Das Militär-Radfahren. 215
Eine ganz besondere Stellung dagegen nimmt Englandim militärischen Radfahrwesen ein und verdient wohl, daßwir ihm eine eingehendere Betrachtung gewähren.
Hier nämlich existierten bis auf die neueste Zeit überhauptgar keine militärischen Nndfahr-Organisationen; es liegtvielmehr vollständig auf den Schultern der Freiwilligen.Diese aber, bestehend aus Englands sportsgewandter undsportsliebender Jugend, haben hier etwas ganz Außer-ordentliches geschaffen.
Die Volunteers haben Radfahrer-Sektionen schon seit1888 und bilden heute ein Korps von ca. 6000 Mann, dasmit der Zeit auf 20 000 gebracht werden soll.
Zum erstenmal haben sie es versucht, das Rad auf alleGebiete des Kriegswesens anznwenden, indem sie alle Waffen-gattungen, Infanterie, Kavallerie, ja selbst Artillerie zu er-setzen suchen, sie haben schon Schnellfeuer- und Bergkanonenauf zusammengekoppelten sog. Duplex-Rädern transportiertund führen besonders hergestellte Räder mit kleinen Mitrail-leusen. Die Munition fahren sie auf Dreirädern und selbstin der Pflege der Verwundeten und Kranken wurde das Radvon ihnen mit günstigem Erfolge in Anwendung gebracht.
Von selbst versteht es sich, daß sie sich nicht nur auf dieVerwendung von Kriegsradfahrern für den Stafetten- undDepeschendienst, für Aufklärungs- und Vorpostendienst be-schränkten, sondern daß sie auch vorzugsweise mit bedeutendemErfolge als fechtende Truppe zum Teil auf Tandems mitGewehr oder Revolver ausgerüstet, zun: Teil auf einsitzigenMaschinen mit Büchse oder Karabiner verwendet wurden.
Die englischeArmeeleitung hatsich entschieden von der großenVerwendbarkeit der Militärradfahrer überzeugt und besondersist es Oberst Saville, der warm für ihre Verwendungauch als fechtende Truppe eintritt; auch Marschall Wolseleyist ein überzeugter Verfechter des Militär-Radfährwesens.
Nach diesen wichtigen Ergebnissen im einzeln aber ist dasFahrrad im Kriege hauptsächlich unter zwei Gesichtspunktenzu betrachten.