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Waisenhäuser.
Häuser, 1859). — In manchen Städten erhielten sich die Waisenhäuser schon deshalbweil sie vorzugsweise auf Stiftungen ruhten. Mit besonderer Entschiedenheit ist fürdie Waisenhäuser der um das Waisenhaus in Hamburg hochverdiente Kröger ausqe-treten, dessen auf Waisenpflege bezügliche Schriften großer Beachtung werth sind lvql'.Heppe V. 255 ff.). Aber cs lag im Geiste der Zeit, daß überall doch die Staats- i
regicrungen mehr als früher ordnend und regelnd eingriffen. Die für Waisenpfleqe I
verfügbaren Mittel wurden unter einheitliche Administration genommen und bei Ver- !
Wendung derselben doch vorzugsweise die Erziehung der Waisen in Familien berücksichtigt. f
Es gab indes doch auch Fälle, in denen die Staatsregierungcn das freie Walten der k
Privatwohlthätigkeit als unentbehrlich erkannten, wie z. B. seit dem I. 1845 in Ober- i
schlesien, wo der Hungertyphus Hunderte von Kindern der Eltern beraubt hatte (vgl. Me- s
geude Blätter aus dem Rauhen Hause 1848, 65 f., 68, 82 ff., 106 ff., 243 ff. und später). '
Daß in den Rettungshäusern der neuesten Zeit auch Waisenkinder ausgenommen I
werden, versteht sich von selbst; aber seitdem die Begründung solcher Anstalten als !
Aufgabe freithätiger Liebe erkannt ist, sind aus den Waisenhäusern mancherlei Elemente !
ausgeschieden worden, welche sonst in ihnen allein eine gesicherte Stelle hatten. — GroßeStadtgemcinden haben freilich auch in der Gegenwart die Fürsorge für die Waisen vor j
allem als eigene Angelegenheit ansehen müßen. So besonders Berlin. Als hier die -
Nothwendigkeit erkannt wurde, statt des alten städtischen Waisenhauses ein neues zuerbauen, schuf der Geist der Humanität eine Anstalt, die als Muster gelten kann füralle verwandten Bestrebungen. Im I. 1859 war sie vollendet. Dicht bei Berlin amNummclsburgcr See, in freier, gesunder Lage, erheben sich die freundlichen Häuserzwischen Buschwerk und Blumen, auf grünem Rasen, von einer kleinen Hecke umgeben.
Das in der Mitte liegende Hauptgebäude enthält Kirche und Festsaal, sowie die Woh-nungen des Dircctors, des Predigers, des Hausvaters und deS ArzteS, endlich einenSchlaf- und Arbeitssaal für die älteren Mädchen. In einem zweiten Gebäude be- ^finden sich außer der „Kinderstube," in welcher die Mädchen von 14—15 Jahren das sKinderwartcn erlernen, Küche, Waschhaus, Lazareth, eine Station für chronisch kranke t
Kinder, Badezimmer und Maschinenraum. Weiter sind kleine Häuser für Familien ß
von je 50 Kindern eingerichtet, die unter einem Erzieher oder einer Erzieherin und Z
deren Gehülfen stehen, fünf Häuser für Knaben und zwei für Mädchen. Den Unter- z
richt erhalten die Knaben in fünf, die Mädchen in zwei subordinirten Classen. Für s
die Körperübungen sind ein Turnplatz und eine Turnhalle eingerichtet; am See hat »man ein Badehaus und eine Schwimmschule; der große Rasenplatz wird für die Spiele rbenützt. Die Anstalt umfaßt im ganzen 500 Kinder, von denen jedes der Stadt-gemeinde, abgesehen von den Zuschüssen des alten Waisensonds, einen Aufwand von115 Thalern verursacht. Die Kinder erhalten den gewöhnlichen Elementarunterrichtund werden außerdem zu Arbeiten im Garten und Feld angehalten. Die Hausord-nung ist streng, wird aber in humanem Geiste gehandhabt, um in den z. Th. schonsehr verdorbenen Kindern die besseren Gefühle zu erwecken. Wenn die Knaben 14 s
Jahre zählen, kommen sie in die Lehre, für die Mädchen wird, wenn sie 15 Jahre ,
alt sind, ein Dienst gesucht; aber auch nach der Entlassung bleiben sie noch einige Zeit ^
unter der Aufsicht der Anstalt. Uebrigens versteht es sich von selbst, daß dieses Waisen- >
Haus lange nicht ausreicht, um die der Fürsorge bedürftigen Waisenkinder Berlins ^
unterzubringen; vielmehr müßen durchschnittlich noch 1500—1800 Waisen theils m i
der Stadt selbst, theils in den Dörfern der Nachbarschaft in Privatpflege gegeben werden,und man hat beobachtet, daß diese Einrichtung namentlich bei den Mädchen sich be- ,währt. Zur Beaufsichtigung der so vertheilten Kinder und der Familien, welche pe .ausgenommen haben, sind besondere Waisenpfleger bestellt.
Sollten wir nun noch besprechen, was außerhalb Deutschlands für Waisenpflegegeschehen ist, so würden wir uns vor eine unlösbare Aufgabe gestellt fühlen und auf ^
Gebieten, wo z. Th. ganz andere Verhältnisse gewirkt haben, auf Thatsachen stoßen,die nicht so leicht mit dem, was bisher behandelt worden ist, unter dieselben Gesichts^puncte zu bringen wären. Aber es ist noch deutsche Liebesarbeit, was Georg MüllersWaisenhäuser m Bristol uus vor Augen stellen. Die Engländer bezeichnen es als„das Wunder des Jahrhunderts," was dieser bei ihnen eingebürgerte deutsche Mann ^
mit nie wankender Glaubenskraft ausgeführt hat: ohne eigene Mittel, ohne Anleihen,