Der Geschichtsunterricht.
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Noth erfordert, der Wortsinn erläutert, oder, wo die Beziehung ciuf das im geschicht-lichen Unterricht Vorgebrachte besonders wichtig wird, eine kurze Andeutung gegeben.
Bei der Verschiedenheit der im Gebrauch stehenden Lehrmittel mußte im Bis-herigen von einein einzelnen bestimmten Beispiel ausgegangen werden, wenn über dieBehandlung der Geschichte in der Volksschule mehr als nur Allgemeines zur Sprachekommen sollte.
2. In der niederen Gelehrten- und Realschule. Zu einem umfang-reicheren Betrieb lädt das größere Zeitmaß in den Latein- und in den Real-schulen ein. Aber auch bier wird die Kraft der Schüler überschätzt und der übrigeUnterricht beeinträchtigt, wenn man sie schon auf der Stufe der Quarta oder gar derQuinta an die deutsche Geschichte von der Völkerwanderung an heranführt, etwa nach-dem man mit Erzählungen aus der Geschichte des Alterthums und mit den Sagendes griechischen Alterthums schon in der Sexta den Grund gelegt zu haben glaubt.Am passendsten scheint es, der Quarta die vorchristliche Zeit, der Tertia die Zeit nachChristi Geburt zuzuweisen. Abweichungen im einzelnen mag der Gesammtlcctionsplanals räthlich erscheinen lassen. Es mag vortheilhaft sein, die Schüler zuvor in dieAnfangsgrüude der griechischen Sprache und dann erst in die Anfänge der griechischenGeschichte einzuführcu, welche durch eine Uebersicht über die morgenländischcn Reichevorbereitet wäre. Unter dieser Voraussetzung ließe sich die römische Geschichte in derQuarta nicht über die puuischen Kriege hinaus fortführen, so daß in der Tertia Cäsargleichzeitig mit der Lectüre seiner Commentarien au die Reihe käme. Nur müßte mansich hüten, der noch so wenig aufgchellten Geschichte der Aegypter, der Phönizier undder Euphratvölker einen zu weiten Raum zu gönnen, oder sich mit den oft geistreichenHypothesen einzulassen, zu welchen die neueren Ausgrabungen Veranlassung geben. Injedem Falle bildet die Geschichte Deutschlands und der engeren Heimat den Hauptstofffür die Tertia. Was sich aus der Geschichte der außerdeutschen Länder für diesesAlter eignet, „das läßt sich bei der Völkerwanderung, den Kreuzzügen, der Reformationund den nachfolgenden Begebenheiten kurz und in vorwiegender Betonung seiner Ein-wirkung auf unser Volk erzählen" (Schräder). Auch hier müßen überall Personenim Vordergründe stehen; in ihnen werden die Zustände anschaubar. Da zur sicherenAuffassung des Lehrstoffs seine Festigkeit gehört, so sind, wie Schräder mit Rechtbemerkt, ctwauige Zweifel des Lehrers sowohl von dem Vortrag als von den Fragenfern zu halten, und selbst die sittliche Beurtheilung der Personen und der Thatsachenwird einerseits mit Maß, andererseits ohne Wanken und nach einfachen, allgemeinkenntlichen und allgemein gültigen Grundsätzen eintreten müßen. Namentlich dient esnicht zur Förderung des L-chülers, wenn Personen, welche nach der bisherigen Ueber-lieferung einen geachteten Platz in der Geschichte eingenommen haben, auf das be-stechende und doch vielleicht irrige Urtheil angesehener Forscher hin rasch und herbverurtheilt werden. Ob der Eindruck des Vortrags verstärkt würde, wenn der Lehrer-einzelne Abschnitte aus Herodot, Thukydides, Plato (den Tod des Sokrates), Gregorvon Tours, Paulus Diakouus und anderen Originalberichten vorläse, dürfte doch nichtsicher sein. Vorsprechen wirkt immer weit kräftiger als Vorleseu. Besser also, wennder Lehrer seine eigene Erzählung mit solchen belebenden Elementen sättigt! Nach-schrcibcn oder Notizeuschreiben taugt nicht; deshalb genügt auch nicht ein dürrer Leit-faden, welcher nur die nackten Thatsachen, Namen und Zahlen enthält. Der Schülerbedarf zur Befestigung des Stoffs eines sowohl übersichtlich als auch anschaulich ge-schriebenen Hülfsbuchs. Sorgfältige Repetitionen sind unerläßlich. Aber Hausaufgabenaus der Geschichte sollten auch in den niederen Gclehrtenschuleu grundsätzlich vermiedenwerden. Die Realschulen haben keinen Grund, sich länger als die Volksschulenbei den morgenläudischen Völkern aufzuhalten. Dann können Griechen und Römer inQuarta zum Abschluß kommen und die Tertia gewinnt Raum für England, besondersvom Zeitalter der Reformation an, für Frankreich, besonders im Zeitalter Ludwigs XIV.,und für Nordamerika, besonders in den Zeitaltern des Unabhängigkeits- und des Sc-cessionskriegs. Vor der Volksschule hat die Gelehrtenschule den fremdsprachlichen Unter-richt voraus. Die Sprache ist ja nach einem Ausdruck Kerns der überlebende Trägerdes Volksgeistes, sind jedes tiefere Verständnis der Geschichte eines Volks wird diePSdag. Handbuch. II. 85