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Räthsel.
O.
Quietismus, s. Frömmigkeit.
R.
Radicalismus in der Erziehung, s. Erziehung, verkehrte Rich-tungen. >
Räsonnireu, s. Befehlen und Verbieten;. Locke.
Näthscl. Geben wir zuerst unsere Definition des Räthsels, so mag es di«sein: Räthsel ist eine bald nur verblümt andeutende, bald ausführ-licher beschreibende Darstellung einer Vorkommenheit oder einesGegenstands, Begriffs und Wortes, um andere aus Gegebenem ein lGesuchtes errathen zu lassen. Dieser Definition müßen wir jedoch, damit M !-manche Sprüchwörter und Epigramme, ja manche Mythen gleichfalls Räthsel Heist» smüßen, wie sie es in der That eigentlich sind und wie dies die hebräische Sprichausdrücklich zeigt, sofern sie jeden eine tiefere Wahrheit nur eben andeutenden Spnst sein Räthsel nennt, gleich noch etwas weiteres über den näheren Zweck solcher Dar-stellung beifügen, daß nämlich bei dem Räthsel in unserem herkömmlichen Sin» zu-nächst nur beabsichtigt werde, zum Behuf geistiger Unterhaltung von der»»Seite Scharfsinn, Phantasie, Witz und Schalkheit zu zeigen, und auf der andern dir-selben Geisteskräfte beim Hörer oder Leser unters Gewehr zu rufen und zu priisk». -Allerdings wurden (Simson, Oedipus, Turandot) mit diesem Spiel mitunter sehr !ernsthafte Zwecke verbunden; allein hier müßen wir uns auf die Gestaltung und Ba- ^Wendung der Sache in unseren Zeiten als gesellige Unterhaltung für Alt und Jungbeschränken, da unsere Hauptaufgabe nur sein kann, den Werth des RUH- ^sels für die jetzige Jugendbildung ins Licht zu stellen.
Unter allen Kulturvölkern alter und neuer Zeit, im Morgen- und Abendland, iß ^kaum eines, bei dem nicht Räthsel vorkämen, bald nur als Bestandtheil des gesellig« !Volkslebens, bald aber auch als wirklich ausgebildeter Zweig der Literatur. Me«vergleiche: Friedreich, Geschichte des Räthsels 1860. — Drei Volksstämme mg«aber auch hierin vor den andern hervor: die Semiten und unter diesen die Hebräer,die Griechen und die Germanen, vorzugsweise die deutscher Zunge. I» ^jedem Buch des Alten Testaments, aber vielfach auch im Neuen, begegnen wir einer !ganz auffallenden Neigung zu änigmatischer Anschauung und Rede. Es gehört geradezu !zum Charakteristischen des semitischen Volksstamms, erne tiefere Wahrheit wo möglich !zuerst in rätselhafter, sinnbildlicher Rede nur anzudeuten, um entweder den Hörerselbst den Sinn errathen zu lassen oder aber sofort in eigentlichen Worten zu sage»,was gemeint sei. Es ist ohne weitere Auseinandersetzung einleuchtend, welches Lichthiedurch namentlich auch auf die parabolische Lehrart Christi fällt. Welche Rolle das sRäthsel aber im hebräischen Volksleben spielte, dafür dienen Nicht. 14, 12-14 iund 1 Kön. 10, 1. zum genügenden Beweis. — Kaum weniger stark tritt der Werth, sden man auf änigmatische Rede für Ernst und Scherz im politischen und gesellige» sLeben legte, bei den Griechen heraus. Wir erinnern nur an die Geschichte m sOedipus, die Belege für das Gesagte bei Herodot und Plutarch, die Nachrichten über !Sokrates Treiben und Lehrart u. dgl. Andererseits möge nur andeutungsweise hinge- !wiesen werden theils auf die Orakelsprüche, theils auf eine große Zahl griechischer ,Mythen, theils auf die epigrammatische und gnomische Literatur der Griechen, theils >endlich auf die mit dem Räthsel nahe verwandte Thierfabcl. Ileberdies aber galt bei jden Griechen das Räthsel als ein wesentlicher Bestandtheil des geselligen Lebensvon Jung und Alt, bei den Symposien scheint es eine der gewöhnlichsten und be-liebtesten Unterhaltungen gewesen zu sein. Demgemäß haben wir auch in der griechische"Literatur eine gute Zahl wirklicher, meist in metrische Form gebrachter Räthsel, d>e