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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Unterricht.

Ruhm des Entdeckcns ist ein bescheidener, denn der Lehrer giebt den Impuls»iSuchen auf der richtigen Fährte, er giebt die Anschauung, das Bild, das Beispielworaus der Schüler sich den Begriff, die Regel u. s. w. nur abstrahiren darfPrämissen, woraus sich als Folgerung die betreffende Wahrheit ergiebt; oder er niMden Schüler mittelst der Frage, solche Vorstellungen, die ihm wohl schon inwohnmaber zerstreut, unzusammenhängend, einander fernliegend, nunmehr zu verbinden wodurch die gesuchte neue Vorstellung sich bildet. Man hat dieses Verfahren als daheuristische deshalb vielfach hochgcrühmt, weil die Selbstthätigkeit des Schülers dadurganz anders angeregt werde, als durchs bloße Hören, wogegen es an gewicht!«Stimmen auch nie gefehlt hat, die gerade das pythagoreische Hören statt des sokraMnRedens oder Schwatzens als die rechte Lernform, als die heilige Stille bezeichnet»,in welcher die Wahrheit empfangen werden müße. Jedenfalls hat dies Verfahren sei«'Werth mehr nur darin, daß je jünger die «Schüler sind oder auch je weniger sinnlichAnhaltspuncte für ihre Gedanken gegeben werden können (wie im Religionsunterrichtsum so mehr cs ihnen schwer wird, einem zusammenhängenden Vortrag mit andauerndeAufmerksamkeit zu folgen. 4) In weit höherem Maß verhält sich der SWuselbstthätig, wenn er so zu sagen laut unter der Leitung des Lehrers arbeitet, wie beimmündlichen Uebersehen, Rechnen u. s. w.; und noch mehr, wenn der Lehrer nur dieAufgabe stellt, die der Schüler schriftlich ausarbeitet. Auch das ist eine Form desUnterrichtens, weil der Lehrer u) die Kräfte des Schülers auf einen bestimmten Punetlenkt und b) an jeder Stelle, wo diese Kraft oder ihre Anspannung, also der Fleißnicht genügend war, das Fehlende durch die Correctur ergänzt. Ferner ist unter dieFormen des Unterrichts zu zählen 5) alles Einüben, d. h. die Nöthigung des Schülers,'eine und dieselbe Thätigkcit so oft zu wiederholen, bis sie ihm geläufig ist, woruntersauch alles Memoriren sich befaßt. Endlich 6) erfordert aller Unterricht in dm?verschiedenen Fertigkeiten von Seiten des Lehrers das Vormachen, das dem Schülerjldurchs Auge oder Ohr zeigt, was er sofort nachzumachen hat. Die üblichen Namensfür die verschiedenen Unterrichtsformen, wie sie z. B. das Schwarz-Curtmansche Lehr-Ibuch II. S. 250 angiebt: die vorzeigende (deiktische), Vortragende (akroamatische),einprägende (mnemonische), aufgebende (heuristische), fragende (katechetische, erotemati-ssche) sind zwar nicht unbrauchbar, werden aber verwirrend, wenn sie den Schein er-I,regen, als ob diese verschiedenen Formen einander coordinirt wären, oder als ob mausnach Belieben die eine oder die andere wählen könnte; wie obige Darlegung zeigt,,müßen sie in mannigfacher Weise verbunden werden, wogegen für bestimmte Zwecke!nur eine derselben die richtige ist. Das Nähere darüber besagt der Art. Methode,;sowie die Art. über die einzelnen Lehrfächer. Dem sogenannten wechselseitigen Unter-!?richt wird unten ein eigener Artikel gewidmet sein. Wenn Curtman (Reform dersVolksschule, Frankfurt 1851, S. 137 ff.) mehrere von den hergebrachten Unterrichts-formen beseitigt wissen will, und zwar die akroamatische sammt allem Dictiren, dichkatechetische, die mnemonische, so trifft sein Anathema doch nur die ungeschickte oder)einseitige Anwendung derselben, um deren willen ihre Berechtigung am rechten Orte«nicht aufhört.

Daß man (wie z. B. Ziller, Grundlegung der Lehre vom erziehenden Unterricht,;Leipz. 1865. S. 161 ff.) das Unterrichten als eine Kunst auffaßt, dazu besteht einunbestrittenes Recht (vgl. den Art. Lehrer); und wer einmal einen tüchtigen Lehrerdociren gehört hat, der begreift, warum Curtman geradezu von der Schönheit desUnterrichts hat reden können. Der Begriff einer Kunst schließt die drei Momente insich: 1) daß das Product einer menschlichen Thätigkcit ein schönes ist; 2) daß dazu!eine künstlerische Begabung gehört, aber 3) daß auch der Begabteste erst lernen undüben muß, um der Kunst Meister zu werden. In erster Beziehung werden wir unsmeist schon zufrieden geben, wenn nur nichts unschönes mit unterläuft; also etwaigeAusbrüche von Zorn und Uninuth, gemeine Ausdrücke, oder Fehler der Darstellung,wie Unklarheit, Jncorrectheit der Sprache, unnöthiges Sich-wiedcrholen oder allzuhäu-figes Sich-corrigiren; lauter Dinge, die freilich nicht bloß die Schönheit, sondern auchden Erfolg des Unterrichts beeinträchtigen. Dann aber auch alle jene Eigenheiten, diesich die Lehrer in der Schule leicht angewöhnen, Manieren, Gesten und Grimassen,durch die sie den Schülern geradezu lächerlich werden. Positiv aber werden wir sagen