Ungehorsam.
Ungerathciie Kinder.
1071
!«iisthcn. — Auch das Nichtmögcn ist durch Bekämpfung zu heilen. Dem trägen,I '«streuten Wesen muß mit fester Hand begegnet, der Wille aus den Banden derI'imlichkeit gelöst werden, wobei auch sinnliche Mittel statthaft sind (s. d. Art. Strafe).
> Ta Gefahr, daß sich ein mehr zufälliger Ungehorsam in einen beharrlichen verwandle,mcrt nur die feste, beharrliche Zucht, welche, indem sie beugt und bändigt, zurWeit leitet. Dem Wogen und Wallen des Leichtsinns gegenüber muß der erziehende
i Wc alS ein Fels dastehen, dieses Felsengestein aber desto härter sein, wenn der Un-lOrsam durch Konspiration einer größeren Anzahl von Zöglingen zum System zuWen droht. Schlaffes Regiment macht zuchtlose Rotten, und nicht aus persönlicherWbition, aber aus dem Bewußtsein einer heiligen Pflicht und großen Verantwortung
der beharrliche Eifer hervorgehen, welcher den: Ungehorsam steuert und wie imsAwte den Thron so in der Schule den Katheder zum Sitz eines ernsten, keinem An-stM weichenden Waltens macht.
Nnqerathene Kinder. Nichts kann so hoch erfreuen, als ein wohlgerathenesW nichts so tief betrüben, als ein ungerathenes. Kein Wunder! Unsere Kinder^,d ja „Fleisch von unserem Fleisch." Ihr Gerathen ist ein Zeugnis göttlicher Barm-Unzigkeit, ihr'Misrathen eine tiefeinschneidende Büßpredigt. Im Gerathen oder Mis-lHm unserer Kinder kommen zwei Factoren in Betracht: da^ menschliche und das»ttliche Thun, die menschliche Arbeit und der göttliche Segen. Wie diese beiden'inmiien oder in einander wirken müßen, das deutet schon das Wort gerathen an.8r gebrauchen es von Dingen, die nicht ganz in unserer Hand sind, die aber auchsticht von selber kommen, an die wir auch unsere Sorge und Mühe zu wenden haben.IW nicht so geworden ist, wie man beabsichtigte oder hoffte, ist un gerathen, oderch'osem man sich die falsche Form, in die es gekommen ist, vergegenwärtigt, m i s-rllhen. Letzteres sagt die Sache noch stärker als ersteres. Ungerathene Kinderpd also im allgemeinen solche, die den Wünschen, Bemühungen, Hoffnungen ders Wem nicht entsprechen, in eine andere, falsche Richtung gekommen sind. Fassen wirtili Begriff des Gerathen- oder Nichtgerathenseins in seiner höchsten Bedeutung, soM« wir sagen: Wer das nicht geworden ist, was er hätte werden können und sollen,tu ist eigentlich ungerathen, und so gefaßt wird der ungerathenen Kinder überwältigend«l> Wir werden daher den Begriff von ungerathenen Kindern auf solche Fälle be-
> schränken müßen, wo das Mißverhältnis zwischen dem, was ein Kind werden konnte«d was es wirklich geworden oder nicht geworden ist, in auffallender Weise oder be-slimmtm Verhältnissen gegenüber hervortritt. In den Augen christlich gesinnter Elternist auch das Kind, das nicht zu einem geistlichen Leben gelangt ist, mag es sonst immer-hin m den Schranken bürgerlicher Ordnung und Rechtschaffenheit sich halten, schonMgimthen. Eltern dagegen, die auf dem Boden des bloß natürlichen Lebens stehen,lassen sich schon daran genügen, wenn die Kinder nur äußerlich ehrlich durchkommen.Erst da, wo ein Sohn, eine Tochter alle Bande der Zucht und Ordnung sprengt undsich so um die ihm sonst zugängliche sociale Stellung bringt, reden sie von ihnen als««»ungerathenen. Wir werden uns im ganzen hier mehr an den letzteren Begriffdes Misrathens, als an den greifbareren, zu halten haben. — Ob gerathen oder nicht,das kam: sich in der Regel erst bei und nach dem Abschluß der eigentlichen Erziehungs-jche Herausstellen, ja das tritt nicht selten erst im späteren Leben des ErwachsenenWz hervor. Mancher Sohn ist für den vom Vater beabsichtigten Bereif misrathen«d doch auf einem andern seiner Natur und Begabung entsprechenderen Gebiete eintüchtiger Mann geworden. Aber es ist auch gar mancher wirklich und förmlich mis-«athin, der in seinen Jünglingsjahren noch der „Urtmus in seiner Promotion" gewesenw. Die Lossagung vom Herzen der Eltern, die ungescheute Verachtung von Gesetz,Ehre, Sitte und liebender Warnung, das verblendete Laufen auf dem eigenen Wegedis Verderbens, das ist das Hauptmerkmal des ungerathenen Kindes. Der verloreneLohn im Evangelium ist so recht das Urbild eines solchen.
Die erste Frage, die nun an uns tritt, ist die: woher kommt es, daß»s»nche Kinder nicht gerathen? Die Ursachen dieser leidigen Erscheinung könnensiklerlei sein. Soll ein Kind gerathen, so hängt das einmal ab von dem Naturboden,>» dkm es steht (natürliche Anlage, Begabung nach Leib und Seele, Umgebung undmgl>), dann von der Erziehungsarbeit der Eltern und ihrer Vertreter (Schule), und