Waldsassener Anfangsversuchen geplant war, und können schondaraus ersehen, in welcher Richtung sich der Fortschritt inden Zielen der Baukunst in verhältnismässig kurzer Zeit voll-zogen hat.
Während des Baues der Kapelle war, wie wir wissen, G.Dientzenhofer zugleich Hauptpalier beim Klosterbau. Nur vor-übergehend war er zu Beginn des Jahres 1680 in Bamberganwesend, wo er für die Jesuiten Pläne für denKirchen- und Conventsbau anzufertigen hatte. 1 Gleichzeitigwurde er vom Fürstbischof Marquard Sebastian als Sachver-ständiger über den Bau des Schlosses Seehof vernommen, dessenAusführung, wie erwähnt, dem Würzburger Meister Petrini über-tragen worden war. — Dieser urkundlichen Notiz steht die inder Lokallitteratur vertretene Ansicht gegenüber, dass diePläne zur Kirche von dem Jesuitenpater Andreas Pozzo ange-fertigt worden seien. Weder Haas noch Weber 2 geben einenurkundlichen Beleg dieser ihrer Nachricht; vermutlich ist ihregemeinsame Quelle v. Murr, der in seinen Merkwürdigkeitender Residenzstadt Bamberg 1799 (pag. 127) zum ersten MalePozzo als den Verfertiger der Risse nennt. Auch das Kuppel-fresko. führen sie beide auf Pozzo’s Erfindung zurück. Es isteine jener perspektivischen Meisterleistungen, wie sie dessenLehrbuch der Perspektive von 1693 in einigen Beispielen bringt,von einem Italiener Marchini ausgeführt.
In den heute noch auf der Registratur des kgl. Lyceumsaufbewahrten Akten, dem Material, das den genannten Autorenzur Verfügung stand, ist der Name des Baumeisters nicht ge-
1 S. Schmerber, pag. 18. Schreiben d. Jesuiten B. Wolff an den P.superior Nivardus in Waldsassen vom 24. März 1686 (Kreisarchiv Am-berg) : Humanissimae ab adm. Reverenda Paternitate vestra ad me dataetantum invenerunt ubique ponderis, ut commendatus iis D. Georgius Dientzen-liijffer non tantum in collegio pro modulo nostro humaniter exceptus sedetiam a Celsissimo Principe nostro postulatus ad audientiam et superstructura nobili arcis suburbanae consultus sit. Ideae templi et col-legii nostris placuere omnibus nec dubito. quin eorundemArchiteetus eligendus ipse sit, quod, quantum in me erit, modis omnibusurgebo.
2 N. Haas, Geschichte der Pfarrei St. Martin zu Bamberg. Bbg. 1845,S. 558 ff. H. Weber, Geschichte der gelehrten Schulen im Hochstift Bam-berg. 45. Jahresbericht d. hist. Vereins zu Bamberg 1880, S. 498 ff.