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Freude geltend, den Haumeister der Residenz, als bedeutendenBamberger Künstler nennen zu können, andererseits aberäussert sich doch eine gewisse Geringschätzung dieses seinesHauptwerks. Man freut sich, dass die vermeintlichen Ausbau-projekte nicht ausgeführt wurden «hätte ja doch die in künst-lerischer Beziehung so reizvolle und geschichtlich so hoch inte-ressante alte Hofhaltung vom Boden verschwinden müssen,ohne einen gleichwertigen Ersatz zu bieten». 1
Wenn die heutige Anlage in ihrer Grundrissentwicklungdie Empfindung einer unaufgelösten Dissonanz in uns hervor-ruft und nur zu sehr einen eigentlichen Mittelpunkt vermissenlässt, von dem aus sich das Ganze organisch hätte ausgestaltenkönnen, so ist hierfür, wie wir sahen, der Baumeister nichtverantwortlich zu machen. Durch die Notwendigkeit, die Fun-damente bestehender Bauten nach Möglichkeit auszunützen, unddurch die Oertlichkeit gebunden, hatte er die undankbare Auf-gabe, seine Pläne den jeweiligen Wünschen des Bauherrn an-zupassen, die gerade hier, durch äussere Umstände beeinflusst,der sonstigen zielbewussten Bestimmtheit entbehren.
Daraus erklärt sich auch die schlichte Raumdisposition, dienüchterne Nebeneinanderreihung der Gemächer, die im erstenEntwurf so angeordnet waren, dass auf der Domplatzseite dielangen Korridore, nach dem Garten und der Stadt die Zimmerliegen sollten. Bei der Ausführung hat man diese, von derklösterlichen Baukunst übernommene, Anordnung nur in denhinteren Flügeln und dem Erdgeschosse der vorderen Traktebeibehalten, während man im Hauptflügel (A) die Gemächer zubeiden Seiten eines Mittelganges anlegte. Bei den Zimmerndes zweiten und dritten Stockwerks im Flügel B, den eigent-lichen Staats- und Repräsentationsräumen ist man von dieserRegel abgewichen. Der schmale Gang der hinteren Flügel er-weitert sich hier zu den beiden Vorsälen, die dem kurfürst-lichen Tafelzimmer 2 (heute Thronsaal genannt) vorgelagertsind; jenseits derselben befanden sich Gesellschaftsräume. Anden Quersaal anschliessend, dürfen wir wohl die Privaträume
1 Leist, 1. c. S. 6.
2 Spezifikation des Meisters Vog’el v. 1704. Jung 150.