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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Urthcilskraft.

und so zu Principien und Ideen aufzusteigen: so rst klar, daß das Urtheil beiden Mbieten angehört. Denn das Urtheilen ist ebenso ein Unterscheiden dessen, was doch aMzu einer lebendigen Einheit verbunden ist, und umgekehrt ein Verbinden des Unieckschicdenen zur Einheit. Sonach kann man die Vorbereitung eines Urtheils, gleichsgOdie Herbeischaffung des Materials für dasselbe, dem Verstände, die eigentliche FM,des Urtheils aber und die zusammengesetzteren Operationen, das Schließen, Verreisender Vernunft zuweisen, wie dies namentlich bei Hegel der Fall ist. Wird biimcacBwie bei Herbart und den neuern Psychologen, die Vernunft als die Fähigkeitfaßt, Gründe und Gegengründe gleichmäßig zu vernehmen und sich nach den üMwiegenden unter ihnen, je nachdem cs auf das Denken oder Handeln ankommt, zhentscheiden oder zu entschließen, Verstand dagegen als die Fähigkeit, Begriffe zu bist«,und zu verknüpfen, fo kann die Urteilskraft nur als ein Theil der VerstandesthäugkeVangesehen werden. Es giebt aber allerdings eine Art des Urtheilens, das so»"praktische Urtheilen, welches auch nach dieser Auffassung der Vernunft anheimM,Man versteht darunter jede Art von Beurthcilung und Werthgebnng, mag siesich auf das Wahre und Falsche, oder auf das Gute und Böse, das Rechte und Un-rechte, das Schuldig und Nichtschuldig, das Schöne und Häßliche, oder welchen Gegetz,satz sonst beziehen. Diese Beurteilungen gehören mit der Ueberlegung, deren Ergebnissie sind, und der Entscheidung oder Entschließung, die ihnen folgen, nicht sowohl tunErkenntnisvermögen, als vielmehr der Willensthätigkeit an, welche durch Grünte derVernunft geleitet wird und dann eben eine vernünftige heißt.

Für die Pädagogik ist die Uebung und Schärfung der Urtheilskraft von höchsterBedeutung. Da die Urtheilskraft das wichtigste Glied im ganzen Denkvermögen ist,so ist Ausbildung der Urthcilskraft wesentlich einerlei mit Anleitung und Uebung imDenken, deren Werth und Nothwendigkcit niemand ableugnen kann. Ein bloßes An-sammeln von Kenntnissen giebt dem Geiste keine Klarheit, Kraft und Gewandtheit, ergelangt nur durch Uebung, durch selbstthätige Regung und Ausgestaltung zur Vollen-dung; die Uebung des Geistes aber ist das Denken. Auch darüber kann kaum einZweifel bestehen, daß eine planmäßige, geordnete Anleitung zum richtigen Urtheilenund Denken in der Schule nicht unterlassen werden dürfe. Allerlei Vorfälle und prak-tische Aufgaben des täglichen Lebens und die mannigfaltigen Stoffe der einzelneHWissenschaften üben allerdings den Geist, aber sie machen die planmäßige Anleitungzum Denken nicht entbehrlich. Die allseitige und harmonische Entwicklung der mensch-lichen Kräfte ist durch bloß gelegentliche, sporadische, oft rein zufällige Hebungen nichtsicher gestellt. So dienlich dein Leibe eine geordnete, auf anatomisch-physiologischerEinsicht beruhende Gymnastik ist, so dienlich ist dem Geiste eine systematische Uebungnach den Gesetzen der Logik. Zwar giebt es ein Denken und Urtheilen auch ohnelogisch durchgebildete Begriffe, und dieses Urtheilen ist im Grund dasjenige, was impraktischen Leben bei weitem am meisten vorkommt. Es ist dieses praktisch erlernteDenken nicht schlechter, ja in vielen Fällen, weil es die Begriffe in ihrer Totalitätvergleicht, richtiger, als das theoretische, welches bei seinen Begriffszergliederungen nicbtselten an einem einzelnen Merkmale, dem es zu große Wichtigkeit beilegt, hängenbleibt. Anch sind in der That die Gesetze der Logik nichts anderesals die natür-lichen Dcnkgesetze, also die nämlichen Regeln, denen der gesunde Menschenverstand re»selbst folgt. Dennoch bleibt cs Aufgabe der Pädagogik, die dem Geiste eingeprägtwNormen des Denkens zum Bewußtsein zu bringen und zu einer umsichtigen und er-folgreichen Anwendung dieser Gesetze Anleitung zu geben. Ein solcher Unterricht^zeigtdie Bedingungen und Grenzen der menschlichen Einsicht, reinigt das Denken von Trugund Flitter, liefert dem Geiste die Gesichtspuncte für seine eigene Arbeit und mMaßstab für fremde Denkproducte, und giebt dem Urtheile Sicherheit und Scharfe,aber auch Bescheidenheit und Milde. Dabei ist das Hauptgewicht aus die Anwen-dung der logischen Gesetze, auf die Klärung und Ordnung der vorgeführten Emimhnisse zu legen. Logik wissen nützt wenig, aber Logik anwenden nützt viel.

Was hat nun die Schule für die Ausbildung der Urthcilskraft zu thun. -vaßin der Volks- und gewöhnlichen Bürgerschule kein besonderer theoretischer Mmrstin der Denklehre zu ertheilen sei, ist an sich klar; aber das bewußte Denken, arichtige Urtheilen ist auch hier schon methodisch zu üben, und nicht dem bloßen Ma