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Waisenhäuser.
mit Recht 1) daran erinnert, daß die Familien, welche Waisen aufnehmen, diesen zu-nächst doch sremd sind, daß sie ost durch äußerliches Interesse (das Kostgeld) bestimmtwerden und selten diejenige Bildung besitzen, welche doch zur Lösung einer schwierigenpädagogischen Aufgabe erforderlich zu sein scheint. Es wird 2) die Frage erhoben ^obes denn wirklich so leicht sei, für eine größere Anzahl von Waisen wahrhaft Wer-läßigc Familien zu finden, Familien, denen die Erziehung eines Waisenkindes Gewissens-sache sei, oder ob man nicht oft deshalb mit den getroffenen Dispositionen zufriedensei, weil man eben keine Klage vernehme, sondern in den Berichten alles nach Wunschdargestcllt finde. Es wird 3) darauf hingewiesen, daß die doch durchschnittlich «menFamilien, welche Waisen in Pflege nehmen, wenn sie in größeren Städten wohnenmeist entlegene, oft auch feuchte und dumpfe Wohnungen miethen mäßen, in denendas physische Wohl ihrer Pfleglinge gefährdet ist, daß wiederum die auf dem Landelebenden Pslegfamilicn den Kindern gc-rade das, was sie dort am leichtesten zu habenscheinen, reine und frische Luft, zumal im Winter, am wenigsten gönnen. Es wird 4)geltend gemacht, daß die Wohlfeilheit bei der Waisenpflcge nicht so in erster Linie her-!vorgehoben werden sollte, da das Wohlfeilste gewöhnlich auch das Schlechteste ist und!in den Vortheilen, welche die Erziehung einer geschlossenen Anstalt bietet, doch einesbeachtenswerthc Compensatio» zu liegen scheint. Es wird endlich 5) bemerkt, daß diesAufsicht der leitenden Behörden über die in so vielen Familien untergebrachten Kinder!und über diese Familien selbst selten eine durchgreifende und das Einzelne im Augesbehaltende sein kann und Schlimmes nur dann verhütet, das mögliche Gute nur danngesichert wird, wenn, wie in Magdeburg, die Waisen in zuverläßigcn Männern und!Frauen besondere Hüter haben, welche die Stelle der Eltern vertreten und für Unter-bringung in geeigneten Familien Sorge tragen; dazu aber gehören zahlreiche persönliche!Kräfte, die sich um Gottes willen dem Gemeinwohl in dieser Beziehung widmen. —In dem so Ausammengefaßten liegt im Grunde schon das Meiste, was sich zu Gunsten!der Waisenhäuser sagen läßt. Man hat doch bei diesen Verhandlungen oft den Fehler!begangen, daß man ans der einen Seite das in der Wirklichkeit Unerfreuliche fast alleinjbeachtet und vom Einzelnen rasch auf das Ganze geschlossen, auf der andern Seite!willkürlich ausgepichte Ideale ausgestellt hat, wie man aucb das Urtheil über die gegen-iwärtigen Zustände nach den Thatsachcn einer weit zurückliegenden Vergangenheit nurallzugern bestimmt hat. Im allgemeine!: scheint immerhin die Waisenhauserzichrmgschon durch die Concentratiou der Mittel und Thätigkeiten, durch die Uebersichtlichkeitund Gleichmäßigkeit der Verwaltung und Leitung, durch die von klaren pädagogischenGrundsätzen bestimmte Behandlung auch des Einzelnen Bürgschaften des Gedeihenszu bieten, die von der andern Seite her nicht ebenso gewiß zu erlangen sind. -Eine Vergleichung der Wirksamkeit und der Erfolge auf beiden Seiten, die überall dasmöglich ist, wo wegen der Menge der zu versorgenden Kinder neben der Waisenhaus-erziehung auch Familienerziehung nojhwendig ist, hätte im Grunde schon längst zujeinem abschließenden Urtheil führen können (etwa nach der übersichtliche» Darstellung!der Resultate der Nettungsanstalten oben S. 564). Wir beziehen uns hierbU aus das-!jenige, was im 151. Stück der „Nachrichten von dem Kgl. Waisenhaus in Stuttgart"'(1867) enthalten ist. In Stuttgart ist aber das Verhältnis so, daß, während im-Waisenhause (im Jahr 1877) 174 Knaben zu verpflegen waren, zur Erziehung in die-benachbarteu Landgemeinden 144 Knaben gegeben wurden, und hierbei wird nun sorg-?fällig erwogen, welche Kinder mau besser in der Anstalt behält, welche besser auf das?Land schickt, wie man auch wieder durch Bcrathung mit den Pfarrern und Schullehrernder Gemeinden, in denen Waisen Unterkommen finden, eine Bürgschaft für den Enfolg zu gewinnen sucht. Wie schwierig cs aber ist, für die Waisen aus der großenZahl derjenigen Familien, welche zur Aufnahme von Waisen bereit sind, wirklich gesieignete herauszufinden, das wird in diesen Nachrichten besonders hervorgehoben. —billiger Abwägung aller Momente könnte man schließlich in der Uebcrzeugung sicheinigen, daß eine Combination, wie sie dort und in neuerer Zeit auch anderwärts durch-geführt ist, das Zuträglichste sei. Zwar wenn eine große Stadt sich bloß die Aufgabe stellt,ihre eigenen Waisen zu versorgen, so mag die Vertheilung derselben in ländliche Fa-Smilien am zweckmäßigsten sein, damit sie aus der vergifteten Atmosphäre, welcher sie-etwa angehörten, ganz herauskommen. Soll aber für die Waisen einer ganzen Land-