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Musik.
bedarf, um der Kunst würdig zu dienen, jener sittlichen Haltung, diese bewahrt ihnallein ebensosehr vor der Anmaßung, nur sich hören und hören lassen zu wollen, alsvor der Ziererei und dein preciösen Wesen, das sich bei Dilettanten so oft findet. —Geht aus all' diesem hervor, daß die Kunst, um nicht nur harmonisch in die Gesammt-bildung cinzugreifcn, sondern auch als specieller Bildungszweig zu gedeihen, einer sitt-lichen Basis, einer Gesinnungsbildung bedarf: so ist eben damit auch gewiß, daß sichau der Kunst der ethische Werth und Gehalt des Menschen übt und hebt.
II. Führt uns dies auf das pädagogische Gesetz für die musikalische Bildung, soist oben schon darauf hingcwiescn, daß dieselbe vor allem keine einseitige sein darf.Was also zur allgemein menschlichen Bildung gehört, das erlassen wir begreiflich keinem;diese Regel kennt keine Ausnahme. Auch an den: Manne von großem Talent spürtman es selbst in künstlerischer Hinsicht, wenn au jenem Puuct ein Mangel obwaltet.Und warum wir ihm die allgemein sittlich-religiöse Erziehung nicht erlassen können,ist ohnehin klar; gerade solch ein Individuum bedarf ganz besonders dieses Gegen-gewichtes gegen die ihm spcciell drohenden Versuchungen. Zweitens: Wo nun musi-kalische Begabung sich kund giebt, da muß mau ihr unter allen Umständen die Handbieten. Der regelmäßige Unterricht wird bald offenbaren, wie weit das Talent einreelles, die Neigung eine gründliche ist. Jur schlimmen Fall ist wohl immer noch zueiner Fortsetzung des Unterrichts insoweit zu rathcu, daß damit doch einiges Verständ-nis, also einige Genußfähigkeit erreicht wird, wenn auch die Leistungsfähigkeit geringbleibt; aufzuhören ist es dann noch Zeit, wenn überhaupt die Beschulung, das Stuuden-nehmcn ein Ende hat. Im günstigen Fall aber tritt nun die Frage ein, ob ausdem Schüler ein Dilettant oder Künstler werden soll? Hat er zu letzterem nicktselber einen ganz entschiedenen und andauernden Willen, so versteht es sich von selbst,daß man ihn nicht dazu bestimmt. Erst wenn er selbst, aus vollkommen freien Stücken,den Wunsch äußert und heharrlich dabei bleibt, entsteht die Frage, ob oder nicht?Eine Frage ist's auch dann noch; der Versuch muß unter allen Umständen gcmacktwerden, ihn zu einem Lebcnsbcrufe zu bestimmen und zu befähigen, bei welchem dieMusik nur als Erholung, als Zierde und Würze des Lebens eine Zugabe bildet. Nurwenn dem Erzieher die klare Einsicht wird, daß das unmöglich ist, und wenn zugleicheine wirklich hohe Begabung und entschiedener innerer Beruf vorliegt: dann wird inGottes Namen Ja zu sagen sein; nur um so mehr aber muß der Junge für seinenschweren, versuchungsvollen Lebensweg durch christliche Zucht und Leitung sittlich ge-kräftigt werden, damit er nicht — um mit der Bibel zu sprccken — sein Leben vcr- -liert, indem er sein Leben gewinnt. Für den werdenden Künstler ist aber dann eine isolide Schule der Kunst nothwendig. !.
Lassen wir aber den Künstler und gehen zum Dilettanten über, so ist zu dem inden frühem specicllcn Artikeln Gesagten nur Folgendes beizufügen. >
I. Für den Musikunterricht ist man auf dem Laude meist ausschließlich an die !Schullehrer gewiesen. Da sie von Amtswegen schon für die Schule, noch mehr als sDrganisten Musik verstehen müßcu, so ist dieses Sachvcrhältnis ein ganz angemessenes;ein Lehrer, der auch guter Musiklchrcr ist, findet dadurch eine nicht zu verachtende sNebcneinnahme. Aber der zu ausschließliche Werth, der mehrere Jahrzehnte hindurch sauf Gesang, namentlich Mäunergesang und zwar Vereinsgesang, gelegt wurde, hat die «Folge gehabt, daß sich die jungen Lehrer viel weniger zu einem gründlichen Justru- 'mcntalunterricht hergaben, namentlich die tüchtigen Clavierspiclcr und Geiger selten !wurden. Dafür wird, so viel wir warnehmeu, jetzt wieder besser vorgesorgt. Es ist !auch gewiß eine wichtige Aufgabe der Seminare, die Schulamtszöglmge zu Musik- jlehrern zu bilden; sie sollen doch überhaupt die Träger der Bildung auch in die niedcrn ^Schichten des Volkes sein, also darf ein solch populäres Bildungselcmcnt in ihrer Aus- !stattung nicht fehlen. Das Seminar muß sie zu dem Ende nicht nur mit der Methode §bekannt machen, sondern auch mit der nöthigeu Kenntnis der musikalischen Literatur sausstatten, damit sie im Stande sind, den Schülern die für jede Stufe passenden Stücke !auzugeben und deren Beischasfung zu vermitteln. Ein tüchtiger Lehrer wird immer ieinen Vorrath von solchen sich anlegen, Wohl auch einen großen Thcil selbst abschreibeu. i— Wenn übrigens ein Schriftsteller den Musikunterricht für Prinzen nur unter derBedingung zulassen will, daß die Lehrer keine lasterhaften Menschen seien, so machen