Druckschrift 
Eine Bamberger Baumeisterfamilie um die Wende des 17. Jahrhunderts : Ein Beitrag zur Geschichte der Dientzenhofer
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

41

lungen selbst die Grenzen seines Gewinnes auf 5000 Rth. fest-setzt und das eventuell darüber ihm zufallende zurückzuerstattenverspricht. 1 Dieser Gleichgiltigkeit gegenüber dem geschäft-lichen Teil seines Berufes entspricht die Ungenauigkeit in frem-den wie in eigenen Geldsachen; aber man glaubte ihm undseiner Redlichkeit. Die Ursache seiner wiederholten Geldno twar, dass er es nicht verstand, bei den Kostenvoranschlägenseinen Vorteil zu wahren, und die Arbeiten um viel zu geringeEntlohnung in Akkord nahm. Bei der Ausführung, die er alsgewissenhafter Meister stets in solidester Weise besorgte, stelltensich alsbald Schwierigkeiten bei Auszahlung seiner Arbeiterein, und besonders bei seinem letzten Bau, den er nicht mehrvollenden sollte, beim Kleinheubacher Schloss, kam es wieder-holt zu heftigen Auftritten zwischen Meister und Handwerkern,die sogar damit endigten, dass die letzteren vom Fürsten ver-langten, er möge den Baumeister so lange arretieren lassen, biser ihren sauer verdienten Taglohn ausbezahlt hätte. 2

Seine Familie litt unter dieser kaufmännischen Untüchtig-keit des Oberhauptes nicht wenig; ja, er scheint sie bei seinemTode (1726) in den dürftigsten Verhältnissen zurückgelassen zuhaben. Ganz ähnlich wie in Fulda ergab sich in Kleinheubachbei der Abrechnung, dass dem Baumeister eine grosse Summe(ca. 1400 fl.) über den Akkord ausbezahlt worden war, undüberdies die Arbeiten noch weit im Rückstand sich befanden.Die Wittwe konnte die Summe nicht ersetzen und wandte sichmit einem Gnadengesuch an den Fürsten, «da sie von so vielenschon geführden bauen nicht soviel erworben zu haben findtenkönne, womit sie sich, weniger die ihrigen ehrlich fortbringenkönne». 3

Nicht genug, dass der Meister bei Lebzeiten, wie es scheint,stets mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, langenach seinem Tode, im Jahre 1748, ist seine Bauthätigkeit noch

1 An anderer Stelle (1705, 9. Febr.) versichert er: er begehre nichtreich, auch nicht arm darüber zu ■werden; er habe alles genau überlegtund käme es auf 2—3 m. (mille ?; nicht an.

2 Fürstl. Löwenstein-Rosenberg’sches Archiv in Wertheim. Aktenbetr. d. Schlossbau Kleinheubach.

2 Schreiben vom 7. Februar 1727; am 18. November spricht sie vonihren 9 armen Waisen.