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Der Geschichtsunterricht.
liegen, welche dem jugendlichen Gemüth nicht zusagt. Sondern der Lehrer hat diePerson zum Mittelpunkt seiner Erzählung zu machen und um sic diejenigen Begeben-heiten zu gruppiren, deren Urheber sie gewesen oder von denen sie betroffen worden ist."Das Kind will eben Thaten sehen, und Thaten geschehen durch Personen, erweckenauch nur Thcilnahme, wenn die persönliche Gesinnung, aus welcher sie hervorgegangensind, durch sie hindurchscheint. Es braucht jedoch nicht immer eine Hauptperson da zusein; die Thcilnahme kann sich auch einem ganzen Volk znwendcn, nachdem das Kinddurch eine Reihe typischer Einzelpersönlichkeiten mit demselben vertraut geworden ist,z. B. den Juden bei der Zerstörung Jerusalems. Dies gilt namentlich für solcheTheile der neueren Geschichte, in welchen eine größere Reihe von Personen handelndanftritt, ohne daß eine derselben in den Mittelpunkt gestellt werden könnte. Wennaber befürchtet wird, die „beliebten Geschichtsbilder" bringen den organischen Zusammen-hang der Geschichte den L-chülern nicht zum Bewußtsein, so ist dem entgegenzuhalten,daß sie denselben entweder gar nicht, oder nur auf Grundlage von Einzelbildern er-fassen werden. Wenn irgendwo, so findet hier die psychologische Regel Herbarts ihreAnwendung, daß man zuvor für Vertiefung in's Einzelne sorgen, bei einem Punctverweilen und dann in gleich stetiger Weise zu einem zweiten, dritten u. s. f. fortschreitenmüße, ehe man einen zusammenfassenden Ueberblick geben, die verschiedenen Punkte inBeziehung zu einander setzen und so den Schüler zu dem, was er Besinnung nennt,anleiten könne.
6. Die Gliederung des Stoffs wird eine verschiedene, je nachdem mandie mannigfaltigen Lebenskreise, oder den Lehrgang verwandter Unterrichtsfächer, oderden Calender, oder die Reihe der Völker, oder die Zeitfolge sei's nach rückwärts, sei'snach vorwärts zum Eintheilungsgrund macht, wobei immer noch die Möglichkeit bleibt,daß der Unterricht auf höheren Stufen den schon behandelten Stoff in neuer Formund nach anderen Gesichtspunkten darbiete. Demgemäß redet man von einer gruppiren-den, einer anlehnenden, einer kalendarischen, einer ethnographischen, einer synchronistischen,einer regressiven, einer progressiven Methode und einem Fortschritt in concentrischenKreisen.
Die von Haupt vorgeschlagene grnppirende Methode hat sich nicht einbürgernkönnen. Wenn er auf der untersten Stufe Bilder aus dem häuslichen Leben allerVölker und Zeiten zur Veranschaulichung der häuslichen Tugenden, auf der mittlerenBeispiele von geselligen Tugenden, auf der obersten Schilderungen aus dem politischen,religiösen, wissenschaftlichen und künstlerischen Leben zur Begründung der Vaterlands-liebe, des Gemeingeistes u. s. w. vorgeführt wissen wollte, so lag beides klar zu tage,daß der Geschichte durch die Zerreißung des natürlichen Zusammenhangs, und daßdem kindlichen Geiste durch die Nöthigung, dem Gang der Begebenheiten nach einzelnenabstrakten Gesichtspunkten zu folgen, Gewalt angethan werde.
Bei der anlehnenden Methode soll die Geschichte entweder mit der biblischenGeschichte oder mit der Geographie oder mit allen übrigen Gebieten der Weltkundeals ein wesentlicher Theil derselben verbunden werden. An den Unterricht in derbiblischen Geschichte läßt Raumer den Geschichtsunterricht sich anlehnen. Alleindie biblische Geschichte muß, um ihre volle Wirkung ausüben zu können, für sich ge-nommen werden, und nur in dienender Stellung soll daS Wichtigste aus der Geschichteder orientalischen Völker, der Aegypter, der Euphratvölker, der Phönizier und der Perserauftreten. Die Verbindung mit der Geographie, welche z. B. der badische Lehr-plan fordert > läßt sich mit Vortheil nur in der Weise vollziehen, daß nicht etwa derGeschichte der ganz andersartige Lehrgang des geographischen Unterrichts aufgedrungen,sondern nur der jedesmalige Schauplatz der Begebenheiten der Anschauung wieder nahegerückt wird, wie umgekehrt in dem geographischen Unterricht auf die geschichtliche Be-deutung der behandelten Orte und Völker hinzuweisen ist. Andeutungen über dieWechselbeziehung zwischen Land und Volk dürfen auch in der Volksschule nicht ganzfehlen. So ist z. B. bei der geographischen Behandlung Palästinas und Deutschlandsder Einfluß zu beschreiben, welchen die geschichtlichen Begebenheiten auf die Umgestal-tung des Landes, darinnen Milch und Honig floß, und des Landes der Wälder undSümpfe ausgeübt haben, andererseits aber auch in der Geschichte auf die Bedeutunghinzuweisen, welche das Land für das Leben seiner Bewohner und ihre Stellung m