Der Geschichtsunterricht.
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Völkerleben gehabt hat. Man denke an das abgeschlossene Palästina in der Ecke, inwelcher 3 Welttheile Zusammenstößen, an das reichgeglicderte Griechenland, die Brückezwischen Orient und Occident, an Rom im Ccntrum der Länder des 'Mittelmeers, andie Stellung Deutschlands im Herzen Europas zwischen Romanen und Slaven mitdem Gebirgswall der Alpen, der den rauheren Norden von dem üppigen Südlandirennt, und der offenen Ostgrenze, welche das Hinundherfluten der Völkerschaften be-günstigte. Aber die gegenseitige Bezugnahme muß sich in engen, festen Grenzen halten.Weder darf die Geschichte der Geographie ihren Gang verschreiben, wie bei Kapp(Leitfaden beim ersten Schulunterricht in der Geschichte und Geographie 1845) undPütz (Grundriß der Geographie und Geschichte), noch die Geschichte zur dienendenMagd der Geographie werden. Vielmehr ist streng darüber zu halten, daß jedes Fachgesondert für sich betrieben werde und daß es fremdartigen Stoffen nur insoweit Gast-recht einräume, als es in seinem eigenen Interesse unumgänglich nöthig ist. Aufeine Benachtheiligung der Geschichte zu Gunsten der Geographie läuft im Grunde auchder von Harnisch entworfene Plan hinaus, die Geschichte einer alle Realien in sichvereinigenden Weltkunde einzugliedcrn. Hienack würden Geographie, Mineralogie,Physik, Botanik, Zoologie, Anthropologie, Statistik und Geschichte in geschlossener Kettezuerst als Kunde der Heimat, hierauf als Kunde des Vaterlandes, zuletzt als Kundeder Erde auftreten. Durch eine solche Verschmelzung verschiedener Unterrichtsgegenständewird weder das Lehren für den Lehrer, noch das Lernen für den Schüler vereinfacht.
Aber auch die von Stiehl vorgeschlagene Anordnung des Stoffs nach den Gedenk-tagen des Calenders zerstört zu sehr allen chronologischen und sachlichen Zusammen-hang, als daß sie sich zu behaupten im Stande gewesen wäre.
Beschränkt man sich, wie dies in der Volksschule nöthig ist, auf die 3 Haupt-völker, Griechen, Römer und Deutsche, so erzielst sich die ethnographische Behand-lung von selbst, und nur bei der Repetition wäre von der synchronistischenGebrauch zu machen, damit die Scküler das ungefähr Gleichzeitige zusammenschauenlernen. Herbart verlangt, daß der Schüler die Geschichte mit gleicher Leichtigkeitrückwärts, vorwärts oder seitwärts synchronistisch in Gedanken durchlaufen könne.Dieser Forderung wäre etwa in denjenigen Schulen eine größere Bedeutung beizu-messen, welche auch Frankreich und England in den Unterrichtskreis hereinzögen. Dannließen sich seinem Vorschlag gemäß die meisten Thatsachen der mittleren Geschichte bisauf Karl den Großen als Zusätze zu dem Gemälde der Völkerwanderung behandeln.Hierauf folgte die deutsche Geschichte. Bei dem Bannfluch, der Ludwig den Bayerntraf, und bei der Frage, wie die Päpste nach Avignon kamen, würde man abbrechen,um zu der Geschichte von Frankreich und England überzugehen und dieselbe nach-zuholen. Für die neuere Geschichte empfiehlt er sorgfältige Sonderung der drei durchden westfälischen Frieden und die französische Revolution von einander abgcgrenztenPerioden; man hätte dabei zuerst synchronistisch die Hauptbegebenheiten einer jedenund darauf das Nöthigste von den einzelnen Ländern zu erzählen. Allein dein syn-chronistischen Unterrichtsgang klebt immer und überall der Makel der Zerfahrenheit an.Man halte also auch in Realschulen bis zum westfälischen Frieden den Faden derdeutschen Geschichte fest und wende sich dann erst der französischen und der englischenGeschichte zu, um sie von dem Beginn der Reformation an bis in die Mitte des17. Jahrhunderts fortzusühren. Dann würde sich der zweite Abschnitt der neuerendeutschen Geschichte bis zum deutsch-französischen Krieg anreihen und die Geschichteder andern Länder in gleicher Weise hinzukommen. Unter keinen Umständen jedochdürste aller Stoff als gleichwerthig betrachtet, oder gar eine gewiße Vollständigkeiterstrebt werden, sondern eS könnte sich nur darum handeln, innerhalb des bezeichntenRahmens Geschichten aus der Geschichte zu geben.
Der zuerst von Salzmann betretene regressive Weg ist seither nur von wenigenbegangen worden. Man hält es wohl für etwas Verdienstliches, daß die Schüler hierzuerst in der mit ihrem eigenen Leben innig verwobenen gegenwärtigen Welt orientirtwerden, um sie verstehen zu lernen. Allein wenn auch aller Anfang schwer ist, soumß man doch nicht gerade mit dem Schwersten den Anfang machen. Eine eigen-tümliche Form nimmt die rückwärts sckreitcnde Methode bei Biedermann an: Zuerstmi Bild der ältesten Zustände Deutschlands; hieraus ein Sprung etwa zum Zeitalter