104
Andreaskapelle zum Dome gespannt erscheint, die Vermutungnahe gelegt, dass auf diese Weise ein direkter gedeckter Wegzum Dom hergestellt worden war; 1 es lässt sich leicht denken,dass man auch bei dem Neubau auf diesen bequemen Ver-bindungsweg nicht verzichten wollte.
Da ferner die ursprünglich geplante Schlosskapelle nichtzur Ausführung kam, 2 hatte wohl dieser Gang zunächst auchdie Bestimmung, die gegenüberliegende Katharinenkapelle, die•sich im ersten Stock befand, dem Ganzen des Residenzbaues an-zugliedern.-
Die Ursache für das Aufgeben dieses Planes liegt wohlin dem baufälligen Zustand der «hohen Warte», der bereits1733 Gegenstand besorgniserregender Klagen wurde. Tn derThat musste dieser Eck türm noch im 18. Jahrhundert (1777)bis auf den heute noch stehenden Unterbau abgetragen werden.
Wir kehren zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungzurück. Das Hauptwerk Dientzenhofers stellt sich dar als einstückweise geplantes und entstandenes Gebilde, dem die ein-heitliche Idee fehlt, als ein Werk, das in seiner fremdartigenGestaltung unbefriedigt lässt, dessen Bedeutung seither haupt-sächlich darin gesehen wurde, dass man es für den Torsoeines ungeheuren Ganzen hielt. Nun gilt es zu prüfen, ob das-selbe auch ohne die entschuldigende Beziehung auf den unvol-lendeten Zustand des Interesses weiterer Kreise würdig er-scheint, oder ob nur der zufällige Umstand, dass man durchein umfangreiches Aktenmaterial in der Lage ist, ein ziemlichgenaues Bild seiner Entstehung zu geben, zu wiederholter ein-gehender Besprechung geführt hat. 7 . ,
In der bisherigen Litteratur, soweit' sie sich ■ überhauptauf eine Würdigung des Baues einlässt, , ist ein merkwürdigerZwiespalt zu gewahren. Auf der einen Seite macht' sich die
1 Dieser Bogen, auf der Abbildung mehr als schmaler Stiitzbogengebildet, war, wie der Augenschein ergiebt, von ziemlicher Breite; dienoch sichtbaren Spuren der herausfiihrenden Thiire lassen vermuten, dasser einst mit einer Holzgallerie bedeckt war. An dem Dom hat die Re-stauration der 80 er Jahre jede Spur verwischt.
2 Später hat man den ursprünglich zum Sommersaal bestimmtengrossen Raum im Erdgeschoss des Flügels B. zur Kapelle umgewandelt.Die Hofkapelle wurde erst 1781 eingeweiht.