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Mundart.
und schroffen Gegensätze gegen die Gesammtsprache zu mildern wissen. DaS ist jaauch eines der cxpediten Mittel, um Modedamen rasch zu taxiren. Göthe's Spruchgilt auch hier, daß man nur bei edlen Frauen anfragen soll, wenn man lernen will,was sich ziemt. Wenn aber der Tänzerin unversehens ein rothes Mäuschen aus dem !Munde springt: — da wendet inan sich ab.
Wir sind hicmit bereits über das Haus hinausgegangen. Es werden nun aber stauch Gebildete derselben Landschaft, wenn sie unter sich sind, durch keine Rücksicht stgehindert sein, sich der heinrischen Mundart zu bedienen. Gebietet aber gegenseitigeAchtung, sich im Verkehr mit andern Deutschen dcsseir zu entschlagen, was dem andern !nicht geläufig ist, oder sein Ohr beleidigt, dann erwächst infolge schönen, stillschwei- !gcnden Einverständnisses, und geleitet von dem, was die Schriftsprache unveränderlichan die Hand gicbt, eine Ucbereinstimmung des Geschmacks, wie Albert Schott sich !ausdrückt. Je feiner dann die Bildung, der sprachliche Kunstsinn der gesellig Ver-bundenen ist, desto mehr wird ihre Sprechweise als edles Muster gelten. ,
Und von der Schule werden wir nun wohl hinzufügen müßen, daß im vertrau- ilichen Verkehr des Lehrers mit den schillern die Mundart ebensowenig absolut ver-bannt sein kann und soll, als anderwärts. Aber die Grazien sollen auch hier nichttrauern! Der Lehrer darf vertraulich, gemüthlich und natürlich, aber nie roh, unedelund gemein reden. Uebcrall aber beim eigentlichen Lehren und Lernen, da ist bas !beste und reinste Hochdeutsch gerade gut genug, ganz nue in der Kirche. Die Aus- !spräche wird wohl mundartlich gefärbt bleiben, und dadurch der Inhalt so wenigleiden, wie die Form, ja das Ganze noch eindringlicher und werthcr werden. Wasaber geschrieben wirb, oder geschrieben oder gedruckt sein könnte, daran ist die strengsteNorm anzulcgen; denn hier ist überall heiliger Boden der deutschen Spracheinheit,Die Kinder auch der Volks- und Elementarschule, so wortarm urrd unfähig zmuSprechen sie sich wohl von Anfang an zeigen mögen, lernen doch die feinere Redeihres Lehrers bald verstehen. Es bildet sich im Munde des Kindes bald eine Schul- >spräche neben der HauSsprachc, deren es sich im Verkehr mit den Seinigen fortbcdient. jDie Schule hat gerade in Beziehung ans Sprachbildung eine Fülle von Mitteln - -laut lesen, erzählen, schreiben — und vermag dieselben in einem Maße in Anwendungzu bringen, daß der Einfluß des Hauses dagegen sehr herabgesetzt wird. Die Schul-sprache übt sogar bald einen sichtbar befruchtenden und veredelnden Einfluß; sie wirdin der Schule ganz natürlich gehandhabt und ist hier zu Hause.*) Mehr als diesist aber auch nicht zu erstreben, es soll und darf der Lehrer nun einmal nicht ausAusrottung der Haussprache und ihrer mundartlichen Eigenthümlichkcitcn ausgehen,wenn er gleich denselben in der Schule nur ganz geringe Zugeständnisse machen darfund eben nur solche, wie er sie selbst nicht vermeiden kann. >
Für uns Evangelische ist in der Luther'schen Bibel ein Band gegeben, welchessie in der gemeinsamen nationalen Sprache einigt, und aus der reinen, stärkendenDuelle derselben beständig schöpfen läßt, ohne daß sie darum Sprachmuster und Lese-buch abgebcn soll. In Predigt und Kirchenlied, wie im Gebet, sogar im stillen Gebetin der Kammer, erhebt sich ein jeder im Volke zu der edcln, durchgcbildeten, für das »Heilige nach dem Gefühle aller allein recht passenden Form. Es thut auch hier dieser IForm keinen Eintrag, wenn sie naiv provinciell gefärbt wird in Aussprache und Be-tonung, sie bleibt doch die hochdeutsche Bibelsprache. Wir wissen sehr wohl, daßes kein protestantisches und katholisches Hochdeutsch giebt, das ändert aber die Sache !selbst nicht. Es ist jedenfalls im Geiste der Reformation und Luthers begründet, k
„Der Unterschied zwischen dem Hochdeutsch und der Mundart hat sogar für Kindereinen ungemeinen Reiz; sic gebrauchen die in der Schule gelernte Sprache auch beim Spielen.Ein Mädchen z. B., wenn es mit seinen Puppen spielt, läßt unter diesen die Frau wohl meisthochdeutsch mit der Magd reden, weil das Kind in ihr die höhere Gesellschaft repräsentiren will.Bei solcher Gelegenheit kann man die interessantesten Warnehmungen darüber machen, in wieweit schon jene höhere Sprache dem Kinde sich eingeprägt hat, und wie es dieselbe zwischenei»wieder mit seinem gewohnten Dialekt ergänzt." Diese Bemerkung Palmers ist aus Lein Lebengegriffen.