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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Unterhaltung.

Unterricht.

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I I eine Me, Beruhigung schaffende Unterhaltung, ein friedliches Thun zwischen der an-

II «kirnenden Arbeit. Musiciren wird nur unter gewißen Bedingungen m einer gc-I»Wten Unterhaltung, dann nämlich, wenn es gute und nicht zu schwere Sachen sind,^U»Me der Zögling übt. Lectüre sofern es sich von Unterhaltung handelt

I mdert ähnliche Vorsicht wie die Musik. Natur-, Lebens-, Geschichtsbilder, WirklichesW A anziehender Gestalt; dagegen spannende Romane, selbst ohne sittcnverderbcnde Zu-H kt erhitze», anstatt daß sie Erholung gewährten, führen in eine unwahre Welt undIl md'erben den Geschmack an der realen und an der Arbeit in ihr, für sic. Wer nachielcher Unterhaltung aufgeregt, widerwillig wieder ans Lernen und Arbeiten geht, der! lat sch schlecht unterhalten.

18 Unterricht, Unterrichtsform, Untcrrichtskunst. Unterricht ist derjenigeI» !heil der erziehenden Thätigkeit, mittelst dessen dem Zögling ein Wissen zutheil werden soll,kl Ach wo es sich um Aneignung einer praktischen Fertigkeit handelt, beruht dieselbedH immer zunächst auf einem Wissen, wie andererseits auch aller theoretische Unterrichtmend einen praktischen Zweck hat. Näher nun ist der Inhalt alles Wissens, die ge-stimtc Wahrheit, in zwei Hauptmassen zu zerlegen. Die eine enthält das, was ist,- i die andere das, was sein soll. Mit andern Worten: das Wissen umfaßt theils Rea-sz Mm, theils Ideen, nur mit dem Vorbehalt, daß auch die Idee sich realisiren will,md umgekehrt, daß es Realitäten giebt, die unserm Geist in der Forur der Idee zu-gänglich werden. Der Unterricht soll daher den Menschen befähigen, daß er sich indr realen Welt zurechtfindet, indem er über derselben die ideale Welt in seinem Geisteiiägt. Ebenso sind zwei principielle Zwecke alles Unterrichts unterscheidbar. Erstensl«nn die Thätigkeit des Geistes, die ihn eben als Geist charakterisirt, d. h. dasTknken, nur an einem L-toffe sich bilden und entwickeln; indem in Forur des Wissenstm Denken Stoffe zugesührt werden, kommt das Denken selber in Fluß; der Unter-richt verfolgt also in dieser Beziehung den Zweck, die Intelligenz zu entwickeln. An-dererseits aber ist der Mensch als sittliches Wesen befähigt und berufen, handelnd inim Gang der Welt cinzugreifen, diesen Gang selbst mitzubestimmen, und nach dieserSeite hat das Wissen den Zweck: jeden zu demjenigen tüchtig zu machen, was imMieren wie im engeren Sinn des Wortes sein Beruf ist. Diese beiden ZweckeieS Unterrichts hat man mit dem Ausdruck: formale und materiale Bildung zu be-zeichnen sich gewöhnt; die Distinction, die damit gemacht wird, ist richtig, aber sie darfkein Gegensatz werden. Denn das eine Moment läßt sich vom andern gar nichttrennen, der Lehrer hat also stets beide im Auge zu behalten. Nun ist abge-sehen von der Offenbarung im Sinn des Christenthums alles Wissen, dessen sichdie Menschheit zu irgend einer Zeit als ihres Gemeinbesitzes hat rühmen können, durchsie selbst herbeigeschafft worden; sie hat sich also in allem selbst unterrichtet. Und sohat denn Rousseau gesagt: das rechte Unterrichten sei immer nur Selbstunterricht;mithin, was die Menschheit an Schätzen des Wissens in Jahrhunderten gesammelt,sei einfach zu ignorircn, damit jeder wieder von vorn anfange, jeder das längst Ent-deckte neu entdecke, und so schlechthin nichts auf Treue und Glauben hingcnommen»erde, ja niemand eine Erkenntnis irgend einem andern zu danken habe. Die rohessinnwralität, welche hierin sich kund giebt, wird nur noch überboten von der Thorheitselchen Verlangens, durch welches die Menschheit immer auf der gleichen primitivenCtufe zurückgehaltcn würde. Die Wahrheit ist ein Besitzthum für alle; was einererkennt, das ist für alle bestimmt und in irgend einer Form auch allen zugänglich,lind so können wir jetzt den Unterricht definircn als die Ucbermittlung der bis jetzthm der ganzen Menschheit errungenen Wahrheit je an das eben Heranwachsende Ge-schlecht, welchem dadurch eine Menge Irrwege erspart sind, welches aber hiedurch nichtsnr Zeit gewinnt, sondern auch die Impulse und die Fähigkeit empfängt, nun seinerseits> sei und selbstthätig den Wahrheitsbesitz zu mehren. Das ist die universale, die mensch-> Wiche Bedeutung des Unterrichts, die auch dem einzelnsten, elementarsten UnterrichtsactMe ideale Weihe verleiht.

Nach alledem hat sich der Sinn des Wortes Unterricht von seiner Etymologie"suchest entfernt, d. h. er ist ein viel speciellerer geworden. Unterrichten ist ein Aus-richten dadurch, daß man hinunter greift, womit zwar der allgemeine Zweck richtig"Weben, aber das Specifische der Unterrichtsthätigkeit nicht ausgedrückt ist. Man