiv, das erst im Rokokoornament zu grösserer Redeutung gelangt, sind die mit Gitterwerk bedeckten kleinen Flächen; auch das Rocaillenmotiv dämmert bereits in geringen Ansätzen hie und da auf. — Reizende Putten, deren Bildung der Zeit am besten gelingt, dienen als Guirlandenhalter zur Belebung der Flächen. Am Gewölbe, dessen Freskomalereien der Verherrlichung des Erbauers gewidmet sind, tritt uns, vielleicht zum ersten Male in Franken, ein rein französisches Verzierungssystem entgegen. Es ist jenes im schwachen Relief gehaltene Ornament, das aus dem schmalen vielfach gebrochenen Bande mit Akanthus- ranken und Glocken blütenansatz besteht, wie wir es zeitlich vorgreifend schon in der Banzer Kirche (1714) kennen gelernt haben. In besonders reizvoller und eleganter Ausführung ist es verwendet in der Innenausstattung des prächtigen Orangeriegebäudes (Schmerber Abb. 6), das sich gegenüber der Schlossaltane auf einer ihr entsprechenden Parkterrasse erhebt.. Mit Dientzenhofer können diese Stückarbeiten (Tafel 32), die von einem Meister Pozzo angefertigt sein sollen, nicht mehr in Verbindung stehen; denn sie sind wohl erst nach Vollendung des 1730 datierten Freskoplafonds von E. Wohlhaubter oder doch nicht viel früher begonnen worden. Dientzenhofer war aber, wie wir wissen, bereits im Juli 1726 gestorben. Aus demselben Grunde kann auch der Bau selbst, der in seinem Giebelfeld das Wappen des Fürstabts Adolf von Dalberg (1726—37) trägt, in seiner Ausführung für D. kaum mehr in Anspruch genommen werden, wenn schon es nicht unmöglich ist, dass auch von ihm Entwürfe angefertigt wurden. Die Risse allerdings, die angeblich 1718 für die Orangerie und das Schloss Johannesberg im Rheingau von ihm gefordert worden waren,' wären schon nach vier Jahren so gründlich vergessen gewesen, 1 Sclileretli, Manuskript. 151 dass ein am 3. Mai 1722 ausgestelltes Zeugnis 1 nur von seinen 1701 —1711 geleisteten Diensten zu berichten weiss. Auch scheint D. bei der Konkurrenz um den Johannesberger Schlossbau - unterlegen zu sein. Dies alles spricht gegen die Annahme, dass man ihn späterhin wieder mit einem Bau für Fulda betraut habe. Zudem erstand gerade um diese Zeit (1730) im Aufträge des Fürstabts unter Leitung eines unbekannten Nachahmers von Dientzenhofer’s Bauweise in der Nähe von Fulda das stattliche Schloss Adolfseck, so dass man wohl mit grösserer Wahrscheinlichkeit in jenem xkrchitekten zugleich den Erbauer des Orangeriegebäudes sehen darf. — In der Grundrissbildung zeigt der kleine Bau die bei Gartenhäusern beliebte Disposition : einen grösseren überhöhten Saal in der Mitte, an den sich beiderseits rechteckige Seitenräume anschliessen. Der Wirkung der reichen Aussenarchitektur (Pilaster und Arkaden) kommt heute eine prächtige Parkanlage wohl zu statten. Auf dem Reiz einer hervorragend schönen landschaftlichen Lage beruht auch die Hauptwirkung des etwa drei Stunden östlich von Fulda gelegenen Schlosses Bieberstein. Es gehört in den Rahmen dieser Betrachtung, da es nach den Plänen Dientzenhofer’s erbaut ist, der noch kurz vor seinem Weggang (1711) die genauen Risse und Kostenanschläge ausarbeiten musste, auf Grund deren dann mit einem Maurermeister Joh. Kahlenberger aus Eichenzell der Kontrakt abgeschlossen wurde. 3 Als den Zeitpunkt der Vollendung gibt ein Chronogramm das Jahr 1714 an. 1 Das Schloss erhebt sich in quadratischer Grundform auf einer Anhöhe, die nach einer Seite ziemlich rasch abfällt, so dass für den zweistöckigen IJauplbau zum Teil mächtige Unterbauten nötig waren. Das Hauptthor führt von einer Terrasse in den viereckigen Hof, von dem aus drei weitere einfache Thüren die Verbindung mit > S. Sclileretli, S. 165. 2 Buchonia 6. Bd. 2. Hft. S. 30. Schlereth, der Johannesberg im Rheingau. Dort werden genannt: der Baumeister Itosini aus Sachsen und die Mainzer Architekten Gallasini und Hörwarth; letzterem wurde das Bauwesen übertragen. 3 Buchonia 2. Bd. 2. Hft. S. 125. Schlereth, das Schloss Bieberstein. 4 Danach ist die von Heller angegebene Bauzeit 1719—23 zu verbessern. den umgebenden Korridoren hersteilen. Zwei unbedeutende, in ihrer Anordnung korrespondierende Treppenanlagen führen in das zweite Geschoss, dessen wichtigste Räume, der ehemalige Saal und die Kapelle, wenig von ihrem ursprünglichen Schmuck erhalten zeigen. Interessant erscheint die Wölbungsart der letzteren, die im Prinzip das Banzer System wiederholt . 1 Die Rippen des Gewölbes ruhen auf über Eck gestellten Widerlagern, deren Mauermasse durch kleine Statuennischen belebt ist. Sonst bietet die Anlage in ihrer derbmassiven Ausführung nichts Bemerkenswertes. In ähnlich einfachen Formen dürfte wohl auch «der Dermbacher Bau ein kleines Schloss in Hufeisenform» gehalten sein, das, nach der mitgeteilten Abrechnung zu schliessen, gleichfalls von Dientzenhofer erbaut ist. VII. Schloss Weissenstein ob Pommersfelden. «Kund und zue wissen seye, dass heut dato zwischen dem hochwürdigsten Fürsten und Herrn, Herrn Francisco L o t h a r i o des heyl. Stuhls zu Mayntz Ertzbischoffen, des heyl. Röm. Reichs durch Germanien Ertz-Cantzlern und Churfürsten etc., Bischoffen zu Bamberg Und anderseyts J o- hann D i n z e n h o f f e r Sr. churfürstl. Gnaden hoffbau- meistern. zue Bamberg folgender Contrakt seye geschlossen worden wegen dem Mauerwerckh undt hierunten wohl benennten steinhauerarbeith belangend den rechten fliegel mit beeden Pavillon biss ahn die haubt-Stiegen derselben seytenmauer mit begriffen, in dem neuen Pommersfelder 1 Vergl. auch Gurlitt, Barock in Italien. Kig. 198. St. Antonio Abate zu Parma. Litteratur: Joseph Heller, Schloss Weissenstein ob Pommersfelden, in : «Das Königreich Bayern in seinen Schönheiten». Quellen: Akten der Repositur d. gräfl. Schönborn’schen Domänenamts Pommersfelden: 1. Pommersfeldener Amtsberichte und Rescripta, y. Ausgabenverrechnungen, B. einige lose Kontrakte. 154 Schloss bau 1 nach den Grundrissen No. 1. — 2. — 3. undt Auftrag No. 4, so von sr. churf. gnaden gndst beliebet und unterschrieben worden sub dato 1. Septembre 1711.» Mit diesen Worten beginnt ein im Pommersfeldener Archiv verwahrter Originalkontrakt. In klarer Weise wird durch denselben die seither viel umstrittene Frage nach dem Baumeister des Pommersfeldener Schlosses beantwortet; alle früheren Zuschreibungen - an den Würzburger Oberingenieur Balthasar Neumann oder an den Bambergen Jesuitenpater Nie. Loyson, dessen Pläne von Joh. Leonh. Dientzenhofer ausgeführt sein sollten, werden hierdurch als unrichtig erwiesen. Johann Dientzenhofer, der geniale Erbauer des Fuldaer Domes, ist auch der Schöpfer der gewaltigen Pommersfeldener Schlossanlage; seinem Erstlingswerke reihte sich in unmittelbarer Folge seine künstlerisch reifste Leistung an. Erst durch die Richtigstellung dieser Thalsache wird es möglich, den Meister nach seinen künstlerischen Fähigkeiten gerecht zu beurteilen und seine hohe Bedeutung für den Entwicklungsgang der fränkischen Architektur zu erkennen. — Mit dem Pommersfeldener Schloss hat die Bamberger Baukunst ihren Höhepunkt erreicht. Aus unfreien Anfängen hatte sie sich noch unter Johann Leonhard zu einer gewissen Selbständigkeit durchgerungen; unter Johann Dientzenhofer gelangt sie auch in künstlerischer Beziehung zu einer führenden Stellung : Das Pommersfeldener Schloss wird das Vorbild, an dem sich die folgende Architektengeneration Anregung erholt. Freilich treten in diesem Werk zugleich auch die Grenzen für Dientzenhofers Leistungs- 1 Es muss fraglich bleiben, ob der beigegebene Grundriss des 3. Stockwerkes (Abb. 22) Nr. 3 (Sammlung Dros) eine Originalzeichnung D ’s. ist. Der Kurfürst Lothar Franz liess nämlich im Jahre 1723 nachträglich durch den Stuckateur Hennicke eine Aufnahme des Schlosses anfertigen. Bei den Akten ist kein Riss mehr erhalten; auch das ehedem vorhandene Modell scheint vernichtet zu sein. - Heller 1. c. schreibt die Risse dem Joh. Leonh. zu, während an der Ausführung beide Brüder gemeinschaftlich beteiligt gewesen seien. Das ist unmöglich; denn Johann Leonhard starb schon 4 Jahre vor Beginn des Schlossbaues, zu einer Zeit, da Pommersfelden noch im Besitze des Truchsess von Pommersfelden war; erst 1710 ging dasselbe durch Erbschaft an die Grafen von Schönborn über. — Nur die neueste Untersuchung von Schmerber (1. c. ,S. 22) weist den Bau vermutungsweise dem Joh. D. zu. 155 fähigkeit zutage. Zu der Leichtigkeit und Sicherheit der Neu- mann'schen Formen ist der Meister noch nicht durchgedrungen. Es haftet seiner Kunstweise noch etwas Mühsames und Trockenes an. Aber man darf es nie vergessen, dass Joh. D. es war, der als erster im Frankenland die neuen Probleme der Baukunst in wahrhaft grosser Weise löste. Der Eingangs erwähnte Originalvertrag bezieht sich vorerst nur auf die rechte Hälfte der Anlage excl. Treppenhaus und legt alle auf den Bau bezüglichen Details 1 fest. Der mitunterzeichnete Kammerat Johann Georg Nitschke aus Frankfurt hat als Verwaltungsbeamter in kurfürstlichem Dienst mit der künstlerischen Ausgestaltung des Baues nichts zu thun. Ebensowenig ist an derselben der oben genannte Jesuitenpater Nie. Loyson beteiligt, der gemäss einer Instruktion vom 18. Februar 1711 nur die geschäftliche Oberaufsicht über den Baubetrieb zu führen hatte. Der Umstand, dass er die regelmässigen Bauberichte an den Kurfürsten zu verfassen hatte, in den Akten also sehr häufig genannt ist, hat wohl zu der irrigen Ansicht geführt, dass er sich selbst als Architekt bethätigt habe. Das ist aber in keiner Weise verbürgt. Auch lässt sich nach dem, was wir von Joh. D. wissen, 2 nur annehmen, dass er sich auch bei den Entwürfen zum P.’er Schlossbau von fremder Seite wenig einreden liess. In wie weit er freilich dabei den Anregungen seines kunstverständigen Bauherrn folgen musste, ist nicht mehr zu erkennen, da die Verhandlungen wahrscheinlich mündlich geführt wurden; wenigstens ergibt sich aus einem Schreiben des Kammerrats 1 Von Interesse ist folgende Bestimmung: sub 7) solle er (Baumeister!, die nachfolgende Steinhaueravbeitli dazu verfertigen, Und setzen also : In dem gantzen Untern Stockwerckh wohl Eingerichtete Spundtquader Ein sauberes wohl proportionirtes haubtgesims mit dem Architrav auch fuess und Tachgesimbser sambt Capittel und Schafftgesimbs alles nach dem Auftrag, da Vor ist dem Selben Veracoordirt worden wie folget: Vor den Schuhe hauptgesimbs 12 Bazen fränkisch » » » Architrav 6 » » » » » Fuessgesimbs 2 > > » » » Dachgesimbs 3 kr. Vor Eine Lesenen oder Eckhsäul 15 Rth. Vor den Schuhe Spundtquader 5 kr. fr. 2 Vergl. S. 40. 156 Nitschke (vom 21. April 1711), dass D. zur Vorbesprechung nach Frankfurt befohlen worden war. ln Pommersf'elden ist der Baumeister erstmals am 20. April 1711 anwesend, zum Zwecke der Absteckung des neuen Schlossbaues. Es kann nun allerdings nicht mit Sicherheit festgestellt werden, ob es sich damals schon um den grossen Schlossbau handelte ; denn ein Teil der Vorverhandlungen und Verträge bezieht sich zweifellos auf den Neubau des unteren alten Truchsessenschlosses im Dorfe Pommers- felden ; ja es scheint, dass der Kurfürst ursprünglich nur einen Umbau dieser im Typus des quadratischen Wasserschlosses gehaltenen Anlage beabsichtigte, und erst als sich herausstellte, dass die schlechte Beschaffenheit der Fundamente einen totalen Neubau erforderte, auf den Gedanken kam, «erwähntes gebäu nicht dieser orthen hin, sondern lieber an einem andern Platz zu P. zu errichten» 1 und zwar «in ganz anderen mesures». Mit dieser Annahme stimmt überein, dass der Baubetrieb am unteren Schloss, das im März 1711 bereits zur Hälfte eingetragen war und mit dessen schwieriger neuer Fundamentierung 2 man schon begonnen hatte, zunächst wieder eingestellt wurde. Erst im Jahre 1723, nach Erledigung langwieriger Lehensauseinandersetzungen mit dem Bayreuther Hof, wird die Arbeit mit der weiteren Abhebung des alten Baues 3 wieder aufgenommen, und dann ziemlich rasch von Johann Dientzen- hofer zu Ende geführt. Heute stehen nur noch die Fundamente des einfachen Baues, der vor einigen Jahren eingelegt wurde; eine vorhandene Rechnung des Estrichschlagers 4 gibt über die Einteilung und Grössenverhältnisse Auskunft. So beziehen sich denn wahrscheinlich auch die ersten vor- 1 Brief a. d. Vizekanzler von 1711, 24. März. 2 Bericht von 1711, 17. April. Man beruft Bergleute aus Kupferberg, «weil auch die fundamenter so dieff in morast müssen gesetzt werden, so werden diese leut wohl zu pass kommen als welche mit dem wasser ab- leuten, durchschneiden, schacht machen, ausfahren u. dgl. wohl verständig und Erfahren sein. Heller bezieht diese Notiz auf den oberen Bau. 3 Bericht des Oberstallmeisters Botenhan vom 21. Aug. 1723. Vergl. dagegen die falsche Nachricht bei Heller: Pommersfelden (in das Königreich Bayern in seinen Schönheiten). •> Bei den Kechnungen des Jahres 1724. 157 händenen Kontrakte 1 2 mit den Steinbrechern und Steinhauern auf den unteren Schlossbau, dessen Grundsteinlegung auf Mitte Mai 1711 3 4 festgesetzt war. Erst der am 18. Juni 1711 mit dem Hofzimmermeister Stephan Rheinländer geschlossene Vertrag 3 kann mit Sicherheit auf das obere Schloss bezogen werden. In der Zwischenzeit (März — Juni) mag also wohl der Gedanke der grossen Anlage ausgereift sein; die definitive Festlegung der Pläne erfolgte erst mit dem oben angeführten Kontrakt vom 11. September 1711. Bald darauf, am 1. Oktober wurde unter grosser Feierlichkeit die Grundsteinlegung in Anwesenheit des gesammten gräflichen Hauses vollzogen. 1 Der Kurfürst selbst, der als Erzkanzler des Reiches die Wahl Karls VI. zu leiten hatte, liess sich durch seinen Bamberger Statthalter Karl Siegmund von Aufsess vertreten. Trotz der Schwierigkeiten der Fundamentierungsarbeiten 5 schritt der Bau rasch vorwärts. Begonnen wurde bei der Kapelle, die unter dem Altar den Grundstein birgt. Schon 1713 war der rechte Flügel unter Dach; am 27. August konnte der Schlussstein des Kapellengewölbes gesetzt werden, ein Ereignis, das «auf Anschaffung des Paters Loyson mit einem Trunk Wein» gefeiert wurde; und am 24. Oktober wurde mit dem Stuckateur abgeschlossen. Inzwischen hatte man auch schon , den Mittelbau in Angriff genommen. Am 28. April, 1714 kann berichtet werden, dass das Gebälk im grossen Saal gelegt wird. Im weiteren Verlauf werden die Statuen und Marmelkamine 1 1710, 6. Okfc. mit d. Sassendorfer Steinbrechern. 1711, 23. Jan. mit Melchior Kurtz von Zeyl. 17ll, 5. Mai mit den Stappenbacher Steinbrechern. 2 Brief vom 8. Mai 1711. Der Kurfürst gedenkt «incognito mit einer einzigen postchese nach P. zu gehen». Aus dieser Notiz kann man, im Hinblick auf die grossartige Feier bei der Grundsteinlegung zum Hauptschlosse, folgern, dass es sich eben nur um das unansehnliche untere Schloss handelte. 3 Derselbe spricht von dem «rechten fliegel mit sambt dem Eck und den mittleren Bau biess zu der grossen haubt Stiegen Mauer und Bavillion. 4 Die für den Grundstein bestimmte Urkunde ist in Kopie noch vorhanden; die einzelnen Teilnehmer sind bei Heller, S. 60 genannt. 5 Brief Loysons von 1715, 8. März. «Die Grundgraber plagen sich mit dem harten Stein im Keller, den sie mit pulver müssen nöthen.» von Cronach geliefert; der Maler Joh. Jak. Gebhard und seine Gesellen rücken an. Die Erbauung und Vollendung des T rep- penhauses fällt in das Jahr 17 15. Es ergibt sich das mit Bestimmtheit aus einem Bericht vom 28. Juni 1715, in welchem es heisst : die schafft von denen stiegenseulen seyndt völlig canullirt, seyndt sehr schön und noch ziemlich starck anzusehen, massen der diameter noch 19 Zoll haltet, die pfeiler aber, worauff die stiegen und seulen zu stehen kommen seyndt dato nur 4 biss 5 schuh ausser dem fundament und wirdt demnach mit völligem aussmauern dieser pfeiler, gewöl- bung der stiegen, aufrichtung deren seulen undt nebengängen umb die stiegen soviel Zeit hingebracht werdten, dass schwerlich vor endt des Augusti an der Stuckatur in der stiegen der anfang zu machen seyn wirdt.' Der Beginn des Treppenausbaues hatte natürlich zur Voraussetzung, dass der Baum bereits unter Dach* stand. Auch die Aussenarchitektur des Mittelbaus ging ihrer Vollendung entgegen, wie aus einem Schreiben des Kurfürsten (von 1715, 2. Juli) erhellt, das die Hoffnung ausspricht, dass man mit der «frontispice undt Setzung des Ghefrons» allschont fertig sei. Desgleichen wünscht der Bauherr bei seiner Ankunft im August die Sala terrena (den Grottensaal im Erdgeschoss) fertig gewölbt zu sehen. Zu gleicher Zeit hatte man, vom April des Jahres 1715 an 1 Diesem klaren Bericht steht eine von Keller (1. c. S. 105) beigezogene Stelle eines Neumann’sclien Briefes vom 30. Sept. 1736 gegenüber, die bei flüchtiger Betrachtung den Gedanken an eine spätere Umänderung durch Neumann aufkommen lässt; es heisst darin: Uebersende untertliänigst die Pommersfelter riss neben den in bley gezeichneten mittleren liaubt- stiegen; wann der form dieser liaubtstiegen gnädigst beliebet, so wollte ich selbene in grösseres Mass mit den Cabinet unter der stigen und blatz mit dem übrigen Ziratli auszeichnen». Aus den vorhandenen Akten (Bericht v. 27. Juli 1736 und Kontrakt vom 20. Mai 1736) ergibt sich jedoch, dass es sich hier um die liaubtstiege der unteren Garten-Terrasse handelte, die im nächsten Jahre 1737 durch den Bamberger Maurermeister Denneviel ausgeführt wurde. Der Ausdruck Kabinet ist auch in der Gartenarchitektur gebräuchlich. Vergl. Joh. Dav. Fülcken, Neue Gartenlust. Verlegt v. Pfeffel in Augsburg. 2 Der erwähnte Bericht v. 28. Juni 1715 hebt rühmend das «tach über den saal und stiegen» hervor, «welches W'egen des gutten Verbindtens undt allzu sichern henclcwerks von allen bauverständigen billig war ein Chef d’oeuvre zu halten». 159 mit der Erbauung des linken Teiles 1 begonnen, dessen Vollendung am 22. November 1716 in der üblichen Weise gefeiert werden konnte. Während man dort noch mit dem Rohbau beschäftigt war, waren im rechten Teile des Schlosses die Ausstattungsarbeiten schon im vollen Gang; 2 es waren ein Tapezierer aus Frankfurt, ein Schreiner aus Bamberg und der Stuckateur Schenk, mit dem man auch schon wegen Ausschmückung des grossen Saales verhandelte, fleissig am Werk. In der zweiten Hälfte des Jahres 1716 beginnt der erwähnte Hofmaler Gebhardt seine Arbeit im Treppenhaus: die braun in braun gemalten minderwertigen Fresken mit den Thaten des Herkules. Gleichzeitig mit ihm malten am Plafond des Treppenhauses der Schweizer Rudolf Byss und der Italiener Marchini. 3 Ihre Thätigkeit war bis Ende September im grossen und ganzen abgeschlossen. Auch Rottmeyer von Rosenbrunn, der Verfertiger des Saalfreskos, war bereits anwesend. Indessen schritten auch die Bauarbeiten rüstig fort. Am 6. April 1717 wurde «die Legung des ersteren steines an dem zweyten gebäu zu Ponnnersfelden ganz wohl und allerseihts vergnüglich» gefeiert bei einer wohlbesetzten Mittagstafel, 4 zu der auch der Baumeister Dientzenhofer zugezogen wurde. Es handelt sich hierbei um Erbauung der dem Hauptgebäude gegenüberliegenden S t a 11 u n g s g e b ä u d e. 5 Man scheint daran 1 Am 16. April 1715 ist vom linken Eckpavillon das «Fuessgesimbs und Ein quater daraufgesetzt». Am 28. Juni war der Bau bis zur Fensterbank des 2. Stockwerks geführt. Vom Flügel waren damals nur das Fundament ausgegraben, während der vordere Pavillon noch gar nicht begonnen war. * Am 16. April 1715 werden die Solenhofener Steinhauer entlassen, nachdem sie die Platten in die Gallerie gelegt hatten. 3 Schreiben vom 26. Juni 1717 «ferner vernehmen wir sehr gern dass die Arbeit der stiege zimlich avanciret und der Byss und marchini die Hoffnung machen, selbe innerhalb 8 Monate oder vielleicht noch ehender in völlig standt zu setzen.» — Marchinis Hauptwerk ist die Ausschmückung des Bruchsaler Schlosses. (Siehe: J. Wille. Bruchsal. 2. Aufl. Heidelberg 1900, S. 58.) 4 Ergötzlich ist der Bericht hierüber:. Nach vollendetem mittagmahl und da der wein die geister etwas ermuntert hatte, bekam der Boxpfeiffer auch seine arbeith; und lauffete alles gar wohl ab, ausser dass der von Gaalen, den der wein auf die erde hat fallen lassen den andern morgen mit einem blauen aug nach haus reiten müssen (Brief vom 9. April 1717). 3 Heller 1. c. bezieht diese Nachricht irrtümlicher Weise auf «den linken Seitenflügel», der wie wir sahen, bereits im Nov. 1716 vollendet war. — i6o — ziemlich hastig gearbeitet zu haben ; denn schon Ende Juli findet der Statthalter Herr v. Ehrthal bei seiner Inspektion 1 «den Stallungsbau ziemlich avancirt», wobei er aber nicht unerinnert lassen kann, «dass der mittlere ovalsall dem modell und riss gemäss nicht angelegt ist, sondern allbereits um 3 Schuh zu breit heraus gegen den hof gelegen ist, folglich sowohl das rechte oval in dem Stall nicht heraus kommt, als es auch sonst in dem oberen Stockwerk wegen der Einteilung eine confusion gibt». Obwohl diese Unregelmässigkeit mit geringen Kosten (10—12 fl.) durch Eintragung der hinteren, nach der Bassecour (cf. das Profil bei Kleiner Tafel 1) abfallenden Mauer hätte beseitigt werden können, bestimmt doch der Kurfürst, in der Erwägung dass «dieser Ort ein solcher sei, so von der herrschaft wenig und gar selten werde besucht und noch sich darinnen viel aufgehalten wird,» man solle es nur dabei lassen, und damit wie angefangen, fortfahren. 2 Dabei geht es allerdings nicht ohne Rüge für den Baumeister ab. Man hatte ferner in Vorschlag gebracht, den Terrainunterschied zwischen dem oberen und unteren Hof dadurch auszugleichen, dass man unter den oberen Stallungen Kellergewölbe für den Gärtner anlege, um dadurch die Aufschüttungskosten zu sparen. Der praktische Sinn des Bauherrn lehnt dies ab, «inmassen solches (das Wölben) wegen beständiger Nässe und Durchschlagung ein übles Ende nehmen könne». Nach dieser Periode ausführlicherer Berichterstattung sind wir lediglich auf kürzere, verstreute Notizen angewiesen. Die Hauptbauzeit ist ja auch vorüber, es handelt sich nur noch um die Nebengebäude: die unteren Stallungen für das Grossvieh, die seitlichen Gebäude wie Wachraum, Gärtnerswohnung, (Orangerie) Wirtschaftsgebäude und Brauerei, die noch im Laufe der 20er Jahre fertig gestellt werden (z. T. unter Justus Heinrich Dientzenhofer). Bei dem geringen architektonischen Interesse, das diese Bauten darbieten, ist ein näheres Eingehen auf dieselben überflüssig. Die innere. Ausstattung des Schlosses war im Jahre 1718 soweit gefördert, dass die Einweihung der Schloss- 1 Bericht von 1717, 30. Juli. 2 Schreiben vom 3. August 1717. kapelle am 14. und 15. August stattfinden konnte. Die drei Maler sind noch das ganze Jahr hindurch, bis in das 1. Drittel des Jahres 1719 beschäftigt. Byss, Kammerdiener und Kabinetmaler, scheint dauernd an P. gebunden worden zu sein. Nach Loyson’s Tode (Ende Januar 1720) wird ihm das Amt des Baudirektors übertragen, und später wird er mit der Einrichtung der Gallerie betraut. Am längsten verzögert sich die Fertigstellung der salla terrena, deren Ausschmückung dem «Grottierer» Georg Hennicke übertragen worden war. Im November 1723 war auch diese Arbeit vollendet; die dazu benötigten gläsernen Kugeln und Eiszapfen waren in den Glashütten des Steigerwaldes angefertigt worden, die Marmorplatten des Bodens stammen von Mersheim bei Eichstätt. Wenn wir noch die 1727/8 fertig gestellten Terrassenanlagen im Parke, deren Entwurf wahrscheinlich noch auf den damals schon verstorbenen Johann Dientzenhofer zurückzuführen ist, erwähnen, so ist damit im wesentlichen die Anlage besprochen, wie sie die Kleiner’schen Stiche von 1728 1 überliefern. Unter Neumann’s Leitung (von 1729 an) wurden nur mehr nebensächliche, zum Teil jetzt nicht mehr stehende Baulichkeiten (z. B. die im Bericht vom 7. Mai 1736 erwähnten Portale zum Lustgarten) aufgeführt. Inwieweit auch die Innenausstattung auf Dientzen- hofer’s Entwürfen beruht, lässt sich bei dem Mangel von Originalzeichnungen nicht mit Bestimmtheit sagen. Es gewinnt den Anschein, als ob der Baumeister doch nur den Rohbau geliefert habe und die Räume dem Stuckateur und Maler zur selbständigen Ausschmückung überlassen worden seien. Zur Begutachtung wurden ihm die Pläne allerdings vorgelegt. So berichtet u. a. Loyson in dem zitierten Brief vom 8. März 1715: «Gestern ist der Herr Daniel Stukkaturer kommen. Ich 1 Wahrhafte Vorstellung beyder Hochgräll. Schlösser Weissenstein ob Pommersfeld und Gaibacli.nach denen von dem Ingenieur Salomon Kleiner verfertigten Zeichnungen in Kupfer gestochen und herausgegeben auf Kosten und Verlag Jeremiae Wolffens seel. Erben in Augs- purg 1728. war Eben ahm Saalausmessen, dazu Er mihr sogleich geholfen und wills nach seinen Gedanken Einrichten . . . . wegen dem saal meinte Ich sollte auch d. H. Baumeister vernommen werden und seinen riss darnach einschicken.» Aehnlich schreibt Ehrthal: «nichts destoweniger könne der Stuccaturer seine arbeit allda anfangen; den riss von denen seulen in den Saal habe Herrn Pater Loyson und dem Baumeister zugestellt, haben beiderseits daran nichts zu erinnern gefunden.» Ueber die Gesammtkosten des Hauptbaues, wie sie von 1711—21 angelaufen waren, gibt uns eine erhaltene Abrechnung des Zahlamts vom 12. August 1721 Aufschluss: es wurden ausbezahlt aus dem kurfürstlichen Privatvermögen an die Bauleitung (Pater Loyson und Ambtmann) 1 rhein. fl. 122859 ll 1 /* kr. an die Tapezierer „ 8246 30 „ an Gnadengeldern und sonstigen Auslagen „ 53335 Sa.: fl. 184340 41 l / 4 kr. Diese Summe war bereits 1722—23 vollständig gedeckt durch Einbehaltung des jährlichen kurfürstlichen Deputats von 9000 fl. und diverser Baarassignationen im Werte von 75750 fl. 48 ‘/ 2 kr. i Davon entfallen auf Maurersarbeit (Palier Abraham Mayer) 1712 . . . . 3736 fl 36 kr. dl. 1713 . . . . 5573 » 22 » 1 1714 . . . . 5036 » 24 » 1 1715 . . . . 4380 » 29 » 2 1716 . . . 4590 » 45 * - 1717 . . . 3564 » 36 > - 1718 . . . . 2625 » 48 » 3 20/24 1719 . . . . 1510 » 39 30888 fl. 23 kr. 2 20/24 1711/12 1716 32604 fl. 23 kr. 2 20/24 Dientzenliofer quittiert am 10. Okt. 1725: über: 25052 fl. 21 kr. v. P. Loyson vermöge Büchleins erhalten 320 » in Gold 480 » von Nitschke 25852 fl. 21 kr. i63 Die E i n z e 1 b e t r a e h t u n g des Schlosses hat sich zunächst mit der G r u n d r i ss e ntf al t ung desselben zu beschäftigen und die Frage zu lösen, welche Bedeutung in dieser Beziehung dem Pommersfeldener Bau zukommt. Wir haben in der Einleitung gesehen, in welcher Weise man zu Ende des 17. Jahrhunderts die Aufgabe des Lustschlossbaues löste: Schloss Seehof zeigt noch die um einen quadratischen Hof gruppierte geschlossene Anlage. Das Fuldaer Schloss bringt bereits unter Beibehaltung derselben eine Differenzierung in Haupt- und Nebengebäude. Pommersfelden endlich löst die letzteren vollends ab und bildet beide Teile in gänzlich selbständiger Weise durch. Der Hauptbau wird in Form des Tricliniums errichtet; ein mächtiges auf beiden Seiten weit vorspringendes Risalit nimmt die Mitte ein, vier Eckpavillons beleben die Seitenflügel. Dies ist das Grundschema, wie es fortan für die grösseren Schlossbauten (Kleinheubach, Würzburg, Münster) massgebend blieb. In der Anordnung der Pommersfeldener Stallungsgebäude, die dem Hauptbau im Halbrund gegenüberliegen und den grossen Hof nach der andern Seite begrenzen, liegt noch eine Reminiscenz an die frühere geschlossene Anlage. Später wird auch sie beseitigt, indem man die Stallungsgebäude seitlich verlegt (Kleinheubach) und so die seitherige Hofseite auch zur Hauptschauseite des Schlosses gewinnt. Mit dieser Entwicklung scheint die Ausbildung in Frankreich parallel zu laufen. Dass der Pommersfeldener Typus dort in voller Klarheit vorgebildet gewesen sei, konnte ich nicht feststellen ; jedenfalls ist aber die Behauptung, dass Versa i 11 es dem fränkischen Schlosse zum Vorbild gedient habe (Heller) in dieser Allgemeinheit unrichtig. In der Gesammtdisposition kann kaum eine grössere Verschiedenheit obwalten als zwischen Pommersfelden und Versailles. Nur allgemeine Gesichtspunkte können eine vergleichende Heranziehung der grossen französischen Anlage rechtfertigen. Dabei kommt zunächst in Betracht die landschaftliche Lage, 1 in mässiger Entfernung von der Stadt, abseits der 1 Vergleiche die Vorschriften Blondel’s (1685) in Dohme Studien zur Architekturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts. Zeitschrift f. d. bildende Kunst (Jhrgg. 1878). grossen Heerstrasse, in etwas hohem Flachlande, um für Terrassenbildung das geeignete Gelände zu haben. Ferner erforderte die Uebernahme der französischen Etikette bestimmte stets wiederkehrende Räume, wie Paradezimmer, Antichambres, Gallerie etc. In der Ausstattung dieser Gemächer suchte man dann wohl dem Versailler Vorbild mit bescheidenen Mitteln nachzueifern. Nur mit dieser Beschränkung, nicht im Sinne einer sklavisch getreuen Nachahmung (wie etwa in Herrenchiemsee), könnte man allenfalls von Pommersfelden als dem Versailles des Bamberger Bischofs reden. Von anderer Seite (Gurlitt 1. c. S. 326) wird auf den Einfluss hingewiesen, den Deckers «fürstlicher Baumeister» auf den Dientzenhoferschen Bau ausübte; zeitlich ist dies nicht ausgeschlossen; 1 gegenüber der Decker’schen Grundrissentfaltung zeigt aber das Pommersfeldener Schloss eine viel freiere, wenn auch im Detail vereinfachte Gestaltung. In der Aussenarchitektur hält sich D. an die französischen Bauregeln: 2 3 sowohl an der, nach den Vorschriften der Bienseance und Ordonnance in 3 Vor- und 2 Rücklagen gegliederten Gartenseite des Hauptbaues (Corps de Iogis) als an der Hofseite (Tafel 7) ist die Rangordnung der tragenden Glieder: Säule, Pilaster, Lisene, je nach der Bedeutung des zu schmückenden Bauteils, beibehalten. Auch die Abstufung der Fensterformen nach Stockwerken in: Rundbogen, Korb oder Stichbogen, gerader Sturz ist im wesentlichen der Regel gemäss befolgt. Der Mittelbau der Parkseite ist durch ein wappengeschmücktes Giebelfronton ausgezeichnet, das auf Pilastern ruht; desgleichen sind die Pavillons und Rücklagen durch einfache Pilasterstellungen in rythmischer Gruppierung belebt. Als Gentralpunkt der ganzen Anlage ist das Mittelrisalit der Hofseite durch einen Säulenaufbau mit breitlagerndem Giebel gekennzeichnet. Alle vertikalen Bauglieder ruhen auf dem als Sockel ringsum geführten Erdgeschoss, dessen Funktion als tragender Unterbau durch die Betonung 1 Die Vorrede dieses Werkes, das bei Jeremias Wolff in Augsburg erschien, ist datiert Nürnberg 30. Mai 1711 ; es kann also noch vor der Festlegung der Pommersfeldener Pläne erschienen sein. 3 s. Schumann Barock und Rokoko 1885. 165 der Horizontalfugen ausgesprochen ist. Diese Anordnung ist für den Palastbau jener Zeit typisch: «die grosse Platte, die denselben (den hohen Grundbau) mit einig anderen Gliedern krönet, deutet den Fussboden des anderen Geschosses an.» 1 Wir finden sie gleichzeitig sowohl in der französischen wie in der italienischen Baukunst. An den beiden Flügeln der Hofseite öffnet sich das Erdgeschoss zu einer Arkadengallerie. — Trotz der zusammen - fassenden Pilasterstellungen ist die Horizontaltrennung der einzelnen Stockwerke durch Gurtgesims beibehalten. Die einfachen, elegant profilierten Fenstergewände mit den wechselnden Giebelverdachungen sind in grünlichem dunklen Zeyler Sandstein ausgeführt. Nur am Mittelrisalit tritt reicherer plastischer Schmuck hinzu; charakteristisch erscheinen die ohrenartigen Ansätze an den oberen Fensterecken und die Kartuschen als Schlusssteine der flachen Bogen; die Giebelverdachungen, im ersten Stock in geschwungenen Formen gezeichnet, sind im zweiten Stock mit antikisierenden Idealbüsten bekrönt. Das verwendete Ornament zeigt schwere Detailformen, deren Charakter sich in den Säulenkapitellen bis zur Derbheit steigert. Die Akanthusranke erscheint nur noch in den Giebeldreiecken als Füllung. Guirlande und Blütenkette dienen in Verbindung mit figürlichem Schmuck zur Auszeichnung des Mittelfensters. Das Arkadenmotiv des Hauptbaues ist als Blendbogenreihe zur Belebung des elliptisch ausgebauchten Stallungsgebäudes verwendet, über dessen Gebälk eine schwere trophäenge- schmückte Attika sich erhebt. Die Sattelkammer, deren Portal durch Säulenstellungen mit geschweiften Giebelansätzen und plastischem Schmuck hervorgehoben ist, springt im Oval vor ; 2 ein kleiner Glockenaufsatz krönt den Mittelbau. — Durch diese Anordnung der Stallungsgebäude ist für den Blick vom Hauptbau der tiefer liegende Hof, die Basse-cour, mit den schmucklosen Nutzbauten und der Pferdeschwemme in ge- 1 Daviler-Sturm Augsburg- 1747 Ausführl. Anleitung zu der ganzen Civilbaukunst. S. 192. 2 Der innere ovale Saal ist an Wänden und der Decke mit interessanten Fresken ausgestattet. 166 schickter Weise verdeckt. Da ferner die nach rückwärts stark abfallenden Dächer der Stallungen für den seitlichen Anblick unschön gewirkt hätten, ist an den beiden Aussenseiten in den Formen der Hofarchitektur eine Scheinwand bis zur Höhe der Attika aufgeführt. In der Innendisposition kann das Pommers- feldener Schloss gewissermassen als das Prototyp der deutschen Schlossanlage des 18. Jahrhunderts gelten. Der Mittelbau (Abb. 23) birgt in seiner Hofseite das geräumige, bis unter das Dach durchgeführte Treppenhaus; nach dem Park zu liegt im unteren Geschoss der Gartensaal (die salla terrenal, im oberen Stock der Fest- und Repräsentationsraum. Die ständige Bezeichnung des letzteren als salla alla italienne weist auf den Ursprung dieser Anlage hin. In Frankreich, wo man nach dem Vorbild von Versailles in den Mittelpunkt der Schlossanlagen das Paradezimmer mit seiner endlosen Zahl von antisalles und antichambres stellte, war man genötigt, das Treppenhaus in die Seitenflügel zu verlegen. Man gewann dadurch die ununterbrochene grosse Zimmerreihe (enfilade), auf deren Einhaltung man in Deutschland vorerst weniger Gewicht legte; dort war in Folge der Durchführung des Mittelbaus durch alle Stockwerke von selbst eine Vierteilung der in der Regel zweistöckigen Anlage gegeben ; es entstehen vier im wesentlichen gleich disponierte Wohnungen, die als getrennte Appartements dem Fürsten, der Dame des Hauses, den Kindern und den Gästen zugewiesen und erst durch den Mittelbau in Verbindung mit einander gebracht sind. Die Dienerschaft und das Beamtenpersonal w'ohnte in den Dachräumlichkeiten und den Nebengebäuden. In Pommersfelden war gemäss dem geistlichen Stande des Erbauers die Wohnung des Schlossherrn über den ganzen ersten Stock ausgedehnt. Nach einem alten Inventar von 1732 befanden sieh die Gemächer des Kurfürsten 1 soweit sie in gewöhnlichem Gebrauch standen, auf der rechten Schlossseite. Vom Treppenhaus gelangt man zunächst rechts seitlich in die Gemäldegallerie, welche fast die ganze Hofseite einnimmt und zugleich den Vorraum für das ehemalige (mitt- 1 Vergl. den Grundriss in Kleiners Werk. 167 lere) Audienzzimmer bildete. Diesem schloss sich links das Tafelzimmer, rechts das fürstliche Wohnzimmer an, neben welchem der Bequemlichkeit halber gleich das für den Gebrauch bestimmte Schlafzimmer angeordnet war. Das eigentliche Paradezimmer (Tafel 18) mit dem Paradebett liegt in dem linken Teil des Hauptbaues (auf dem Grundriss kenntlich an dem alkovenartigen Anbau); neben ihm befindet sich ein kleines, in den lichtesten Farben gehaltenes Kabinet. Lediglich Repräsentationszwecken dienend, ist dieser Prunkraum besonders prächtig ausgestattet; in seiner bis zur Decke durchgeführten Vertäfelung bietet er ein hervorragendes Beispiel für die geschmackvolle, elegante Art der deutschen Dekorationskunst im zweiten und dritten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. In freier Umgestaltung der besten französischen Vorbilder (Berain) leitet diese Verzierungsweise allmählich zum Rokokoornament über. Die Hauptwand ist durch die Alkovenöffnung und zwei Thüren in natürlicher Weise gegliedert; die Zwischenräume nehmen lisenenartige, gepaarte Pilaster ein, welche erhaben ornamentierte Paneele einschliessen und mit ihrem matt gehaltenen Intarsienschmuck in beruhigendem Gegensatz zu jener etwas aufdringlichen Schnitzarbeit stehen. Der Aufbau des Ornaments zeigt eine gewisse architektonische Struktur; das Gerüst, mit Dekorationsgegenständen wie: Blumenkörben, Lambrequins, Guirlanden, auch figürlichen Zuthaten ausgestattet, ist aus dem uns bereits bekannten Bandwerke gebildet, das vielfach gekreuzt, verschlungen, gebrochen an den Enden aufgerollt, selbst in reicher Weise geschmückt ist; grössere Flächen sind mit netzartigem Gitter überspannt. 1 Dem prächtigen Aufbau der Wände entspricht ein in lebhaften Ornamentformen komponierter, reich eingelegter Fussboden. Jedes grössere Schloss musste in jener Zeit einen oder mehrere, derartig reicher ausgestattete Räume aufweisen; es 1 Von wem diese Arbeiten stammen, ist aus den Akten nicht ersichtlich ; genannt sind zw r ei Bamberger Schreinermeister : Plizner und Servatius. Der erstere (f April 1724) erfreute sich hohen Ansehens beim Kurfürsten (Schreiben vom 8. April 1724); vielleicht dürfen wir in ihm den Verfertiger der Arbeiten sehen. Dass das Schreinerhandwerk damals auch in den kleineren Städten in hoher Blüte stand, zeigen auch noch andere Beispiele (Chorgestühl von St. Michael in Bamberg, von Banz). 168 waren dies die Prachtzimmer, die für die einfachere Ausschmückung der übrigen Gemächer entschädigen mussten. Zwar dürfen wir in Pommersfelden nicht nach dem heutigen Zustand derselben schliessen. Ein Inventar von 1732 ergibt, dass die meisten Zimmer des ersten Stockes mit wertvollen Tapeten, entweder Damast oder Leder, und mit kunstreich geschnittenen Zierleisten ausgestattet waren; einige hatten Gobelinschmuck («holländisch gewirkte Tapeten mit grossen Figuren und Schlachten»), Berühmt war namentlich das Tafelzimmer, auf dessen Ledertapeten in grossen Figuren der Einzug des Königs David mit dem Haupte Goliaths dargestellt war. — Zum ständigen Schloss-Inventar gehörte ferner das «indianische Zimmer» auch Spiegel- oder Porzellan-Kabinett genannt. Hier speicherte die Freude an ausländischem Porzellan endlose Mengen von Vasen und Figürchen orientalischen Ursprungs auf, die mittels zierlicher Konsölchen an den Wänden in dekorativer Weise angebracht, den ohnehin reicher ausgestatteten Raum in eine Art Kuriositäten-Kabinett umwandelten. In Pommersfelden befindet sich dasselbe im rechten Eckpavillon der Parkseite. Der kleine Raum ist mit einer erdrückenden Fülle von Ornamentmotiven überladen; jedes freie Fleckchen ist übersponnen, selbst der Fussboden wird in das allgemeine Rankengewmge mit einbezogen ; er muss sich eine kostbare Zinneinlage gefallen lassen. So lange die Dekoration 1 rein ornamental gehalten ist, kann man ihrem freien und doch vdcder streng symmetrisch gebundenen Flusse die Anerkennung nicht versagen; aber gerade hier macht sich auch die Vorliebe für das Groteske in unangenehmer Weise bemerkbar ; auf den Ornamentranken gewahrt man alle möglichen Phantasiegestalten : Indianer mit Federkopfputz, Zwerge mit ungeheuer langen Nasen, Harlekins bilden eine wuirdige Ergänzung zu den auf den Konsolen stehenden Pagoden, an denen der verirrte Geschmack der Zeit besondere Freude hatte. Erfreulicheren Anblick bot die Gemälde-Gallerie, wie sie in keinem Schlosse neueren Stils mehr fehlen durfte. Aber auch hier trat mehr die Sammlerfreude, die sich nicht 1 Vergl. die ähnlichen Zeichnungen bei Decker, fiirstl. Baumeister Tafel 47. 169 genug thun kann im Zusammenbringen von Kunstschätzen, als die Vorliebe und das Verständnis für das einzelne Kunstwerk zutage. Die entsprechende Tafel des Kleiner’schen Werks zeigt, dass die Wände (sogar die Fensterwand mit dem denkbar schlechtesten Licht) völlig, vom Fussboden bis zum Plafond, mit Gemälden bedeckt waren. Massgebend für die Anordnung waren nicht künstlerische oder gar historische Gründe. Das Format und die Symmetrie wmren bestimmend, wie ja auch die Bestellung solcher Werke häufig von der künstlerischen Qualität völlig absah und nur die Grössenverhältnisse vorschrieb. Um möglichst gutes Licht zu gewinnen, ist dieser Raum durch zwei Stockwerke hindurchgeführt. 1 2 Was die Verteilung der übrigen Z i m m e r anlangt, so sind die grösseren in den Pavillons untergebraclit. Wohn- und Schlafzimmer wechseln in ziemlicher Regelmässigkeit mit einander ab; zu jedem Komplex von vier bis fünf Zimmern gehört ein schmales Dienerzimmer. Die Verbindung der Räume untereinander wird — ein Fortschritt gegenüber der französischen Schlossanlage — durch Korridore s vermittelt. Geheime Treppen (degagements) sollen auch von diesen Gängen möglichst den Verkehr der Dienerschaft ablenken. Die Haupttreppe zu entlasten, ist ausserdem noch in jedem Seitenflügel ein grösserer Aufgang angelegt.. — Derzwmite Stock (Abb. 22) zeigt im wesentlichen dieselbe Disposition, nur sind hier die Räume des Mitteltraktes in einfenstrige Zimmer aufgeteilt, deren Tiefe um die Breite eines mittleren Ganges verkürzt ist. Die Kapelle befindet, sich im Erdgeschoss des rechten Gartenpavillons, ein ■einfacher, ziemlich niederer Raum, mit drückendem Gewölbe. 3 In halber Höhe befindet sich die Loge für die Herrschaft, zugänglich durch eine Wendeltreppe vom ersten Stock her. 1 Die ehemalige Gallerie barg zahlreiche Meisterwerke der verschiedensten Schulen. Schon frühzeitig genoss sie den Ruf einer der vorzüglichsten Privatsammlungen Deutschlands: König Friedr. Willi, von Preussen, der Markgraf von Ansbach und hochgestellte Private lassen dort für sich kopieren (Berichte von 1729 6. April, 1730 25. Okt.). 2 Die links vom Treppenhaus beflndl. jetzt als Speise und Gesellschaftszimmer verwendeten drei Gemächer der Hofseite sind im Inventar als «Vorzimmer» bezeichnet, dienten also auch dem Durchgang. 3 Die malerische Ausstattung stammt von dem Hofmaler Gebhard (1723). 171 In der farbigen Zusammen Stimmung der Zimmer, war der Wechsel zwischen stahlgrün und car- moisin beliebt; ausserdem waren einige Zimmer mit buntem Damast (grün und gelb geblümt, violett, gold, Papageifarben) 1 austapeziert; auch die damalige Modefarbe bleumeurant (blü- merand) fehlte nicht. Fast alle grösseren Zimmer sind noch heute mit reichen Stuckdecken 2 (Tafel 31) ausgestattet. Die Motive ihrer Dekoration sind französischen Vorbildern entnommen, wie sie damals in den zahlreichen Augsburger Nachstichen Verbreitung 3 fanden ; unter den Händen der deutschen ausführenden Meister aber gesellte sich ein derber, handwerks- mässiger Zug der Eleganz der Vorlagen bei. Alle die besprochenen Räumlichkeiten treten in ihrer selbständigen Bedeutung zurück vor dem imposanten Mittelbau (Grundriss bei Gurlitt. 1. c. S. 494) (Abb. 23). Insbesondere das Treppenhaus als der Glanzpunkt der ganzen Anlage zieht die bewundernde Aufmerksamkeit jedes Besuchers auf sich. In der That liegt in demselben eine der bedeutendsten Leistungen der gesummten deutschen Baukunst des 18. Jahrhunderts vor. Weder die Reichshauptstadt Wien, noch die brandenburgische Residenz des ersten Preussenkönigs weisen in ihren gleichzeitigen Palästen ebenbürtige Anlagen auf, und die gleich grossartigen Schöpfungen des B. Neumann sind erst viel später, unter dem Einfluss des Dientzenhoferschen Vorbildes entstanden. Eine ungeahnte Weiträumigkeit und stolze Pracht bieten sich den Blicken des Eintretenden dar, und lassen ihn mit Staunen erkennen, was deutsche Kunst in der verachteten Barockzeit zu vollbringen im stände war, wenn hochherzige Gönner ihrer Gestaltungskraft freien Flug gewährten. Es ist eine auffallende und für den Eklektizismus Dientzen- hofer's bezeichnende Erscheinung, dass er sich bei der inne- 1 Inventar von 1732. 2 Verfertigt von Daniel Schenk, der 1715 (23. Febr.) «wegen bezeigter sonderlicher Geschicklichkeit, Fleiss und Application» zum churmainzer Hofstuckateur ernannt wird. (Dekret d. Mainz. Stadt-Archiv.) 3 Vergl. Guilmard, Les maitres ornemanistes. Paris 1881 Tafel 33. 151. 152. ren Ausgestaltung des Treppenhauses offenbar von einem Renaissancegedanken leiten liess; der Arkadenhof des Frührenaissancepalastes ersteht noch einmal zu später Blüte inmitten einer gänzlich barocken Anlage, durch barocke Zuthaten und Zierformen dem Ganzen harmonisch eingegliedert. In der Folgezeit muss die belebende Differenzierung des Raumes der schweren Wucht einheitlicher Durchbildung weichen. Die Vorliebe für grossartige Stiegenhäuser ist italienischen Ursprungs; der Eintretende soll mit einer Pracht empfangen werden, 1 die nur noch im Hauptsaal überboten werden kann. Der deutsche Baumeister trägt kein Bedenken, seiner im wesentlichen auf französischen Anregungen basierenden Schlossanlage einen spezifisch italienischen Bauteil, das Prachttreppenhaus, einzufügen; er versteht es, die verschiedenen Teile in organischer Weise mit einander zu verbinden und zu einem neuen einheitlichen Ganzen erstehen zu lassen. Die Treppe selbst ist in zwei Läufen um ein rechteckiges Auge nur bis zur Höhe des ersten Stockes emporgeführt; sie dient lediglich der Verbindung mit dem Hauptsaal, während die Kommunikation mit den oberen Geschossen durch die beiden verborgenen Treppen neben dem ovalen Vorsaal bewerkstelligt wird. Rings um den eigentlichen Treppenraum laufen Gallerien, die im Erdgeschoss in wuchtigen Pfeilerarkaden, im ersten Stock in einer architravierten Säulenstellung mit gepaarten kannelierten Säulen, im zweiten Stock in Rundbogenarkaden nach dem Innenraum sich öffnen Die Stützen sind in unregelmässigen Intervallen verteilt. Die ansteigenden Treppenläufe (Tafel 19) und das oberste Podest, beide auf sichtbaren Bogenstellungen ruhend, sind in geschickter Weise zu einem reich geschmückten Portaldurchgang ausgestattet, der nach dem tieferliegenden Gartensaal führt. Das hierbei zur Verwendung gelangende Triumphbogenmotiv setzt sich auch an den oberen Geschossen in den abwechselnden Stützenstellungen fort, wodurch für die ausgedehnte Breitseite rythmische Belebung geschaffen wird. Freilich führt gerade diese Ungleichheit der 1 Es liegt hierin eine gewisse Spekulation, der Yasari (Mil. I. 147) ganz offenen Ausdruck verleiht: vogliono le scale in ogni sua parte avere del magnifico, attesoche molti veggiono le scale e non il rirnanente della casa. 173 Zwischenräume im obersten Stock zu einem empfindlichen Fehler dadurch, dass die Bogenansätze bei gleicher Scheitelhöhe, aber ungleichem Radius recht unschöne Winkel zu einander bilden. Die Ausschmückung des Treppenhauses (Tafel 20), ist soweit sie aus echtem Material (grünlichem Sandstein) besteht, von einer erfreulichen Feinheit und Zurückhaltung. Grösseren Ornamentschmuck zeigen nur die Balustradenpostamente; die reich gegliederten Docken des Geländers sind an Mittelteil und Fussgesims mit überhängendem Blattschmuck geziert. Es liegt in der Natur des Materials, dass diese Ziermotive, in Stein ausgeführt, nicht den graziös spielenden Charakter zeigen, der ihnen als Stuckdekoration eignet. Die Profilierung ist an allen Teilen mit grösster Schärfe und Sorgfalt gearbeitet; charakteristisch erscheint, dass geradlinige Flächen mit sauberer Schar- rierung bedeckt sind; tiefe Unterschneidungen geben von dem technischen Können der Steinhauer gutes Zeugnis. Eine Eigenart, die sich fast bei allen Dientzenhofer'schen Bauten nachweisen lässt, ist die Bildung der attischen Basis, über deren oberem Wulst noch ein dritter kleinerer eingeschoben ist. Die Schwellung und Kannelierung sind mit feinem Formgefühl durchgeführt. Auf den Postamenten sind als Leuchterträger reizende Putten und köstliche Vasen 1 teils mit rein ornamentalem, teils mit figürlichem Schmuck, aufgestellt. Die Auszierung der oberen Stockwerke und des Durchgangsportals ist der Stucktechnik (Tafel 19) überwiesen, die zugleich manche Härten der Architektur zu verdecken bestimmt ist. So z. B. findet die gedrückte Linie des 1 Leider ergibt sich aus den Akten nichts über deren Herkunft. Heller nennt als Bildhauer, die für Pommersfelden thätig waren, den «Joh. Peter Benckert, der sich in Berlin und Sanssouci so viel Ruhm erwarb, und Schott, von welchem wahrscheinlich die kolossalen Figuren am Haupteingang stammen». Es ist nur eine Vermutung, die sich auf Stilähnlichkeit gründet, wenn ich glaube, die Treppenskulpturen dem in Ebrach und Banz nachzuweisenden Balthasar Estenbauer aus Würzburg zuschreiben zu können. In Würzburg hat ja auch diese liebenswürdige Gattung der Steinplastik die beste Nachahmung in den Putten des Hofgartens (von Johann Peter Wagner) gefunden. In den Akten (Mainzer Archiv) ist ausserdem (1720 10. Dzbr.) ein Bildhauer Burkhard Zamels genannt, «der einige Jahre lang Bildhauerarbeiten für Pommersfelden verfertigte » 174 aufsteigenden Treppenbogens ihre Ausgleichung in entgegengesetzter Schwingung in dem volutenartigen Stuckaufsatz, der ihren Fluss zur geschmeidigen S-Form ergänzt. Gleichzeitig als scheinbare Stützen der obersten Treppenpostamente dienend, umsäumen diese Aufsätze den Mittelbogen, dessen Schlussstein durch ein dekorativ drapiertes Löwenfell mit ihnen in Verbindung gesetzt ist. Zeigt sich schon in dieser Anordnung eine stark nach malerischen Effekten haschende Kunstweise, so tritt diese Tendenz noch mehr zutage bei den phantastischen Säulenkapitellen {Tafel 21) des ersten Stockes und den Pfeilerarkaden der oberen Gallerie: pelikanähnliche Vögel dienen als Stützen der in korinthischer Grundform gebildeten Kapitelle, während den Arkaden Hermen als Träger der Kämpfer vorgesetzt sind, ein Motiv, das sowohl in der gleichzeitigen französischen 1 wie italienisch-deutschen Kunst vielfach Verwendung fand, und namentlich in den Wiener Bauten Hildebrand’s und Fischer’s von Erlach oft nachzuweisen ist. Theatralische Pose, übertriebene Muskulatur und unruhige Gewandung lassen diese Zwittei’bildungen dekorativer Kunst wenig erfreulich erscheinen. Die stark profilierten Arkadenbögen sind bekrönt von Kartuschen, zu deren Seiten Guir- landenhaltende Putten ihr graziöses Wesen treiben. Die über den Doppelhermen befindlichen Zwickel sind durch schlanke Vasen ausgefüllt. — Allen diesen Motiven begegnet man später in der Neumann'schen Kunst wieder, wo sie, allerdings in eleganterer Durchbildung, eine grosse Rolle spielen. Die Decke, ein hohes Spiegelgewölbe, zeigt zunächst ein .ständig wiederkehrendes Dekorationselement: die gemalte Attika, als Brüstung behandelt, von der alle möglichen allegorischen und komischen Gestalten in buntem Wechsel malerisch gruppiert, in den Treppenraum hinabsehen. Dahinter baut sieh, in matten Farben gehalten, eine Idealarchitektur auf, die allmählich in die heitere Welt der Olympier überleitet. Gewöhnlich liegt derartigen grösseren dekorativen Aufgaben eine Gesammtidee zu Grunde; das Thema wird aber nicht eng gefasst; es gibt dem Maler reichlich Gelegenheit, sich in erträumten Sphären des Orients und der antiken Mythe zu ergehen. 1 z. B. Chäteau de Cheverny, Salle des Gtardes. 175 Die Darstellung der vier Weltteile ist besonders beliebt. Nach dem Inventar ist in Pommersfelden dargestellt, «wie die Sonne die Weid also die Tugend die Menschen zieret, welches durch die vier theill der weld und des Firmaments in mehr als 100 Figuren sehr laborios in fresco vorgestellet». Leider wird die geschickte Komposition und Zeichnung durch allzu grelle Farben beeinträchtigt. Beim Austritt zum obersten Treppenpodest erweitert sich der umlaufende Gang zu einer halbovalen tiefen Nische (Tafel 22), welche durch ein zusammenfassendes ganzovales Kuppelgewölbe zu einer Art Vorsaal ausgestaltet ist und auch in ihrer entsprechend reicheren Ausstattung deutlich diese Bestimmung verrät. An der Bückwand durch gepaarte Pilaster und Statuennischen gegliedert, trägt der kleine Raum an Hohlkehle und Decke die reichsten Stuckverzierungen : in festlichem Gepränge hängen, von schwebenden Genien und Putten gehalten, Drapierungen und Guirlanden von der Decke herab, deren im Oval sich öffnendes Mittelfeld vom obersten Treppenpodest aus einen reizvollen Durchblick auf ein an der Rückwand des Obergeschosses angebrachtes, sonst nicht sichtbares Fresko gewährt. Durch solche künstliche Spielereien, die wohl von der Altarausstattung übernommen sind, sollte der Eintretende überrascht werden; durch die Büste des Schlossherrn, die über der Supraporte der Saalthüre angebracht ist, ward ihm der erste Will- kommgruss geboten. In den mit köstlich feiner Ornamentation versehenen Nischen haben Statuen antiker Gottheiten Aufstellung gefunden, die in ihrer schematischen Durchbildung keinen selbständigen künstlerischen Wert beanspruchen, sondern sich dem architektonischen Gesammtbild unterordnen. Nach der abgeglichenen Pracht des Treppenhauses wirkt die aufdringliche unruhige Architektur des grossen Marmorsaales (Tafel 23), in den man vom Vorsaal gelangt, wenig erfreulich. Die Gliederung der Längswand in Vor- und Rücklagen kommt kaum zur Geltung; sie scheint fast nur zu dem Zwecke angeordnet, um die Tiefe für die Säulenstellungen zu gewinnen, die zusammen mit den vier Ecksäulen und den flachen Pilastern die Wände in schmale Streifen zerlegen. Entsprechend den ovalen Fenstern der Gartenfront sind diese 176 kahlen Zwischenwände in ihrem oberen Teile mit gleichge- formten Rahmen versehen. Echtes Material kam nur in den hohen marmornen Säulenpostamenten und Kaminen zur Verwendung, während die Säulen selbst aus Stuck gebildet sind und messingene resp. bronzierte Basen und Kapitelle zeigen. Die nüchterne Wirkung, die der Raum heutzutage in seiner zerstreuten Farbenstimmung ausübt, kann dem Erbauer nicht zur Last gelegt werden; denn wir wissen, dass ein reicher Schmuck der Wände vorgesehen war . 1 ln drei Reihen hingen ehedem die Gemälde übereinander: über den noch jetzt vorhandenen kleinen Wandtischchen waren in prächtigen Stuckrahmen die Familienbilder angebracht, darüber mythologische Szenen, durch Kartuschen verbunden mit den ovalen oberen Gemälden. Im Zwischenraum zwischen diesen letzteren und dem abwechselnd rundbogig und geschweift gebildeten Wandabschluss baute sich ein trophäenartiges Schmuckstück auf. Ausserdem gewahrte man über den beiden seitlichen Kaminen mit ihren schweren Stuckaufsätzen zwei grosse Bilder in Hochformat. — Dieser fast überreiche Wandschmuck stand im Einklang mit der überladenen Ausschmückung des Deckengewölbes, das mit Stuck und Freskomalerei ausgeziert ist. Eine scharf ausgesprochene Trennung zwischen Decke und Wand durch ein rings umlaufendes Kranzgesims (Corniche), wie sie die französischen Theoretiker für unerlässlich hielten, fehlt. Die Decke ruht nach Art der Hängekuppel auf den, zwischen den einzelnen Gebälkstücken gespannten Bögen, durch welche die Last der Decke scheinbar auf die tragenden Stützen übergeleitet wird. — Auf den weit vorspringenden Konsolengesimsen des Gebälks ruhen bronzierte Gipsfiguren (Jahreszeiten?) und schildtragende Putten. Bei Ausschmückung der Hohlkehle kommt Malerei und Stuckplastik zu reichster Verwendung : vier grössere allegorische Gruppen (Weisheit, Gerechtigkeit, Tugend, Liebe) nehmen die Mitte ein, die übrige Fläche ist mit den schon bekannten Motiven bis zum Ueber- druss ausgestattet, wobei die farbige Wirkung leider heutzutage durch die aufdringliche Bronzierung der Vasen und das 1 s. Kleiner. 1. c. 177 Anlaufen der vergoldeten Teile sehr geschädigt ist. Am Spiegel des Gewölbes prangt ein allegorisches Gemälde, 1 das in formgewandter Manier und in heiteren Farben zur Darstellung bringt, «wie die Weisheit und das gute Gewissen über die Laster triumphieret». Dem grossen Marmorsaal entspricht im Erdgeschoss, der allgemeinen Regel gemäss, der nach dem Park in sieben Glas- thüren sich öffnende Gartensaal (Grotte, salla ter- rena). Die Mode verlangt es, dass die Wände hier mit allen möglichen glänzenden Gesteinsarten wie Krystall, Marienglas, Muscheln, Tropfsteinen etc., die zu phantastischen Gebilden vereinigt sind, ausgeschmückt wurden. Reichliche Wasserkünste sorgten für Kühlung des Raumes, dessen Längswände durch zwei übereckstehende Pfeiler mit überlebensgrossen Figuren in einen grösseren Mittel- und zwei Seitenteile zerlegt sind. Die Pfeilerform hängt wohl mit dem Wölbungssystem zusammen, das in seiner Konstruktion an die Banzer Kirche erinnert. Die dekorative Ausstattung der Gewölbe gleicht ihrem Stile nach der des oberen Saales, wobei es jedoch auffällt, dass der allgemeine Charakter des Ornaments durch Hinzufügung des grotesk-komischen Elements und durch gröbere Ausführung 2 stark ins Derbe überspielt. Aus diesem Grottensaal gelangte man ehedem auf eine breite Terrasse, welche in der ganzen Längsausdehnung des Schlosses (ca. 115 m) mit einer Ralustrade abgeschlossen war und in der Mitte durch eine Treppenanlage mit dem ersten Parterre und seinen prächtigen Teppichbeeten in Verbindung stand. War hier der hohen Gartenkunst das Feld zu glänzender Entfaltung geboten, so kam die Architektur wieder zu ihrem Recht in der nun folgenden, vierfach abgetreppten Hauptfontänenanlage, 3 in deren Mitte eine Poseidongruppe Aufstellung gefunden hatte. Mit ihren geschwungenen Ralustraden leitete sie über zum zweiten Parterre, welches im Mittelfeld Teppichbeetschmuck zeigte, während sogenannte Bos- 1 Gemalt von Rottmayer von Rosenbrunn (s. näheres bei Ilg. Fischer von Erlach. Wien 1895. S. 584 ff.). 2 Durch Stuckateur Hennicke. 3 Die Reservoirs befanden sich rechts und links von den Eckpavillons. I 2 178 quets — d. i. in geometrischen Figuren geschnittene Baumgruppen — die beiden äussern Teile einnahmen. Eine dritte Böschung senkte sich zum Boulingrin — einem mit Kugel- Kastanien bepflanzten Rundeil mit Mittelfontäne, das von Taxuswänden eingefasst war. Hatte man noch eine letzte Terrainwelle überschritten, so war man auf dem Niveau der beiden unteren, taxusbesetzten Fischweiher angelangt, deren trennender Mittelweg auf den abschliessenden, massiven Gartensalon hinführte. — Dies war die Anlage, wie sie Kleiner's Stich von 1728 zeigt. Bald nach dem Tode von Lothar Franz wurden unter der Oberaufsicht Neumanns umfangreiche Veränderungen vorgenommen: durch Hinzufügung zweier Fasanerien (nach Plänen Justus Dientzenhofers) 1 gewann der Park an den beiden Längsseiten bedeutend an Ausdehnung. Von dieser kunstreichen Gartenanlage besteht heutzutage nichts mehr; in Anlehnung an französische Vorbilder war sie entstanden, französische Rotten haben sie nach kaum 60jäh- rigem Bestehen wieder dem Erdboden gleich gemacht. Wir können diesen Verlust verschmerzen, denn an ihrer Stelle ist eine prächtige Parkanlage englischen Stils entstanden, wie sie im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts ganz allgemein die Unnatur französischer Gartenkunst zu verdrängen begann. Es ist erklärlich, dass das Pommersfeldener Schloss als die erste Anlage grösseren Stils in Franken zur Zeit seines Entstehens grosses Aufsehen erregte. Schon 1717 (19. Februar) wird der Amtmann beauftragt, «für passagier und frembde, so das neue schloss besehen wollen», zu sorgen, galt es doch als besondere Sehenswürdigkeit, zu deren Besichtigung man sogar von den benachbarten Höfen Ansbach, Würzburg etc. seine Gäste herbeiführte. Im Juli 1730 hatte es den König Friedrich Wilhelm I. von Preussen zu Gast, 2 der sich namentlich über das Treppenhaus bewundernd aussprach. Bekannt ist das -weniger günstige Urteil, welches die Markgräfin Friederike Sophie : s. Schreiben von 1729 30. Nov., welchem ein kleiner Riss beiliegt. 2 Weber-Heidenlieimer. Ein Besuch König Friedrich Wilhelm I. von Preussen und Friedrichs des Grossen bei den Jesuiten in Bamberg (Bamberg). — 179 — von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Grossen, über den Bau fällte. 1 Durch den reicheren Würzburger Schlossbau in den Hintergrund gedrängt, geriet Dientzenhofers Werk bei seiner abgeschiedenen Lage mehr und mehr in Vergessenheit, wenn auch noch zu Ende des 18. Jahrhunderts gewissenhafte Beisende wie Nikolai 2 dem Schlosse ihren Besuch abstatteten und ihm Worte der Bewunderung widmeten. Unsere raschlebige Zeit hat für das entlegene Prachtstück deutscher Baukunst wenig Interesse übrig; die Reisehandbücher sclrweigen und auch die seitherige Kunstlitteratur hat dasselbe — eine kurze Besprechung des Stiegenhauses bei Dohme 3 abgerechnet — noch nicht in gebührender Weise gewürdigt. VIII. Die Schlösser: Kleinheubach, Uhlstadt, Jägersburg; die Kirche in Litzendorf, die Entwürfe für Holzkirchen. Dem Pommersfeldener Schloss in seiner ganzen Anlage verwandt, aber viel einfacher in der Durchführung gehalten ist die Residenz des Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg in Kleinheubach am Main. Ueber die Baugeschichte derselben erfahren wir aus den Akten des fürstlichen Archivs in Wertheim folgendes: Der Hauptkontrakt wurde am 11. September 1723 mit Johann Dientzenhofer abgeschlossen, welcher sich verpflichten musste, den umfangreichen Bau «nach den detaillirten Plänen innerhalb drei Jahre in gänzliche Perfektion und völligen Wohn- stand zu setzen». Als Gegenleistung wurden dem Baumeister versprochen 15 500 fl. in Geld, die in dreimaligen Raten (6000 fl. 1 Memoires de Frederique Sophie Wilhelmine. Markgrave de Bareith 1735. 2. Bd. S. 236 ff. s. Gurlitt 1. c. S. 326. 2 Nicolai: Beschreibung einer Beise durch Deutschland und die Schweiz im Jahre 1781. Berlin 1783 I. Bd. S. 94 ff. 3 D o h m e Studien zur Architekturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts. Zeitschrift für bildende Kunst Jlirgg. 1878 S. 369. i8o pro 1724, 5000 fl. pro 1725, 4500 fl. pro 1726) zur Auszahlung gelangen sollten, und 100 Malter Korn. Ein nachträglicher Kontrakt vom 2. August 1725 gewährt ihm noch 200 Gulden für Errichtung der Hauptstiege. Wie oben mitgeteilt, ist der Meister noch vor gänzlicher Vollendung des Baues gestorben. Mit dem Ausbau wurde darauf am 12. August 1726 ein Baumeister Rischer aus Mannheim betraut: der Akkord lautet auf 6000 fl. Er sollte zunächst den «Pavillon mit der Kirche und Abb. 24. Schloss in Kleinheubach. □ □ o immens* liaHOm vtjfgypWSt,-; - ■; dem Archiv, den schon verhandenen gleichförmig errichten ferner an den Ställen zwei Pavillons fertigstellen», Arbeiten, deren Vollendung sich unter der Oberinspektion des «fürstlich Darmbstättischen Herrn Majors und resp. Oberbaumeisters Mr. la Fosse» bis ins Jahr 1732 hinzogen. — Die Ausschmückung der Bäume durch einfache Stuckaturen wurde dem Meister Johann Wicko übertragen. In Form des Triclinium (Hnfeisenform) angelegt, zeigt das Schloss die übliche Gliederung durch Mittelrisalit und vier Eckpavillons, die jedoch nicht über die Mauerfläche der Flügel 181 vorspringen, sondern nur durch Pilasterschmuck, Giebelfeld und gesondertes Dach als solche gekennzeichnet sind. Das Erdgeschoss ist durch seine Horizontalfugen als Sockel charakterisiert. Nur der Mittelbau (Abb. 24), in dem sich der durch zwei Etagen durchgeführte Marmorsaal befindet, hat auch im Aeusseren eine reichere Ausstattung erhalten: über den drei Portalarkaden des Erdgeschosses erheben sich die Rundbogenfenster des ersten Stockes, deren Sohlbänke mit Blendbalustraden verkleidet sind; ähnlich wie an der Pommersfeldener Parkseite dienen postamentartige Aufsätze als Stützen der ovalen oberen Fenster, die mit einem Kranz von Blüten geschmückt sind. Die Vertikalgliederung ist bewirkt durch jonische Halbsäulen, auf denen ein reich gegliedertes Gebälk ruht; über demselben baut sich eine Attika mit dem fürstlichen Wappen auf. 1 Die architektonisch hervorgehobenen Teile sind aus rotem Mainsandstein gefertigt. Reiche Profilierungen, tiefe Unterschneidungen, vielfach angewandte Scharrierung, endlich das streng durchgeführte Horizon- talzwischengesims sind charakteristische Merkmale für den Stil des Baumeisters. Die Plandisposition gleicht im allgemeinen der in Pommers- felden; an der Hofseite umziehen den ganzen Bau die Verbindungskorridore ; dagegen ist das Stiegenhaus aus seiner zentralen Lage seitwärts verlegt und links von der Einfahrtshalle angeordnet. In seiner Ausstattung erhebt es sich ebensowenig wie der mit Stuckmarmor ausgezierte Festsaal über das künstlerische Durchschnittsmass solcher Innendekoration. 2 Die Einrichtung des bedeutendsten Raumes im Schloss, der Kapelle, ist modern (Fresken von Steinle). Stallungs- und Nebengebäude sind in symmetrischer Anordnung rechts und links seitlich vom Hauptbau gruppiert und schliessen gärtnerische Anlagen ein, so dass die Anfahrt wie in Pommersfelden nach der Seite verlegt ist. Johann Dientzenhofers Name war durch diesen Bau gewiss 1 Verfertigt von dem Würzburger Hofbildhauer Jakob von der Auwera (Abrechnung vom 22. May 1726). 2 Diese Angaben verdanke ich der freundlichen Mitteilung des fürstlichen Bauinspektors in Wertheim. 182 auch im nahen Miltenberg bekannt geworden. Lässt sich auch keines der dortigen Bauwerke mit Sicherheit auf ihn zurückführen, so ist doch die Einwirkung seiner Bauweise bei einigen einfacheren Gebäuden unverkennbar. Wir wissen auch, dass verwandtschaftliche Beziehungen die Familie Dientzenhofer mit Miltenberg in Verbindung brachten. An Schlossanlagen können wir ihm mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit noch die beiden in ihrem Typus nahe verwandten Schlosserin Uhlstadt 1 (Station Langenfeld bei Neustadt a. A.) und die Jägersburg bei Forchheim zuschreiben. Ersteres, erbaut 1718—21, setzt sich zusammen aus einem einfachen dreistöckigen Herrenhause, das, um einen kleinen quadratischen Hof angelegt, gänzlich isoliert steht; den gleich breiten Einfahrtshof umsäumen in symmetrischer Bildung, gegen das vordere Thor zu abgerundet die Wirtschaftsgebäude und Stallungen; in der Achse des Hauptbaues liegt das Hofthor, das aussen von zwei derben plastischen Figuren in tiefen Nischen flankiert wird. Ueber die Plandisposition einer solchen Anlage gibt uns der beistehende Riss 2 zur Jägersburg bei Forchheim (Abb. 25) näheren Aufschluss. Das Herrenhaus, einfach solid in seinem Aeusseren nach dem bekannten Schema — Eeklisenen und Giebelbekröntes Mittelrisalit — gegliedert, scheint im Innern nichts bemerkenswertes zu bieten; die Mitte des untersten Stockes nimmt ein Gartensaal ein, dem im ersten Stock das Hauptzimmer entspricht. Gemäss dem geistlichen Stande des Erbauers Lothar Franz von Schönborn ist der Anlage eine Kapelle eingefügt; trotz geringer Dimensionen und anspruchsloser Ausstattung gelang es dem Baumeister, in diesem Raum eine einheitlich grosse Wirkung zu erzielen, wobei das für Dientzenhofer charakteristische Motiv der abgeschrägten Ecke mit Nische nicht wenig zur Geschlossenheit der Raumwirkung beitragen mag. 1 Jetzt im Besitz des Freiherrn von Frankenstein. 2 Aus der Sammlung Dros. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei erwähnt, dass die drei matt gezeichneten Grundrisse des oberen Teiles die Einteilung der oberen Stockwerke des Herrenhauses vorstellen; ihre Stelle nehmen in Wirklichkeit gärtnerische Anlagen ein. 183 Nach aussen ist der von den Stallungen gebildete Hof, dessen vordere Umfassungsmauern nach innen abgerundet sind, ivf- tiltiXfiljU.'ti-Il- DBJÜÄJII 0 ÜH h, ■a.*,« 11 a S tB b jb i J-t-* r IjÜtjfjB B a Ej g- ji E H 1 k-WU : ^ -fi i > t !• h -.i '.t i < ' <• Abb. 25. Die Jägersbur# bei Forchheim. durch einen grösseren Turmbau mit dem Eingangsthor abgeschlossen. Erbaut wurde die Jägersburg (beute im Besitz des — 184 — Grafen v. Benzel-Sternau) als kurfürstliches Jagdschloss in den Jahren 1720—30. 1 Joh. Dientzenhofers Urheberschaft ist zwar auch hier akten- mässig nicht bezeugt, doch hat es alle Wahrscheinlichkeit für sich, dass er als bestallter Hofbaumeister auch diesen kurfürstlichen Bau auszuführen hatte. Es ist ferner wohl anzunehmen, dass der vielbeschäftigte Baumeister auch bei manchem der einfacheren Kirchenbauten im Bamberger Sprengel zugezogen wurde. Vorerst lässt sich nur die einfache Pfarrkirche in Litzendorf (Tafel 24) diplomatisch auf ihn zurückführen, die, in den Jahren 1715—18 errichtet, ihrem Erbauer laut Originalkontrakt vom 5. August 1715, lediglich die Summe von 2200 fl. fr. und 12 Thalern Leihkauf einbrachte; allerdings musste die Gemeinde sämmtliche Materialien auf den Bauplatz liefern. 2 Der Bau zeigt den merkwürdigen Versuch, die südliche Längswand als Hauptschauseite auszugestalten. Entsprechend den drei Travees des Kirchenschiffs ist sie dreigeteilt: in der Mitte befindet sich in einer, von einem dorischen Säulenaufbau umrahmten Nische, das Hauptportal, mit einer Pieta über dem Thürsturz und den drei, die Leidenswerkzeuge haltenden Engeln auf dem Giebel; die Plastik setzt sich an den beiden Seitenteilen fort, die, von gepaarten Pilastern flankiert, durch zwei grosse Hochreliefs (Auferstehung und Oelberg) ausge- 1 Die Kammerreclinungen ergeben folgende Summen : Man. 1720)1 . . . . 1200 fl. 1721/2 . . . 1200 » 1722/3 . . . . 1952 » 1723/4 . . . . 880 » 2551 » 318 » 17 » 1724/5 . . . . 2551 » 1725/6 . . . . ? 1726/7 . . . . 2990 > 1727/8 . . . . 981 » 1728/9 . . )1000 > • • 1 750 » 1729/30 . . . . 500 » 8 dl. 4 tt 10 dl. 2 tt 24 dl. (f. Schiefer) 16880 fl. 6 tt 42 dl. 2 Frdl. Mitteilg. des Pfarrers Herrn Scheidler in Litzendorf. 1Ö5 zeichnet sind. Die sonstige äussere Ausstattung der Kirche, deren Turm (im unteren Teil Chorraum) vom alten Bau übernommen wurde, ist in ziemlich derben Architekturformen gehalten ; durch die üblichen Statuennischen wurde eine Belebung der Westfapade gewonnen. Aeussert sich schon bei diesem einfachen Bau die Neigung des Baumeisters zu barocken Absonderlichkeiten, so finden wir sie noch gesteigert in der umfangreichen Plangruppe, 1 welche Dientzenhofer gemäss Aufschrift für den projektierten Neubau der Propstei Holzkirchen (Abb. 26) bei Würzburg anfertigte. Da dieselben nicht zur Ausführung kamen, so sind wir auf die von fremder Hand mit Bleistift aufgeschriebene Bezeichnung angewiesen; die Signatur D.’s zeigt zwar nicht seine gewöhnliche Hand; doch stimmt das auf einigen Blättern befindliche Monogramm J. D. H. mit der in den Kleinheubacher Akten vorkommenden Namensabkürzung überein, so dass an der Autorschaft des Meisters kein Zweifel bestehen kann. Die Pläne scheiden sich in zwei Gruppen, in welchen der Architekt in verschiedener Weise das Problem behandelt, einen kirchlichen Raum in organische Verbindung mit anstossenden Gebäulichkeiten zu bringen, die in ungleicher Breite um einen unregelmässigen Hof gelagert sind. Es lässt sich nicht leugnen, dass ihm diese schwierige Aufgabe bei dem einen (nebenstehenden) Entwurf wenigstens bis zu einem gewissen Grade wohl gelungen ist, galt es doch die beiden aus- springenden Conchen der Kapelle in Einklang mit den beiden unter schiefem Winkel sich treffenden Mauerfluchten zu bringen und zugleich eine angenehm überleitende Linie zu gewinnen. Der scharfe Winkel des Hofes ist durch einen einspringenden Halbkreis beseitigt, und dadurch gleichzeitig ein von beiden Flügeln zugänglicher Kapellenvorraum geschaffen. Der Grundriss der Kirche, ist in eleganten Kurvenlinien gezeichnet ; zur Belebung des Innenraumes waren zahlreiche Säulen vorgesehen. An die einspringende Conche sollte nach dem Projekte das Treppenhaus anstossen, durch Säulenarkaden von der Hauptdurchfahrt getrennt. Leise Korrekturen suchen über 1 Würzburger Universitätsbibliothek Del. II. 113—122. kleine Unstimmigkeiten, wie sie durch die Unregelmässigkeit des Grundrisses her vorgerufen sind, hinwegzutäuschen. Weniger gelungen, vom Standpunkt der Inneneinteilung betrachtet, erscheint die zweite Lösung, bei der die Längsrichtung des Hauptflügels zugleich die Axenrichtung der Kapelle gibt; hierdurch entstehen am anderen Flügel unschöne spitzwinkelige Räume. Die Details der Entwürfe lassen erkennen, dass Joh. Dien- tzenhofer als geschickter Zeichner mit den schwierigsten Architekturformen umzugehen wusste. In ihrer Leichtigkeit und Beweglichkeit gemahnen sie an die elegante Formensprache Balthasar Neumanns. Woran ihre Ausführung scheiterte, ist nicht bekannt, vielleicht waren die Projekte dem Propst zu kostspielig, vielleicht auch ist Dientzenhofer noch vor Ab- j. . . —M Abb. 27. Propstei Holzkirchen (Grundriss B. Neumanns). Schluss der Verhandlungen gestorben; wir erfahren nur, dass an ihrer statt zu Ende der zwanziger Jahre ein Entwurf Balthasar Neumanns zur Ausführung kam. Dies ergibt sich aus dem erhaltenen Originalgrundriss, 1 2 der seine Unterschrift trägt. (Abb. 27.) Die Anlage ist bedeutend vereinfacht; an den bestehenden alten Bau schliesst sich, dem Wasserlauf folgend, ein schmuckloser Flügel an, dessen Abschluss eine achteckige Kapelle bildet. Dieser kleine — leider heutzutage in schlimmster Weise profanierte i — Zentralbau ist eine der edelsten und glück- 1 Würzburger Universitäts-Bibliotliek Del. II. 198. 2 Die Kapelle dient als Holzlege. 188 liehsten Schöpfungen des grossen Meisters. Innen als runder Kuppelraum durchgebildet ist er durch acht im Wechsel trapezförmige und abgerundete Fensternischen gegliedert. Den Pfeilern sind auf hohen Stylobaten Säulen als Träger eines reich gegliederten Gebälks vorgelagert. Die Kuppel, durch vier Stichkappenfenster erhellt, ist mit den reizendsten Stuckornamenten geschmückt, welche (ca. 1730 vollendet) 1 noch den Charakter des Bandstils zeigen; erst später geht Neumann zu den ausgesprochenen Rokokoformen über. Das Aeussere, poly- gon, in schönem roten Sandstein erbaut, ist durch Eckpilaster gegliedert; eine Attika krönt das Dach. Die Laterne ist in Form eines kleinen offenen Rundtempels gebildet, dessen kom- posite Säulen starke Schwellung zeigen. Wie so oft, treffen wir auch an diesem Werke die Namen Dientzenhofer und Neumann vereint an. Aber in keinem ihrer Bauten tritt uns so klar die Verwandtschaft ihrer Kunstw r eise entgegen; während jedoch in Johann Dientzenhofer’s Lebenswerk die Entwürfe für Holzkirchen den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit bedeuten, gehört die Neumann’sche Schöpfung der ersten Schaffensperiode des jüngeren Meisters an. IX. Privatgebäude : Concordia und Prellhaus (a. Judengasse 14). Mit den besprochenen Werken des Schloss-, Kloster- und Kirchenbaues ist natürlich die Lebensarbeit der beiden Baumeister noch nicht erschöpft; in welchem Umfange sie sich auch im Dienste Privater bethätigt haben, lässt sich jedoch nur schwer mehr akten- mässig nachweisen. Die lokale Tradition, aufgezeichnet bei Jäck im Pantheon der Litteraten und Künstler Bambergs, w T eist dem 1 Vergl. Amrliein, Geschichte des ehemaligen Benediktinerklosters Holzkirchen. 38. Band des Archivs des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Würzburg 1896. — i8g — Johann Leonh. D. folgende Gebäude zu : das Jud Walther’sche Haus (Distr. III Nr. 1220, heute Eckhaus Pfahlplätzchen und Kaulberg) das Stadtrichter Dangel’sche Haus (Distr. I Nr. 80, abgebrochen, befand sich in der Nähe der Nonnenbrücke) die beiden Böttingerischen Häuser (Distr. III Nr. 1680 und 1690) 1 endlich das Wirtshaus zum blauen Löwen (Distr. III Nr. 1650, Sandstrasse). Von diesen Bauten vermögen nur die beiden Böttinger- häuser, heute Concordia und Prell’sches Haus (in der alten Judengasse Nr. 14) durch ihre reichere Ausgestaltung zu interessieren ; dabei ist aber vorweg zu bemerken, dass ihre schwere überladene Architektur keinesfalls mit der nüchternen Art des älteren Dientzenhofer in Zusammenhang gebracht werden kann; die Datierung 1680 (s. Gurlitt 1. c. S. 328) wie sie für das Prell'sche Haus genannt wird, ist in Verbindung mit J. Leonh. Dientzenhofer unbrauchbar und scheint auch in anbetracht des damaligen tiefen Standes der Bamberger Baukunst nicht wahrscheinlich. Eine spätere zeitliche Umgrenzung der beiden Gebäude gibt die kleine Schrift: Marschalk-Horn, die Judenstrasse und das Pfahlplätzchen (Bamberg. 1884), nach welcher dieselben gleichzeitig in den Jahren 1721—31 (dem Todesjahr Böttingers) entstanden sein sollen. Eine Urkunde vom 14. Juni 1721 besagt, dass Böttinger «zur Erweiterung eines Vorhofes seines unter dem Stephansberg am Regnitzflusse gelegenen Wohnhauses gegen und von dem ad curiam Guntheri (heute oberer Stephansberg 5) gehörigen Gartens, (der sich bis zum Wasser erstreckte) neuerdings wie früher seine Besitzesvorfahren ein Stückchen erkauft habe» . . . Zur Verhaltung gewisser Bedingungen habe er gegenwärtige Deklaration für sich, seine Erben und künftige possessores eingangs ersagten seines neuen hauses auf ewige Zeiten hinausgestellet. Kurz vor 1721 war also das heute der Gesellschaft Concordia gehörige Gebäude aufgeführt worden. Damals stand aber in Bamberg der Erbauer des Pommers- feldener Schlosses Johann Dientzenhofer noch in vollstem Ansehen ; Balthasar Neumann, dem von anderer Seite der Bau 1 Die heute als Böttingerliäuser geltenden Gebäude tragen in einem Verzeichnis der Bamberger Bauten von 1812 die Nrn. 1476 und 1568Distr. III. zugeschrieben wird (Gurlitt, Keller), ist erst von 1729 1 2 an für Bamberg thätig. Aus diesen Gründen und gestützt auf die zu besprechenden stilistischen Aehnlichkeiten glaube ich, in Jo h a n n Dien- tzenhofer den Architekten des Concordia- hauses erkennen zu dürfen. Am augenfälligsten scheint mir die Uebereinstimmung der Formen bei einem Vergleich des Pommersfeldener Mittelbaues (Taf. 17) mit der Hofseite der Concordia (Taf. 25) zutage zu treten. Hier wie dort erhebt sich über dem als Sockel charakterisierten Erdgeschoss die zweistöckige Masse des Hauptbaues, dessen Stockwerke durch das übliche Gesims getrennt sind. Auch die Vertikalgliederung des schwach vorspringenden Mittelstücks ist bei der Concordia ähnlich wie in P. durch vier auf Postamenten ruhende Dreiviertelsäulen (mit dem erwähnten Doppelwulst an der Basis) bewirkt, während die schmalen Seitenteile von Pilastern eingefasst sind. Im Detail vollends herrscht die grösste stilistische Verwandtschaft; ich verweise hier auf die Verbindung der Halbpilaster mit Säule einerseits, Eckpilaster andererseits, auf die derbe Zeichnung der Kapitelle, die Form der Fensterverdachungen und die in der Hauptform ohrenartig abstehende Eckverzierung der Fenster, auf die Durchbildung der Schlusssteine, der Vasen und Büstenaufsätze, endlich auf die Verwendung der Glockenblütenkette als Ziennotiv. — Dem gegenüber ergibt ein Vergleich mit dem etwa gleichzeitig entstandenen Neumann’schen Mittelbau in Ebrach nur geringe Berührungspunkte. Wenn ich mich mit der Zuteilung an Johann Dientzenhofer gegen Gurlitt’s Autorität, der in dem Bau zweifellos ein Neu- mann’sches Werk sieht, wende, so sei hier nochmals darauf hingewiesen, dass die Bauweise der beiden Meister sich oft sehr nahe steht; manche Formen hat der jüngere Neumann direkt von seinem erfahreneren Kollegen“ übernommen. Im allgemeinen ist aber Neumann leichter und gewandter; was bei D. noch 1 1729 stirbt der Mainzer General von Welsch, der bis dahin das Amt eines Bamberger Baudirektors bekleidet hatte; Neumann tritt an seine Stelle. 2 Vergl. die Form der Fensterverdachung in Pommersfelden und am Würzburger Schloss, den Puttenaufsatz der unteren Fenster im Würzburger Mittelbau und am Mittelfenster in Pommersfelden. 191 starre Architekturform ist: (z. B. Eckverzierung der Fenster) wird von Neumann in malerischem Sinne ausgearbeitet (zum Knopf der herabhängenden Drapierung). Die von D. noch manchmal als Zier- und Füllwerk verwendete Akanthusranke wird in dieser Form von Neumann aufgegeben. Am meisten fällt die Stilähnlichkeit beim Neumann’schen Seminarbau für Bamberg auf, bei welchem sie sieh am besten durch die Beiziehung einheimischer, in Dientzenhofer’s Formen geschulter Steinmetzmeister erklärt. Der Grundriss des Goncordiagebäudes setzt sich aus zwei im rechten Winkel aneinander stossenden Flügeln zusammen. Der rückwärtige Teil (Taf. 25) öffnet sich im ersten Stock nach einer balustradenumsäumten Terrasse. Reicher plastischer Schmuck (zum Teil jetzt verschwunden) diente zur Belebung der Höfe. Die innere Einteilung (jetzt modernen Zwecken angepasst) zeigt eine wenig praktische Einrichtung; rechts vom Eingang führt eine breite Treppenanlage mit doppeltem Stiegenlauf zum Obergeschoss, dessen Plafonds Stuckverzierung zeigten. — Schwieriger als bei der Concordia gestaltet sich Datierung und Zuweisung an einen bestimmten Meister beim Prell- haus (alte Judengasse 14) (Tafel 26). Worauf sich die Marschalk-Horn’sche Annahme von der gleichzeitigen Entstehung beider Gebäude gründet, ist nicht zu ersehen. So kann zur Gewinnung einer kunsthistorischen Einordnung des Baues zunächst nur das unsichere Mittel der Stilvergleichung in Betracht kommen. Man ist von vornherein zu der Annahme geneigt, dass sich der gleiche Bauherr — der Hofrat J. J. Böttinger — auch des gleichen Baumeisters bedient habe. Hierfür sprechen nun in der That auch einige stilistische Eigentümlichkeiten in den dekorativen Details, die den beiden Gebäuden gemeinsam sind, z. B. das unvermittelte Herauswachsen der Ranke aus architektonischen Teilen, oder die Durchbildung der Kartusche' des Fenstersturzes und die vollkommene Uebereinstimmung des Portalschlusssteines. 1 Auch die Form der Fenstergewände im Prell- 1 Bei der Concordia an der vertieften Hofseite. 192 haus haben wir bereits bei Dientzenhofer (Thüren des Parade- zimmers in Pommersfelden) kennen gelernt, wie auch die Verwendung von Hermen dort, freilich nur in Stuckplastik, ihr Gegenstück hat. Trotzdem geschieht es nur mit allem Vorbehalt, wenn ich als den mutmasslichen Erbauer des Prellhauses Johann Dientzenhofer bezeichne. Denn es spricht sich in diesem Gebäude eine viel schwülstigere Empfmdungsweise aus, als wir sie an den sonstigen Werken des Meisters wahrgenommen haben. Stilistische Erwägungen ermöglichen es, als ungefähre Enl- stehungszeit für das Gebäude den Zeitraum zwischen Vollendung des Bamberger Residenzbaues und Pommersfeldener Mittelbaues abzugrenzen. Zur näheren Begründung dieser Annahme sei es gestattet, einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Ornaments um die Wende des 17. Jahrhunderts zu geben, wobei in erster Linie die Stuckplastik beigezogen werden muss. Den Ausgangspunkt für die fränkische Dekorationsweise scheint ebenso wie für die Architektur das Kloster Waldsassen gebildet zu haben; die italienischen Stuckmotive des Giovanni Lucchese und des berühmten Giovanni Battista Carlone 1 kehren in unverfälschter Weise in den Arbeiten des Bamberger Stuckateurs Johann Jakob Vogel wieder. Aber der deutsche Meister fügt den italienischen Elementen, die aus dem Kartuschenwerk, der fleischigen Akanthusranke, den eingestreuten r naturalistisch treuen, pflanzlichen Motiven, und der Eichblatt- guirlande bestehen, noch ein charakteristisch deutsches bei: die unruhige kleinblättrige Ranke; die Vorliebe für eingeflochlene figürliche Darstellungen (Putti, Genien, allegorische Gestalten) hat er mit seinen Vorbildern gemein. In diesen allgemeinen Formen tritt uns die Stuckplastik an den Plafonds der Bamberger Residenz entgegen (Tafel 28—30); nur in einem (Tafel 30) derselben regt sich bereits die neue Verzierungsweise, in welcher dem Bandwerk eine überwiegende Rolle zugewiesen ist. In der Banzer Kirche (1714), in der Ebracher Aula (1719) sehen wir dasselbe vollkommen ausgebildet. Während der Pommersfelder Stuckateur Schenk in seiner derben Weise die 1 War aus Mailand berufen worden. Binhack S. 135. — 193 — Motive vergröbert (Tafel 31), erstehen sie unter der Hand des b uldaer Dekorationskünstlers Pozzo 1 2 (Tafel 32) zu neuem reizvollen Leben, durch die zierliche Eleganz ihrer Formen zur Rokokoperiode überleitend. Ein ähnlicher, wenn auch weniger deutlich zutage tretender Entwicklungsgang lässt sich im Ornament der Steinplastik beobachten. In den wenigen Schmuckteilen des Residenzbaues (Giebelfeld, Zwickelfüllung und Fenstersturz) kommt lediglich die volle Akanthusranke zur Verwendung. In Pommersfelden (Postamentfüllungen im Stiegenhaus) (Tafel 20) tritt sie fast ganz zu Gunsten des neuen Bandstils zurück. In die Zwischenzeit nun dürfte die Dekorationsweise (Tafel 26) des Prellhauses fallen: einerseits eine ausgiebige Verwendung des Akanthusblatts, andererseits aber schon das ausgebildete Bandwerk an den Sohlbänken der Fenster. Manche Elemente seiner reicheren Art sind bereits vorgebildet im Residenzbau: ich erinnere nur an die Form der Fenstergewände, die ihre Vorstufe in den Thürgehäusen des hinteren Residenzflügels (Tafel 11) haben dürfte; ein Vergleich der beiden Formen zeigt, in welcher Weise sich der Fortschritt zu grösserer Eleganz entwickelt hat. Auch die charakteristische untere Endigung in einer aufgerollten Ranke lässt sich noch vereinzelt am Prell- haus nachweisen.- Die Verwendung der Büsten und Putti als Fensteraufsätze, erinnert an die gleiche Verzierungsweise am Pommersfeldener Schloss. Die Grundrissgestaltung (Abb. 28) 3 hatte mit der geringen Tiefe des zur Verfügung stehenden Raumes zu rechnen. Die in schiefem Winkel abgehende Gasse zum Stephansberg machte das Zurücksetzen eines Teiles der Fapade um die Breite eines Fensters notwendig. Dieser schmalere Teil enthält ausser einigen unbedeutenden Zimmern das reich stuckierte Treppenhaus, dessen viereckiger offener Kern bis unter das 1 Ein sonst unbekannter Meister Pozzo wird als Verfertiger der Stuckaturarbeiten in der Orangerie genannt, s. G u r 1 i 11 1. c. S. 336. 2 Ein auch sonst vorkommendes Motiv z. B. Bamberg, Hauptmarkt Nr. 14 (Eaulino-Micheh. 3 Der beigegebene Grundriss des ersten Stocks ist verkleinert nach einer Aufnahme des Herrn Architekten Martin in Bamberg, der mir in freundlicher Weise den Plan zur Verfügung stellte. 13 194 Dach geführt und mit einem Gewölbe verschlossen ist. Die Hauptgemächer sind in Hufeisenform um einen quadratischen Hof gelagert, sodass die Verbindung derselben untereinander ehedem nur durch die Räume selbst hergestellt war . 1 Den Hofabschluss bildet in Ausnützung des steil abfallenden Geländes, eine grosse zweifach abgestufte Terrassenanlage, deren einzelne Teile direkt T EWSiE J Abb. 28. Grundriss des Prellhauses in Bamberg (a. Judengasse 14). vom ersten resp. zweiten Stock zugänglich sind und durch eine grosse. Freitreppe untereinander in Verbindung stehen. — Das Erdgeschoss ist durchgehends gewölbt; ein kleiner, durch hohe Mauer nach aussen abgeschlossener Seitenhof diente praktischen 1 Der Steg, der jetzt vom Gang direkt zum rechten Seitenflügel führt, ist moderne Zuthat. 195 Zwecken und sollte durch die Seitenthüre den Tagesverkehr der Dienerschaft vom Haupteingang ablenken. Die eigentlichen Wohnräutne befanden sich im zweiten Stock, wo durch das Zusammenfassen zweier Gemächer ein grösserer Ecksaal gewonnen wurde. Reiche Stuckdekoration, die wahrscheinlich auch von der Hand des Meisters Vogel herrührt, liess diesen Raum allein der prächtigen Aussendekoration würdig erscheinen. Die Hauptfagade baut sich im wesentlichen nach dem allgemeinen Schema auf. Das Erdgeschoss, durch kräftiges Gesims abgeschlossen, ist als Träger des zweistöckigen Oberbaues charakterisiert; Pilaster an den Ecken und in der Mitte gliedern die Wand in Vertikalrichtung, während ein reiches, vielfach verkröpftes Gesims, den oberen Abschluss bildet. Der Portalbogen ist durch zwei über Eck gestellte Pfeiler flankiert, welche die Form von langgestreckten umgekehrten Seitenvoluten haben ; auf dem verkröpften Gebälk ruht je ein Giebelansatz in Form einer aufgerollten Ranke mit darauflagerndem Löwen, einem barocken Gebilde, dem wir bereits einige Male begegneten (Triesdorf, Langgasskaserne). Die schwülstige üppige Dekoration setzt, sich über dem Portal teils in figürlichen, teils in ornamentalen Motiven bis zu dem schwerlastenden Dacherker fort. Die sonst beliebte Abteilung der beiden Stockwerke durch Horizontalgesims fehlt; durch die Zusammenfassung von je zwei übereinander liegenden Fensterstöcken zu einem Ganzen kommt die Vertikaltendenz zu klarerem Ausdruck. Ist die Fagade als äusseres Schmuck- und Prunkstück behandelt, so bietet der Hofraum (Tafel 27) eine mehr intime Wirkung, deren Hauptreiz auf der geschickten Verbindung der reichen Gebäudearchitektur mit den Terrassenanlagen beruht. Bis vor kurzem konnte man diesen prächtigen Innenraum, dessen Anordnung und Ausgestaltung an Genueser Vorbilder gemahnt (Gurlitt), in seiner stimmungsvoll malerischen Schönheit bewundern. Jetzt ist der plastische Schmuck verschwunden; 1 nüchterne Putzwände werden künftig die Stätte verunzieren, 1 Die Fenstergewände wurden von einem Münchener Kunsthändler angekauft und zum Einzelverkauf ausgeschrieben !! die hoher Bürgersinn des 18. Jahrhunderts sich selbst und seiner Vaterstadt zur Ehre zu einem Schmuckkästlein deutscher Kunst ausgestaltet hatte. So ehrte Bamberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Andenken an einen seiner grössten Meister. Schlusswort. Die Einzelbetrachtung des Dientzenhofer'schen Lebenswerkes hat ein Bild regen Fleisses und ehrlichen Strebens vor unseren Augen entrollt. Wenn wir versuchen, die Be- P deutung der Meister in der Geschichte der Baukunst noch einmal mit wenigen Worten zusammenzufassen, kommen wir zu folgenden Resultaten : Georg Dientzenhofer’s Fähigkeiten, die sich in viel versprechender Selbständigkeit an einem Erstlingswerk zeigten, kamen bei der kurzen Lebensdauer des Meisters nicht zur Entfaltung. Sein Bruder Johann Leonhard, der seither der bekannteste Träger des Namens war, tritt seiner Bedeutung nach hinter dem dritten Bruder Johann D. zurück. Zu künstlerischer Selbständigkeit ist er nie gelangt. Ausgehend von der in Prag herrschenden italienischen Bauweise wirtschaftet er zunächst mit dem, ihm innerlich fremden Formensystem in ziemlich willkürlicher Weise ; auch nachdem seine Formensprache mehr Sicherheit erlangt hatte, haftet ihr noch ein unfreier Zug an. Seine Bauten waren, vom Handwerklich-Technischen abgesehen, nicht geeignet, einen Fortschritt nach der künstlerischen Seite einzuleiten; sie gehen über die ersten Anregungen nicht hinaus. Der Versuch, durch die Nachahmung strengerer Vorbilder der Baukunst einen ernsteren Charakter zu verleihen, blieb ohne nachhaltige Einwirkung. Bereits sein Bruder Johann wendet sich nach den ersten strengeren Werken wieder der extrem barocken Richtung zu, die von den Italienern in Bamberg angebahnt worden war. Auf ihn in erster Linie findet die Gurlitt’sche Bemerkung (S. 203) Anwendung, die in den 197 Dientzenhofern die einzigen echten Schüler des barockesten italienischen Meisters Guarini erkennen will. Schon in diesem Umstand mag man die Fortschritte gegenüber seinem Bruder Johann Leonhard ermessen. Die Eleganz der Barockformen forderte vor allem eine vollkommene Herrschaft über dieselben: Johann D. hat sich in gewissen Grenzen zu diesem freieren Standpunkt emporgearbeitet. Seine Bedeutung als Architekt zeigt sich hauptsächlich in der selbständigen Verarbeitung und Verbindung der beiden grossen Architekturrichtungen seiner Zeit, — der italienischen und französischen — zu einer neuen einheitlichen Weise. Die von ihm angebahnte Richtung wurde in\ Osten in italienischem Sinne fortgeführt und geläutert durch den Prager Zweig der Familie D.; in Franken wurde das Erbe der Dientzenhofer’schen Kunst angetreten durch den mehr den Franzosen zuneigenden Balthasar Neumann. Von Bamberg, wo nur mehr untergeordnete Kräfte, wie Justus Heinrich Dientzenhofer, Kuechel 1 thätig waren, ging die Führerschaft in den künstlerischen Bestrebungen über auf die andere fränkische Hauptstadt, Würzburg. Dieser Wandel hing zusammen mit dem Bau der dortigen grossartigen Residenz. Nach dem Tode (1729) des Kurfürsten Lothar Franz, der den Auf- 1 Ausser den bei Leist 1. c. S. 30 genannten Werken wie: 1. sein Wohnhaus Langenstr. 37. 1739 2. der Stadion’sclie Domherrnhof Carolinenpl. 1 1739. 3. der Waldendorf'sche Hof, Carolinenpl. 2. 4. das Erzbischöfliche Palais (Grundriss in der Sammlung Dros). 5. das Josefstift in der Sutte. 6. der Ebracher Hof (Bz. A. Bamberg II Kaulbergi 1750. 7. die neue Seesbriicke (1784 zerstört) 1752. 8. Propsteigebäude St. Stephan 1754. 9. Pfarrkirche zu Pettstädt (1755) können ihm auf Grund von bezeich- netcn Plänen der Sammlung Dros zugeschrieben werden: 10. das Zeughaus zu Forchhein (1765). 11. das Hofspital zu Forchheim. 12. das neue Propsthaus zu Forchheim. 13. das Lichtenfelser Spital. 14 der Kastenhof zu Weischenfeld (1752). 15. das Pfarrhaus zu Mengersdorff. 16 die Kronacher Oberamtswohnung (1740). 17. die Hollfelder Amtswohnung 1740. 18. die Kapelle zu Laiderbach. 19. die Kirche zu Naukendorf 1744. 20. die Vergrösserung der Kirche zu Marloffstein 1763. schwung im Bamberger Sprengel inauguriert hatte, wurden die beiden Bistümer Würzburg und Bamberg in der Person des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn vereinigt, der seine Hofhaltung nach Würzburg verlegte und seinem Hofbaumeister Neumann auch die Leitung des Bamberger Bauwesens übertrug. Unter ihm entfaltete sich die fränkische Kunst zu reinster, üppigster Blüte; die Saat, die von den schlichten Bamberger Meistern gelegt war, hat reiche Frucht getragen. Verzeichnis der Abbildungen. b) Taf. Nr. Schloss Seehof . Kloster Waldsassen. Entwurf zu einer Wallfahrtskapelle in Burgwindhein Entwürfe zur Jesuitenkirche in Bamberg a) Textabbildungen. Nr. Seite 1 XI - - — 1 5. Kl. Ebrach. Grundriss der Klosteranlage .... 3 59 — 6. » Gesammtansicht. — — 3 7. > Dientzenhofers Fagadenentwurf . . . 4 61 — 8. » im Jahre 1663 . 62 — 9. hi Grundriss der alten Klosteranlage 6 63 — 10. Dientzenhofers Entwurf. 7 85 — 11. Neumanns Pläne für den Abteibau . . 8 69 — 12. Mittelbau. Fagade. — — 4 13. Aula, Neumanns Entwurf. — — 5 14. Treppenhaus .... . — — 6 15. » 3 nach Neumanns Entwurf . 9 7G — 16. Burgwindheim, Curia. — — 7 17. > Grundrisse der Curia .... 10 80 — 18. Kloster Schönthal nach einem Kupferstich .... — — 8 19. Bamberg. Bischöfl. Residenz. — — 9 20. » » » Küchels Entwurf . . . 11 86 — 21. » » « J. L. Dientzenhofers Pläne 12 88 — 22. » Zweidierscher Grundriss (Bruchstück) 13 91 — 23. » Situationsskizze zur Residenz. 14 95 _ 24. » Residenz; Kaisersaal. _ _ 10 25. » » Flügelthüre. _ _ 11 26. Mainz, Lustschloss Favorite nach Sal. Kleiner . . _ _ 12 27. Gaibach. Gräfl. Schönbornsches Schloss. _ _ 13 28. Kloster Banz im 17. Jahrh. nach Meisner .... 15 117 _ 29. * » Grundriss von B. Neumann 1752 . . 16 118 — 30. • Abtei und Convent. 17 119 — 31. > » von Norden . . . 18 124 — 32. > - Grund- und Aufriss der Kirche _ _ 14 33. Klostei Michelsberg, Grundriss. 19 131 34. Eulda, Dom. Grundriss (vielleicht v. Dientzenhofer) 20 141 — 35. » Inneres . _ _ 15 36. Schloss, Grundrisse 21 148 37. * » Kaisersaal — 16 — 200 — a) Textabbildungen. b) Tat. Pommersfelden, Schloss Weissenstein, Grundriss des Nr. Seite Nr. 38. Hauptgebäudes. 99 152 — 39. » * Hofseite.. — — 17 40 > »■ Paradezimmer. — — 18 41. - » Mittelbau, Durchschnitt . . 23 170 — 42. » > Treppenhaus . — — 19 43. » * Treppengeländer. — 20 44. » » Arkaden des obersten Stockes — — 21 45. > >■ Vorsaal. — — 22 4G. » » Marmorsaal. — 23 47. Kleinheubach, fürstl. Lihvcnsteinsches Schloss 24 180 — 48. Jägersburg bei Forchheim. 25 183 — 49. Litzendorf, Kirche. — — 24 50. Propstei Holzkirchen, Grundriss J. Dientzenhofers . . 26 186 — 51. > » » Neumanns .... 27 187 — 52. Bamberg, Concordia. — — 25 53. » Prellhaus. . . . . — — 26 54. > - Grundriss. 28 194 — 55. > >■ Hofansicht. — — 27 5G. 1 j 28 57. > Stuckdecken aus der Bamberger Residenz . . — — 29 58. 1 30 59. Stuckdecke aus dem Pommersfeld. Schloss. — — 31 60. Stuckverzieruhg aus der Orangerie in Fulda . . . . — — 32 Verzeichnis der erwähnten Bauten. Adolfseck 147, 151. Amorbach, Klosterkirche 44. Ancy le Franc 7. Aschaffenburg', Schloss 7. Bamberg, Andreaskapelle 104. Burgthor 95. Cantoreyhäuslein 94. Carmeliterkloster und Kirche 23, . 58, 133. Concordia 38, 189 ff. Dom 3, 5. Dominikanerkloster 23, 134. Dompropstenhof v. Würzburg 99. Geierswörther Schloss 91. St. Getreu 134. Hofhaltung, alte 4, 91. neue, obere 91. Gebsattelscher Bau 91. Aschhausensclier Bau 92. Jesuitenkirche 54 ff., 132, 144. Katharinenkapelle 104. Langgass-KaserneundTlior 23,110, 195. St. Martin s. Jesuitenkirche. Michelsberg, Kloster 8,23,38,130 ff. Pfarre, obere 4, 8. Privathäuser: Hauptmarkt 14,193. Prellhaus, a. Judengasse 14, 38, 189 ff. Residenz, bischöfl. 3, 4, 8,11. 85 ff., 192. Riegelthor 110. Seminar, bischöfl. 191. Stephanskirche 5, 7. St. Veit, Pfarrerswohnung 97. Zeughaus 43. Banz 8, 23, 38, 116 ff., 153, 177, 192. Bayreuth, Schlossturm 24. Bieberstein 36, 151. Brevnov, St. Margareth 129. Bronnbach, Convent u. Refektorium 76, 149. Burgwindheim, Curia 78 ff. Wallfahrtskirche 26, 53. Dermbach, Schloss 147, 153. Ebrach, Kloster 20, 58 ff., 82, 190, 192. Ellwangen 26. Florenz, Pal. Pandolfini 108. Pal. Pitti 110. Pal. Rucellai 108. ! Fürstenfeld 49. i Fulda, Convent 36, 147. | Dechantei 147. i Dientzenhofers Haus 37. i Dom 33, 36, 135 ff. Kaisersaal 149. Orangerie 39, 150. Schloss 36, 147, 163. Gaibach 25, 113 ff. Gieclischloss 26. Hollfeld, Amtsgebäude 23. Holzkirchen 39, 129, 185. Jägersburg 38, 182. Johannesburg 112, 150. Itleinheubach 39, 41, 163, 179 ff. Eitzendorf, Kirche 38, 184. Mainstockheim, Curia 26, 78. Mainz. Dahlbergscher Hof 112. ; Favorite 11, 25, 110 ff. 202 Marly 112. Marquardsburg 6 s. Seehof. Miltenberg 182. München, Michelskirche 11, 12, 56. Münster, Schloss 163. Münsterscliwarzach 74. Nürnberg, Ebracherhof 74 (Adlerstrasse). Neunkirchnerhof 21. Vommersfelden, Truchsessenschloss 38, 156. Schloss Weissenstein 11, 25, 34, 38, 43, 74, 76, 115,149, 153 ff., 181, 190, 192. Prag, Burg 61. ISom, St. Andrea della Yalle 36,146. Sa. Oostanza 13. il Gesü 36, 55. St. Ignazio 36, 55, 106. PaDtheon 11, 13. St. Peter (Bramantes Entwurf) 13. Salzburg, Dom 35. Domgrundriss Scamozzis 145. Schönthal 23, 83 ff., 146. Schwappach, Ober und Unter 26, 78. Seehof 6, 8, 21, 34, 43, 54, 163. Salzheim 26, 78. Theres. Kloster 70. Triesdorf 24, 115. 195. Uhlstädt 24, 182. Versailles 33, 163. Vilseck, Schloss 43. Volkach (Wohnhaus Nr. 27) 74. Waldsassen, Dreifaltigkeitskapelle 18. 20, 51. Kloster 19, 20, 45, 49 ff., 62, 132, 147, 192. Walldürn 23, 57. Weissmain, Amtsgebäude 23. Wien, Entwurf f. d. Orden d. Barmherzigen 23. Worms, Bischofshof 26. Würzburg, Stift Haug, Kirche 144. Klerikalseminar 71. Kückermaingebäude 71. Schloss 40, 115, 163, 190, 197. Verzeichnis der Künstler und Handwerker. A. = Architekt M. = Bau- und Maurermeister. B. = Bildhauer. P. = Maler. St. — Stuckateur. E. = Ebenist (Schreiner). 0. = Ornamentzeichner. Z. = Zimmermeister. Albert, Martin, M. 113. Artari. Gio Batt., B. 143. Auwera, Jakob, von der, B. 181. Bauer, Joh.. St. 85. Benckert, Joh. Peter, B-. 173. Berain, Jean, 0. 167. Bernini, Gio. Lorenzo A.B. 36. Bissing, Joh. Christian, M. 9, 31. Boffrand, Gennain. A. 34. Bogner, Hans Georg, P. 114. Bonalino, Johann, M. 5. Borromini, Francesco, A. 36. Brenno, Joh. Bapt., St. 7, 78. Brickard, Servatius, E. 133. Byss, Rud., P. 159, 161. Oarlone, Gio. Batt, St. 192. Columba, P. 85, 146. Cominada, M. 21, 67. Hecker, Paul, A.O. 164. Dientzenliofer, (Bernhard) Christoph, 17. 45. 129. (David 17.) Georg, d. Ae. 17 ff. Georg, d. J. 18 ff., 51, 196. Johann 6, 9, 17, 32 ff., 118, 121, 130, 133, 136, 179, 184, 190, , 192, 196. Johann Heinrich == Justus Heinrich. Johann Leonhard 8, 17, 20 ff., 57, 58, 60-68, 78, 83-85, 89, 92 ff., 104, 109-111, 114, 115, 118, 121, 130,142,154, 196. Justus Heinrich 17, 43 ff., 135, 160, 178, 197. Kilian Ignaz 17, 45. Dieussart, Carlo Philippo, A. 24, 27. E(r)stenbauer, Balth., B. 77,122,126, 127, 144, 173. Feichtmeyer, Caspar, M. 49. Finckel, Johann, M. 58. Eink, Hofbaumeister, 118.' Fink, Konrad, M. 133, 135. Fischer v. Erlach, Joh. Bernh., A. 35, 174. Flur, Christian, M. 84. Fontana, Carlo, A. 36, 137, 146. La Posse, A. 180. Fuga, Ferdinand 136. Gallassini, A. 151. Gassner, Lorenz, B. 57. Gebhard, Joh. Jak., P. 156, 159, 169. Glesckher, Justus, B. 5. Globeth, M. 5. Greising (Greusing, Greysing), Z. 70, 79. Gruber, Wolf, Z. 121. Guarini, A. 36, 128, 197. Hennicke (Hönnickel, Georg, St. 75, 149, 154, 161, 177. Hildebrand, Lucas, A. 174. Hörwarth (Herwarthel), M. 112, 151. Humbach, Daniel Friedr., B. 74, 77. Juncker, Valentin, M. 5. Kahlenberger, Joh., M. 151. König, Nicol., M. 5. 204 Küchel, Joh. Jak. Mich., M. 6, 44, 8!), 101. 197. Leuthner von Grundt, Abraham, M. 19, 27, 45, 50, Gl, 81. Philipp, M. 45. Lichteisen, A.B. P. 103. Lucchese, Giov, St. 192. JIarchini,Giov. Franc., P. 54, 55, 159. Nave, (Italo) Antonio, P. 75. Nenmann, Balthasar, A. 6, 9, 22, 2G, 28, 29, 33, 34, 39, 40, 43, 44. 53, 63, 70, 79,85,117,119,122, . 130,' 133, 154,161, 174, 178, 187, 189, 190, 191, 197. Onymus, M. 149. Paniza, Matthäus. St. 114. Petrini, Antonio, A. 5, 7, 21, 54, 58, 144. Plizner, E. 167. Pozzo, Andreas, A P. 36, 54, 55, 74, 106. Pozzo, St. 150, 193. Quadro, Bernh., St. 7. Iteinhard, Sebastian, P. 127, Remela, Jo. Ad., P. 75, 149. Rheinländer, Steph., Z. 157. Ridinger, Georg, A. 6. Rischer, M. 180. Rosenzrveig, M. 9. Rosini, M. 151. Rottmeyer v. Rosenbrunn, P. 159,177. Sauguinetti, Lazaro Maria, P. 114. Scanrozzi, Yicenzo, A. 145. Schaffner, Mich., M. 71. Scheibel, Joh. Jos., P. 35. Schenk, Daniel, St. 149, 159, 161, 171, 192. Schiesser (Schüssler), Bernh., M. 45, 84, 132. Jakob, M- 45. Schmidt, Gabriel, B. 115. Johann, B. 77. Schott, B. 173. Servatius, E. 167 s. Brickard. Solari, Säntino, A. 35. Steidel (Steidll, Melchior, P. 107,143 Ströhlein, Jakob, M. 83. Taurelli, Antonio, St. 7. Jakob, St. 7. Turra, Hieronymus, M. 7. Vogel, Joh. Jak., St. 8, 94,105, 106, 114, 120, 125, 192, 195. Welsch, von, A. 44, 111, 190. Weyd, Johann, M. 57. IVicko, Joh., St. 180. Wohlhaupter, E. P. 150. Zarnels, Burkhard, B. 173. Zrverger, Peter, M. 71. Berichtigungen. Seite 3 Zeile 9 von unten lies ihre r statt seiner. » 26 Anm. 1 von unten lies G e s c h. d. Barock in Deutschi, statt 1. c. .» 152 lies Pommersfeldener statt Pommersfelsener.