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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Vernunft.

kommen ist, im weiteren Sinne jedoch allen Menschen wegen der Thatsache ihrer:Vernunftanlage selbst zukommen lassen. Auf der anderen Seite gebrauchen wir dachSubstantivnmVernunft" nur im Sinne der allen Menschen gemeinsamen Vernunft-!anlage; bei wem diese Vernunftanlage nicht entwickelt ist, den nennen wir zwar unver-inünftig, von dessen Handeln sagen wir, es sei keine Vernunft darin; niemals aber!werden wir sagen, er habe keine Vernunft. Den AusdruckVerstand" dagegen ge-jbrauchen wir nicht nur im Sinne einer allen Menschen gemeinsamen Anlage (injdiesem Sinne hat jedermann Verstand), sondern ebenso auch im Sinne des Ent-wickeltseins dieser Anlage, und in diesem Sinne reden wir nicht nur von Leuten, dichkeinen Verstand zeigen, sondern auch von solchen, die keinen Verstand HabensDamit hängt zusammen, daß man den Verstand verlieren kann, die Vernunft aber^nicht.Vernunft" undverständig" kommen also nur in einerlei Bedeutung oorchersteres Substantivum zur Bezeichnung der Vernunftanlage, letzteres Adjectivnmzur Bezeichnung der Menschen, in welchen die Verstand es anlage entwickelt ist-dagegenvernünftig" undVerstand" haben eine doppelte Bedeutung: mit dem erstem,Adjectiv bezeichnen wir im weiteren Sinn alle Menschen als solche, welche die Vernunst-anlage besitzen, im engeren Sinn nur diejenigen, in welchen dieselbe zur Entfal-tung gekommen ist, das letztere Substantiv bezeichnet uns sowohl die Verstandes-anlage, als den Zustand ihres Entwickeltseins. Versuchen wir das instinctiveGefühl, welches diesem Sprachgebrauch zu Grunde liegt, zu analysiren, so wird esals ein Gefühl davon bestimmt werden können, daß die als unverlierbar bezeichnet?Vernunft die centrale Eigenthümlichkeit des menschlichen Geistes ausdrückt, während,der als verlierbar bezeichnet Verstand mehr auf der Periph.erie liegt, mehr denVerkehr mit der Außenwelt vermittelt.

Doch vielleicht möchte es uns gelingen, Vernunft und Verstand noch genauergegen einander abzugrenzen, wenn wir zu unserer obigen Definition von Vernunftzurückkehren. Vernunft war uns dort die Fähigkeit des Menschen, die Wahrheit zuerkennen und durch die erkannte Wahrheit seinen Willen bestimmen zu lassen. Istdas der Verstand nicht auch? Mit einer kleinen Restriction mäßen wir sagen: ja.Aber allerdings mit einer Restriction: auch das bloße Erkennen, das bloß theoretischeVerstehen" ist uns eine Aeußerung des Verstandes, während wir eine Aeußerung derVernunft nur da sehen, wo die erkannte Wahrheit den Willen bestimmt, wo dieStimme der Wahrheitvernommen" und in den Willen ausgenommen wird. Ver-snünftig, sahen wir schon oben, ist nur ein bestimmtes Handeln (oder eine bestimmteRichtung und Bewegung des Willens); nur von solch vernünftigen Handlungenund Willensäußerungen können wir sagen, daß darin Vernunft sich zeige, daß Vernunftdarin sei. Auch Verstand kann in manchem Handeln sein und sich zeigen, aber erzeigt sich nicht bloß im Handeln. Daß ein Knabe Verstand hat, zeigt sich an seinerFähigkeit, ähnlich lautende Regeln von einander zu unterscheiden, einen verwickeltenBeweis in seine Momente auseinanderzulegen.Verständig" werden wir zwar denobigen Knaben deshalb noch nicht heißen; dieses Adjectiv, welches, wievernünftig,"die ganze Persönlichkeit charakterisirt, sagen wir nur dann von ihm aus, wenndie klare Verstandescrkenntnis sein Wesen durchdringt, seinen Willen und dessen Aenße-rungen im Handeln bestimmt; aber Verstand hat der Knabe, sein Verstand ist es, derhier zu Tage tritt. Der Verstand zeigt sich also nicht bloß in einem vom richtigenErkennen geleiteten Handeln, sondern ebenso auch im Erkennen für sich; aber erzeigt sich allerdings auch im ersteren, ja er muß im ersteren sich zeigen, sobald er beieinem Menschen gleichmäßig entwickelt ist (wo dann der Menschverständig" heißt):sehen wir nun ab von seiner rein theoretischen Bethätigung, wie unterscheidet er sichvon der Vernunft, die ja auch ein Vermögen der Erkenntnis und praktischen Befolgungder Wahrheit ist? Ist vielleicht die Wahrheit der Vernunft eine andere als die desVerstandes? Befragen wir wieder den Sprachgebrauch, so istvernünftig" jedenfallsein höheres Lob alsverständig,"unvernünftig" ein stärkerer Tadel alsunver-ständig." Das Gebahren der Kinder im Unterschied von dem der Erwachsenen istgar oftunverständig," wir würden es aber kaumunvernünftig" nennen; wenn aberder Mann auf die Stufe des Kindes hcrabsinkt, wenn er seinem augenblicklichen Oe-lüsten nach dem Genuß einer Speise die Sorge für seine Gesundheit unterordnet, so