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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Waisenhäuser.

Landschaften, welche entschieden katholisch oder protestantisch waren, durften lange nurKinder der herrschenden Konfession zugelassen werden; dagegen gestattete man in Frank-furt a. M. Kindern aller christlichen Konfessionen den Eintritt. Andere Aufnahme-bedingungen bezogen sich auf das Alter. In Amsterdam sollten nur solche Kinderausgenommen werden, welche das 9. Lebensjahr noch nicht erreicht hätten. Fm- dasHallische Waisenhaus galt als Regel, daß Verwaiste nicht vor dem vollendeten lg. undnicht nach dem 12. Jahre zugelassen werden sollten. In andern Waisenhäusern nahm !

man das vollendete 6. Jahr als Termin an. An vielen Orten fand (und findet) jähr-lich nur einmal Aufnahme statt. Fast überall gieng der Aufnahme eine körperliche s

Untersuchung voraus: seltener hielt man eine besondere Aufnahmeprüfung und Probe- i

zeit für nothwendig. Den Act der Aufnahme mit einer gewißen Feierlichkeit zu voll- ^

ziehen, mußte da, wo ein bestimmter Tag ein ganzes Häuflein neuer Pfleglinge herbei-führte, von selbst sich empfehlen. . ^

Die Wohnräume, welche den Waisenkindern sich öffneten, sind natürlich vonsehr verschiedener Art gewesen. Eine Opulenz , wie sie die Waisenhäuser in Amster- ^

dam darstellten, eine Solidität und Zweckmäßigkeit vereinigende Ausstattung, wiel !

sie einzelne in neuester Zeit erbaute Waisenhäuser auszeichnet, haben nur wenige^der übrigen aufweisen können. Gar manche sind ja aus sehr geringen Anfängenemporgestiegen; aber man wird immerhin sagen dürfen, daß im ganzen auf keinemandern Gebiete der Wohlthätigkeit so viel stattliches gebaut und eingerichtet wor-den ist. Manche Waisenhäuser erhielten ihre besonderen Kirchen; jetzt erscheinenauch Gärten und Spielplätze, Turnhallen und Turnplätze überall als nothwendigcsi n

Zubehör. Drängte man früher eine übergroße Zahl von Kindern in denselben Räumenzusammen, so hat später auch in dieser Beziehung pädagogische Einsicht und Erfahrung ! >

das Rechte hcrbeigeführt. Besondere Einrichtungen mußten da als nöthig erscheinen, ! >

wo Knaben und Mädchen neben einander Pflege fanden. Erlaubten es die Mittel, s

so schied man beide Geschlechter, indem man getrennte Flügel aufführte oder zwei in s >

mancherlei Art doch verbundene Häuser baute. Aber es fehlte auch niemals an Stim- !!

men, welche eine strengere Trennung der Geschlechter für unpädagogisch erklärten)

Man wies auf den bei solcher Trennung entstehenden Uebelstand hin, daß Knaben und >

Mädchen sich nicht gegenseitig abschleifcn, während späterhin eine um so größere Hin- i

neigung zum andern Geschlechte hervortrete, je schroffer vorher die Scheidung gewesen. ^

Dabei ließ sich die Besorgnis vor Vergehungen, welche ohne solche Scheidung in der . 'Anstalt selbst eintreten könnten, durch die Erklärung zurückweisen, daß eine gewissen-hafte Aufsicht das Schlimme fern halten würde. Von zweifelhaftem Wcrthe scheint "uns in dieser Sache die Hinweisung ans das Familienleben zu sein, in welchem man

ja auch Geschwister von beiderlei Geschlecht nicht ängstlich von einander entfernt halte ! s

(Sch äff er 112). Aber gewiß bedenklich war cs, wenn man in manchen Waisen- >Häusern wegen Raummangels zwei Kinder in demselben Bette schlafen ließ. !

Kaum bedarf es der Bemerkung, daß in Waisenhäusern Reinlichkeit besonders "wichtig ist. Die z. Th. aus Noth und Elend herausgekommenen Kinder müssen durch j«Sauberkeit alles dessen, was sie nun umgiebt, zu dem wohlthuenden Gefühle gebracht l

werden, daß sie in einen besseren Zustand versetzt sind. Um so leichter wird man sie '

dann bestimmen, daß sie sich selbst reinlich halten. In jedem Falle müßen sie dazufort und fort angeleitet werden. Es ist bekannt, daß man es damit früher nicht gerade ;

sehr ernst genommen hat; aber in neuerer Zeit wird wohl überall darauf gehalten, «

daß an jedem Morgen die gehörigen Waschungen stattfinden, daß am Schlüsse derWoche ein Waschen des ganzen Oberkörpers und der Füße (während der Winterzeit in "geheizten Räumen) zur Ordnung des Hauses gehört, daß im Sommer, wo es irgend ! t

thunlich ist, die Knaben regelmäßig ihre Flußbäder haben, die Mädchen sonstige Bade- i.

anstalten benützen, daß zu gewißen Zeiten besonders auch Reinigung des Kopfes ve^langt wird, daß außerdem regelmäßiges Wechseln der Wäsche u. dgl. eüigesührt ist.Weiterhin versteht cs sich von selbst, daß die Kinder Wäsche und Kleider, Geräth inWohn- und Lehrzimmern, Bücher und Hefte reinlich halten. .'

Für die Bekleidung der Waisenkinder wurde in früherer Zeit nur fistest st >

gesorgt, daß nicht grobe Uebelstände vorgekommen wären. Man wählte das Billigste ss

und beschränkte die Kinder auf eine Kleidung, welche sie an Sonn- und Festtagen wie ^ »