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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Lob. Wenn Ehre dievorteilhafte Meinung von jemand hinsichtlich seinerVorzüge" ist undauf diese Meinung gegründetes Ansehen", Lob dagegen die Aeuße-runggünstigen, beifälligen Urtheils"; so wäre Lob der in Worten hervortretendeErweis der im Inneren vorhandenen ehrenden guten Meinung, und somit das unmittel-barste und bestimmteste Symptom der vorhandenen Ehre. Demnach würde, was überLob zu sagen ist, sich aus einer Anwendung der Bestimmungen über Ehre, Ehr-gefühl und die verwandten Begriffe auf diese Aeußerung der Ehre einfach ergeben,und so hätten wir vor allem auf den diese Begriffe betreffenden Artikel zu verweisen(vgl. Aufmunterung und Belohnung).

Nur im Zusammenleben und Zusammenwirken mit andern kann der Mensch seineBestimmung erreichen. Für die Lebendigkeit und Fruchtbarkeit eines solchen Lebensund Wirkens ist es aber eine unerläßliche Bedingung, daß einem jeden die ihm gebüh-rende Ehre gegeben werde. Wem ohne seine Schuld alle Anerkennung von Seiten derMitlebenden und Mitwirkenden fehlte, der würde sich zwar mit dem Bewußtsein seinesredlichen Strebens trösten können und mit der Hoffnung, daß er doch vor Gott Aner-kennung finden werde; immerhin aber würde er die Unfruchtbarkeit und Erfolglosigkeitseines Lebens und Wirkens zu beklagen haben. Ist aber die Ehre die gedeihlicheLebenslust für menschliches Wirken, so ist das lobende Wort gleichsam der einfachsteAörometer, dessen Anzeigen die für feinere Symptome noch weniger empfängliche Jugendam wenigsten würde entbehren können. Darum ist die Wcrthlegung auf Lob demMenschen natürlich, wie die Werthlegung auf Ehre es ist. Ruft doch auch der ApostelPaulus seiner lieben Gemeinde zu Philippi zu (4, 8):Weiter, lieben Brüder, waswahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet,ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach!" Und so wird es wohlnur darauf ankommen, durch richtige Verwendung des Lobes in der Erziehung zu ver-hüten, daß nicht die berechtigte Werthlegung auf Lob in das von dem Erzieher aller-dings mit aller Sorgfalt fern zu haltende Laster des Ehrgeizes ausarte; oder wieHerbart es formulirt:die Hauptsache ist, daß man keinen Ehrgeiz künstlich ernähre,aber auch kein richtiges und natürliches Ehrgefühl erdrücke."

Zu diesem Ende nun ist es vor allem nöthig, daß die Zöglinge in dem Bewußt-sein erhalten werden, wie das Lob nur ein Zeichen der Achtung ist, derensie sich wcrth gemacht haben, und die Achtung nur eine Folge ihrespflichtmäßigen Verhaltens; daß also das letzte und eigentliche Ziel ihresStrebens nicht einmal die Achtung anderer sein darf, geschweige das äußere Lob, son-dern nur die Erfüllung ihrer durch Gottes Gebot ihnen auferlegten Pflicht. Dieserrechten Auffassung des Lobes tritt der Erzieher selbst entgegen, wenn er der ausdrück-lichen Anerkennung äußerer Pflichtmäßigkeit einen zu hohen Werth und eine zu großeWirkung beimißt uyd sie deshalb in seiner pädagogischen Thätigkeit zu stark hervor-treten läßt. Er zieht dann selbst jenen Ehrgeiz groß, welcher in dein Lob und nichtin der Pflichterfüllung das Ziel seines Strebens erkennt, und welcher, weil er selbstein Laster ist, nicht die Ursache von Tugenden werden kann, die diesen Namen inWahrheit verdienen. Beweis dafür bietet die Erziehung der Jesuiten, in welcher jadieser Ehrgeiz der eigentliche Hebel ist (s. d. Art.). Wie sehr die frommen Väter ihre

Pädag. Handbuch. II. 1