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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Unachtsamkeit.

Unart.

Achtsamkeit, die innere Sammlung, die Concentration seiner Gedanken auf das Notl,^wendige, Passende und Fassende, läßt er sich gehen, ohne sich von dem Bedürfnis derKinder leiten zu lassen, wird er zu hoch oder weitschweifig oder verworren und unklarin seinem Unterricht, so darf er sich nicht wundern, wenn die anfängliche Spannun,der Kinder bald nachläßt und ein gewißes Gefühl des Unbehagens, der getäuschtenErwartung über dieselben kommt. Mit Wehren, Schelten, Schlagen ist da wem»ausgerichtet. Damit kann man höchstens Furcht, Schrecken und äußere Gesetzlichkeiterzeugen; aber das innere Achten auf das, was gesagt wird, läßt sich nicht erzwingen.Zum Wesen des Geistes gehört nun einmal Freiheit. Der Sinn und Geschmack fürgeistige Nahrung will gereizt sein und daö geschieht, wenn der Lehrer in das wirklicheBedürfnis der Jugend nach Wesen und Form eingeht. Das eigentlich königliche.Mittel gegen die jugendliche Unachtsamkeit ist also ein tüchtiger, fassenderundfaßlicher Unterricht. Daß ein solcher nicht aus dem Aermel geschüttelt wird'daß er ernste Vorbereitung vorausseht, ist klar. Daneben möchten wir rathenGe-duld. Man hat cs dem in Rede stehenden Fehler gegenüber nicht sowohl mit bösemWillen, als mit Schwachheit zu thun. Wir fehlen oft darin, daß wir dem Kindeden Grad von Stärke in Regierung seiner Gedanken zutrauen, den wir selbst besitzen-;Das heißt dem Kinde zumuthen, Mann zu sein. Unachtsamkeit ist ein Mangel an*Kraft und Ucbung, die Gedanken zusammenzuhalten. Schwachheit fordert zunächstnicht Strafe, sondern Hülfe. Diese Hülfe sehen wir neben der oben bezeichnten Ari-des Unterrichts einmal in einer beständigen Ueberwachung der Kinder durchden Lehrer. Seine Augen müßen auch während des Unterrichts immer über die Kinderhingleitcn; keine Bewegung, keine Miene darf ihm entgehen (vgl. den ArtikelAuf-merksamkeit," der sich natürlich von wegen der Zwillingsschwesterschaft mit dem unfernmehrfach berührt und manches dort bemerkte hier entbehrlich macht). Dabei müßendes Lehrers Augen immer den auf ihn gerichteten Augen der Kinder begegnen. EinKlopfen mit dem Finger, einHans oder Kunz! Wo bist du?" oderAchtung!" ruftleicht einen einzelnen achtlosen Schüler zur Ordnung. Fruchtet das nicht, so.lasseman den Betreffenden in seinem Platze auf-, im Nothfall herausstehen, behalte ihnauch wohl zur Strafe eine Zeit lang in der Schule zurück mit entsprechender Beschäf-tigung, freilich nicht zu lOOmaligem Abschreiben der Wahrheit:In der Schule schwatztman nicht." (Neuere Thatsache!) Mit diesen wenigen Mitteln, rechtzeitig und beharLlich angewcudet, dürfte ein tüchtiger Lehrer der gewöhnlichen Unachtsamkeit der Kindergegenüber auskommen. Es muß mit einem unachtsamen Schüler sehr weit gekommen

sein oder muß etwas in der Art des Lehrers fehlen, wenn zu härtern Mitteln mußte

gegriffen werden. In Fällen, wo der Unachtsamkeit eine krankhafte Verstimmung zuGrunde liegt, ist schonendes Einsehen doppelt nothwendig; wo irgend eine Sünde denjungen Geist erschlafft oder bannt, da ist liebende Seelsorge, ein Gespräch unter vierAugen und besondere Aufmerksamkeit angezeigt. Mit rechter Achtsamkeit der Schülerist viel gewonnen; sie werden dann auch Acht haben auf die mit ihnen getriebeneSache und so mehr und mehr in die Erkenntnisse und Fertigkeiten eingeführt werden,welche eine tüchtige Schulbildung verlangt. Daß der rechte Lehrer ebenso auf das lHerzensleben seiner Kinder Acht zu geben und diese auch zur Achtsamkeit in Beziehungauf ihr Gewissen zu ziehen habe, ist selbstverständlich, da sich der Mensch nun einmalnicht nach Kopf und Herz trennen läßt.

Unart, Unarten. In dem Artikel Laster ist die Scala des Bösen ausgestellt

worden, deren oberste Stufe eben das Laster ist. Für die Unart fanden wir dort keinen f

Platz, denn sie repräsentirt nicht eine jener Stufen, so daß man sie an bestimmterStelle einreihen könnte; sie ist eine Kategorie für sich, die mehr der Pädagogik alsder Ethik anheimfällt, daher wir in den Lehrbüchern der Moral die Unart nur >eltckbesprochen finden. Unter den Pädagogen gebührt Beneke (Erz. und Unt. L. I- - 2 .319 f. 395 f.) und Ziller (die Regierung der Kinder, S. 11 ff.) das Verdienst, di«nGegenstand auf psychologischer Grundlage ins Auge gefaßt und die richtigen padeigo-gischen Sätze darüber aufgestellt zu haben. Der Unartige ist der Gegensatz des ArtigemArtig aber ist, was eine Art, d. h. eine Form hat, was für die Anschauung wohlgpfällig ist, was also den moralischen Schönheitssinn nicht verletzt, oder was den Mstau,das ruhige, geordnete Zusammenleben verwirklichen hilft. Es ist also mcht ca -