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Vaterlandsliebe.
nationale Bestimmtheit als etwas nothwendigeS" (Schleicrmacher). Darausdaß, ähnlich wie die Individualität des Einzelnen, so auch die Volksindividualität ihrRecht und ihre Pflicht hat. In Bezug auf die Individuen, welche zu ihm gehörenhat ein Volk das Recht, zu fordern, daß sie sich nicht selbstsüchtig isolwen, sondern i»das nationale Leben und die nationalen Interessen eingchcn , zugleich aber auch diePflicht, die Individuen nicht als willenlose Werkzeuge seinen äußeren Zwecken dienstbarzu machen, sondern sie in ihrer persönlichen Freiheit und individuellen Eigcnthümlickkeitanzuerkennen, zu schützen und zu fördern, damit sie in freiem Gehorsam dem Gedeihe»ihres Volkes dienen, und dessen Leben um so reicher und frischer sich entfalte. RjBezug auf die große Völkergemeinschaft und die gesammte Menschheit hat das einzelne IVolk das Recht, zu fordern, daß es in seinem cigenthümlichen Wesen und Leben aner-kannt und nicht gekränkt werde, zugleich aber die Pflicht, aus dem natürlichen nationale»Egoismus herauszutreteu und „seinen eigenen Bildungsproceß stets als Organ des!-ganzen Menschengeschlechts zu betreiben" (ebenderselbe). Diejenige Gesinnung, welche'das Recht des einzelnen Volkes vertritt, kann man für beide Fälle als Patriotis-mus, diejenige dagegen, welche der Erfüllung der Pflicht des Volkes gegen die Ein-szelnen, wie gegen die ,ganze Menschheit zugewandt ist, in der erstem RücksichtIndividualismus, in der letztem als Kosmopolitismus bezeichnen, beideWörter in gutem Sinne genommen. Das Christcnthum, indem es die nationale undlocale Gliederung der Menschheit als eine göttliche Institution darstellt, zugleich aberden Individuen das Recht wahrt, ihrer besonderen Begabung entsprechend, in den freien'Dienst ihres Volkes einzutreten, und der ganzen Menschheit das Recht, die einzelnen j.Völker in Einigkeit des Geistes zur höchsten Gemeinschaft zu verbinden, hat damit den'Patriotismus mit dem berechtigten und gesunden Individualismus und Kosmopolitismus.versöhnt und diesem wahren Patriotismus zwischen einem selbstsüchtig sich isolmndenSubjectivismus und einem vagen und inhaltslosen Kosmopolitismus die richtige Mitteangewiesen. Wie aber die deutsche Volksthümlichkeit zur Aufnahme und Aneignung desEvangeliums auf besondere Weise angelegt und berufen ist, so ist auch dem deutschenVolke in besonderem Maße der Beruf zuzuschreiben, jenen wahren Patriotismus zu spflegen. Jetzt da die Zeiten innerer Zerrissenheit und politischer Ohnmacht, in welchen sunter uns im Vereine mit einem abstracten Weltbürgerthum und schimpflicher Aus- :länderei die gleichgültige und selbstsüchtige Jsolirung der Einzelnen üppig emporwucherte,mit Gottes Hülfe vorüber sind: darf uns das wieder gewonnene Gefühl nationalerEinheit nnd Kraft nicht verleiten, auf eine ebenso undeutsche als unchristlichc Weisesdie zur Bereicherung unseres nationalen Lebens bestimmte Mannigfaltigkeit individueller sEigenthümlichkeiten und Bildungen zu unterdrücken, oder die brüderliche Gemeinschaftmir andern Völkern gering zu achten, aus welcher uns Ergänzung unseres eigenenWesens und Förderung des Wohles der ganzen Menschheit hervorgehen soll. i
Das erste Mittel, die deutsche Jugend zur Vaterlandsliebe zu erziehen, isisdarin zu suchen, daß die von Gott gewollte Verbindung zwischen derdeutschen Volksthümlichkeit und dem Evangelium bewahrt und leben-!-dig erhalten werde. Eine traurigere Verirrung ist kaum denkbar, als daß Deutsche snach ausländischen Vorbildern, um die Anhänglichkeit an das allerdings reformbedürftige tBestehende in unserem Volke zu erschüttern, die Pietät aus seinem Herzen auszureuten:und den Bau deutscher Freiheit auf dem hohlen Boden des Atheismus aufzurichten,trachten. Die natürlichen Gaben des deutschen Stammes sind erst durch das Evan-gelium recht entbunden worden, die Entwicklungsperioden des deutschen Volkes hängen,wie bei keinem andern, mit denen der Kirche zusammen und die Zeiten seiner nationalen -Größe sind immer auch Zeiten religiöser Erhebung gewesen. Das Werk der Rcsor-mation ist eben darum die größte That des deutschen Geistes, weil in dieser That derdeutsche Geist seinen höchsten Beruf, mit dem Evangelium die innigste Vnbindung ein-zugehen, auf das entschiedenste erfüllt hat. Daß das deutsche Volk lieber seine politijcheConcentration daran gegeben, als von dieser Verbindung gelassen hat, das hat es frei- ,sich Jahrhunderte lang als politisch ohnmächtig erscheinen lassen, zumal dem Nachbar-volke gegenüber, welches gerade den entgegengesetzten Weg gegangen war. Aberderschließliche Erfolg hat gezeigt, daß das Trachten nach dem Reiche Gottes auch für dieReiche dieser Welt ein durch keine politische Klugheit zu ersetzender Segen ist; und es