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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Ungehorsam.

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Mu»g haben, und sklavische Unterwürfigkeit soll man in keiner Periode des mcnsch-Um Daseins verlangen; auch ist Gehorsam nicht Zweck, sondern Mittel der Erziehung.Mer laut Schrift und Erfahrung sucht der Einzelwille schon von den ersten JahrenM über den berechtigten Kreis seiner Betätigung hinaus sich auödehneu. So wird5-um Eigenwillen im Gegensatz zu den Lcbcnsordnungen, worin das IndividuumW bewegen soll, und zum Eigensinn, der auch das Unsinnige begehrt und durchzuschenM. Dem muß gesteuert werden. Betrachten wir daher zuerst die Ursachen undMcrungen des Ungehorsams, um sodann die Mittel seiner Bekämpfung oder Heilung«mideuten.

Ungehorsam entsteht entweder aus einer Stumpfheit des Gemüths oder aus einer gc-«üen Energie desselben.Jene, die Stumpfheit, drückt sich zunächst in dem WortklangB. Der Ungehorsame mag nicht hören. Das befehlende Wort geht nicht in ihn,ü, sinder sein Echo nicht, sondern sinkt unter im dumpfen Sinn und Willen, oder es

rmn einen Ohr ein, zum andern wieder hinaus. Jenes stumpfe Wesen kann Narur-«ckge sein oder unter Umständen mit kranker Disposition vorübergehend Zusammenhängen;N kann aber auch durch falsche Behandlung entstehen. Man findet Kinder, und dieseErfahrung machen unsere Rettuugsanstaltcn, die sind fast unempfänglich für das Wort,Mics sie etwas thun oder lassen heißt, entweder weil sie ihre ersten Jahre ohne allekräftigen Anreizungen des Bewußtseins hinvegetirt haben, oder weil sie unter vielfachenUisbandlungen hartschlägig und harthörig geworden sind. Hier erscheint der Unge-iersam eher als eine Unfähigkeit zu horchen, denn als eine Unwilligkeit zu gehorchen,md die Aufgabe des Erziehers ist zunächst, Sitz und Ursache des Uebels zu erkennen.8n solches Kind steht mit seinem Willen nicht eigentlich in Opposition gegen den er-zieherischen Willen, sondern jener ist gebunden, unentwickelt, noch nicht disponirt zuselbständiger Bethätigung Für oder Wider. Ganz anders stellt sich die Sache da,«ein persönlich erregter Eigenwille sich denr Willen des Erziehers gegenüber geltendmacht.Ich will eben nicht", so lautet hier die Kriegserklärung. Es gicbt ein Sich-Msbäuincn der Individualität gegen das berechtigtste Gebieten und Verbieten, einenZouverLmtätsdrang, der auf ein selbstherrliches Dastehen im Leben gerichtet ist, undtiefer Drang giebt sich manchmal schon frühe kund. Naturen, die auf ein kräftigesschaffen und Durchgreifen im späteren Leben angelegt sind, zeigen ihn ebenso wielmftige Bösewichter. Dort wird es der Kraft der Eigentümlichkeit schwer, sich zumentiren und einzuordncn, hier steht man vor dem Räthsel einer angeborenen Verschie-lung der moralischen Lebenselemente. Nicht Können bei Stumpfheit, nicht Wollenlei starker persönlicher Erregtheit sind indessen die selteneren Erscheinungen des Unge-horsams gegenüber von denjenigen, welche man am ehesten mit nicht Mögen bezeichnet.Hier wird der Einzelwille von Einflüssen der Sinnlichkeit und des äußern Lebens inAnspruch genommen und gelenkt. So ist die sinnliche Trägheit Hauptursache desMchllernemnögens; die Lüsternheit, das Vagabundireu, der Trieb zu spielen u. dgl.lasten das Gebot oder Verbot des Erziehers unkräftig, weniger ans positiv verkehrteinWillen, sondern weil das Nichtmögen es überhaupt nicht zu einem rechten Aufmerken undWollen kommen läßt. Wohl wird hiebei sporadischer Gehorsam geleistet, aber es fehltder zuständliche, die Folgsamkeit als Habitus. Jedoch am Ende kommt es auch nochdazu, daß das Nichtmögen sich in ein Nichtwollcn verwandelt, indem der täglich sichmieuernde Ungehorsam den Einzellvillen immer mehr in die Abhängigkeit von den Ein-flüssen der Sinnlichkeit führt und in die Knechtschaft der Sünde, insofern als Eigen-Alle und Eigensinn nicht Freiheit, sondern Gebundenheit durch unberechtigte Natur-^ralt», bedeuten. Ungehorsam kann auch zur epidemischen Krankheit werden, wennMheitsgefühl und Freiheitsstreben in einer Zeit mit besonderem Nachdruck sich geltendMchcn, ohne ihr Maß an der Ehrfurcht vor dem Heiligen und an dem Respect vorMsch und Ordnung zu haben. Es ist natürlich, daß wo die Schüler ihre Väter sich»>>t Geringschätzung, Hohn und Grimm über Staat und Kirche, Gesetze und ObrigkeitMassen hören, jene dann auch dem Lehrer gegenüber widerspenstig und empfindlichmdcn, daß sie Rügen und Strafen als ein ihnen angethanes Unrecht arischen, und soMe geheime, manchmal auch offene Rebellion in den Schulen entsteht. Im allgemeinenArd man sagen müßen: unsere Jugend ist jetzt weit heikler zu behandeln als noch vor«Augen Jahrzehnten, das vertrauensvolle Aufsehen zu den Lehrern vermindert, die