Druckschrift 
Eine Bamberger Baumeisterfamilie um die Wende des 17. Jahrhunderts : Ein Beitrag zur Geschichte der Dientzenhofer
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42

einmal Gegenstand eines Prozesses zwischen seinen Erben unddem Kloster Banz, in dem die ersteren wegen eines Versehensdes «alten Dientzenhofer» zur Zahlung nicht unbedeutenderEntschädigungssummen verurteilt wurden. * 1 2

Als Baumeister im Dienste des hohen Klerus übernahm erdie Pflicht, auf kirchliche Zucht und Ordnung unter seinenBauleuten zu sehen ; er bedingt sich beim Fuldaer Dombau aus,dass «täglich frye eine heillige Mess im hohen Stieft vor allehandirende leith gelesen wirdt», wie dies auch auf dem Michels-berg in Bamberg der Fall gewesen sei/'

Mit D.’s Persönlichkeit hat sich die Fuldaer Lokaltraditionnur zu lebhaft beschäftigt; 3 4 man erzählte sich merkwürdigeGeschichten über seine Frau Anna Maria Eleonore, welche dieTochter eines Bamberger Juden gewesen, von ihrem Vaterwegen ihres Uebertrittes zum Christentum enterbt, vom Fürst-bischof aber in ihre Bechte wieder eingesetzt worden sei. 1Von alledem lässt sich aktenmässig nichts nachweisen. Ueberseine Familienverhältnisse geben die Pfarrbücher von U. L. F.und St. Martin in Bamberg und der Dompfarrei in Fulda Aus-kunft. 5 Johann Dientzenhofer starb am 20. Juli 1726. Von

1 D. hatte in einem Vertrag vom 4. Juni 1712 die Errichtung einerder grossen Böschungsmauern übernommen und für deren Bestand siehselbst und seine Erben haftbar gemacht. Die Mauer musste in der Folge-zeit wieder abgetragen werden. Im Prozess liess es sich nicht mehr er-weisen, dass, wie von den Erben behauptet wurde, ein Erdheben dieMauer gefährdet habe.

2 Fuld. Dombauakten. Voranschlag a. d. J. 1700 Bit. B. Notam. 3.

3 Ja sogar zum Helden eines Komans ist unser Baumeister erkorenworden: Josephine Grau, Der Dombaumeister von Fulda. Fuldaer Ztg.Jhgg. 1886. Nr. 172-231.

i Malkmus, Fuldaer Historienbüchlein. Fulda 1872.

5 Johannes D. f 20. Juli 1726, verm. mit Anna Maria Eleonoret 16. Juli 1735.

Kinder:

a) in Bamberg:

1. Anna Barbara 1698, verm. m. Casp. Ant. Sartorius, advocatusErfurti (1716, 27. Juni.)

2. Ein Sohn, dessen Name in den genannten Pfarrbüehern nicht zufinden ist. Just. Heinrich wird der zweite Sohn genannt (Dekret v. 1726,24. Nov.).

b) in Fulda:

3. Justus Heinrich 1702, 5. Nov. f 1744, 14. Dez. in Bamberg.

4. Joh. Georg 1704, 6. März (consiliarius aulicus).

5. Elisab. Magdalena 1706, 15. Febr. f 1710, 10. Juni.