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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Waisenhäufer.

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Bögesetzten Kinder anbefohlen war, die Fürsorge zu übernehmen. Aber auch die inzünftigeren Verhältnissen lebenden Witwen und Waisen hatte der Bischof im Auge zuschalten und in Schutz zu nehmen. Mit Constantin d. Gr. hatte auch die Staats-halt durch humane Gesetze für die Waisen zu sorgen begonnen. Die Aufnahmemner Waisen in die Klöster bildete den Ucbcrgang zu umfassenderen Einrichtungen,schon im 4. Jahrhundert waren die Klöster auch Waisenhäuser. Und wie im 5. Jahr-hundert weit umher unter dem Einflüsse der Kirche Wohlthätigkeitsanstalten verschiedenerArt entstanden, so erhoben sich bald auch Waisenhäuser, deren Verwaltung im ganzensuche der Kirche blieb, aber doch auch die Aufmerksamkeit der Staatsbehörden be-schäftigte. Gewiß ist es erfreulich, daß die Kirche des Ostens in Zeiten, welche allenNfer auf Durchführung dogmatischer Kämpfe zu richten schienen, immer noch so ernstlichund treu für die unmittelbaren Bedürfnisse des Lebens zu sorgen suchte. Was im Westendcs römischen Reichs für Waisenpflcge begründet worden war, erhielt sich zum Theil auchunter den Stürmen der Völkerwanderung, und im fränkischen Gallien bestanden nochim g. Jahrhundert neben den übrigen Wohlthätigkeitsanstalten, die im ganzen denKirchen und Klöstern gleich geachtet wurden, auch Brephotrophia und Orphanotrophia.

Die folgenden Zeiten verstanden es nicht, die von der alten Kirche gewonnenenFormen zu bewahren. Man behandelte die Waisenpflcge nur noch als einen Theil derArmenpflege und beschränkte so ihre Aufgabe, die früher auch die Erziehung mit umfaßthüte, auf Ernährung, und auch hierbei suchte man mit möglichst geringen Kosten fertigzu werden. Die Hierarchie, über unermeßliche Mittel verfügend, that nach dieser Seitehin sehr wenig, und die Staatsgewalt faßte die Aufgabe gar nicht ins Auge. Erstmit dem Emporstreben der Städte kam es auch wieder zu einer gewitzen Fürsorge für-me Waisen; aber umfassender waren die zur Abhülfe der Noth getroffenen Veran-staltungen nirgends. Erst am Anfänge der neueren Zeit gicng in dieser Beziehungde» den Niederlanden eine energische Bewegung aus. Nirgends aber wurde für dieWaisen so trefflich gesorgt, als in Amsterdam. Hier sammelte um d. I. 1520 eineräche Frau, Haasje Klaßin in Paradiese, arme Waisen, Mädchen und Knaben, inkleinen Häusern, und da die Bürger der Stadt das gute Werk durch Beisteuern zufördern sich beeilten, auch der Rath der Sache sich annahm, hatte das in Stille Be-sonnene erfreulichen Fortgang. Im 1.1561 wurde ein stattliches Waisenhaus aufgeführt.Hm folgenden Jahrhunderte wurde dieses Waisenhaus das großartigste in Europa.

Die Reformation, welche für Erziehung und Unterricht überhaupt so Großes thatund im Geiste des Evangeliums gerade auch des armen Volkes sich erbarmte, hat dochfür Waisenpflege nicht sogleich das Wünschenswerthe in Gang gebracht. ZunächstMete man neben den bestehenden Armen- und Krankenhäusern auch die Waisen- undFindelhäuser aus den Ungezogenen Gütern der Stifter und Klöster etwas besser aus.Seit der Mitte des Jahrhunderts leiteten große Drangsale, Hungersnoth und Pestilenz,denen viele Eltern erlagen, zu besonderen Maßregeln für Versorgung der hinterlassenenMer. Lübeck, Hamburg, Rostock im Norden, im südlichen Deutschland Augsburgziengen mit Gründung von Waisenhäusern voran (Heppe, Gesch. d. deutschen Volks-ichulwesens V, 363 f. 228 f. 396 f.). In anderen Städten hat mau gewiß die Waisen,welche einer Familienpslcge nicht übergeben werden konnten, in den Armenhäusern unter-gebracht. Daß solche Kinder vom Betteln abgehalten und in sichere Verwahrung ge-"Mmen würden, erschien dabei überall als die Hauptsache. Auch nach den Zerrüttungendes dreißigjährigen Krieges faßten selbst edler denkende Fürsten, wie Ernst der Frommehm Sachsen-Gotha, unter den schwierigen Aufgaben, welche ihnen das Elend>ster Unterthanen stellte, die Sorge für die Waisen zunächst nicht anders. Es konntegeschehen, daß man fohne Bedenken Zuchthaus uud Waisenhaus verband (Gelbke,Kirchen- und Schulcnverfassung des Herzogthums Gotha I. 241248 und Heppe II,A-228). Das in Frankfurt a. M. 1679 eröffneteArmen-, Waisen- und Arbeits-Ms" hatte, wie schon der Name erkennen läßt, sehr verschiedene Elemente aufzunehmen:"eben den Waisenkindern auch aufgehobene Bettler und sonst Arme, Sträflinge, Find-mge, Blödsinnige, gelegentlich selbst Juden, welche zun: Christenthume sich vorbereiten'W (Schäffer, Gesch. des Frankfurter Waisenhauses 8588). Auch die im ka-Wchen Deutschland während des 17. Jahrhunderts entstandenen Waisenhäuser ließenm Pädagogischen Aufgaben gewiß noch sehr zurücktreten.