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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Ter Geschichtsunterricht.

schule ist cs von Vortheil, wenn das Lesebuch die nöthigen geschichtlichen Stoffe ent-halt. Was gegen die Benützung desselben zu diesem Zweck eingewendet wird, beziehtsich immer nur auf den falschen Gebrauch des Lesebuchs als eines Ersatzes für dmfreien Vortrag oder auf die Eigcnthümlichkeit irgend eines bestimmten Lesebuchs.Fordert man aberein nationales Lesebuch" mit ausgesprochener Verpönung desrealistischen Lehrbuchs," behauptet man gar, ein Lesebuch dürfeniemals Lehr- undLernbuch für Schüler sein," sondern müßeLesebuch bleiben und als solches einenSchah unserer deutschen Literatur den Schülern bieten:" so ist doch daran zu erinnerndaß die Schule zum Lernen da ist, und daß ein Lesebuch, welches diesem Zwecke nichtdient, sich zwar vielleicht vortrefflich für die Privatlectüre, aber niemals für die Schuleeignen kann. Krieger hat den eigcnthümlichen Gedanken, auf einen propädeutischenSageucurs den Geschichtscursus in 2 Hauptstufen folgen zu lassen, nämlich im erstenJahredie deutsche Geschichte mit Berücksichtigung der spcciellen Landesgeschichte"mehr concret und kulturgeschichtlich," im zweiten Jahredie deutsche Geschichte mitvorzugsweiser (sie!) Berücksichtigung der allgemeinen Geschichte," auch der alten,mehrnach der politischen Seite und der allgemeinen Idee," welche sich in den einzelnenEreignissen ausspreche, zu behandeln. Bei der politischen Geschichte soll der Vortragim Vordergrund stehen. Die Lectüre wird in die Familie verlegt. Mit Hülfe derLesebücher, für welche die Lxhulbibliotheken sorgen, wird die deutsche Geschichtedaspolitische Hausevangelium." Dagegen ist die Lectüre die Basis des Unterrichts in derCulturgeschichte. Sie beginnt mit dem ersten Theil der Germania des Tacitus,wendet sich zu den Kapiteln 2743 des zweiten Buchs der zehn Bücher fränkischerGeschichte von Gregor von Tours, geht daun zu den Annalen Einhards, zu Widu-kind, Geschichte der Sachsen, zu Wipo, Otto von Freising, Ragewin und Otto vonSt. Blasien über, und schließt mitProben aus den Meisterwerken unserer jetzigendeutschen Geschichtschreibung." Bei einem geschichtlichen Examen aber ist nach Kriegerein praktischer Schulmann daran zu erkennen,daß er sich äußerst wenig um Namen,Zahlen und Thatsachen bekümmert, vielmehr zu erforschen sucht, wie weit das Ver-ständnis der Kinder in der Geschichte reicht, was sie aus der Geschichte für das prak-tische Leben gelernt haben, wie sehr ihr Geist dabei gebildet, ihr Interesse für dieGeschichte erweckt ist worden und welchen Grad von Patriotismus sie sich zugleich er-worben haben." Gewiß ist es etwas schönes um die Erweckung jugendlicher Freudeund Begeisterung. Aber man dürfte sich doch fragen, ob es der Schule gestattet ist,irgend ein Fach in der spielenden Weise zu betreiben, daß der Schüler nur immer neueBilder wie in einer cninora odsouru. sieht, ohne daß er über dieselben genaue Rechenschaftzu geben hätte, ohne daß seine Selbstthätigkeit angeregt, sein Wille in Zucht genommenwürde. Müßte man nicht befürchten, daß der Flattergeist sich auch auf die übrigenFächer verpflanzen, daß die oberflächliche Bekanntschaft mit allerlei Merkwürdigkeitenleere Schwätzer, die nichts Rechtes wissen, heranziehen, kurz, daß die Reihe der Be-denken, welche gegen die Einführung des Geschichtsunterrichts irgend geltend gemachtworben sind, ihre volle Berechtigung erlangen möchte, wenn die Schule ihrer Aufgabeuntreu würde, durch tüchtiges, mit ernster Anstrengung verbundenes Lernen Leute zubilden, welche über ein hinlängliches Maß von Kenntnissen verfügen, um der Grenzenihres Wissens inne zu werden und mit dem Besitz eines soliden Bildungskerns auf-richtige Bescheidenheit zu verbinden? Der Stil des Hülfsbuchs darf nicht dieTrockenheit eines Leitfadens haben, sich aber auch nicht in allzugroße Ausführlichkeitverlieren. Im ersteren Falle würde es zu wenig anregen, im letzteren durch denMangel an Uebersichtlichkeit die Eiuprägung des wesentlichen Inhalts erschweren. BloßeGeschichtstabcllen genügen nicht. Dictate in der Geschichtsstunde rauben zu viel Zeitund verführen zu fehlerhafter Rechtschreibung.

Zur Uebung dienen schriftliche Arbeiten, Dictate in der Rechtschreib-stunde, namentlich aber fleißige Repetitionen, womöglich nach neuen Gesichts-puncten.

Endlich muß auch der sonstige Unterricht der Geschichte, wie diese demersteren, in die Hände arbeiten. Es ist nicht genug, daß man da und dort, wo essich auf ungesuchte Weise bewerkstelligen läßt, eine geschichtliche Reminiscenz anbringe.Vielmehr muß der Gesammtunterricht für das Einzelfach der Geschichte die feste Grund-