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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Musik.

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wir diese Forderung auch für Kinder, die leine Prinzen sind, d. h. wir mäßen imMusiklehrcr auch den Menschen achten können, ehe wir ihm ein Kind anvertranen. Wirbegnügen uns, bloß anzudeutcn, wie oft schon Musikstunden bei Mädchen ein Verhältnisherbeigcsührt haben, das nicht unter allen Umständen zum Heil der Schülerin ausgc-schlagen hat. Unter den Charakter-Eigenschaften eines guten Musiklehrers müßenwir aber Eine ganz besonders hervorhcbcn, das ist die Geduld. Geduld braucht wohlkein anderer Lehrer so viel, als der Musiklehrer; und wir wollen ihm die ästhetischeEntrüstung, die der sittlichen Entrüstung über eine Entweihung des Heiligen analogist, nicht wehren; er wäre gar kein Musiker, wenn er derselben nicht fähig wäre; woLiebe ist, ist auch Zorn. Aber das ist dann die Weisheit und Selbstbeherrschung, diewir dem Lehrer zumuthcn, daß er unterscheide, was aus Fahrläßigkeit und Bequem-lichkeit gefehlt wird, und was eben nur die Schwachheit des Anfängers, der Fehlereines erst Lernenden ist, der auch bei bestem Willen passiren kann. Dehnt sich dasunwirsche Wesen des Lehrers auch auf diese Fehler aus, dann cntmuthigt er denSchüler. Muntert er den Zögling vielmehr auf, weiß er ihn namentlich dadurchzu belohnen, daß er ihm nie ein Stück zum Ucberdruß werden läßt, so kommt vielmehr heraus, als wenn er nie zufrieden ist und dem Schüler all seine Leistung verachtet.

2. Neben der eigentlichen Musikübung ist es wegen des lebendigen Zusammen-hangs der musikalischen Bildung mit der allgemeinen und besonders der sittlichen Culturnothwendig, daß dem Schüler auch über Musik etwas zu lesen gegeben wird. Dasmüßen in erster Linie biographische Werke sein, die dem Schüler die Meister in persön-liche Nähe rücken; also Werke, wie Otto Jahns Mozart, Chrysanders Händel,die Sachen von Ulibischeff über Mozart und Beethoven; ferner Niehls musika-lische Charaktcrköpfe; Mendelssohns Briefe, C. M. v. Webers Biographie vonM. M. Weber u. a. m. Brendcls Gesch. der Musik ist bis dahin ebenfalls zuempfehlen, wo er auf die Gegenwart zu sprechen kommt; ein neues, umfassendes Werkhat Reiß mann geliefert. Aber auch Werke von mehr theoretisch-belehrender Art, wieSilchcrs populäre Harmonielehre, Marx allgemeine Musiklehre, Hanslik überdas musikalisch Schöne w. sind in den Kreis solcher Lectürc zu ziehen. Dazu danneine Musikzcitnng wie die Cäcilia unter Dehns, die Euterpe unter HentschelsRedaction: solche Dinge müßen dem Musikschüler zu lesen gegeben werden, dasweitet seinen Blick aus, cs gicbt der Freude an seiner Kunst immer frische Nahrung,und bildet zugleich das Urthcil.

3. Wenden wir Pcstalozzi's Methodik auf die Musik an, wie dies seiner Zeit

von Hans Georg Nägeli, von Krebs u. a. geschehen ist, so werden wir zu demjenigenVerfahren gelangen, daß der Lehrer den Scküler durch strenggeordncte, lückenloseHebungen, durch eine andauernde Gymnastik des Ohres, der Hände oder der Stimme zukünftigen Leistungen befähigen will. Da werden dann keine anderen Stücke gespielt,als die znm Zwecke der Hebung componirt wurden. Das ist offenbar eine methodischePedanterie. Als ob nicht schon während der Uebungszeit sich Momente genug darböten,in welchen, sowohl zur zusammcnfassenden Befestigung, als auch zur künstlerischen Be-lohnung, ein passendes Stück aus der wirklichen, elastischen Musiklitcratur aufgelegtwerden dürfte; und als ob nicht an diesen Stücken selbst die besten Hebungen gemachtwerden könnten! Aber ebenso gewiß ist, daß der ein schlechter Lehrer ist, der, vielleichtder elterlichen Thorheit nachgebend, das Kind schnell ein Stückckcn lernen läßt, d. h.auf einen Walzer, eine Polka es abrichtet, die es recht bald soll vorleicrn können, währendes nicht im Stande ist, von einem ebenso leichten andern Stück auch nur einen Takt

richtig vom Blatte zu spielen! Die tüchtigsten Musiker haben jeden Tag Hebungen

gespielt oder gesungen. Wenn beides in geordneter Weise mit einander verbunden wird,dann wird sowohl die Solidität des Spiels, die ans den Hebungen beruht, als dieFähigkeit, schnell auch das Neue aufznfasscn und zu bewältigen, sicher erlangt.

4. Es gehört zur musikalischen Bildung auch des Dilettanten, daß er schon als

Kind gute Musik hört. Da ist nun freilich eine gebildete Familie, die in irgend einer

banausischen Umgebung lebt, übel daran, sofern cs sich um das Hören von großen

Tonwcrken und großen ausübenden Meistern handelt. Man muß sich cntscbließcn, hieund da expreß zu solchem Zweck eine Reise mit den Kindern zu machen. Desto mehrist dann die Hausmusik Werth, die man sich selber macht. Ist in dieser Beziehung