Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
1337
Einzelbild herunterladen
 

Ter Geschichtsunterricht.

1lA17

die Buchdruckcrkunst, Eolumbus, Luther, der dreißigjährige Krieg.Hier bietet sich auch reichliche Gelegenheit, am geeigneten Drt das Nöthigc aus derGeschichte der engeren Heimat mitzuthcilen. Das dritte Ccntrnm endlich ist die Neu-zeit. Im Lesebuch reden die modernen Menschen. Denn wir scheu hier davon ab,daß es, wie z. B. das württembergische, auch werthvolle Urkunden aus früheren Zeiten,;. B. Aussprüche Luthers, die Lebensbeschreibung Luthers nach Mathcsius, und überdcmeine lange Reihe geschichtlicher Abschnitte enthalten und dadurch auch für Alterthumund mittlere Zeit eine Hülfe bieten kann. Die neuere Geschichte dcS Vaterlandesgipfelt in der Gründung des deutschen Reichs. In der Reformation hat sich der deutscheGeist die innere, in den Kämpfen der jüngsten Vergangenheit die äußere Selbständig-keit errungen. Und wie einerseits die Wirkungen der crstcren bis in die Gegenwarthereinrcicheu, so ist auf der anderen Seite ersichtlich, daß die Wege Gottes seit Jahr-hunderten das nun erreichte politische Ziel vorbereitet haben. Hicher gehören außerden Erzählungen aus der spcciellen Landesgeschichte: Friedrich II., die franzö-sische Revolution, die Freiheitskriege und der deutsch-französischeKrieg 1870 und 1871. In den Lateinschulen wird entsprechend dem Inhaltdes übrigen Unterrichts besonders das Alterthum, in den Realschulen Frankreichund England eingehender berücksichtigt werden. Auch in Volksschulen werden sich denaufgezählten Stoffen zur Ausfüllung der Lücken noch andere anreihcn lassen. Wennaber Lorenz (über Gymnasialwesen, Pädagogik und Fachbildung 1879) die Vorliebeder Pädagogen für die römische Republik und die Hintansetzung der römischen Kaiscr-zeit, in welcher als der wichtigsten Epoche der alten Geschichte die Wurzeln der christ-lichen Weltanschauung liegen, nur aus der Schwäche des pädagogischen Gedächtnisseszu erklären weiß, so ist mit Nachdruck ans den Grundsatz hinznweiscn, daß nur solchePartien der Geschichte ausführlicher behandelt werden dürfen, für welche auch die Em-pfänglichkeit der Schüler durch den übrigen Unterricht reichlicher aufgeschlossen ist.

Was die Form betrifft, in welcher der L-toff barzureichen ist, so baben seitHerbart viele namhaften Pädagogen der Biographie das Wort geredet. Ziller be-gründet dies mit dem Zweck des Geschichtsunterrichts, das sympathetische Interesse füreinzelne und für ganze Gesellschaftskreise zu wecken. Man wolle wohl auch die Bc-urtheilung bei den Personen und Ereignissen ans dem Spiel lassen, allein dies seiunmöglich, weil sie sich unwillkürlich und nothwendig anfdränge und sie könne, wennsie sich auf die Thatsachen und ans die richtigen sittlichen Grundsätze stütze, auch nichtparteiisch sein. Roth sagt:Durch die Beschränkung dcS Geschichtsunterrichts anseinen mäßigen Umfang wird cs möglich, daß der Schüler Geschichte lernt, d. i. Bildervon Ereignissen in seinen Geist anfnimmt. Das wird geschehen, wenn es immer nurPersönlichkeiten sind, deren Thatcn, Leiden und Verhältnisse den Faden der Geschichts-erzählung ausmachen. Eben dadurch wird der Schüler allmählich zur Vorstellung vonGesammtheiten und deren Zuständen und Verhältnissen hingeleitet werden; was daniemals geschieht, wo man gleich von vornherein vom Staate, von der Gesetzgebungund Verwaltung und von öffentlichen Zuständen spricht, die ja der Schüler auch inder Gegenwart nicht anfznfasscn im Stande ist." Dagegen legt Hirzel (Vorlesungenüber Gymnasialpädagogik 1876) ein Gewicht darauf, daß die Geschichte von Anfangan im Zusammenhang erzählt wird. Weniger die Person als die Verkettung derBegebenheiten solle dem Schüler vor Augen gelegt werden; manche sehr wichtige Ver-hältnisse und Einrichtungen lassen sich nur gezwungen an Personen anreihcn, nur woweltgeschichtliche Männer zugleich die Herrscher großer Staaten seien, lagern sich dieEreignisse an eine Person an, die biographische Form verschiebe den richtigen Gesichts-punkt und stelle manche Person in ein Licht und in eine Bedeutung, die ihnen nichtgebühre. Andere (Willmann, Ebcrhardt, Sachse, Krieger re.) machen noch geltend:zum Verständnis einer Biographie gehöre das vorausgchende Verständnis der ge-schichtlichen Epoche, welcher eine Person angchörc, und ein so hoher Grad von Menschen-kenntnis und IlrthcilSfähigkeit, daß einem Kind nicht zngemuthct werden könne, demLehrer auf solchen Wegen zu folgen. Was den letzteren Einwand betrifft, so ist dieMeinung wohl bei keinem Pädagogen die, daß sich der Lehrer besonders mit derEharakterschilderung der Helden zu beschäftigen habe.Hierin würde vielmehr," ummit Schräders Worten zu reden,eine Schwierigkeit und eine Art der Abstraktion