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Ungehorsam.
Lenkung schwieriger. Mit solcher allgemein vorhandenen Disposition ist zu rechnendas Ehr- und Freiheitsgefühl, soweit es erlaubt, zum Bundesgenossen zu machen. ^aber die Schule den Gehorsam zu erzwingen vermag, welchem der Haus- und VM-geist entgegcnwirkt, das ist eine Frage, die nur unter besonders günstigen Schulverhältnisten eine bejahende Losung finden wird: während der von einzelnen Schülern aus-gehenden Ansteckung leichter begegnet werden kann. — Ungehorsam entsteht aber auchaus Ursachen, welche ihren Sitz in der Disposition des Erziehers haben. Wer Un-gerechtes oder über die Kräfte Gehendes zumuthet, bringt einen Widerspruchsgeist h^vor, der auch billigen Anforderungen sich zu entziehen sucht. Wer oft droht, ohne derDrohung Folge zu geben, auf den hört man bald nicht mehr, und wo soll Glaubenund Gehorsam Herkommen, wenn wer andern predigt selbst verwerflich wird? Auch dasviele und breite Redeil und Klagen, das immerwährende Schelten und Poltern stumvstab. Leichte Uebereilungen zu schweren Sünden stempeln macht die Gewissen zuerst ineund dann stimm- und kraftlos. Der größte Schaden wird aber da angericktet woder Wille des Erziehers den Einzelwillen des Zöglings nicht beugt und bildet, sondernzu zerbrechen und zu vernichteil sucht; denn ein im Innersten seiner Persönlichkeit an-gegriffener Mensch kann nicht anders als mit aller Macht sich dagegen empören. Be-schimpfung, Niedertretung erzeugt eine stille Wuth und kann aus dem zu Besseremangelegten Knaben und Jüngling einen lebenslänglich widerspenstigen Mann machen,sei es, daß die Widerspenstigkeit sich als offener Trotz kund giebt, oder daß der innereGrimm sich unter der Maske der Botmäßigkeit verbirgt.
Haben wir im Bisherigen die Ursachen und Aeußerungen des Ungehorsams kennengelernt, so sollen nunmehr auch die Mittel seiner Bekämpfung und Heilung besprochenwerden; übrigens in Kürze, da wir uns auf die Artikel: Gehorsam und Strafebeziehen dürfen. — Von Heilung des Ungehorsams handelt es sich vornehmlich da,wo derselbe in angeborener Stumpfheit seinen Sitz hat; und da hier der lahme Willemit Schwäche des Aufmerkens und Denkens verbunden ist, so wird jede Weckung derVerstandesthätigkeiten zugleich von belebender Wirkung aus die des Willens sein. Erstvon da an, wo der Wille des geistig zum Aufwachen Gebrachten dennoch fortschlasenmöchte, sind strengere, direct auf ihn gerichtete Mittel angezeigt. Anders bei den durchVerwahrlosung in einein dumpfen Zustand Gesunkenen, namentlich wo mit Ver-wahrlosung auch noch Mißhandlung verbunden war. Es kostet viel, so ein ver-schüchtertes Geschöpf dahin zu bringen, daß es lieben und glauben lernt, und bis dasmit sklavischer Furcht vermischte störrige Wesen überwunden wird. Dazu muß ihmein freudiger Geist in Haus und Schule entgegenkommcn, wodurch es aufgerichtet undermuthigt wird. Auch ist vorerst von der Zucht durch die feste Ordnung in der Ge-meinschaft, worein es versetzt ist, mehr zu erwarten als von der directen Einwirkungdes Erziehers. Erst muß der Zögling sich als Mensch unter Menschen fühlen, daundarf man von ihm ein menschenwürdiges Betragen fordern und im Fall der Noth er-zwingen. Herzliches Erbarmen auf Grund des Evangeliums und dann das Gesetz. -Dies gegenüber von dem Nichtkönnen. Das Nichtwollen erfordert eine andere Heil-methode. Hier heißt bekämpfen — heilen. Der störrige Eigenwille muß gebrochen,der Nacken gebeugt werden. Doch so, daß immer das Grundrecht der Persönlichkeitrespectirt, die Grundkräfte des individuellen Lebens geschont werden. Den Ungehorsamtödten, aber den Menschen beleben. Nicht selten setzt sich eine Widerspenstigkeit da fest,wo die Erziehung nach starren Regeln handelt und alle Individuen in einen und den-selben Model gießen will, und man weiß nicht, ob jene Widersetzung nicht das geringereUebel ist, verglichen mit der Nachgiebigkeit, bei welcher diePersönlichkeit untergeht, KeinMensch hat das Recht, einen andern zum willenlosen Werkzeug seiner Regierung zu machen,und es ist das System der Jesuiten ein des Menschenthums und Christenthums unwürdiges,,der Gesellschaft gefährliches System. Gefährlich, schädlich und lächerlich zugleich er-scheint aber der Anspruch eines Einzelnen, der seine individuelle Art zur Norm undUniform für die Zöglinge machen will, und man weiß, wie oftmals deren späteresLeben solcher, vielleicht gut gemeinter, aber schlecht verstandener Erziehungsmaximenspottet. Nur der gereinigte, von pedantischem Eigensinn bestelle Erzieherwille hat ewRecht über den Eigensinn des Zöglings; dieses Recht aber soll er dann auch mit Ent-schiedenheit ausüben und dem: „Ich will nicht" sein: „Du mußt, denn du sollst" ent-