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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Waisenhäuser.

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a,i Wochentagen, im Hause und bei Ausgängen tragen mußten; aber man hatte doch>mch nicht selten einen besonderen Schneidermeister im Hause, der, wie er für die Her-stellung der Kleidungsstücke sorgte, so auch an gewißen Tagen die Knaben zu sich riefMd nachsah, ob an ihren Kleidern etwas auszubcssern wäre; bei den Mädchen be-sorgten dies die Hausmeisterinnen oder Kindermüttcr. An vielen Orten erkannte manübrigens bald die Nothwendigkeit, den Kindern einen besonder» Sonntagsanzug zugewähren; auch kamen zu den Hosen aus Zwillich für die rauhere Jahreszeit anderem Tuch, und neben leinenen Strümpfen gab man wollene. Aber seltsam genug warsäst immer die Art der Bekleidung, durch welche die Waisenkinder von andern sichMierscheiden sollten. Die Waisenhäuser der Gegenwart sorgen für Bekleidung vielzweckmäßiger und haben auch schon zu erwägen gehabt, ob eine besondere Tracht an-gemessen sei.*)

Auch der Beköstigung widmete man in älterer Zeit die erforderliche Aufmerk-samkeit nicht; während es vorkam, daß die oberen Hausbeamten sich stattlich nährten,hatten die niederen Offizianten über kärgliche und unsaubere Kost zu klagen, und diestinder waren in solchen Fällen womöglich noch schlechter bedacht. Besonders zu rügen« dann auch die Vernachläßigung der Kranken, denen stärkende Speisen und Ge-»änke vorenthalten wurden. Das gelegentliche Eingreifen der Behörden führte seltenz»wirklicher Abhülfe, häufig aber zu ärgerlichen Zänkereien zwischen Vorgesetzten undUntergebenen oder auch zwischen den letzteren selbst. Die aufgestellten Speiseordnungcnkomm nur ausnahmsweise zu regelmäßiger Ausführung. Daneben begieng man oftle» Fehler, daß das zur Beköstigung Dargebotene durch das beständige Einerleimii sah weniger arif Nahrhaftigkeit und Schmackhaftigkeit als auf Wohlfeilheit denKudern widerwärtig wurde und, da jedes andere daneben als ein Genuß erschien,zim Naschen verleitete. Noch in neuerer Zeit hat es Waisenhäuser gegeben, die imrommer den Kindern mehrmals wöchentlich nur Salat und Brot reichten. Erst spätickeint man in manchen Anstalten zu der Einsicht gelangt zu sein, daß doch auch nachim verschiedenen Lebensalter der Kinder die Beschaffenheit und das Maß der Kost»» verschiedenes sein müße. In denjenigen Waisenhäusern, welche Kostgänger auswohlhabenderen Familien aufnahmen, bereitete man diesen lange einen bessern Tisch,>«s den übrigen Kindern als eine Bevorzugung und somit als drückend erscheinenimstte. Aber in der Ordnung war es, wenn den Einzelnen untersagt war, für eigenesAd sich Speise zu kaufen oder auch von den Angehörigen sich schicken zu lassen.

Eine besonders schwere Anklage hat sich gegen die Gesundheitspflege der»Men Waisenhäuser gerichtet. Manche Krankheitsformen waren kaum irgendwo soklinisch als in den Waisenhäusern, und die Krätze galt als ein unausrottbares Nebel.8kwiß darf man sagen, daß grobe Unterlassungssünden begangen worden sind. EsMe neben der Reinlichkeit lange Zeit fast überall auch an geordneten körperlichenlbtmgen. Man beschränkte sich auf Spaziergänge, die darin bestanden, daß die Kinder^ geschlossenem Zuge ausgcführt wurden; freie Bewegung und heiteres Spiel bliebjtnm meist versagt, wenn nicht wohlthätige Menschen zu Zeiten ihnen einen besonderenMdentag bereiteten. Auch die Anregungen des Philanthropinismus wirkten in dieser«zichung zunächst noch wenig. In Frankfurt a. M. ordnete man erst 1815 gymna-Me und militärische Uebungen für die Waisenknaben an; dasselbe geschah um dieselbeM in Bunzlau. Seitdem ist aber wohl in allen Waisenhäusern zu voller Aner-l»ung gelangt, was Schwarz gesagt hat:Wenn ihr den Kindern ihr freies Jauchzen,«fm und Lärmen nehmt, so nehmet ihr der jugendlichen Fröhlichkeit ihre Nahrung,"»d ihr bedenkt wohl nicht, daß ihr dadurch euren Kindern Leben, Kraft und LiebeWert." Jetzt rechnet man namentlich das Turnen überall zu den nothwcndigensinge». So ist nun auch die Krankenpflege in den Waisenhäusern eine denMngeren Anforderungen entsprechende geworden. Man wird sagen dürfen, daß mankmis im 17. und 18. Jahrhundert manches in solcher Beziehung nöthige oder wün-

'I I» Stuttgart hält man gleichmäßige Tracht für zweckmäßig, weil für viele gleich gesorgtssi lein Unterschied gemacht werden soll. Zugleich ist's eine Uniform zu Ehren getragen, dieWaisenkind überall zu freundlicher Aufnahme empfiehlt, aber auch ein Hüter, daß sie woDM, sich in Ordnung halten, weil sie erkannt werden.

Handbuch. II. 77