106
des Kurfürsten vermuten : von dem Empfangszimmer gelangtman zunächst in das Eckzimmer, in dem sich das Privatlebendes Kurfürsten vornehmlich abgespielt haben dürfte. Daran stösstdas mit allerlei Kostbarkeiten ausgestattete, getäfelte Prunk-kabinet, ein integrierender Bestandteil der Schlossanlage desausgehenden 17. Jahrhunderts. Die folgenden Gemächer, einKabinet, das man nach Analogie des Bruchsaler Schlosses alsPrivat-Andachtsraum 1 bezeichnen kann, ein Wohnzimmer mitanschliessender Garderobe und Vorzimmer auf der einen Seite,auf der anderen das Schlafzimmer mit Toilettenraum, bildetenwohl die eigentliche Privatwohnung des Fürstbischofs.
Die genaue Mitte des dritten Geschosses nimmt im Flügel B.der grosse Prunk- und Festraum, der Kaisers aal (Taf. 10)ein. Unvermittelt, nur durch eine Flügelthür von der Treppeaus zugänglich, zeigt er in seiner architektonischen Ausgestal-tung die denkbar einfachste Anordnung. Kein Vorzimmer, keinarchitektonisches Schmuckglied, weist auf die Bedeutung desBaumes hin ; es ist einfach der Gang zur gewöhnlichen Zimmer-breite hinzugefügt, und der so entstandene grosse Saal derStucktechnik und Freskomalerei zu selbständiger Ausschmückungüberliefert worden.
Der Bravour des Perspektivemalers fiel die Aufgabe zu,durch eine auf dem Stuckgesims vermittelst gemalter Konsolenaufsetzende Idealarchitektur den Eindruck zu erwecken, als obsich der Raum auch über der Hohlkehle noch fortsetze. DieDurchführung dieser Dekorationsweise, die von dem JesuitenAndreas Pozzo besonders ausgebildet 2 und in seinem Lehrbuchder Perspektive in ein geordnetes System gebracht worden war,wirkt bei dem an sich niedrigen, llachgewölbten Raum schwerlastend; auch durch das leichte, scheinbar nach dem Aethersich öffnende Mittelfeld wird dieser beengende Eindruck nichtbehoben.
1 In der Abrechnung mit dem Stuckateur Vogel vom 22. Sept. 1702ist eine Kapelle, die sich in der Nähe der Schlafkammer befunden habenmusste, genannt. Vergl. Jung I. o. Seite 145 sub. 3. desgl. Kontrakt vom20. Okt. 1704. Jung 1. o. S. 149. (Die Decke auf Taf. 29.)
2 Vergl. die Deckengemälde im Langhaus von St. Ignazio in Rom.Gurlitt, Barock in Italien. S. 465.