Urteilskraft.
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,uüberlassen. In dem Artikel „Denkübungen" ist hierüber das Wesentliche bc-«i'kt. Wir fügen hier (vgl. Bcneke, Erziehungs- und Unterrichtslehre I. §.31 ff.)
Folgendes hinzu. Da die einfachste Operation der Urteilskraft in der Verbin-dung von Merkmalen zu Begriffen besteht, die Merkmale aber aus Vorstellungen ent-ucnnnen werden: so ist die Gewinnung richtiger Vorstellungen die nothwendige Basis,j»eS richtigen Urtheils, und die erste Regel für die Ausbildung der Urteilskraftkniet: Verschaffe dir über die Gegenstände, welche du beurtheilcn willst, eine möglichstMimnenc Sachkenntnis. Man verfahre daher genau und gründlich im Beobachten,und hüte sich vor Sinnestäuschungen und Einbildungen. Nichts ist für die BildungimS richtigen Urtheils nachtheiliger, als ein flüchtiges, unaufmerksames Auffassen;dtksim hat der Erzieher daher vor allem entgcgcnznarbcitcn. Zeigt sich das Kind zurDichtigkeit geneigt, so führe er es durch Umwege öfter auf dieselbe Auffassung zurück,kimt sie wenigstens durch die Wiederholung Klarheit und Stärke erhalte; oder ermaiilasse das Kind, an dem Gegenstände irgend etwas nach eignem Plane umzu-Mm oder auszubildcn. Nichts prägt sich tiefer ein, als was wir uns durch Selbst-tßtigkeit zu eigen gemacht haben. — Hiermit hängt die pädagogische Regel zusammen,fix bei den Denkübungen nichts zu übereilen, das Kind nicht zu schnell von der con-mtm Vorstellung zum abStracten Begriff hinzuführen ist; sonst zeigt sich bald einMangel an vorräthigen Vorstellungen, der nicht leicht nachzuholen und durch nichtsP ersehen ist. Man lasse daher auch in dieser Beziehung Kinder Kinder bleiben.Die altklugen Kinder werden meistens sehr gewöhnliche Köpfe. Die Natur hat ge-M, daß der Mensch zuerst überwiegend receptiv, darauf überwiegend rcproductiv sei,nd dann erst productiv werde, und der Erzieher hat diese Ordnung nicht zu stören,sin Fortschritt vom concreten Vorstellen zum abstracten Denken werde daher überallklar und rein ausgeführt, ohne Sprünge, ohne zu große Schritte, und man stelle derMugskraft nur das als Aufgabe, was sie zu fassen wirklich im Stande ist. — Eingrexer Theil falscher Urtheile stammt aber nicht aus eignen Jrrthümern, sondern ausWer llcbcrlicserung. Schon früh pflanze daher der Erzieher in die Seele des Zög-lings den Trieb zu eigner Prüfung. Er gewöhne denselben, das von andern Ueber-liisirte nicht bloß historisch sich anzueignen, sondern sogleich in Denkverhältnisse zusitzen, dem früher Erfahrenen, «clbstgedachten, Gelernten anzureihen und mit diesemzu vergleichen. Wo die Sache von der Art ist, daß sie ein eignes Schauen und eigneVersuche erlaubt, rege und leite er das Kind auch zu diesen an, nehme, was ans eignerTriebkraft hervortritt, mit wohlwollender Aufmunterung und Anerkennung auf und be-ordere solche Kraftanstrengungen durch Fragen, sowie dadurch, daß er den Fragen desKindes, wo sie rechter Art sind, ein williges Ohr schenkt. — Neben der bescheidenenSkepsis gegen das von andern Aufgenommcne ist in dem Zöglinge aber auch einegeviße Skepsis gegen sein eignes Warnehmen und Erkennen zu begründen. Der Er-zieher mache daher das Kind (doch so, daß er es nicht cntmuthigt) darauf aufmerksam,vie wenig es noch weiß, geschweige denn recht weiß; gewöhne dasselbe sein Urtheil»chuschieben, wo ihm noch keine vollständige Begründung dafür gegeben ist. Beson-ders ist der Neigung zu voreiligem Generalisiren zu begegnen, indem die vorschnell ge-ödete und ausgesprochene Regel durch entgegengesetzte Erfahrungen widerlegt und dieVoreiligkeit des Urtheilens zum Bewußtsein des Kindes gebracht wird. Ein Haupt-buches Erfordernis des richtigen Urtheilens ist die Gewöhnung an scharfe Trennungdkssm, was wesentlich zusammengehört, von dem, was nur zufällig oder äußerlich mitlliiimder verbunden auftritt, die Unterscheidung von Causalncxus und bloß äußerlicherüolge, von räumlicher und zeitlicher Verbindung, von individuellen Gefühlsverhältnissenmd allgemein menschlichen rc. Hierdurch vorzüglich erhebt sich die höhere Verstandes-tildung über die niedere; in dem Maße, wie sich noch Vermischungen, Verwechslungenm verschiedenen Begriffs- und Bezichungsvcrhältnisse finden, mangelt dem Urtheil Be-zmndmig und Richtigkeit. In der That lassen sich hierauf die meisten Vorurtheile,auf ihre Quelle, zurllckführen. Hier eröffnet sich für den Erzieher und Lehrer eingrssts Wirkungsgebiet. Im Gegensatz zu der falschen Begriffsmischerei mache er frühstzs die Verschiedenheiten aufmerksam, hebe dieselben in schlagenden Beispielen hervor,I» gegen sich selbst streng und leite die Kinder zur gleichen Strenge gegen sich an.abzüglich wird hierfür auch die Gewöhnung ans Aussprechen, an genau bestimmten