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Unart.
Unbeständigkeit.
Ungehorsam.
durch welchen ein Kind Unarten lernen könnte. — Als Gegenwirkung steht dem Eziehcr das Wort, das warnende und strafende, und, falls letzteres ein oder neemal fruchtlos war, die Züchtigung zu Gebot; Unarten erheischen ihrer bubcuhujeNatur gemäß die Ruthe und find nur durch diese gründlich zu curiren. Dagegen wirdie Vorhaltung von „Beispielen des Guten," also daß ich meinem Jungen >age: disieh, wie jener Knabe so artig ist, schwerlich jemals Eindruck machen; wir kenneExempel davon, daß bei solchen Vergleichungen der Getadelte entgegnet: ja, wenn ickjener wäre, daun wäre ich auch so brav, wie er; in den meisten Fällen aber wird dasVorbild von dem, dem es vorgehalten wird, vielleicht schon vorher, gerade wegen seinerArtigkeit, nach Knabenart geringgeschätzt und man darf einem Knaben nur einmaleinen andern zum Muster Vorhalten, so wird er leicht einen Widerwillen gegen diesenfassen. Wird dagegen durch die Verhütung einerseits und die Strafe andererseits dieAusübung von Unarten seltener, läßt man sie also schlechterdings nicht zu Angewohn-heiten werden, so fallen sie, vollends mit der zunehmenden Altersreifc von selber weg-eben weil sie reicht eine Wirkung des radicaleu Bösen sind. Fehlt cs doch nickt anBeispielen davon, daß aus Knaben, deren Unarten viel Verdruß bereiteten, die wackersteMänner geworden sind, denen auch im Umgang keine Spur von jener Ungeschlacht«mehr anhaftete. Der Erzieher darf deshalb seinem Zögling die Unarten zwar nichtNachsehen, aber doch sie nicht allzuschwcr zu Herzen nehmen, als ob sie an sich schonSchlimmes für die Zukunft bedeuteten. Doch werden in der Praxis derjenige:Eltern, die dieses Trostes bedürfen, weniger sein, als deren, die die Unarten ihmKinder zu leicht nehmen und dadurch gerade dieselben zu wirklichen sittlichen Scheid«machen.
Unbeständigkeit. Daß die Unbeständigkeit etwas der Jugend natürliches s«wird keinerlei Widerspruch finden; denn Beständigkeit ist eine Errungenschaft, welMeben nur durch die Erhebung über die natürliche Unfreiheit, also durch Erziehung undBildung erlangt wird. Daraus ergiebt sich die Aufgabe des Pädagogen. Er mußerstlich früh anfangen, nach der goldenen Regel: xrillcixiis obstn. Und sodann wirder den Einwirkungen der verführerischen, zum Genuß des Wechsels einladenden AußeWelt eine stufenweise geregelte Anleitung zur Selbstthätigkeit, eine weise Nöthigmzum Ausharren an die Seite setzen und mit liebevollem Eingehen auf das zeitlichBedürfnis der Erholung und des Spiels zugleich eine gemächliche Festigung erzielenDaß ein nervöses, sanguinisches Kind anfangs mehr Mühe macht, als einreihigesphlegmatisches, ist sehr wahrscheinlich, aber der Lohn ist dem Einsatz proportionirtzsJene primitive Unbeständigkeit ist an sich noch keine Untugend: mechanischen Fleiß inlangen Arbeitszeiten, still und unbeweglich aufmerksames Zuhören bei stundenlangenPredigten soll man nicht zu früh fordern, und so leicht es sein mag, die Liebe sich zuerwerben, welche die junge Seele so gerne verschenkt, so wenig darf man Treue Mlangen vor der Zeit: wo sonst alles richtig ist, kommt sie von selber. Also noch ein-mal, nicht von Haus aus, erst in ihrem Fortgang und ihren Wucherungen führt dieUnbeständigkeit zu den speciellen Fehlern der Flatterhaftigkeit, Zerstreutheit, Langweilen^Launenhaftigkeit, des Leichtsinns u. s. w., deren Symptome, Prognose und Therapisman bei den bezüglichen Artikeln (unter Hinzunahme der Art. Charakter und Festigkeit!Nachlesen mag. . H
Wir haben übrigens nicht bloß mit der kindischen Unbeständigkeit zu thun. Reichan die mancherlei Organisationen und Schulpläne, welche durch die Vielheit diöparatenLehrstoffs ein rechtes Arbeitcnlernen hindern und die Unbeständigkeit begünstigen, dürftewohl auch erinnert werden. Aber sehen wir an dieser Stelle davon ab: schlagen >mvielmehr zum Schluß an unsere eigene Brust und prüfen uns recht, ob wir überallselber beständig und fest sind; rechter Fleiß und rechte Treue und Beständigkeit in derLiebe wirken in der That ansteckend, gerade wie ein fester Glaube. H
Ungehorsam — ist Widersetzung des Eigenwillens gegen einen zum BefchleDberechtigten andern Willen; pädagogisch genommen also Widersetzung dss Abgangsgegen die Gebote des Erziehers; das Ich deS erstem macht sich dabei ans eine Leist»geltend, welche um der Ordnung willen und um sein selbst willen nicht geduldet werdendarf. Daß das Ich überhaupt sich geltend macht, ist natürlich und nothwcndlg, dennjedes menschliche Einzellcben muß einen Kreis von Freiheit zur Bewegung und