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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Der Geschichtsunterricht.

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O. Die Behandlung im einzelnen beginnt, so oft ein neuer Schauplatzbetreten wird, mit der geographischen Grundlegung. In den Gelehrtenschulenwird man sich dabei des historischen Atlasses, in der Volksschule der gewöhnlichenWandkarten, sofern in denselben die alte Geographie berücksichtigt ist, oder einer Karteder alten Weltreiche bedienen. Lassen sich irgendwo die Mittel für Geschichtsatlasseausbringen, dann um so besser! Gefordert kann es nicht werden.

Hierauf folgt die Erzählung. Sie knüpft im Verlauf des Unterrichts jedesmala» das in der letzten Stunde Behandelte an und verbindet, wo ein neuer Abschnittbeginnt, durch eine kurze Uebersicht über den in der Mitte liegenden Zeitraum dasAlte mit dem Neuen. Sie must frei sein. Von dieser Forderung kann nicht nach-gelassen werden, wenn gleich selbst noch Roth und Hirzel die Zumuthung zu starkfinden. Ganz abgesehen davon, daß der freie Vortrag in dem größten Theile Deutsch-lands selbst dem Volksschullehrer amtlich vorgeschrieben ist, gilt hier einfach die Er-wägung, daß ein Lehrer, der seinen Stoff nicht zur freien Wiedergabe bereit hat, wederin materieller noch in formeller Beziehung zum Geschichtsunterricht befähigt ist. Inmaterieller Beziehung nicht, weil er seinen Stofs nicht beherrscht, in formeller nickt,weil er sich nicht die Nöthigung auferlegt hat, ihn der Fassungskraft und dem Interesseseiner Schüler anzupassen. Trägt der Lehrer die Erzählung frei vor, so muthet er demSchüler nicht zu, Dinge zu wissen, die er selbst nicht weiß. Für die Einhaltung desrichtigen Maßes ist gesorgt, der Schüler vor Ueberforderung geschützt und überdieszur lebendigsten Theilnahme erweckt. Das Lernen wird ihm durch ein und dasselbeMittel leicht und fruchtbar gemacht. Aber auch der Lehrer hat nur bei der erstmaligenErstellung des Unterrichts einen erheblichen Zuwachs von Mühe., Je öfter er dengleichen Stoff zu behandeln hat, um so reichlichere Zinsen darf er aus dem einmalaufgewendeten Capitale ziehen, um so sicherer wird er den Gegenstand handhaben, umso freudiger jede Gelegenheit zu Verbesserungen benützen. Zuerst wird er also den zubehandelnden Abschnitt in dem eingeführten Lehrbuch Nachlesen, dann aber alte einfacheQuellen zu Hülfe nehmen.Die Sprache der Quellen ist im allgemeinen die Spracheder Kinder im besten Sinne des Worts" (Eberhardt). Er wird von Herodot, vonLivius und von Cäsar, nöthigenfalls aus Uebersetzungen, lernen, wie man erzählt. Für dieKirchengeschichte und die vaterländische Geschichte können ihm Quellenauszüge, wie siez. B. für die letztere in dem Lehrbuch der deutschen Geschichte von Schumann undHeinze geboten werden, ersprießliche Dienste leisten. Er wählt sorgfältig aus,was er für seinen Zweck brauchen kann und verschließt den Zugang allem nicht Her-gehörigen oder für feine Schüler nicht Passenden. Dann sorgt er für durchsichtigeGliederung der Erzählung und nimmt sich anfangs die Mühe, dieselbe geradezumcderzuschreiben, damit er sich auch in der Wahl der Worte an Deutlichkeit,Anschaulichkeit und Einfachheit gewöhne und sich nicht durch das BestrebenEindruck zu machen, zur Verletzung der geschichtlichen Treue und WahrhaftigkeitHinreißen lasse. Diese Art der Vorbereitung hat ihn, wenn er überhaupt zum Lehrertaugt, so tief in seinen Gegenstand hineinversetzt und ihm eine solche Theilnahme fürdenselben abgewonnen, daß es ihm nun gar nicht anders möglich ist, als denselbenauch mit lebendiger Wärme vorzutragen. Da aber selbst die beste Erzählung,wenn sie zu lang ist, ermüdet, so befleißigt er sich der Kürze, oder bricht, wenn derStoff erst nach längerer Ausführung zu einem gewißcn Abschluß zu bringen ist, glieder-weisc ab, um erst durch Fragen den Inhalt zu befestige» und zu verdeutlichen, ehe erzu einem neuen Theil seiner Erzählung übergeht. In den Vortrag selbst jedoch mischter keine Fragen. Sie können da nicht belebend, sondern nur zerstreuend wirken.

Der Erzählung müßen gedrängte Uebersichten folgen, und einige Haupt-puncte darin chronologisch memorirt werden" (Herbart). Manmarkirt die Haupt-iheile durch Anschreiben von Dispositionssätzen. Nach jedem Hauptabschnitt werdendie Kinder veranlaßt, das Entwickelte in einige Kernsätze zusammenzufassen" (Guth,praktische Methodik). Dem Gedächtnis also kommt man dadurch zu Hülfe, daß mandie wichtigsten Sätze, Namen und Zahlen, d. h. die festen Puncte, welche dem Ganzenseinen Halt geben, an die Tafel schreibt, dem Verständnis durch Fragen, beidem. da-durch, daß die Schüler das Erzählte kurz wiederzugeben haben.

Nun wird der entsprechende Abschnitt im Lehrbuch gelesen. Für die Volks-