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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Waisenhäuser.

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Me künstliche Agitation, ohne Bittgesuche, ja selbst ohne die ihm näher stehendenKreise wissen zu lassen, daß er der Hülfe zur Fortsetzung seiner Unternehmungen be-dürfe, hat er doch durch die Hülfe des Herrn, auf den allein er sich verlassen, dieMöglichkeit gewonnen, in der genannten Stadt fünf umfangreiche Waisenhäuser zu er-bauen, in denen über 2000 Kinder erzogen werden. In Bezug auf die uns so naheSchweiz erinnern wir an die noch immer bcachtcnswcrthe Schrift von Zell weg er:Die schweizerischen Armcnschulcn nach Fellcnbergischen Grundsätzen" (Trogen 1846).Der Verfasser verwirft die Waisenhäuser gänzlich alsFütterungsanstalten," aber auchdie Unterbringung der Kinder bei den Mindcstfordernden.

Wir kommen damit zu der Frage zurück, ob Aufhebung oder Erhaltungder Waisenhäuser das Bessere sei. Die Frage ist nun seit einem Jahrhundertn lebhaft genug verhandelt worden und doch dürfte eine zu durchgreifender Entscheidungüberleitende Beantwortung noch nicht gewonnen sein, (lieber das Für und Wider vgl.besonders Kröger, Reise durch Sachsen nach Böhmen und Oesterreich. Altona 1840.)Die Stimmen für Aufhebung der Waisenhäuser sind in neuerer Zeit allerdingsimmer zahlreicher und lauter geworden. Die erfreulichen Erfahrungen, welche mau dagemacht zu chabcn glaubt, wo an die Stelle der Waisenhauserziehung die Pflege derWaisen in Familien getreten ist, crmuthigen zu um so nachdrücklicheren Angriffen aufdie alten Institute. Mau sagt 1) die Erziehung der Waisen in geschlossenen Anstaltenist sehr kostspielig. So kosteten in Berlin 1867 von den Kindern der großen städtischenWaisenanstalt die in Rummelsburg untergebrachten durchschnittlich 134 Thlr. 11 Sgr.,während für die in Familien versorgten durchschnittlich nur 49 Thlr. 20 Sgr. zu be-rechnen waren. Kaum wird irgendwo in Deutschland ein Waisenhaus das einzelne

Kind unter 300 Mark erhalten können. Man weist 2) immer wieder, ohne die großen

Verbesserungen, welche in den äußeren Einrichtungen der Waisenhäuser herbeigeführt

worden sind, zu beachten, auf die Mängel der leiblichen Pflege und auf die großeSterblichkeit hin, die man in manchen Waisenhäusern wargenommen hat, während mandoch auch wieder die Verwöhnung beklagt, zu welcher die aus dürftigen Verhältnissenherausgehobenen und späterhin wieder in beschränkte Lebenslagen eintrctenden Kinderdurch Erziehung in den Waisenhäusern kommen. Man erinnert 3) an die sittliche An-steckung, welche in L-charen von Kindern, die nicht selten schon mit schlechten Gewohn-heiten und Neigungen eintrcten, bei aller Wachsamkeit so leicht von dem einen auf dasandere sich überträgt. Man hebt 4) den Mangel an Anstelligkeit hervor, den man sohäufig bei den aus Waisenhäusern Entlassenen warzunehmen habe?), Um so eifrigerhat man nun die Erziehung der Waisen in Familien empfohlen. Dabei hat mannicht nur alles hervorgehoben, was überhaupt zu Gunsten der Familicnerziehung spricht,sondern auch hinzugcfügt, daß im Familienleben die Bildung des Kindes eine vielseiti-gere und zugleich seiner Individualität entsprechendere werde. Zur Unterstützung solcherllrtheile hat mau dann auf die günstigen Resultate hingcwiesen, welche überall da her-oorzutreten scheinen, wo die Staatsbehörden die Versorgung der Waisen in Familienals ihre Aufgabe angesehen haben. Diese Behörden selbst äußern sich oft wieder inhohem Grade befriedigt und scheinen nicht leicht Mangel an Familien zu haben, welcheWaisenkinder aufzunchmen bereit sind und bei Erziehung derselben sich bewähren.Daß diejenigen, welche für Erhaltung der Waisenhäuser sind, ihrerseits starkeBedenken gegen diese Familienerziehung haben, darf nicht Wunder nehmen. Es wird

*) Das 152. Heft derNachrichten von dem Kgl. Waisenhauss in Stuttgart" beschäftigtsch mit mehreren von Gegnern der Waisenhäuser erhobenen Vorwürfen, einmal mit dem, daßde Kinder es darin zu gut haben freilich, sie werden gut gekleidet und genährt, denn eben in demEm Nothstand will man sie nicht lassen; dann, sie seien verstockt von Charakter, weil man imWaismhause die kindliche Fröhlichkeit unterdrücke allein das läge nicht in der Einrichtung ansch, sondern wäre ein Uebelstand des einzelnen Hauses, für das man die Leiter nicht weise oder«icht glücklich gewählt hätte; außerdem mögen diejenigen, welche so klagen, manchmal ihrerseitsa» dem herzlichen Entgegenkommen cs fehlen lassen, welches einem schüchternen Knaben das Herzaojschließt; endlich sollen sie naschhaft sein als ob diese Versuchung den Kindern eines Waisen-hauses näher läge als andern; so etwas kann nur etwa durch thörichte Freunde, Verwandte re.^schuldet werden, welche trotz aller Aufmerksamkeit von Seiten des Hauses den Kindern ver-botene Geschenke zustecken.