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Der Geschichtsunterricht.
ausgenommen werde»? Herbart urtheilt darüber, sie sei nicht überall von gleichemInteresse und wegen ihres Zusammenhangs mit größeren Begebenheiten vielfach un-verständlich, wenn^sie aus deren Mitte herausgerissen der früheren Jugend vorgetragcnwerde. Damit ist im wesentlichen das einzuhaltende Verfahren vorgezeichnet. Warman früher vielfach geneigt, die Geschichte auch der kleinsten Staaten weit über dasMaß ihrer Bedeutung hinaus aufzubauschcn, so droht heutzutage die Gefahr, in dieentgegengesetzte Einseitigkeit zu verfallen. Es wäre aber eine arge Verkehrtheit, zumeinen, eine echte Liebe zum großen deutschen Vaterland, von dessen Wohl das Wohlaller einzelnen Glieder abhängt, könne aus einer Gesinnung hervorwachsen, welchevon der eigenen Heimat gering denkt. Man wird also schon auf der Mittelstufe dieBeschreibung des Heimatorts, der heimatlichen Umgegend und des Heimatlandes mitErzählungen aus der Landesgeschichte beleben, später aber im Rahmen der deutschenGeschichte die Landesgeschichte so reichlich bedenken, als ihr Gehalt es fordert.
Noch erübrigt die Beantwortung der Frage, welche Thcile der Geschichteden unveräußerlichen Grundstock des Unterrichts zu bilden habe».Das Kind der evangelischen Volksschule besitzt im wesentlichen dreierlei Quellen,aus denen es seine geistige Nahrung schöpft: 1) die h. Schrift, 2) den Katechismusund das Kirchenlied, 3) das Lesebuch, d. h. die Urkunde des Ehristcnthums, die wich-tigsten Urkunden der Reformation und eine für die Jugend berechnete Auslese aus derneueren Literatur. In der h. Schrift reden zu ihm die Männer Gottes, welche mit-betheiligte Zeugen der heiligen Geschichte gewesen sind; im Katechismus redet zu ihmder große Reformator in seiner eigenen musterhaft einfachen und großartigen Sprache;im Kirchenlied vernimmt cs aus drei Jahrhunderten die Stimmen der edelsten Sängerder evangelischen Kirche; im Lesebuch hört es die Sprache der modernen Welt, AlsoChristenthum, Reformation, Neuzeit, das sind die drei großen Gebiete, indenen es schon durch den Gesammtnnterricht heimisch wird. Die biblische Geschichtezeigt ihm ein Volk des Alterthums unter der heiligenden Zucht des göttlichen Geistes.Sie führt es eben damit in den Geist des Alterthums überhaupt ein, und zwar nmso wirksamer, je greller der Gegensatz zwischen Israel und den Heidenvölkcrn wird.Dadurch treten ihm auch die beiden ausgezeichnetsten Kulturvölker, welche mit denJuden in Berührung kamen, die Griechen und die Römer, nahe, und das Verständnisihrer Geschichte wird ihm erleichtert. Andererseits sind die Verschmelzung des Abend-lands mit dem Morgenland durch Alexander, die Herrschaft griechischer Sprache undCultur im Bereiche der bekannten Welt, die Zertrümmerung aller nationalen Sonder-existenzen durch die Römer und die Vereinigung derselben unter Einem Scepter eben-soviele kräftige Mittel gewesen, dem Christcnthum die Wege zu bahnen. Der Schülerkann also nicht nur — was schon oben nachgewieseu ist —, sondern er muß auckdas Wichtigste aus der Geschichte der Griechen und der Römer erfahren, wenn ihmdie Erscheinung des Christenthums in der wünschenswerthen Weise verständlich gemachtwerden soll. Also Bilder aus den hellenischen Freiheitskriegen, Alexan-der, Bilder aus der römischen Republik, Augustus, ZerstörungJerusalems, die alten Christen. Das zweite Centrum ist die Reformatio».Ter Ertrag derselben ist in Luthers Katechismus, besonders in der Auslegungdes apostolischen Symbols niedergelegt, welche die ganze Sicgesfreudigkcit des evange-lischen Glaubens zum Ausdruck bringt. Die Reihe der Kirchenlieder vergegen-wärtigt die weitere Entfaltung dieses Glaubenslebcns bis in die späteren Zeiten hinein.Aber nicht zufälligerweise ist Deutschland die Wiege der Reformation. Es ist ebender deutsche Geist, der sich hier in seinem innersten Wesen findet, indem er zu demBewußtsein gelangt, daß ihm das Höchste, das ewige Heil in Christo, ohne jede ihmvon außen aufgcdrungene menschliche Mittlerschajt rein durch seine persönliche Be-ziehung zu Gott zutheil werde. Die ganze deutsche Vergangenheit erscheint so unterdem Gesichtspunkt einer Vorbereitung dieses größten Werkes. Nun lassen sich aberdie Bewegungen des Mittelalters nicht begreifen, wenn nicht, wie Herbart mit Rechtverlangt, seine Grundlagen: Islam, Papstthum und Kaiscrthum, sorgfältig hcrvor-gestellt und erklärt werden. Also: die alten Deutschen, die Einführung desChristenthums in Deutschland, Muhammed, Karl der Große, Bilderaus der Kaiser- und der Papstgeschichte mit Einflechtung der Krcnzzüge,