Salzmaun.
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S.
Talzmann, Christian Gotthilf, unter den Pädagogen der philanthropiftischen«nvequng der jüngste, war zugleich der einzige, welcher es vermocht hat auf Grundder in dieser Richtung liegenden Wahrheit ein lebendiges Denkmal seines Geistes undEbarakters in der jetzt noch blühenden und wesentlich in.seinem Sinne fortgeführrenSchnepsenthaler Erziehungsanstalt zu hinterlassen. Er hat aber auch jene Wahrheitlebensvoller und weniger einseitig erfaßt und sie für die Erziehung fruchtbarer zumachen gewußt, als irgend ein anderer derselben Richtung, wozu ihn eine seltne Ver-bindung von Eigenschaften befähigte: herzliche Menschenliebe, Begeisterung mit praktischerBesonnenheit gepaart, uncrmüdete Thätigkeit, ausdauernde Hingebung, aufrichtigeReligiosität, zwar nicht frei von den Schranken der damaligen Zeit, doch nicht ohneTiefe des innern Lebens und die Thatsachen der christlichen Urgeschichte keineswegsverleugnend; dazu in seltenem Maße die Gaben, welche den praktischen Pädagogenmachen, Liebe zur Jugend, Verständnis ihres Sinnes und ihrer Bedürfnisse, Herrsch-säbigkeit, Lehrhaftigkeit und eine ebenso einfache wie anmuthige Beredsamkeit.
Das Geschlecht, ans welchem Lalzmann hervorgieng, war in Thüringen ein-heimisch und hatte sich — eine bei Männern von ungewöhnlicher Begabung undEnergie nicht seltene Erscheinung — erst in der zunächst vorangehenden Generationans geringem Stande zu höherer Bildung und Berufsthätigkeit emporgehoben. SeinGroßvater war Landmann und Gerichtsschöppe zu Schwerstedt, einem Dorfe unweitTenestedt. Sein Vater, Johann Christian, gelangte zu einer Hähern Bildung undwurde Pfarrer, zuerst in Sömmerde, später in Erfurt. — In Sömmcrde, im I. 1744wurde Ehr. Gotth. Salzmann geboren. Er war ein schwaches Kind und wurde nurmit Mühe am Leben erhalten. Auch seinen Mitschülern stand er an körperlicher Kraftund Geschicklichkeit nach. Doch war seine Gesundheit später dauerhaft und gestatteteihm bis ins Alter bei fehr wenig Schlaf ein hohes Maß geistiger Anstrengung. Seinenersten Unterricht hatte er seit dem 5. Lebensjahre bei den Eltern; von der Mutterlernte er das Lesen, voir dem Vater schon damals die Anfangsgründe des Lateinischen.Später besuchte er bis zum 12. Jahre die Ortsschule. Das Leben im elterlichen.Hause war einfach, arbeitsam und fromm. Mit der Bibel wurde der Knabe eingehendbekannt gemacht; er mußte jährlich einmal das Alte und zweimal das Neue Testamentdurchlesen und lernte manche Stellen auswendig, besonders viele Psalmen. Gern er-zählte der Vater aus seinem Leben und wies dabei den Lohn auf die Spuren dergöttlichen Vorsehung hin; er ermahnte ihn zum Gottvertrauen und znm Gebet. Diesereligiöfe Erziehung und der fleißige Umgang mit der Bibel trug bleibende Früchte.Weniger günstig wirkte der Religionsunterricht in Schule und Kirche. „Das Aus-wendiglernen des Katechismus und des Spruchbuchs ohne alle Erklärung" und dasBefragtwerden „über Gegenstände, von denen die Kinder meist gar keine VorstellungHutten", stieß den Knaben zurück, der mit seinem zweifellosen Kindcrglaubcn doch auchschon früh das Bedürfnis deutlicher Vorstellungen verband. — Im I. 1756 kamSalzmann auf das Gymnasium zu Langensalza. Der Aufenthalt daselbst dauertejedoch nur zwei Jahre; die Versetzung des Vaters nach Erfurt veranlaßte auch dieUebersiedelung des Sohnes dorthin, und von nun an besuchte er kein Gymnasiummehr, sondern nahm Privatunterricht und benutzte später auch einige Collegia an derErfurter Universität. Zugleich half er beim Unterricht eines jüngern Bruders, wobeier noch nach alter Art den Stock fleißig handhabte. Im I. 1761 bezog er die Uni-versität zu Jena, um Theologie zu stndiren. Einen tieferen Einfluß ans seine Ueber-zeugung hat indessen damals die theologische Wissenschaft nicht gehabt. Denn zu einerlebendigen Erkenntnis Gottes gelangte er vielmehr durch die Betrachtung der Natur.In dem Rauhthale bei Jena, wo er öfter einsame Stunden zubrachtc, wurde ihm einelebensvolle religiöse Anregung zutheil. Hier, sagte er später oft, habe seine Wieder-geburt angefangen. Seit dieser Zeit hatte er ein tieferes Interesse für die Natur undWe den Gedanken, den er später in seiner pädagogischen Praxis zu verwirklichenI»chte, daß der Mensch vom Sichtbaren aus zum Unsichtbaren geführt werden müße.