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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Vernunft.

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«ich zwischen den Menschen selbst einen Unterschied; manchen geben wir das tadelndeWicatunvernünftig," während wir über dieVernünftigkeit" anderer anerkennendM aussprechen. Der Mensch ist eben kein ein für allemal fertiges, er ist ein sichiiitwickelndes Wesen: wir müßen unterscheiden zwischen der Vernunft (Vernünftig-en als einer allen wirklich zukommenden Anlage und dem Zustand des Entwickelt-stes dieser Anlage, dem Ziel, zu dessen Erreichung der Mensch durch dieselbeWinmt ist. Um eine vollständige Erreichung dieses Ziels kann es sich natürlichimerhalb der irdischen Entwicklung nicht handeln: wir werden aber nur solche Menschen,«lchc diesem Ziel in einem bestimmten Grade sich angenähert haben, im engeren Sinnekmiimftig nennen, während wir andere, welche von diesem Ziel noch gar zu weit entfernt»b, als unvernünftig bezeichnen. Fragen wir nun: welche Thatsachen müßen unsM einem Menschen bekannt sein, damit wir uns gedrungen fühlen, denselben ver-wstig oder unvernünftig zu nennen? Aus einer Beantwortung dieser Frage wird sichMS ein Rückschluß ergeben auf den Inhalt desjenigen, was wir mit dem Namen Ver-Mst bezeichnen. Unvernünftig nennen wir einen Menschen, der nicht gelernt hat, in dieIlmstände sich zu schicken, der einer unabweisbaren Nothwendigkeit vergeblichen Widerstandichigensetzt; vernünftig ist uns umgekehrt, wer sich nicht übereilt, nur nach besonnenerVerlegung handelt. Es gilt als vernünftig, seinem bleibenden Wohl ein vorüber-zistndcö Vergnügen, es ' gilt wenigstens bei vielen als vernünftig, seiner Pflicht dieNeigung unterzuordnen. Das Handeln des Menschen ist es also in erster Linie,«Min seine Vernünftigkeit oder Unvernünftigkeit sich kundthut, und zwar kommt es dar-rst an, ob dasselbe von richtiger Einsicht geleitet ist oder nicht. Wegen mangelnderUmntnis allein nennen wir keinen Menschen unvernünftig. Allerdings ist es nichtimmer das eigentliche Handeln als ein nach außen hervortretcndcs, in welchemde Vernünftigkeit oder Unvernünftigkeit eines Menschen zu Tage tritt, aber immer istiS eine gewiße Richtung und Bewegung des sobald es zum Heraustreten kommt,im Handeln sich äußernden Willens, auf welche wir das Prädicat vernünftig«dir unvernünftig anzuwenden pflegen. Sehen wir deshalb nur da eine Aeußerung derNimnftigen Anlage, wo der Wille durch das als wahr Erkannte sich bestimmen läßt, sois> der Inhalt jener Anlage zu bestimmen als die Fähigkeit des Menschen, dieVahrheitzu erkennen und durch die erkannte Wahrheit seinen Willenikstimmen zu lassen. Damit ist die Gesammteigcnthümlichkcit des menschlichenWes charaktcrisirt, von dem wir deshalb sagen, daß er von Haus aus vernünftig an-gelegt sei. Liegt so in der Vernunftanlage das Erkenntnis- und das Willensvermögcngleicherweise eingeschlossen, so kommt auch das dritte, das Gefühl, nicht als ein Fremdes«su außen her zu derselben hinzu, denn man mag Gefühl näher bestimmen, wie«n will so wird sich doch so viel jedenfalls sagen lassen, daß alle Erkenntnisschließlich auf der Reflexion über gewiße im Gefühl, in der unmittelbaren Empfindungsch kundthuendc Eindrücke beruht. In erster Linie wird allerdings die Eigentüm-lichkeit des menschlichen Geistes von Seiten seines Erkenntnisvermögens ins Auge gefaßt,dünn wir von der ihm innewohnenden Vernunft reden, aber dieE r ken nt nis, derenderMeusch fähig ist, wird zugleich mit der Bestimmung gedacht, seinenWillen, das Centrum seiner Persönlichkeit zu beherrschen.

Doch unsere bisherige Definition ist noch zu allgemein, zu formell. Nicht in«llm Fällen von richtiger Einsicht und von Bestimmung des Willens durch dieselbeM unsere Sprache, dieser unmittelbare Ausdruck des allgemein inenschlichen (zunächstlls deutschen) Bewußtseins einen Ausdruck der Vernunft. Was ist das für eineWahrheit, zu deren Erkenntnis unp praktischer Befolgung wir als vernünftige Wesen»Wgt sind? Dies führt uns auf die Unterscheidung zwischen Vernunft und«erstand. Constatiren wir einmal den Sprachgebrauch hinsichtlich dieser zwei Aus-drücke und nehmen noch dazu den Gebrauch der Adjectivavernünftig und ver-Itaiidig." Jeder Mensch hat Vernunft, sofern die vernünftige Anlage in ihm ist;>»demselben Sinne ist jeder Mensch vernünftig. Jeder Mensch hat auch Verstand,Om die verständige Anlage in ihm ist; wir sagen aber deshalb nicht, daß jeder«sch verständig sei. Das Adjectivverständig" beschränken wir auf diejenigen,men Verstandesanlage entwickelt ist, während wir das Prädicatvernünftig" im engerenLime allerdings nur denjenigen ertheilen, deren Vernunftanlage zur Entfaltung ge-