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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Waisenhäuser.

sie sind nach und nach durch größere und kleinere Legate zu festem Fundamenten ge-langt. In dieser Beziehung ließen sich Thatsachen der erfreulichsten Art ansühren, undgerade auch auS neuerer Zeit. Ohne solche Förderungen ist kaum irgendwo ein Waisen-haus geblieben. Es ist klar, daß die Verwaltung der so gewonnenen Capitalien, sofm,sie nur eine gewissenhafte war, für den Bestand der einzelnen Waisenhäuser von höchsterWichtigkeit sein mußte und in manchen Fällen die Interessen derselben den größtenTheil des Bedarfs im allgemeinen oder doch für besondere Zwecke (Bekleidung, Unter-stützung der zu Entlassenden rc.) decken konnten. Andere Waisenhäuser gelangten 2) uiGrundbesitz und sahen sich so besonders gut gestellt. Eine größere Zahl derselben!stfreilich vorzugsweise 3) durch milde Gaben, die in vielen Fällen nur einmalige, abernicht selten auch regelmäßig wiederkehrende waren, zu fester Begründung und gedeihlicherEntwicklung gelangt. Zu jenen gehören z. B. Geschenke fürstlicher Besucher, aberauch die kleinern Spenden, welche in die öffentlich aufgestellten Büchsen undSpar-hafen" eingelegt wurden; zu diesen rechnen wir besonders auch die Haus- und Kircheii-collcctcn und die Sammlungen, welche bei den alljährlich an bestimmten Tagen sichwiederholenden Umzügen der Waisenkinder von diesen selbst gemacht wurden?') Be-achtenswerth ist es, daß die milden Gaben, bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts

an manchen Orten sehr reich, in den spätem Zeiten dieses Jahrhunderts fast ganz

aufhörten. Uebrigens spendete der Wohlthätigkeitssinn in früherer Zeit den Waisen-häusern auch Nahrungsmittel, Kleidungsstücke, Holz, Gcräthe re. Als besonders wichtiggalten aber früherhin 4) die Erträge der von den Waisen gefertigten Arbeiten oderauch mancher in freierer Weise mit den Waisenhäusern verbundenen Industrie. Beijenen Arbeiten war das Bestreben vor allem darauf gerichtet, dem Hause Hülfsmittcl

zu schassen; wenig dachte man an das Bildende der Arbeit oder an die so heilsame

Gewöhnung zu nützlicher Gewerbsthätigkeit. Einzelne Waisenhäuser huldigten so sehrdem Nützlichkeitsprincip, daß sie die Kinder den Unternehmern zu einer fast grausamenUeberspannung der Kräfte überließen. Und doch war der Gewinn gerade in solchenFällen ein sehr mäßiger, weil jene Unternehmer vor allein ihren eigenen Vorthcil suchten.Eine rühmliche Ausnahme machte in dieser Beziehung bas Waisenhaus zu Halle, wozwar auch mit Wollarbeiten der Anfang gemacht worden war, aber Franckes Ver-nehmung, daß der Fabrikgeist der dabei angestellten Leute sich bemächtigt habe, sofort

*) In manchen Städten kamen bei den Umzügen gedruckte Berichte oder auch frommeund pädagogische Paränesen mit Liedern zur Vcrtheilung, und cs ist anzunehmen, daß somanche gute Wahrheit über Erziehung rc. in weitere Kreise gebracht wurde. In Stuttgart be-steht die Sitte des Umzugs seit vielen Jahren. Ursprünglich geschah er, um den Kindern dieFeier eines Maicnsestcs zu ermöglichen. Die Gaben aus den Häusern kamen aber so reichlich es dars keine Straße übergangen werden, gerade die Bewohner der ärmsten Stadtviertelwarten darauf und würden sich verletzt fühlen, wenn man sie übergehen wollte daß ein be-deutender Ueberschuß übrig blieb. Der Ueberschuß fließt in den Sparhafen der Kinder. Ebensofließen viele Beiträge besonders in diesen bei dem Austragen der Waiscnhausberichte am An-fang des Jahrs, oder sie werden auch zur Disposition der Vorsteher oder zur Unterstützungarmer Lehrlinge gegeben, weniger für das Haus, seitdem die Anschauung sich geltend gemachthat, das Haus sei eben eine Staaisanstalt, für die ja doch der Staat zahlen nillße, und nichtmehr ein plum eorpus. Auch bei den Hochzeitsmahlen Pflegt bis jetzt eine Büchse für dasWaisenhaus herumzugehen. Das Spar Hafeninstitut ist eine nachahmungswürdige Ein-richtung. Die Geschenke, die den einzelnen Kindern gegeben werden, kommen einem jeden msein Sparkäßlcin, aus dem es kleinere Bedürfnisse für sich bestreitet; haben sie eine bestimmte'Summe, zwei Mark erreicht, so kommen sie in den großen Sparhafen. Diejenigen Gaben,-welche für die Kinder zusammen bestimmt sind, werden am Ende des Jahres unter alle gleich -vertheilt und in den großen Sparhafen gelegt. Zu diesem Zweck ist ein Sparhafenbuch ange- -legt, in welchem jedes sein besonderes Blatt hat. Das Geld wird angelegt und jedem sein -Guthaben verzinst und verwaltet bis zu seiner Volljährigkeit, wo es ihm dann ohne irgend einen ^Abzug verabfolgt wird. Aus seinem Guthaben können in Nothfällen, wenn es aus der Lehn list, Zuschüsse gegeben werden; oft und viel werden solche Bedrängten ins Ausland geschickt;auch Erspartes kann in den Sparhafen eingelegt werden. Es giebl das für Mädchen eine "st ,erkleckliche Mitgift zur Heirat, den Knaben einen Zuschuß beim Beginn ihres Geschäfts. Auchdieses Institut ist ein Band, das die Angehörigen noch lange an das Haus bindet. Waisen-hausnachrichten Heft 148.