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Eine bombastische Allegorie lässt auf diesem Mittelspiegelin bewegtem Zuge die [dealgestalten der Herrschertugenden andem Beschauer vorüberschweben, während in den vier Eckendes Saals die Darstellungen der vier Monarchien 1 2 3 sich ihres an-gestammten Platzes erfreuen. Die malerische Wirkung dieserFresken - wird leider durch die unschönen trüben Farben be-einträchtigt, die noch mehr bei den handwerksmässig derb aus-geführten Kaiserbildern an den Wänden stören. Im Ganzenerfreulicher ist die Stuckausstattung des Saales,die sich vomFlachrelief bis zu freier Rundplastik steigert. Wenn auch di&Trophäen tragenden Atlanten an den Kaminaufsätzen noch die:übertriebenen Formen des 17. Jahrhunderts zeigen, so tritt doch:schon in den reizenden bekrönenden Putten die graziöse spielendeRichtung zu Tage, die im Kunstleben des 18. Jahrhunderts eineso grosse Bedeutung gewinnen sollte. Auf das den zahlreichemStuckdecken des Meisters Vogel zu Grunde liegende Dekorations-prinzip (Taf. 28—30), das im wesentlichen an der kleinblätterigenvielgeteilten Ranke festhält, werde ich in anderem Zusammen-hang zurückkommen.
Im Gegensatz zu dieser kleinlichen unruhigen Art desStuckateurs verwendet die Ho 1 z a rc h i t ekt ur, so weit siereicher verziert auftritt, noch die fleischige volle Akanthusranke;als Beispiel diene eine Thürverkleidung aus den ehemaligen,fürstbischöflichen Privatzimmern des Flügels D. (Taf. 11.)
Aehnlicher Formen bedient sich auch der Baumeister inseiner Aussenarchitektur in den wenigen Fällen,' in denener das Flächenornament anwendet, wie bei den Zwickel- oderGiebelfüllungen.
Im Allgemeinen ist seine Bauweise streng und ernst, ent-sprechend der einfachen Grundrissdisposition: «der rechtenarchitectur gemaes» bauen sich in schlichter Weise die dreivon den Theoretikern vorgeschriebenen Ordnungen: dorisch,
1 Man glaubte, von den üblichen «vier W eltteilen» absehenzu müssen, da sie etwas «gemeyns seien». Rescript vom 21. Juni 1707.s. auch Jung 151/2.
2 Ausgeführt wurden sie von einem Insbrucker Meister MelchiorSteidl 1707.
3 Der Stuckateur Vogel erhält für den Saal 1000 fl. Jung 150.