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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Vergnügungen.

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.MS der volle Genuß der Kunst immer durch irgend ein Uebcu derselben bedingt:«ir nicht selber auch nur in bescheidenem Umfang sich mit ihr beschäftigt, dem ent-den tausend Schönheiten, die das Auge oder das Ohr des Kundigen entzücken,djkllen wir daher die Kunst, so hoch unter den Vergnügungen, so ist doch auch diesemWmß die Schranke richtigen Maßes zu setzen, insofern nämlich, als doch nur wenigekn Berus haben, sich ganz der Kunst zu widmen, mithin die Arbeit des Berufs nichttimnter nothleiden darf.

Reden wir endlich von rein geistigen Genüssen, so bleiben, da wir die Poesie undM dieser auch die Unterhaltungslecture schon als Kunst zu nennen hatten, nur noch«Dinge übrig: Wissenschaft und Religion. Erstere betreffend versteht es sich,da« man nicht etwa dem Knaben, der Latein lernen soll, nach philanthropistischen Prin-lipien die betreffenden Lehrstunden zur Lustbarkeit macht. Aber wenn dem Mann inMe oder Schrift ein wissenschaftlicher Gegenstand gleichsam reinlich präparirt darge-M wird: ist das nicht ein hoher Genuß, keine Arbeit, sondern ein Vergnügen?Dazu ist aber auch, nur in weit beschränkterem Maß, der Jüngling fähig; es kannan Gegenstand allgemeinen Interesses, von dem er die nöthigen Vorkenntnisse besitzt,in einer Weise behandelt werden, daß er freilich noch dabei lernt, aber das Lerneninner Genuß ist. Das wird, wie alle Vergnügung, nur zwischen der Arbeit, nur alsskliene Festgabe ihm zu theil werden; aber in jener Beschränkung ist es erwünscht,mn die Literatur oder öffentliche Einrichtungen dafür sorgen, daß unter den Gegen-den edler Vergnügung die Wissenschaft nicht fehlt. Was aber die. Religion be-lässt, so hat sie ihre eigenen Vergnügungstage das sind die Feste und Sonntagetu Kirche,die schönen Gottesdienste des Herrn" (Ps. 27, 4). Ein aus der Bibelzmommenes, dort aber allerdings nicht das Gleiche bedeutendes Wort gebrauchen wirzkmu in dem Sinn eines geistlichen Genießens, also einer geistlichen Vergnügung durch«s, lebensvolles Darlcgen der christlichen Wahrheit das ist das Wort Erbauung.Nun entsteht freilich die Frage, ob das, was Mur Erbauung nennen, auch dem Jugcnd-«lter schon möglich sei? Wenn ein Kind auch gerne zur Kirche geht, so würden dochdie meisten nicht wissen, was sie antworten sollten, wenn man sie fragte, ob sie sichakut haben. Aber allmählich geht doch auch jungen Leuten, sofern sie ein religiösesMrsnis haben, darüber das Bewußtsein auf, daß oder ob sie z. B. von einer Rede,mm Buch einen Lebenszufluß empfangen; sobald dies der Fall ist, so entsteht auchjlti! erhöhte, freudige Stimmung, es steigt das Thermometer des Gcmüths und solchim Stunde ist ihnen Werth.

Das aber führt uns nochmals auf einen oben schon berührten Punct zurück. WirI film einer falschen Ascese gegenüber an den Spruch 1 Tim. 4, 4 erinnert. SeitherI» wußten wir als ethische und pädagogische Regel in Betreff der VergnügungenI im die Einhaltung des rechten Maßes aufzustcllen; und dazu nehmen wir noch die»eitere Forderung aus der Ethik in die Pädagogik herüber, daß man in jedem Zwcifels-sill dieses Maß lieber zu knapp als zu reichlich nehmen soll. Aber wenn es immer-fin im einzelnen Fall schwer sein kann, gerade dieses richtige Maß zu treffen: so gicbtmS jener Bibelspruch einen Kanon an die Hand, der niemals irre führt. Was dumit Danksagung genießen kannst, das ist dir unbedingt erlaubt, das ist von GottesMe dir vergönnt. Aber um diesen Kanon anzuwenden, muß man eben gewöhnt>!>», immer und überall mit seinen Gedanken auf dem Wege zu Gott zu sein, so daß,As irgend die Saiten des Herzens bewegt, sie zum Gebete stimmt. Und damitsich» wir sofort abermals vor dem, was wir Erbauung nennen. Denn jetzt erst ver-Esiändigen wir ihre Definition dahin, daß uns alles erbaut, was uns als geistigerEmuß zum Gebet stimmt (vgl. die Abhandlung Palmersüber die Kunst, sich zunimien" in der Zeitschrift: Altes und Neues, Wiesbaden 1869. Nr. 28. S. 224 ff.).TeSwegm ist die religiöse Erbauung die höchste Vergnügung, weil wir für sie nicht«Ich, wie für jede Gabe, Gott danken können, sondern weil sie uns von selber dazus iE. Aber das wirft nun auch ein Licht auf die ganze Reihe edlerer Genüsse zurück,

- ^ wir oben aufgezählt haben; denn nicht nur die specifisch religiöse Gedankenbeschäftigung,

' Mern auch die Wissenschaft, die Kunst, der Naturgenuß kann, wenn wir auf denWpuncten dieser Gebiete angclangt sind, eine ähnliche Wirkung haben. Jedes Er-s Mnwerden von der Macht des Idealen ist von erbauender Wirkung; wer dazu