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Eine Bamberger Baumeisterfamilie um die Wende des 17. Jahrhunderts : Ein Beitrag zur Geschichte der Dientzenhofer
Entstehung
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Ueberall aber, wo ein Schönborn regierte, hob alsbald eineneue Aera aufblühender Künste an. Die alten einfachenBischofswohnungen werden aufgegeben; das gesteigerte Reprä-sentalionsbedürfnis, die Freude an grösserem Komfort, dieLiebe zur Kunst rufen neue prächtige Schlossbauten hervor,die von dem erstarkten Selbstgefühl ihrer Bewohner beredtesZeugnis ablegen.

Den Anfangspunkt dieser interessanten Entwicklung bildetder Bamberger Residenzbau, der von Lothar Franz errichtet, denersten Versuch darstellt, veränderten Anforderungen einer neuenZeit genüge zu leisten. Das rasche Fortschreiten auf dem an-gebahnten Wege bekunden schon die nächsten beiden Schloss-bauten : Favorite und Pommersfelden, die noch unter demselbenBauherrn zur Ausführung kamen. Sie gehören bereits einerkünstlerisch reiferen Zeit an, die auf den Errungenschafteneiner vorangehenden Epoche aufbauen kann.

Weniger deutlich lassen sich für das ausgehende 17. Jahr-hundert die Bestrebungen der fränkischen Baukunst im Gebietedes Kirchenbaues erkennen, da von den wenigen in Be-tracht kommenden Bauten keiner mit Sicherheit auf die Bam-berger Meister zurückzuführen ist. Eine notdürftige Ergänzungdieser Lücke bietet eine zufällig erhaltene Sammlung vonOriginalgrundrissen, 1 die sich, wie es scheint, ehedem

1 Die Pläne sind aus der ehemaligen M. v. Reider’schen Sammlungin den Besitz des kgl. Nationalmuseums in München übergegangen. IhreBestimmung ist nicht mehr sicher zu erkennen. Da von den zahlreichenEntwürfen keiner mit ausgefiihrten Bauten der damaligen Zeit zu identi-fizieren ist, und auch nur wenige (z. B. Pantheon, Michaelskirche in München)Aufnahmen früherer Bauwerke darstellen, so scheinen die Pläne eine ArtMustersammlung gebildet zu haben, vielleicht zu dem Zwecke angefertigt,dem jeweiligen Auftraggeber zur Auswahl resp. Präcisierung seiner Bau-absichten vorgelegt zu werden. Sie sind teilweise mit dem Namen Leon-hardt — 1 Blatt mit dem vollen Namen Leonhardt Dientzenhofer bezeich-net. Ob man ihm deshalb auch die Erfindung oder Ausführung zuschreibenkann, muss fraglich bleiben. An seine Art, Architektur zu zeichnen, wiewir sie in den Ebracher Grundrissen und in den Entwürfen zur Residenzkennen lernen werden, gemahnt nur eine kleine Zahl der Pläne — undzwar die unbedeutenderen — die übrigen zeigen eine viel geschicktereHand. Dieser Umstand und der Vermerk auf einem Blatt: «Eine solchefaciata habe schon» legen den Gedanken nahe, dass diese Entwürfe vonfremder Hand entworfen und gezeichnet, von Dientzenhofer, dem höherstrebenden Maurermeister, zu seiner eigenen Belehrung zusammengestellt