1262
Witz.
Zeichnen.
und andern habituell und zum geselligen Gewerbe werden will. Die Jugend dars cmck,nach dieser Seite hin Luft für ihre natürliche Heiterkeit haben, nur soll dabei dieSchranke der Wohlanständigkeit gewahrt und soll zugleich der Einzelne dagegen behütetwerden, entweder als gutmüthiger Spaßmacher unter den Kameraden dienend den eigene»persönlichen Werth einzubüßen, oder seine Lichter in verletzender Weise über Schwasleuchten zu lassen und auf Kosten derselben zu glänzen. Nicht zu übersehen ist auchdaß der ungezügelte Witz in Schelmenstückcn praktisch zu werden sucht, wobei soda,»,'der von der Verstandesseite betrachtet vielleicht gute in der That zu einem moralischschlechten Witze wird.
Haben wir bis daher unfern Gegenstand vorwiegend pathologisch ins Auge gefaßt,,so darf zum Schlüsse doch nicht vergessen werden, daß es auch harmlose und zur an-1ständigen Erholung dienende Hebungen des Verstandes im Ucberspringen von Grabensund im Voltigiren gicbt, das sind z. B. gute Näthsel, in deren Erfindung und Lösungder Witz sich ergehen kanir und wobei sich beides vereinigt: der unwillkürliche Einfall!und das Sichbesinnen. Auch unser Zahlensystem bietet Gelegenheit zu solchen TurnstÜbungen des Verstandes; man denke nur z. B. au die Erscheinungen des Neuners,,die auf den ersten Anblick räthselhaft sich unschwer zur Erklärung stellen. Von dieser!Seite betrachtet lassen sich die Anläufe des Witzes rechtfertigen als Uebergänge ansjdem leichten Denken in das erstere Sinnen.
Z>
Zeichnen.*) Die wesentliche Aufgabe des Zeichnens ist, von einem mit bimsäußeren oder inneren Auge aufgefaßten Gegenstand ein Abbild auf einer Ebene herzu-pstellen. Der Gegenstand kann eiir räumlicher (körperlicher) sein, oder auch einer Flächeangehörcn; im letztem Falle ist er meist, doch nicht immer, selbst schon das Bild eine'im Raum zu denkenden Objects, ein Vorbild für den Zeichner, welches dieser denentweder genau nachzuahmen oder mit Modificationen nachzubilden hat. Dem „Zeichneraus freier Hand," für welches mechanische Hülfsmittel nicht vorhanden sind, stehgegenüber das mit Zirkel und Lineal arbeitende „constructive Zeichnen;" dieses kannur solche Formen wiedergeben, welche sich geometrisch definireu lassen, ist aber;deren genauer Darstellung allein brauchbar. ;
Das Zeichnen ist, wie das schreiben, ein Ausdrucksmittel und tritt alsolches bald selbständig auf, bald im Zusammenwirken mit schriftlicher oder mündlichenMittheilung, häufiger diese unterstützend als von ihr unterstützt. Ganz unentbehrliund durch kein anderes zu ersetzen ist dieses Mittel für die Verständigung im Kunstund Gewerbeleben; man hat mit Recht das Zeichnen „die Sprache der Technik" genaiinllErscheint demnach zur Vorbereitung auf einen technischen Beruf das Erlernen solcheSprache als durchaus nothwendig, so wird ihre Kenntnis andern Berufsarten wenigstenwünschbare Vorthcile bringen, und man hätte Unrecht, wenn man die Bedeutung deZeichnens an Gelehrtenschulen ausschließlich von der ästhetischen Seite beurtheilen wollte
*) Die kürzende Umarbeitung des in der „Encyklopädie des gesummten Erziehung?- unUnterrichtswesens" erschienenen Artikels „Zeichnen" war erschwert durch die Mehrdeutigkeit deauf dem Titelblatt des „Handbuchs" verkommenden Schulnamen. Die Ausdrücke Bürger-,Mittel-, Fortbildungsschule versteht man bekanntlich in den verschiedenen deutschen Staaten mschieden. Nach Erklärung der Redaction sind zu den Mittelschulen die niederen Realschule(denen z. B. in Baden die größeren Bürgerschulen beinahe gleichstehen) zu zählen, bei den genbildungsschulen auch die gewerblichen Fortbildungsschulen zu berücksichtigen. Deshalb, miweil Lehrer an Schulen von beschränkterem Plan doch über Zeichnen nicht einzig da? VPsollen, was ihre Unterrichtsverpflichtung unmittelbar angeht, mußte in den Auszug mehr Wgenommen werden als wenn lediglich auf Volksschulen, auf sehr wenig von ihnen abweichendBürgerschulen und auf die von einer Sonntagsschule nur durch etwas größern Zeitaufwand I>unterscheidende Wiederholungsschule (welche man oft auch Fortbildungsschule nennt) Bedach!,nehmen gewesen wäre.