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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Der Geschichtsunterricht.

Kenntnis seiner Sprache voranssehen. Zudem erhält auch die deutsche Geschichte indem Lesebuch eine werthvolle Unterstützung, wenn dasselbe eine gute Auswahl aus de»Schätzen des vaterländischen Schriftthums darbietet. Bei dieser günstigeren Lage läßtsich eine selbständige Verarbeitung des geschichtlichen Inhalts anstreben, welche überdas Kraftmaß der Volksschule hinausgeht. Man wird also nicht versäumen, von denSchülern biographische Darstellungen nach bestimmten Gesichtspuncten zu fordern,z. B. inwiefern stellt sich uns in Themistokles das echte Bild eines Atheners dar?Wodurch haben die Römer im zweiten panischen Krieg bei allen Fehlern, die siemachten, doch ihre geistige Ucberlegenheit über die Carthager an den Tag gelegt? Washat Karl der Große für die Macht und für die Bildung seines Volkes gethan? u. a.

6. In den Schullehrerseminaren verlangt das reifere Alter der Zöglingeeine pragmatische Behandlung der Geschichte in dem Sinne, daß ihnen ein tiefererEinblick in den Zusammenhang der Begebenheiten, in die innere Verkettung der Ur-sachen und Wirkungen gewährt wird. Dies ist nicht möglich ohne bestimmte, scharfeZeichnung der Einzelbilder, aus welchen sich das Gesammtgemälde zusammensetzt,d. h. ohne eine gewiße Fülle des concreten Stoffs. Sonst verliert man sich in einallgemeines Gerede und verleitet die Jugend, sich, statt aus der Tiefe zu schöpfen, mitdem Schaum gelehrter Worte zu behelfen und mit leeren Begriffen, denen die An-schauung fehlt, um sich zu werfen. Nun kann aber innerhalb der verfügbaren Zeitweder die allgemeine, noch auch nur die griechische, römische und deutsche Geschichtevon Anfang bis zu Ende in so ausführlicher Weise gegeben werden. Von selbst wendetsich daher der Blick den geschichtlichen Entwicklungsknoten zu, in welchen die Ergebnisselangjährigen Arbeitens und Ringens zusammenlaufen, und von welchen die Ansätzeneuer Bildungen ausgehen. Es kommt alles darauf an, daß hier eine recht sorgfältigeund eingehende Darstellung gegeben werde. Dann lassen sich von da aus größereZeiträume mit Einem Blick übersehen und man wird sich nicht versucht fühlen, sichan ihrem Detail abzuarbeiten. Diese Knotenpuncte fallen aber im wesentlichen mitdem Geschichtsstosf der Volksschule zusammen. Indem ihnen der künftige Lehrer seinebesondere Aufmerksamkeit zuwendet, wird er mit denjenigen Partieen, über welche erspäter selbst Unterricht zu ertheilen hat, im voraus aufs genaueste vertraut. Die Vor-bereitung des Lehrers stützt sich nicht nur auf naive alte Quellen, sondern auf selb-ständige Verarbeitung wissenschaftlicher Werke. Während seines freien Vortrags magsich der Zögling, der sich im Besitze eines guten Lehrbuchs befindet, das eine oderandere Wort zu Papier bringen. Nachher wird er das Mitgetheilte in wohlgeordnetemZusammenhang wiedergeben. Dieser Wechsel zwischen Lehrvortrag und Wiedererzählungsetzt sich so lange fort, bis der für die Stunde bestimmte Stoff zum Abschluß gebrachtist. Mit Hülfe seines durch die Notizen unterstützten Gedächtnisses und des Lehrbuchsliefert der Zögling für die nächste Lection eine schriftliche Darstellung des behandeltenGegenstandes. In längeren Zwischenräumen folgen mündliche oder schriftliche Repe-titionen. Auch die Privatlectüre tritt in den Dienst des Unterrichts. K. L. Rothsgriechische und römische Geschichte, das Lehrbuch der deutschen Geschichte von Schumannund Hcinze, Luthers reformatorische Schriften, deutsche Dichtungen geistlichen undweltlichen Inhalts aus allen Perioden der Literatur, überhaupt die mannigfaltigstenDenkmale, aus denen der Geist ihrer Zeit redet, können das im Unterricht Dar-gebotene beleuchten und beleben. Seine feste Unterlage aber wird derselbe in einergründlichen Durcharbeitung der historischen Geographie suchen.

Nach den verschiedensten Lehrgegenständen streckt der Geschichtsunterricht seineWurzeln aus, um aus ihnen Nahrung an sich zu ziehen. Der gesammte Unterrichtsoll ihm für seine Zwecke behülflich sein. Er hat ein Recht, das zu fordern. Denner ist ein Glied des Ganzen, und so Ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sichalle Glieder mit. Aber eben darum hat er sich auch bescheiden in den Dienst desGanzen zu stellen. Wollte er sich einseitig vordrängen, wollte er mit der Breite seinesUmsangs und mit dem Gewicht seines Inhalts die übrigen Fächer zusammendrllcken,so würde er sich selbst die Quellen verstopfen, aus welchen ihm sein Leben zufließt.Hat er dem Ganzen seine Früchte dargereicht, hat er das Gemützh mit Ehrfurcht vorden Gedanken und Wegen Gottes und vor seinem Wort erfüllt, hat er den sittlichenWillen gestärkt und geläutert, hat er den Sinn für die Aeußerungen des menschlichen