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Wahrhaftigkeit.
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Wahrhaftigkeit, Lüge, Falschheit, Heuchelei. (Vgl. Dr. Julius RitterDie Lüge nach ihrem Wesen und ihrer pädagogischen Behandlung (gekrönte Preis-schrift). Leer 1863. — H. Köhler, lieber die Wahrhaftigkeit. Brandenburg a/H.t866. — Weber. Die Lüge der Kinder und deren Behandlung in Schule undHaus. Berlin 1869. — Böhme. Des Sohnes Erziehung. Pädagogische Briefean eine Mutter. Dresden 1869. — Völter. lieber die Erziehung zur Wahrhaftigkeitin dessen Pädagogischen Früchten I. S. 1^31 ff. Stuttg. 1872.) Wahrheit ist dieUebereinstimmung des Denkens und des Seins. Die absolute Wahrheit ist allein inGott, allein die Fähigkeit hat doch auch der Mensch von Gott erhalten, nicht nurdas einzelne Sein zum Object seines Denkens zu machen, sondern auch die realenBeziehungen und Verknüpfungen der einzelnen seienden Gegenstände zu und unter ein- 'ander in seinem Denken zu reproducircn. So gewinnt er als Werk seines Erkenntnis-vermögens und Inhalt seiner Erkenntnis Theile der absoluten Wahrheit, oder einzelneWahrheiten. Diesen Inhalt seiner Erkenntnis vermag der Mensch wieder zum Objectseines Willens zu machen, d. h. er ist im Stande, die gewonnenen Bestimmungenseines Geistes wieder aus sich herauszusehen und zwar n) sie auszusprechen, b> nachihnen zu Handel». Dabei hängt es aber von ihm ab, ob er in Wort und Handlungdas Erkannte, also das, was er für Wahrheit hält (und man pflegt der Kürze halberauch dies die Wahrheit zu nennen), aus sich heraussetzen, oder es abändern, ja dasGegentheil an seine Stelle setzen will. Die Eigenschaft des Willens, also die sittlicheEigenschaft, vermöge deren der Mensch seine Worte und Handlungen zum Ausdruckeder Wahrheit (in dein eben bezeichneten Sinne) macht, ist die Wahrhaftigkeit?) Ge-wöhnlich bezieht man den Ausdruck „Wahrhaftigkeit" freilich nur auf die Aeußerungdes Innern durch Worte, weil 1) die Sprache das nächste und häufigste Mittel zurAeußerung des Innern ist, 2) die Handlungen in der Regel von Worten begleitet ^
oder durch sie vermittelt werden, ja oft wesentlich in Worten bestehen, — aber auszu-schließen ist bei Festsetzung des Begriffs der Wahrhaftigkeit auch die Aeußerung deSWillens im Handeln nicht. j
Am nächsten verwandt mit dem Begriffe der Wahrhaftigkeit ist der der Wahr- ^heitsliebe. Wahrheitsliebe ist Hinneigung des Gemüths, des Willens mit allen !seinen, auch den unbewußten, Bestimmungen zur Aeußerung der Wahrheit, Wahrhaftig- . Ikeit Eigenschaft des Charakters, bewußtes Festhalten an der Wahrheit. WahrheitS- iliebend kann der Mensch auch in dem Augenblicke sein, da er sich mit schwerem Herzen >
zu einer Nothlüge Hinreißen läßt, wahrhaftig ist er nicht mehr. Dagegen kann derjenige, > > lwelcher beständig mit der inneren Versuchung der Lüge zu kämpfen hat, sie aber übersi I
windet, wohl wahrhaftig, aber, streng genommen, nicht wahrheitsliebend genannt !werden. — Alles, was der Wahrhafte sagt, ist wahr, der Aufrichtige sagt alles,. ,was wahr ist (natürlich soweit es jedesmal zur Sache gehört), und behält nichts zn- t !rück. Um das letztere handelt es sich allenthalben, wo wir von Aufrichtigkeit sprechen j(aufrichtiges Geständnis, Reue, Lob, Tadel). Wer eine Geschichte ü la Münchhausenerzählt, verstößt gegen die Wahrhaftigkeit, aber unaufrichtig werden wir ihn nicht iienneii,; "Wie untrennbar jedoch beide Eigenschaften sind, erkennt man einerseits daran, laß ?jener Münchhausen sofort unaufrichtig wird, sobald er, wenn gegen seine Erzählung) «Zweifel erhoben werden, die Wahrheit derselben betheuert, andererseits, wenn man be-j >denkt, daß das Verschweigen oder Bemänteln der Wahrheit so gut wie die ausgesfMchene Unwahrheit geeignet ist, falsche Vorstellungen zu erwecken, daß also Aufrichtigkeit! "als ein Erfordernis der vollkommenen Wahrhaftigkeit zu betrachten ist. — Offenheit >
*) Es kommt also hier nicht auf Uebereinstimmung der Aeußerung mit dem Sein, fondea, snur auf Uebereinstimmung derselben mit dem Denken an. „Bei der Wahrhaftigkeit unterem zich in mir selbst ein Inneres und ein Aeußeres, und die Wahrhaftigkeit ist die UebereinstunmuGmeines Aeußeren und meines Inneren" (Deinhardt: Die Entwicklung des Menschen zur Willens-ifreiheit. S. 25).
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