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Nation.
Nationalbildnng.
und Thätigkeit begriffene geistige Leben einer Nation, das Bewußtsein, das sie von sjzhat, die Kraft, die sie in sich trägt, das Gefühl, welches sie erfüllt, nach allen Seit«!zu thatkräftiger Aeußerung und Darstellung erhebt. Wo die Nationalbildung ä»,richtige und gesunde ist, da verstehen die oberen Culturstufen, in denen das national!Element immer in seiner zartesten Färbung erscheinen wird, die niederen nnd erkenn«,sie achtend an und die niederen eignen sich das ihnen Gemäße und Erreichbare v«den oberen an.
Nnd wenn Ritter Recht hat, daß zwischen der landschaftlichen Bodenbeschaffen-heit nnd ihrer Physiognomie ein Verhältnis unverkennbar sei mit der Sinnesart undder Natur der Bewohner, so wird inan sich nicht wundern, wenn man solche har-monische Abstufung der nationalen Bildung sich darstcllen sieht in jenen oft sich wieder!holenden Landschaftsgemälden unseres gesegneten Vaterlandes, wo sich Gaue voll freundsicher Dörfer zwischen wohlangebautcn Fluren entfalten, deren Gewässer einer Stadtzufließen, die an sanft sich erhebenden Hügeln liegt und die mannigfaltigste Gewerks-Handels- und Lebensbildung umschließt; darüber hinaus auf Höhen und Bergen erheben sich Schulen der Wissenschaft, Tempel, Schlösser, Paläste, ebcnsoviele Typen undZeichen von einer Bildung, die derjenigen nicht entfremdet zu sein braucht, auf dirsie ruht, so wenig als die Bestandtheile des großen Landschaftsgemäldes etwas heterc-genes in sich fassen. Man muß an das Gemälde denken, welches dem Psalmisten vnder Nationalbildung Israels zu seiner Zeit im Psalm 133 vor Augen schwebte.
In dieser Art, nationale Bildung zu bekunden, ist keine Hast, keine Ziererei, keimBegehrlichkeit, man ist vielmehr völlig in sich befriedigt; nichts erscheint als et«octroyirtes oder berechnetes oder nachgemachtes; vielmehr, obgleich jeder im andern sä,,Vorbild für Tracht und Gehaben hat, glaubt doch ein jeder, er sei Original und biälund gebe in seiner Person niemals was anders, als sich selbst. Solche Nationalbil-dung ist stetig und bisweilen so in sich selbst vertieft, in sich selbst versiebt, daß Neuem;und diese wollen bisweilen die aufklärenden, von ihrem Volk und seinem Glauben undSitten entfremdeten Schulmeister, die gelehrten wie die ungelehrten, abgeben, oft iibilbei ihr ankommen. In ihr liegen die sittlichen Kräfte, aus denen ein gesunder Kon-servatismus sich immer erhalten wird. Revolutionen politischer Art wirken, weil ftdie zarte Schranke natürlicher und gewohnter Zusammengehörigkeit in ihrem Doktri-narismus und ihrer Leidenschaftlichkeit meistentheils übersehen oder nicht achten, mitihrem Anstürmen gemeiniglich störend und verderbend und finden an einer National-bildung von Gediegenheit am sichersten ihren Widerstand und ihren Untergang. -Einzelne Stufen in einer Nation treiben sich bisweilen zu erhöhter, bisweilen zu einerunverhältnismäßigen oder, was öfter der Fall ist, zu einer sich verallgemeinernden odagar zu einer fremdartigen Bildung, durch welche das nationale Element eine Ab-schwächung oder Verwischung zu erleiden in Gefahr ist; andere sind während dlSgleichen Zeitraumes stehen geblieben; andere sind vielleicht gar aus einem Mangel mLeben und Strebsamkeit zurückgekommen. — Es ist die Eigenthümlichkeit, welche dieBildung in den Völkern zeigt, eine unendliche wie ihr Leben. Tragen wir nur Hol;zu nnd lassen Gott kochen! — Es werden aber alle künstlichen Reizmittel, wo derSinn für nationale Bildung erloschen ist, sie nicht wieder Herstellen.
Für die Statistik und Völkernaturgcschichte ist es eine der zartesten Aufgaben, dieThatsachen und Erscheinungen zusammen zu stellen, die über Ab- oder Zunahme natio-naler Bildung einen Schluß zu ziehen gestatten, sowie über die Stufe, auf welchereine Nation in ihrer Bildung zu einer bestimmten Zeit steht. Das Schulwesen eine-Landes ist gewiß hiezu ein in Rechnung zu stellender Factor; aber wie wir oben gi-schen, lange nicht der einzige. Wer auch die Schule hätte, hätte damit dieBildung der Nation noch nicht an ihren vier Zipfeln. Was tausendSchulen bauen, kann ein einziges Flugblatt oder Schandbuch wieder zu Grunde richte»,oder was tausend Schulen versäumen, das ersetzt die unversiegliche Quelle des göttlicherneuerten Lebens auf das reichlichste — wir verachten die Schulwirksamkeit nicht, aberwir können sie nicht als den Hauptfactor nationaler Bildung ansehe»; es könnte damnicht fehlen, daß ein Seminardirector mit Recht für eine so bedeutende Person aus-gegeben würde, daß sie für allen Obskurantismus, Jntolerantismus und Teufelsspukin einem Lande verantwortlich zu machen wäre. Man wird wohl thun, recht mäßig-
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