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Ter Geschichtsunterricht.
Chlodwigs; hierauf ein langsamer Rückzug zu dem Ausgangspunkte, wobei die Ver-änderungen erklärt werden u. s. w. Der Fortschritt von einem Geschichtscentrum zueinem ziemlich entlegenen zweiten verdien: an sich keinen Tadel. Aber die Brückekann nur entbehrt werden, wenn der Fluß in der Mitte nicht allzubreit ist. Die plötz-liche Veränderung des Schauspiels wird dann unter Umständen überaus wirkungsvoll.Man erwartet gespannt die Erklärung. Anders verhält cs sich, wenn Jahrhundertedazwischen liegen. In diesem Falle muß eine kurze Uebcrsicht über den weiteren Ver-lauf der Dinge von der ersten Geschichte zu der zweiten hinüberführen. Es ist einFehler, wenn sie nachfolgt, und ein noch größerer, wenn sie dann wohl oder übel vonden späteren Zuständen ausgehcn und den Weg zu den früheren mit nach vorn ge-wandtem Angesicht tastend zurücklegen muß. Dagegen kann das regressive Verfahrensehr fruchtbar werden, sobald es nur bei der Repetition zum Zwecke größerer Ver-tiefung in den Gegenstand eingeschlagen wird. Im allgemeinen ist also der pro-gressive Gang beizubehalten. Zwar wird schon in der Mittelclasse der Volksschuleeine größere Anzahl historischer Erzählungen ohne Rücksicht auf die Zeitfvlge zu untcr-richtlichcr Behandlung kommen und auf eben dieser Stufe wird auch die Heimatkundezu Rückblicken aus der Gegenwart in die Vergangenheit vielseitige Gelegenheit bieten.Allein zum eigentlichen Geschichtsunterricht gehört dies alles noch nicht, so manchenGewinn derselbe auch aus solcher vorläufigen Einführung der Schüler in einzelneTheile seines Gebietes ziehen mag.
Vielfach wird der Fortschritt in concentrischen Kreisen empfohlen. Für dieGymnasien ist er eine Nothwendigkcit, weil derjenige Theil der Zöglinge, welcher dieAnstalt im 14. oder 15. Lebensjahr — nach der Tertia — verläßt, nur mit der griechischenund römischen Geschichte höchstens bis auf Konstantin den Großen bekannt würde, wennman dem Verlangen Roths gemäß Mittelalter und Neuzeit auf das zweite Jahr der Se-kunda und auf die Prima aufsparen wollte. Der Vortheil, daß mau dadurch ganz vonselbst einen Stufengang vom Leichteren zum Schwereren gewänne, würde durch den ma-teriellen Nachtheil weit überwogen. Dagegen erscheint es als sehr fraglich, ob sich miteinem Doppclcurs vor dem 14. Jahr der Zweck erreichen läßt. Es gehört nun einmalZeit dazu, wenn der Schüler in einem ihm noch neuen Gebiete heimisch werden soll.Mit zu großer Hast muß man die Jahrhunderte durchjagen oder zu weite Lücken hintersich lassen, wenn man sich die Aufgabe stellt, das Ganze zweimal, etwa von verschiedenenGesichtspuncten aus vorzunehmen. Das erstemal werden die Gesichtspuncte fehlen,weil der Stofs Mühe genug macht, das zweitemal wird der Stoff zu den Gesichts-puncten fehlen, weil man in der kurzen Frist nur wenig Stoff hatte geben können.Gar keine Schwierigkeit hat der fortlaufende Lehrgang, wo die Schüler mit jedemJahre zu einer höheren Classe aussteigen. Hirzel fordert für die Lateinschüler desdritten Jahres eine kurze Uebcrsicht der orientalischen Völker, für das 4. Jahr Ge-schichte der Griechen, für das 5. Geschichte der Römer, für das 6. Geschichte derDeutschen; Schräder für die Quarta die griechisch-römische, für die Tertia die vater-ländische Geschichte. Da die Volksschulen weder in dem Inhalt des sonstigen Unter-Vichts noch in den Fähigkeiten der Schüler eine ebenso kräftige Unterstützung findenund zudem oft noch weniger Zeit für das einzelne Realfach zur Verfügung haben, sodürfen sie nicht hoffen, dieselben geschichtlichen Zeiträume wie die niederen Gelehrtcn-schulen in denselben 4 Schuljahren mit dem Erfolg, daß an den Kindern wirklichetwas haften bleibt, zweimal durcheilen zu können. Am wenigsten kann dies in der ein-classigen Volksschule gelingen, welche in Württemberg für das erste und das dritteJahr der Oberstufe Geographie und Naturlehre, für das zweite und das vierte Natur-geschichte und Geschichte auf dem Lectionsplan hat. Freilich tritt hier der Misstandein, daß die Hälfte der nachrückenden Schüler den Unterricht in der vaterländischenGeschichte vor dem Unterricht in der alten Geschichte erhält. Aber durch Verwendungeiniger Stunden auf Repetitiou läßt sich der Schaden so ziemlich heilen. Das Be-denken, daß dann der schwierigere Theil vor dem leichteren käme und daß die Kiiider2 Jahre später jedenfalls gereifter und fähiger wären, die mittlere und neuere Ge-schichte zu verstehen, fällt für die Volksschule nicht so sehr ins Gewicht, weil ihre Zög-linge die Hülfe der alten Sprachen entbehren, so daß für sie der Unterschied in derLeichtfaßlichkeit auf ein Geringes herabgemindert wird.