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2 (1879) Lob - Zuneigung
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1067
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Unart.

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Mchthiu ethische, sondern das ethisch-ästhetische Urtheil, dem die Unart unterliegt. SieÄ tarum nicht nothwendig etwas in sich selbst böses; aber allerdings kann auch dasMich Böse sich in Form der Unart offenbaren, dann nämlich, wenn cs die anständige,Mgcfallige Form des Gcmeinlebens durchbricht, die Sitte stört. Deswegen faßtWer sie vorzugsweise als Unordnung auf, durch welche die Erwachsenen belästigtimdcii. In jedem Kinde erzeugen die sich regenden Kräfte eine beständige Unruhe;Mt nach objectivcn Gründen sich zu richten, ist es fortwährend den subjectiven Auf-Nllimgen seines Gedankenkreises, wie sie der Moment ihm eingiebt, preisgegebcn. EsUri daher in jedem Augenblick unmittelbar das handelnd aus, was ihm in den Sinnleimt. Hiedurch verursacht es Störungen, weil die Ueberlegung mangelt oder un-Mständig ist, ob das im Augenblick Begehrte zur gesellschaftlichen Ordnung paßt odermcht, und solche Störungen treten um so gewißer ein, da der Knabe ursprünglich garM durch die Nähe der Erwachsenen sich zurückschrccken läßt; denn er kennt noch keineZchm vor den Erwachsenen, obgleich sie ihn an Macht weit überragen; er tritt nicht gleicht«ii Jüngling, der den Tadel und die Ucbcrlegenheit der Erwachsenen scheuen gelerntW furchtsam und schüchtern, sondern kühn und frei in ihre Kreise und nimmt, wenna dazu aufgelegt ist, in ihrer Mitte vor, was ihm beliebt" (Ziller, a. a. O. S. 12).Hin ist ganz richtig die Erklärung und gewißermaßen die Entschuldigung der UnartHalten. Der Knabe will zunächst nicht absichtlich die Leute ärgern oder etwas zer-tuchen, er denkt nur gar nicht an diese Wirkung seines Thuns, und so ist vorerstikm nur diese Gedankenlosigkeit und das Ungestüm seines Drcinfahrens sein Fehler.Mer schlimmer wird die Sache schon, wenn er, nachdem er diese Wirkung seinesshlmS erfahren hat, auch dann dagegen unbekümmert bleibt, und bei nächster Gelegen-st ebensowenig Rücksicht nimmt, sich ebensowenig Gewalt anthut. In diesen: Fallsetzt sich in der Unart schon der Eigenwille fest, den es gerade reizt, das zu thun,ras stört und ärgert; die Unart ist dann zum Ungehorsam geworden. Ziller hat auchdarin Recht, wenn er (S. 13) sagt:Unter den Begehrungen wird sich mit der Zeitein Wille erheben; wenn das Kind nicht vorher in seine Schranken zurückgewiesen«den ist, so entsteht die Gefahr, daß sein Wille eine mit böser Absicht verbundene,«dergesellige Richtung annimmt, es tritt an manchen Puncten seines Innern schonstühzeitig zwar kein echter, aber doch ein scheinbar fester Wille hervor in der GestaltdkS Muthwillens und Uebermuths, der aus Unvernunft, aber mit Vorbedacht in diegezogenen Kreise hineinbricht . . . Manches Kind setzt sogar eine Art von Stolzdarein, recht unartig sein zu können;" oder, fügen wir hinzu, macht doch die Rüge:da bist sehr unartig, nicht den mindesten Scham und Reue erweckenden Eindruck.N»e Liste der Kindcrunarten aufzustellen ist unmöglich, weil einerseits die unvernünf-tigen Begehrungen unendlich mannigfach sein, und andrerseits auch die vielerlei Lcbens-erdmmgen, in deren Störung eben das Unartigsein besteht, nicht registrirt werdeni'men. Giebt es doch Kinder, an denen nahezu alles, was sie thun, Unart ist.Nensowenig aber können wir die Kindcrunarten als eine Species der allgemeinenEattung Unart betrachten, so daß sich davon die Unart der Erwachsenen als andereSpecies unterschiede; denn alle Unart, auch an alten Leuten, ist etwas bubcnhaftes, das»>>r darum fürs ganze Leben sich festgesetzt hat, weil es entweder in der Jugend an Zuchtden Seiten der Erzieher oder im reiferen Alter an allein Willen gefehlt hat, sich selbst>» Zucht zu nehmen.

Mithin kommt es gar sehr darauf an, ob und wie der Unart in jungen Jahreni» steuern ist. Das ewige Klagen: wie bist du so unartig! ist rein wirkungslos; da-!M wird, um Schleiermachersche Terminologie zu gebrauchen, sowohl das ver-hütende als das gegenwirkende Verfahren, gleichmäßig und consequent angewendet, denZtreck mit demjenigen Grade von Sicherheit erreichen, bis zn welchem überhaupt dermselg erzieherischer Thätigkeit bestimmt werden kann. Wenn die Unart ihre ersteQuelle in der natürlichen Unruhe des Kindes hat, so ist das natürliche Präservativstk Passende Beschäftigung. Ziller hat (a. a. O. S. 26) nur ausgesprochen, was vonsthkr jede vernünftige Mutter als nothwendig erkannt hat: weil unzählige Unartenk»U und allein aus Langerweile hervorgehen, also aus Mangel an Beschäftigung, soMs mit dieser die leere Zeit ausgefüllt werden. Vgl. d. Art. Langeweile und Be-Wigung. Zur Verhütung ist weiter das Meiden solchen Umganges zu rechnen,