Druckschrift 
Eine Bamberger Baumeisterfamilie um die Wende des 17. Jahrhunderts : Ein Beitrag zur Geschichte der Dientzenhofer
Entstehung
Seite
196
Einzelbild herunterladen
 

die hoher Bürgersinn des 18. Jahrhunderts sich selbst und seinerVaterstadt zur Ehre zu einem Schmuckkästlein deutscher Kunstausgestaltet hatte.

So ehrte Bamberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts dasAndenken an einen seiner grössten Meister.

Schlusswort.

Die Einzelbetrachtung des Dientzenhofer'schen Lebens-werkes hat ein Bild regen Fleisses und ehrlichen Strebens vorunseren Augen entrollt. Wenn wir versuchen, die Be-P deutung der Meister in der Geschichte der Baukunst noch ein-mal mit wenigen Worten zusammenzufassen, kommen wir zufolgenden Resultaten :

Georg Dientzenhofer’s Fähigkeiten, die sich inviel versprechender Selbständigkeit an einem Erstlingswerkzeigten, kamen bei der kurzen Lebensdauer des Meisters nichtzur Entfaltung.

Sein Bruder Johann Leonhard, der seither derbekannteste Träger des Namens war, tritt seiner Bedeutungnach hinter dem dritten Bruder Johann D. zurück. Zu künst-lerischer Selbständigkeit ist er nie gelangt. Ausgehend von derin Prag herrschenden italienischen Bauweise wirtschaftet erzunächst mit dem, ihm innerlich fremden Formensystem in ziem-lich willkürlicher Weise ; auch nachdem seine Formensprachemehr Sicherheit erlangt hatte, haftet ihr noch ein unfreier Zugan. Seine Bauten waren, vom Handwerklich-Technischen abge-sehen, nicht geeignet, einen Fortschritt nach der künstlerischenSeite einzuleiten; sie gehen über die ersten Anregungen nichthinaus. Der Versuch, durch die Nachahmung strengerer Vorbilderder Baukunst einen ernsteren Charakter zu verleihen, bliebohne nachhaltige Einwirkung. Bereits sein Bruder Johannwendet sich nach den ersten strengeren Werken wieder derextrem barocken Richtung zu, die von den Italienern in Bam-berg angebahnt worden war. Auf ihn in erster Linie findet dieGurlitt’sche Bemerkung (S. 203) Anwendung, die in den